YVONNE DE BARK Körpersprache einfach nutzen Eine Schauspielerin verrät die besten Tricks für Alltag, Flirt und Job Geleitwort Nahezu jede Situation, in der zwei Menschen miteinander kommunizieren, wird von der Körpersprache – sprich: Sitzhaltung, Hände, Augen, Mimik usw. – beeinflusst. Intuitiv holen wir uns genau bei diesen Wirkpunkten die Gewissheit, ob wir unserem Gegenüber trauen können oder eben nicht. Und das ist in allen Lebenssituationen wichtig: Beim Flirten, bei der Jobsuche oder beim Gespräch auf dem Amt. Da ich eher mit der wissenschaftlichen Literatur zum Thema vertraut bin, war ich skeptisch, als Yvonne de Bark mit ihrem Buch ausgerechnet zu mir kam. Bei der Lektüre bin ich zugegeben misstrauisch ans Werk gegangen und war umso erstaunter, als ich feststellte, dass ich das Manuskript in einem Zug durchgelesen hatte. Yvonne de Bark hat etwas Außergewöhnliches und aus meiner Sicht bisher Einmaliges geschafft: Die perfekte Verknüpfung von wissenschaftlich basiertem Hintergrundwissen mit dem Alltag der Menschen. Das Ganze interessant und mit reichlich erlebten Anekdoten illustriert und verdeutlicht. Gepaart mit den Videotipps (Wow!) der zweifachen Mutter, erfahrenen Autorin und Schauspielerin erhalten Sie als Leser ein komplettes Werk, das Ihnen direkt Vorteile in allen erdenklichen Lebenssituationen schenkt. Sie werden es beim Lesen und Studieren merken! De Bark hat einen ausgezeichneten Blick auf diesen Fachbereich. Als Schauspielerin hat sie an den besten Schulen (u.a. Los Angeles) gelernt, ihre Körpersprache zu nutzen, um eine bestimmte Wirkung zu erreichen. Als Mutter hat sie im Umgang mit ihren Kindern gelernt, dass ausschließlich Aufrichtigkeit und Authentizität in der Erziehung etwas nützen. Als Autorin hat sie gelernt, wie man wissenschaftliche Informationen und Expertenwissen so verarbeitet, dass auch der normale Interessierte Spaß an diesem umfangreichen Thema bekommt. Fazit: Sie haben Glück. Aus meiner Sicht. Sie halten den derzeit besten Ratgeber zum Thema „Körpersprache“ in Ihren Händen. Ich werde diese Buch/DVD-Kombination auf jeden Fall bei jedem meiner Trainings auslegen und uneingeschränkt meinen Seminarteilnehmer/innen empfehlen. Ihnen wünsche ich viel Spaß beim Lesen und Lernen. Michael Ehlers Rhetoriktrainer Inhaber „Institut Michael Ehlers GmbH“, Bamberg u.a. SGMI Management Institut St. Gallen Vorwort Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie ein weiteres hochwissenschaftliches Buch erwarten, das sich in die lange Reihe der Ratgeber „Körpersprache heute“, „Das 1x1 der Körpersprache“ oder „Wie Ihr Körper zu Ihnen spricht“ einreiht, dann müssen Sie jetzt stark sein: Ich bin keine Wissenschaftlerin. Ich bin eher so etwas wie … ein Mensch. Ein Mensch, der mit seinem Körper und seiner Stimme Geld verdient – weniger mit dem, was er sagt (je nach Sender und Sendezeit): Ich bin Schauspielerin. Ich bin es gewohnt, meinen Körper und Geist zu synchronisieren und Gefühle entstehen zu lassen, damit der Zuschauer sich aus dem Alltag in eine entspannte Traumwelt fallen lassen kann. Dazu muss ich wissen, woher ich die erforderlichen Gefühle nehme, wie ich sie umsetze und wie ich dies in meiner Rolle mit den mir zu Verfügung stehenden Mitteln realisieren kann. Im Laufe meiner Jahre als Schauspielerin habe ich viele verschiedene Rollen ausgefüllt. Ich war die Zicke, die hinterhältige Mörderin, die Verdächtige, der männerfressende Vamp oder die Krankenschwester mit dem großen Herzen. Jede Figur besitzt eine andere Körpersprache, und jede Situation erfordert einen anderen körperlichen Ausdruck. Es ist wunderbar zu sehen, wie vielschichtig Emotionen transportiert werden können, und zu erkennen, wie das, was man