Well done

 

Ach ja - fremde, nichtmenschliche Intelligenzen…

Die Erzählungen und Filme, in denen Außerirdische auf der Erde landen, um wehrlosen Erdenmenschen schlimme Dinge anzutun, sind Legion.

Wie das so meine Art ist, fragte ich mich eines Tages, ob es nicht auch ganz anders laufen könnte…

 

 

Ich habe auch immer an UFOs geglaubt. Ich weiß nicht, warum, aber ich war schon immer davon überzeugt, dass es sie gibt – die Scheiben am Himmel. Die fliegenden Untertassen. Die Aliens.

Ich habe keine Religion daraus gemacht, das nicht. Ich habe nicht erwartet, dass sie eines Tages kommen und uns von Krieg, Not und Hunger befreien; auch nicht, dass sie uns mitnehmen in eine bessere Welt.

Aber dass sie eines Tages kommen würden – ja, das habe ich schon geglaubt.

Und so war es dann ja auch.

Als Neunjähriger habe ich alles gesammelt, jeden winzigen Zeitungsartikel über Lichter am Himmel, fliegende Scheiben, Brandspuren auf Feldern… Die Fotos waren oft so erbärmlich. Die meisten sahen schon verdammt aus wie Fälschungen. Aber trotzdem…

Zum dreizehnten Geburtstag habe ich ein Fernglas bekommen, ein nachttaugliches. Von da an bin ich jeden Abend losgezogen, um nach UFOs Ausschau zu halten. In den Augen der anderen war ich damit natürlich erledigt. Sie haben mich nie gefragt, ob ich irgendwohin mitgehe, ins Kino, zum Tanzen, in die Kneipe. Ich wäre auch nicht mitgegangen. Ich hätte viel zu viel Angst gehabt, die Landung der Fremden zu verpassen.

Aber sie sind nie gelandet. Egal wo ich hingegangen bin, egal wie lange ich gewartet habe oder wie inbrünstig die Gedanken waren, die ich hinaus ins All geschickt habe – sie haben sich nicht blicken lassen.

An der Uni habe ich Linguistik belegt, zur Überraschung meiner Familie, denn was Fremdsprachen anbelangt, war ich nie eine Leuchte. Aber ich wollte, wenn es so weit war, im Stande sein, zur Verständigung mit ihnen beizutragen. Das habe ich natürlich nie jemandem verraten. Ich war vielleicht plemplem, aber nicht total bescheuert.

Wir Linguisten mussten auch ein paar Vorlesungen in Statistik besuchen, und zur ersten Stunde brachte der Professor diesen Zeitungsartikel mit, wonach sich in der Nähe einer bestimmten Stadt in New Mexico zweimal im Jahr die Meldungen über UFO-Sichtungen häufen.

Die simple Erklärung, dass sich dort tatsächlich zweimal pro Jahr UFOs blicken lassen, durfte natürlich nicht einmal in Erwägung gezogen werden. Also brauchte er die ganze Stunde, um mit irgendwelchen Lehrsätzen und Formeln, die ich mir nicht gemerkt habe, zu beweisen, dass es eine »statistische Anomalie« war. Gemerkt habe ich mir nur den Namen der Stadt.

Bei nächster Gelegenheit verkaufte ich mein Auto und flog hin. Ich war vorsichtig, blieb in Deckung. Die Leute, die von den UFOs wussten, bildeten eine kleine, verschworene Gemeinschaft, und anders als andere waren sie nicht darauf aus, den Rest der Welt zu bekehren. Im Gegenteil, sie blieben lieber unter sich. Einmal riskierte ich es, einen von ihnen anzurufen und ihn geradeheraus nach den Aliens zu fragen, aber er nannte mich nur einen Idioten und legte auf.

Aber da kamen mir die ganzen Statistik-Vorlesungen doch noch zugute. Mustererkennung. Data-Mining. Relevanz, Varianz, Stochastik. Ich besorgte mir die Daten der UFO-Sichtungen, verglich, rechnete und suchte und kam schließlich darauf, dass drei Wochen vor jedem Kontakt im Lokalblatt zwei Anzeigen örtlicher Unternehmen auftauchen. Der größte Arbeitgeber am Ort, ein Hersteller von Stahl-Halbfertigzeugen, schreibt zeitlich befristete Jobs in seinem Walzwerk aus, und »Joe’s Steak House« kündigt »Gourmet-Wochen« an. Sowohl Jobs als auch »Gourmet-Wochen« beginnen am gleichen Tag, und das seit fünfzehn Jahren. Und dieser Tag fällt statistisch signifikant stets zusammen mit dem Peak der UFO-Meldungen.

Also abonnierte ich die Lokalzeitung, und das nächste Mal war ich auch vor Ort.

Sie entdeckten mich, ehe es so weit war, und ich erinnere mich, dass sie nicht einmal besonders überrascht wirkten. Sie hatten Waffen in den Händen und sahen so aus, als könnten sie auch damit umgehen. Ich hob die Hände und erklärte hastig, dass ich nichts weiter wolle als dabei zu sein, wenn die Aliens landeten. Ich sprudelte meine ganze Lebensgeschichte heraus. Ich war so weit weg von zu Hause, es war mir egal, wenn ich mich blamierte. Hauptsache, ich würde die Aliens sehen…!