sagt, durch den Einsatz von Körpersprache in verschiedene Richtungen gelenkt werden kann. Das Wissen, wie man Körpersprache lesen und leben kann, ist im Umgang mit anderen Menschen wie eine Schatzkiste. Den Schlüssel dazu halten Sie gerade in Ihrer Hand. Ihre Yvonne de Bark Die Welt ist eine Bühne Warum war und ist Körpersprache so ein wichtiger Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation? Weshalb spricht mein Körper überhaupt? Warum ist es sinnvoll, sich mit Körpersprache zu beschäftigen? Emotionale Kommunikation funktioniert über Körpersprache Eine gern zitierte Studie des amerikanischen Psychologen Albert Mehrabian besagt, dass 93 Prozent dessen, was von einem Vortrag auf uns wirkt und bei uns hängen bleibt, der Körpersprache (55 Prozent) und der Stimme (38 Prozent) geschuldet ist. Nur mickrige 7 Prozent sollen demnach auf den Inhalt fallen, also auf das, was wir sagen. Allerdings bezog sich Mehrabians Studie darauf, welchem Kommunikationskanal wir bei emotionalen Äußerungen wie „Ich mag dich“ eher Glauben schenken, und zwar insbesondere dann, wenn sich verbaler und nonverbaler Ausdruck widersprechen. In diesen Fällen glauben wir vorrangig der Mimik, dann der Stimme und als letztes den Worten. Handelt es sich also um emotional aufgeladene Belange, dann greift die 55-38-7-Regel von Professor Mehrabian, weil wir nonverbalen Informationen stärker vertrauen als einer verbalen Äußerung. Ein „Ich liebe dich“ ohne Lächeln, stattdessen mit heruntergezogenen Mundwinkeln und hängenden Schultern vor die Füße geworfen, wird bei dem Empfänger dieser „Liebeserklärung“ sicher keine allzu positive Reaktion hervorrufen. Und ein langgezogenes „Jaaa“ als Antwort auf den Heiratsantrag, begleitet von unsicherem Biss auf die Unterlippe und Herumnesteln an der Kleidung, zieht eher eine Grundsatzdiskussion nach sich als das zeitnahe Bestellen des Aufgebots. Bei einer Präsentation aber ist es tatsächlich wichtig, was der Redner sagt. Ohne Inhalt kommen wir nicht von hier bis zur nächsten Straßenecke. Versuchen Sie mal, jemandem allein mithilfe der Stimme und Körpersprache den Weg zu erklären, oder tanzen Sie Ihrem Kunden doch mal den Verbrauch des Pkw vor. Faule Referenten haben also keine Ausrede, sich davor zu drücken, fundierte Inhalte vorzubereiten. Bei Vorträgen reicht es nun mal nicht, präsent vor den Zuhörern zu stehen und ein bisschen auf Flipcharts zu zeigen. Man muss schon was sagen. Es gibt allerdings nonverbale Tricks, wie man hervorragend den Anschein erregen kann, zu wissen, was man tut. Mit ein paar körpersprachlichen Signalen können Sie einen ordentlichen, kompetenten Eindruck vermitteln und sich selbst sicherer fühlen. Sie können Ihren Körper wunderbar einsetzen, um das Gesagte zu unterstreichen, ihm Gewicht zu verleihen und Vertrauen in die Fakten zu vermitteln. Das gilt für sachbezogene Vorträge, Präsentationen und fachliche Gespräche. In emotionalen Angelegenheiten wird es schon schwieriger. Da kommt es sehr viel mehr auf Körpersprache und Stimme an. Männer, die die berühmten drei Worte der Liebesbezeugung nicht über die Lippen bringen, haben gute Chancen, dass ein tiefer, zuneigungsgeschwängerter Blick in die Augen der Angebeteten sie davor bewahrt, dieses verbale Zugeständnis machen zu müssen. Doch manchen Frauen entfleucht in diesem romantischen Moment säuselnd, aber unmissverständlich auffordernd: „Sag es.“ Gibt der Romantiker widerwillig nach, entscheidet der Rezipient (in diesem Fall also die Frau) allein, welcher der unterschiedlichen Kommunikationskanäle – von Körpersprache bis Schriftform – für sie bedeutsam ist. Die eine ist empfänglicher für Signale körperlicher Art (das Lächeln des Gestehenden), die andere schmilzt bei sanften Stimmen dahin (je zärtlicher die Botschaft gehaucht wird, desto tiefer trifft sie ins Herz) und wieder andere brauchen alles schriftlich, bevor sie eine emotionale Reaktion zeigen können (das nennt man „Ehevertrag“). Beeinflusst der Geist die Körpersprache oder umgekehrt? Ist zuerst der Gedanke da und folgt dann die Bewegung? Oder können wir durch eine Bewegung den Geist beeinflussen? In einem Versuch mussten die Teilnehmer mimisch ein Lachen „produzieren“, indem sie sich einen Bleistift zwischen die Zähne steckten. Danach fanden sie Comics viel komischer als die Teilnehmer, die den Stift nur mit den Lippen halten durften. Wer lacht, hat also nicht nur eine positive Ausstrahlung auf seine Umgebung, sondern auch die Chance, glücklicher und fröhlicher zu sein als jemand, der mit traurigem Gesicht durch die Gegend schleicht. Verziehen Sie also, sooft Sie daran denken, den Mund zu einem Grinsen, statt die Mundwinkel hängen zu lassen. Lassen Sie den Bleistift aber lieber weg, denn damit läuft einem nach einigen Sekunden der Speichel aus dem Mund, das sieht immer so befremdlich aus. Wir können mit unserer Körperhaltung auch unser Selbstbewusstsein temporär aufmotzen. Das ist für Vorstellungsgespräche oder Präsentationen gar nicht so schlecht. Dazu später mehr. Umgekehrt ist es wichtig zu verstehen, wie der eigene Körper funktioniert, wie er mit bestimmten Einflüssen umgeht. Wenn wir etwas fühlen und empfinden, reagiert unser Körper. Das ist ziemlich gut so, denn so können wir zum Beispiel bei Gefahr effektiv handeln (abhauen) oder bei signalisierter Paarungsbereitschaft entsprechende Signale senden. Es ist ein Wechselspiel zwischen Geist und Körper. Beides kann sich gegenseitig beeinflussen. Sie werden bald eine ganze Menge darüber wissen, wie der Körper spricht und was er damit sagen will. Das Entscheidende bei der Interpretation ist, dass die verschiedenen Signale immer im Kontext gesehen werden müssen. In welcher Situation befindet sich die Person? Wie wirken alle Signale im Zusammenspiel? Körpersprache deuten kann man üben Wir alle sind Schauspieler, und das Leben ist unsere Bühne. Jeder, dem wir begegnen, hat seine Rolle in unserem Stück. Jeden Tag kommen neue hinzu. So wird unser Leben immer ein Stück bunter. Und jeder, dem wir begegnen, hat Einfluss auf uns, ob wir es wollen oder nicht. Der Mann im Auto hinter uns, der hupend an unserer Stoßstange klebt, füllt seine Rolle als drängelnder Verkehrsrüpel sehr gut aus. Die immer fröhliche Verkäuferin beim Bäcker lebt ihre Rolle als Tratsch-Ursel des ganzen Dorfes. Die Menschen um uns herum machen unser Leben bunter und bevölkern unsere Bühne. Je länger wir mit unseren Spielpartnern zusammenarbeiten, desto besser können wir sie „lesen“. Aber oft betreten wir Bühnen, die wir nicht kennen und wir wissen nicht, welche Hintergrundinformationen die anderen Rollen haben. Wir sehen nur das, was sie uns zu zeigen bereit sind. Vielleicht hatte der Verkehrsrüpel Stress mit seiner Frau, weil er nicht rechtzeitig zum Hochzeitstag nach Hause gekommen ist. Vielleicht ist die nette Verkäuferin verliebt und hat deshalb ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Wir wissen es nicht. Wenn wir Hintergrundinformationen über unsere Mitmenschen erhalten wollen, müssen wir genau hinsehen. Sie geben uns immer wieder unbewusst Signale, wie sie sich fühlen und was sie bewegt. Körpersprache kann uns darüber Aufschluss geben, ob jemand nervös ist oder mit dem, was wir sagen, nicht einverstanden ist. Wir können Hinweise erhalten, ob sich jemand in unserer Gegenwart wohl fühlt oder lieber das Weite suchen möchte. Mit ein wenig Übung entwickeln Sie ein Gespür dafür, ob Ihr Gegenüber Ihnen wohlgesonnen ist oder