Sie lachten mich nicht aus. Stattdessen fesselten sie mich auf einen Stuhl, den sie an einem Pfosten festbanden, und machten damit weiter, ihre Wagen auszuladen. Sie stellten ein großes Zelt auf, Tische und Stühle und Riesengrills, die ganze typisch amerikanische Materialschlacht eben, mitsamt Kühlschränken und Spülbecken.

Es war offensichtlich, dass sie sich auf eine lange Nacht einrichteten.

Schließlich kam einer zu mir und fragte, wer alles wisse, dass ich hier sei, und ich war so leichtsinnig, zuzugeben: »Niemand.«

»Bist du ein Journalist oder so was?«

»Nein.«

Zu meiner Verblüffung lächelte der Mann. Dann stapfte er davon, zückte sein Telefon und beriet sich mit mindestens einem Dutzend Gesprächspartnern, immer am Rand des Lagerfeuers auf und ab gehend.

Schließlich kamen sie zu dritt zu mir und meinten: »Du kannst bleiben. Aber du wirst ein Geheimnis bewahren müssen.«

Ich schwor, dass ich das könne und werde, so wahr mir Gott helfe, aber sie banden mich nicht los. Sie sagten nur, es müsse sein, und später würde ich es verstehen.

Gegen Mitternacht schalteten sie die Signalscheinwerfer ein. Rote, blaue und gelbe Lichtbahnen stiegen in die Nacht auf, die von sommerlichem Zirpen erfüllt war. Die Männer am Grill schürten noch einmal die Glut, bis sie hellrosa leuchtete, dann legten sie die Schürhaken beiseite und gesellten sich zu den anderen.

Es wurde still.

»Woher wisst ihr eigentlich, dass sie kommen?«, fragte ich einen von ihnen leise.

Er deutete auf einen grauhaarigen, breitschultrigen Mann, der so etwas wie der Mittelpunkt der Gruppe war. »Das ist Jim. Er war mal bei der Air Force, hat so ein Ding abgeschossen. Später hat er in der Nähe der Stelle, wo es runter ist, eins von ihren Funkgeräten gefunden.« Er rieb sich den Hals. »Damit locken wir sie an.«

Ich erinnere mich, dass ich diese Formulierung merkwürdig fand, aber ich schob es auf meine begrenzten Englischkenntnisse und fragte: »Und dann kommen sie?«

»Ja.«

»Und was wollen sie?«

»Das wissen wir nicht.«

»Aber wieso nicht? Wenn sie landen… und Kontakt aufnehmen…?« Endlich konnte ich die Frage stellen, die mich beschäftigte, seit ich der Sache auf der Spur war: »Wieso hat die Welt nie etwas davon erfahren?«

Er erklärte es mir. Und als ich dann schrie, hatte er den Knebel schon griffbereit.

 

Sie hatten mich nämlich aus demselben Grund an den Stuhl gefesselt, aus dem Sie, mein lieber Freund, hier sitzen. Auch Sie werden warten müssen, bis das Raumschiff der Fremden gelandet ist und die Besucher aus dem All zum Vorschein kommen. Meistens sind es zwei, aber wenn wir Glück haben, auch drei oder vier. Sie sehen seltsam aus, aber sie sind… Wie soll ich sagen? Freundlich? Arglos? Gefesselt und geknebelt werden Sie mit ansehen müssen, wie wir ihnen entgegentreten. Wie wir sie lächelnd in unsere Mitte bitten.

Und wie einige von uns… na ja, wie sie tun, was eben getan werden muss. Eine schöne Sache ist es nicht. Erschrecken Sie übrigens nicht, das Blut der Fremden ist gelb; es sieht fast aus wie Eiter. Aber es ist keiner. Man kann es problemlos abwaschen.

Sobald dann die ersten Stücke gebraten sind, gegrillt über den Holzkohlefeuern dort drüben, werden wir Ihnen den ersten Bissen mit Gewalt in den Mund schieben. Ein paar von den Jungs haben, was das anbelangt, sehr wirkungsvolle Griffe drauf.

Und dann, mein lieber, glücklicher Freund, wird es Ihnen genauso ergehen, wie es jedem Einzelnen von uns hier ergangen ist: Sie werden kauen, Sie werden schlucken, und Sie werden verstehen.

Denn nichts, was Sie je im Leben gegessen haben, wird sich messen können mit diesem gegrillten Stück Fleisch. Nichts, was unser erbärmlicher Planet hervorbringt, kann es mit diesem unwiderstehlichen, diesem göttlichen Aroma aufnehmen, diesem wahrhaft überirdischen Geschmack, diesem… diesem… Ah! Ich versuche immer wieder, es in Worte zu fassen, aber es gibt einfach Dinge, die kann man nicht erklären. Sie werden sehen.

Nach ein, zwei Bissen werden wir Sie losbinden. Sie können später helfen, das Raumschiff in handliche Stücke zu schneiden. Die schmelzen wir im Stahlwerk vollends ein, damit keine Spur zurückbleibt und niemand herausfindet, wo die Fremden abgeblieben sind. Das nächste Mal zeigt Jim Ihnen dann, wie man sie richtig ausnimmt und zerlegt.