nicht. In Kenntnis Ihrer eigenen Körpersprache können Sie darauf reagieren und sich entsprechend verhalten. Geht jemand mit Ihnen in Konfrontation, können Sie ihm den Wind aus den Segeln nehmen. Beim Flirt erkennen Sie, ob Sie auf Interesse stoßen oder ob die Person sich vielleicht mehr für Ihren Tischnachbarn interessiert. Beim genauen Hinschauen werden Sie vielleicht bemerken, dass der missmutige Hundebesitzer, der sich immer so aufregt, weil Sie jedes Mal auf den Baum springen, wenn er vorbeikommt, in Wirklichkeit beschämt darüber ist, wie schlecht er seinen Hund erzogen hat. Jede Rolle hat ihre eigene Geschichte und jeder reagiert unterschiedlich auf Einflüsse von außen. Bei Schauspielern gehört das Einsetzen der Körpersprache zum Beruf. Sie tun es täglich. Und jetzt halten Sie sich fest: Sie auch! Sobald Sie mit anderen Menschen interagieren, kommunizieren Sie mit Ihrem Körper. Nur dass bei Ihnen keine Kamera dabei ist. Zumindest bei den meisten von Ihnen. Warum ist unser Körper so mitteilungsbedürftig? Seit es Lebewesen gibt, die miteinander auf irgendeine Art und Weise kommunizieren, gibt es Körpersprache. In der längsten Epoche der Menschheitsgeschichte, der Steinzeit, haben die Menschen Verhaltensstrategien entwickelt, die für sie überlebenswichtig waren. Sie mussten Gefahren erkennen und abwehren, sie mussten dem Überlebenstrieb mit periodischer, aber kontinuierlicher Nahrungsaufnahme Tribut zollen und sie mussten sich fortpflanzen. Eine so lange Zeitspanne wie diese, in der sich Verhaltensweisen entwickeln konnten, gab es seitdem nie mehr. Deshalb hängt fast alles, was wir tun, mit dem zusammen, was den Menschen in den Babyschuhen der Menschheit zum Fortbestand wichtig war. Durch ständiges Lernen und Erziehen haben wir unser Verhalten an unsere jetzige Gesellschaft angepasst. Wir kommunizieren ständig mit unserem Körper, und das ist ausnahmsweise mal unabhängig vom Geschlecht. Sogar wenn wir nur still dasitzen, senden wir Informationen an unsere Umwelt. Nehmen wir an, Sie kommen nach Hause, und Ihr Partner sitzt vor dem Fernseher. Sie erkennen an seiner Körpersprache, ob er vom Fernsehprogramm gelangweilt ist oder ob er die Sendung auf jeden Fall zu Ende sehen möchte. Sie erkennen, wann Sie ihn ansprechen können und wann nicht. Sollten Sie es nicht erkennen, bringen Sie ihm eine Flasche Bier, dann haben Sie garantiert für einige Sekunden seine Aufmerksamkeit, egal, was läuft. Wir kommunizieren, damit unsere Herdenmitglieder wissen, was Sache ist. Das beinhaltet sogar die Kommunikation von Ruhe. Entspannte Herdenmitglieder bedeuten „keine Gefahr für die Herde“. Schnarchen ist hierfür ein guter Indikator. Was nützt mir das Wissen über Körpersprache? Warum erzähle ich Ihnen das alles? Wieso ist es wichtig für Sie zu wissen, welche zentrale Rolle die Körpersprache bei all Ihren Interaktionen spielt? Ganz einfach: Dieses Wissen gibt Ihnen zum einen die Möglichkeit, mit anderen Menschen besser zu kommunizieren. Darüber hinaus können Sie es auch ganz bewusst einsetzen, um zum Beispiel Ihre Anliegen – ob privater oder beruflicher Natur – erfolgreicher zu vertreten. Der bewusste Einsatz der Körpersprache und die richtige Einschätzung Ihres Gegenübers sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Kommunikation. Andere für sich gewinnen Ich will Sie nicht dazu ermuntern, sich zu verstellen. Aber es kann für Sie nur von Vorteil sein, wenn Sie wissen, wie sich Ihr Gegenüber fühlt und wie Sie darauf reagieren können. Wenn Sie die Körpersprache des andern „lesen“ können, fällt es Ihnen leichter, auf ihn einzugehen. In einem beruflichen Gespräch wäre es doch schön, sich durchzusetzen. Und wenn Sie erkennen, wann sich Ihr Gegenüber langweilt, können Sie Ihre Argumente ändern oder vielleicht ganz aufs Wetter umschwenken. Oder wenn Sie auf einer Party jemanden treffen, der Ihnen gefällt, dann wäre es doch großartig, wenn Sie das Rennen machen würden und nicht dieser andere attraktive Jäger mit dem dämlichen Grinsen, dem Drei-Tage-Bart und den italienischen Designerschuhen. Erfolg im Beruf haben Wenn Sie sich ein wenig mit Körpersprache auskennen, haben Sie schon viel gewonnen. Sie können sich individuell auf den anderen einstellen. Sie können ihn spiegeln, um ihn zu besänftigen, oder Ihren eigenen Status erhöhen, um kompetent zu wirken. Sie können die Welle aufschnappen, auf der Ihr Gegenüber gerade surft, und sich auf sein Level begeben, wenn Sie das wollen. Das Gespür dafür kann entscheidend für die Interaktion mit Mitmenschen sein. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Vorstellungsgespräch. Voller Elan und Tatendrang stürmen Sie in das Büro. Dem einen Personaler mag das entgegenkommen, ein anderer bevorzugt einen ruhigen, bedachten Kollegen. Es gibt Menschen, die sich zurückziehen, wenn ihr Gegenüber sie mit seinem exponierten Selbstbewusstsein erdrückt. In vielen Situationen ist es wichtig, zu erspüren, womit der andere umgehen kann oder eben auch nicht. Früher versuchte ich, die Regisseure bei Castings gut gelaunt, voller Esprit und mit fester Stimme zu beeindrucken. Am Ende des Tages kam es aber nur darauf an, ob ich die Szenen gut abgeliefert hatte oder nicht. Und so entschied ich mich, so zu sein, wie ich bin – garniert mit einer Portion Zurückhaltung, um niemanden mit meiner überspielten Nervosität zu überfahren. Ich kann mich nicht immer beherrschen, vor allem, wenn ich aufgeregt bin. Aber ich übe. Menschen besser einschätzen können Beim ersten Kennenlernen ist unser weiteres Verhalten von den Signalen abhängig, die der andere aussendet. Hat der andere überhaupt Interesse an mir? Wie zeigt er das? Was steckt hinter dem, was er sagt? Lächelt er viel, vielleicht zu viel? Wie ist seine Körperhaltung, während wir uns unterhalten? Wo geht der Blick hin? Wir entscheiden binnen Bruchteilen von Sekunden, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht. Genauso wie der andere auch. Dagegen kann man nichts tun. Aber dieses Urteil wird unter Umständen genauso schnell wieder umgeworfen, wenn wir jemanden näher kennen. Viel zu viele Komponenten verzerren anfangs unser Bild. Und das ist gut. So ist jedes Kennenlernen einer neuen Person ein Feuerwerk von Eindrücken, die verarbeitet werden müssen. Es liegt an uns, wie wir damit umgehen. Etwas verkaufen Wäre es nicht toll zu wissen, ob ein Kunde interessiert ist oder nicht? Vielleicht gefällt ihm eines Ihrer Argumente nicht, dann sollten Sie schnell noch andere anbringen und vielleicht Ihre Taktik ändern. Oder wäre es nicht gut, wenn Sie bei einer Präsentation selbst feststellen, dass Sie eine andere Richtung einschlagen oder Plan B hervorholen müssen? Körpersprache ist beim Verkauf von Dingen oder von sich selbst überaus interessant. Bedenken Sie die Chancen, die sich auftun, wenn Sie durch richtiges Verhalten Juwelen und Edelsteine nach Hause bringen. Bedenken Sie (die Männer) dabei, dass beruflicher Erfolg anziehend auf Frauen wirkt. Und das wiederum birgt Chancen auf regelmäßigen Sex. Gefahr erkennen Positives wird weniger wahrgenommen als Negatives. Das ist logisch: Etwas Positives stellt keine Gefahr für Leib und Leben dar, Negatives schon. Ein Wartender an einer Bushaltestelle, der sich neutral verhält, wird wenig Aufmerksamkeit erregen. Stellt sich nun jemand dazu, der viel Raum einnimmt, laut ist und durch seine Körpersprache aggressives Potential signalisiert, lässt das bei uns sofort die Alarmglocken läuten. Gefahr! Unwillkürlich werden wir körpersprachlich Distanz zwischen uns und die „Gefahr“ bringen und sie genau im Auge behalten. Nehmen wir nichts Negatives wahr, deutet dies darauf hin, dass kein Handlungsbedarf besteht. Etwas Negatives kann hingegen bedeuten, dass wir oder unsere Kinder oder das Essen in Gefahr sind und dass wir mit Schutzmaßnahmen aktiv werden müssen. Gruppenzugehörigkeit erkennen Die Bedeutung der Gruppenzugehörigkeit entspringt ebenfalls dem Verhalten aus Zeiten, in denen es wichtig war, Stammeszugehörigkeit zu signalisieren. Wer anders war, gehörte nicht zu Gruppe und war somit fremd und womöglich gefährlich. In manchen süddeutschen Städten wird Menschen, die keine regionale Kleidung tragen, ein gewisser Argwohn entgegengebracht. Im Gegenzug fühlen sich Personen, die die gleiche „Tracht“ tragen, in der Gruppe sicher. Ob das nun Pfadfinder oder Harley-Fahrer sind. Sind Menschen häufig als Gruppe zusammen, dann gleichen sich ihr Sprachduktus, ihre Körpersprache und äußerlichen Ausdrucksmittel mit der Zeit einander an. Lügen erkennen Meist stimmt die Körpersprache mit dem, was wir sagen, überein. Aber oft eben auch nicht. Und da wird es spannend: Wie fühlt sich mein Gegenüber wirklich? Wenn ich das erkenne, kann ich reagieren und auf ihn eingehen. Das gilt für einen geschäftlichen Kontakt ebenso wie im privaten Bereich. Sich unterhalten lassen In einem Supermarkt werden Sie wenig Futter finden, wenn Sie sehen wollen, wie Körpersprache wirkt. Das Bestellen eines Rinderbratens ist einfach nicht so aufregend. Es sei denn, die Person macht das zum ersten Mal oder sie hat gerade eine Bank überfallen. Aber meist sind Alltagssituationen nicht das, was uns aufhorchen lässt. In einem Café wird Ihnen genau das Pärchen auffallen, das sich hier zu einem Blind Date getroffen hat. Man fühlt förmlich die Anspannung. Die Oma, die mit ihrem Enkel ein Eis isst, ist da weniger interessant, es sei denn, der Enkel zieht durch unmögliches Verhalten alle Blicke auf sich. Verkaufsgespräche sind immer ein tolles Studienobjekt und Pärchen beim Ikea-Einkauf auch. Ich erhielt einst die großartige Gelegenheit zu beobachten, wie ein Mann auf einem Grillfest in der Nachbarschaft eine Dame näher kennenlernte. Alle um ihn herum wussten, dass er getrennt war – und er wusste, dass seiner Ex-Frau jede seiner Bewegungen von tratschfreudigen Nachbarinnen zutragen werden würde. Es war ein Schauspiel der Extraklasse. Er wollte die Dame für sich gewinnen, wusste aber, dass neugierige Augen versuchten, möglichst viel von seinem Verhalten aufzusaugen, um es ohne großen Informationsverlust weitertragen zu können. Der Arme. Seine Extremitäten klebten förmlich an ihm, er blickte häufig zu Boden und nur zwischendurch blitzte ein offenes Lächeln durch. Ich glaube nicht, dass er an diesem Abend so viel Spaß hatte wie alle anderen. Einen guten ersten Eindruck machen Unsere Meinung über eine Person, die wir vorher noch nie gesehen haben, entsteht in den ersten Sekunden. Erinnern Sie sich bitte daran, als Sie noch in Höhlen lebten. Das Wichtigste war, sofort zu wissen, ob der Fremde Freund oder Feind war. Danach richtete sich Ihr Verhalten: Entweder Sie luden ihn zu einem Platz am Feuer ein oder Sie jagten ihn mit steinzeitlichem Gebrüll und möglicherweise mit Waffengewalt in die Prärie zurück. Ich stimme denjenigen unter Ihnen zu, die jetzt aufschreien und rufen: „Aber manchmal holt man sich trotz eines positiven ersten Eindrucks den Feind ans Feuer.“ Ja, doch wenn Sie Ihren Irrtum erkannt haben, können Sie ihm immer noch freundlich lächelnd die Hand reichen und ihn mit einem gekonnten Ruck in die Flammen ziehen. Keiner ist davor gefeit, auf falsche Fuffziger reinzufallen. Das menschliche Zusammenleben basiert aber auf Vertrauen und Zusammenarbeit. Wir sind Herdentiere und brauchen die Nähe anderer Menschen, dagegen können wir nichts machen. Auf einer einsamen Insel suchen wir uns Freitage, um nicht alleine sein zu müssen. In einem Schlauchboot einsam auf dem Meer treibend verfallen wir dem Wahnsinn, weil wir keine menschliche Nähe haben, und als kleine Äffchen hängen wir lieber im kuscheligen Fell als an der kalten Labormilchflasche. Ein unangenehmer Zeitgenosse sagte einmal zu mir: „Aber wenn ich lieber einen schlechten Eindruck machen will?“ Ich antwortete: „Da müssen Sie sich gar nicht groß bemühen. Seien Sie so, wie Sie sind.“ Ja, wir müssen uns unserer Wirkung auf andere bewusst sein. Daran werden wir im Laufe dieses Buches arbeiten. Der erste Eindruck wirkt nachhaltig – oder? Sogar spätere Einschätzungen oder Bewertungen einer Verhaltensweise werden vom ersten Eindruck beeinflusst. War die Person von Anfang an sympathisch, dann muss sie ganz schön Mist bauen, bis sie diesen Kredit wieder verliert. Wirkte sie unsympathisch, dann braucht es nicht viel, damit sie sich ins soziale Aus manövriert. Nicht umsonst stehen Frauen drei Stunden vor ihrem Kleiderschrank voller „Nichts-Anzuziehen“, bevor sie auf ein Date gehen, legen siebzehn Mal neuen Lippenstift auf und schlüpfen kurz vor knapp noch in die Schuhe, die sie eigentlich nicht anziehen wollten, dann aber doch, oder vielleicht doch nicht? Männer bringen sich für einen positiven ersten Eindruck in Positur, bevor die Angebetete erscheint, ziehen den Bauch ein, wenn sie näherkommt, und wirken gleichzeitig „so was von lässig“. Sind die ersten Minuten vergangen, schiebt sich der Bauch dann meist wieder entspannt nach vorne. Der erste Eindruck basiert auf verschiedenen Komponenten der Körpersprache. Alles, was der andere sieht, wirkt auf ihn. Kleidung, Mimik, Gestik, Körperhaltung, Stimme. Verkrampfen Sie jetzt nicht, weil Sie an nichts anderes mehr denken können, als einen guten Eindruck machen zu wollen. In diesem Buch erfahren Sie, welche Körpersignal positiv und freundlich wirken können, und allein durch das Wissen darüber werden Sie sich sicherer fühlen. Seien Sie sich aber auch gewiss: Je unverkrampfter Sie das mit dem ersten Eindruck sehen, desto besser werden Sie abschneiden. Beim ersten Zusammentreffen von zwei Menschen bilden sich beide eine unwiderrufliche Meinung. Ganz unwiderruflich? Nein, nicht ganz. Es gibt den zweiten Eindruck, den dritten und noch ganz viele, bis sich der letzte Eindruck prägend auf unseren weiteren Kontakt auswirkt – und wenn eine intimere Beziehung entsteht, dann nivellieren sich erste Eindrücke sowieso und treten hinter anderen Eindrücken zurück. Ich persönlich fahre am besten damit, wenn ich zwar weiß, wie ich mich verhalten müsste, aber nicht gleich fatalistisch den Henkersknoten knüpfe, wenn mal was nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Ran an den Speck, denn der erste Bissen schmeckt am besten! Der „Halo-Effekt“ kann unser Urteilsvermögen beeinflussen Der Halo-Effekt beschreibt die Tatsache, dass wir von bekannten oder äußeren Merkmalen einer Person auf unbekannte Eigenschaften schließen. Oder anders gesagt: Es handelt sich um eine Wahrnehmungsverzerrung, die eine Assoziationskette in uns in Gang setzt, auf Grund derer wir eine Person eher positiv oder eher negativ sehen. Dabei „überstrahlt“ ein Merkmal alle anderen. So halten wir attraktive Menschen häufig automatisch für sympathisch und intelligent. Ein gutaussehender Mann im dunklen Anzug wirkt möglicherweise seriös und liebenswürdig auf uns. In Wirklichkeit ist es ein Dealer auf Freigang, der gerade von der Beerdigung seines besten Kunden kommt. Oder eine wunderschöne junge Frau stolziert am Flughafen selbstbewusst und zielgerichtet auf ihren High Heels an uns vorbei. Automatisch blicken wir ihr nach und sprechen ihr mindestens Geselligkeit und Dominanz zu. Wenn wir aber sehen, wie ihr der Siebzigjährige, der sie abholt, bei der Begrüßung ans Gesäß grabscht, verflüchtigt sich der erste Eindruck schnell. Es lohnt sich immer, hinter die Fassade zu sehen und sich nicht täuschen zu lassen. Ich selbst muss mich immer wieder zusammenreißen, damit ich den ersten Eindruck prüfe und mir durch mehr Informationen ein präziseres Bild mache. Dabei unterstützt mich mein Interesse an Körpersprache. Einmal wurde ich bei einer Veranstaltung mit einem Mann bekannt gemacht, der zwei große, blutverkrustete Wunden im Gesicht hatte. Man konnte gar nicht umhin, immer wieder darauf zu starren. Kopfkino: Er ist betrunken hingestürzt. Er ist ein Schlägertyp, dessen Gesellschaft man tunlichst meiden sollte. Seine Frau hat ihn ihm Streit gekratzt oder ist mit einem scharfen Gegenstand auf ihn losgegangen. Er hat ein widerlich ansteckendes Ekzem, hat sich nicht unter Kontrolle und kratzt es immer wieder auf. Wissen Sie, was er im Laufe unseres wirklich netten Gespräches erzählte? Er habe großes Glück gehabt, dass der Ast, den er zum Schutz seiner Kinder im Garten abschneiden musste, nur knapp sein Auge verfehlte. Ich schämte mich. Der erste Eindruck – so geht’s Beim ersten Eindruck kommt es darauf an zu wissen, wen Sie überhaupt beeindrucken wollen. Bei Ihrem zukünftigen Chef wird Ihr Verhalten anders sein als bei einem Blind Date mit amourösem Hintergrund. Wir wollen immer positiv rüberkommen, das ist klar. Dabei müssen wir aber unterscheiden, ob wir kompetent erscheinen oder ob wir den witzigen, emphatischen Zuhörer geben wollen. Es gibt ein paar Grundregeln, die auf jedes Zusammentreffen mit einer neuen Person zutreffen: Seien Sie frisch geduscht und sauber. Lachen Sie jetzt nicht, das ist unglücklicherweise für einige unserer Mitmenschen nicht selbstverständlich. Diesen sei gesagt, dass viele empfindlich auf schlechten Körpergeruch reagieren. Achten Sie auf ein gepflegtes Äußeres: Frisch gewaschene Haare, saubere Fingernägel, dem Anlass entsprechende, frische Kleidung. Lächeln Sie. Wenn wir lächeln, haben wir eine positive Ausstrahlung. Wie groß und strahlend das Lächeln sein darf, hängt von der Situation ab, in der Sie sich befinden. Ein anhaltendes Dauerlächeln kann auf Ihren Chef in spe eher inkompetent wirken, beim Flirt an der Bar aber durchaus ansprechend. Seien Sie pünktlich. Es gibt Menschen, die sehr viel Wert auf Pünktlichkeit legen, also sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie zum vereinbarten Zeitpunkt erscheinen. Geben Sie vernünftig die Hand. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen toten Fisch in die Hand gelegt zu bekommen. Dazu lesen Sie bittemehr im Kapitel über Begrüßung (siehe Die Begrüßung). Der erste Eindruck – ein Mythos? Sie haben es bestimmt im Laufe Ihres Lebens schon erlebt, dass Sie jemanden beim ersten Treffen furchtbar fanden. Schwupps, steckten Sie ihn in eine Schublade. Er war Ihnen zu ruppig, sein Kommentar war unangemessen, die Frisur missfiel Ihnen, er lachte zu laut, sein Atem roch nach Knoblauch usw. Ich bin mir sicher, Sie können die Liste beliebig lang fortsetzen. Mit diesem Menschen wünschten Sie keinen weiteren Umgang: „So etwas brauche ich nicht, das habe ich nicht nötig.“ Zu diesem Thema möchte ich Ihnen von einem tollen Erlebnis erzählen: Ich war zu einer Schriftstellerreise nach Holland eingeladen. Am Flughafen in Amsterdam traf ich mich mit vier Exemplaren der online-schreibenden Zunft. Keiner kannte den anderen. Es folgte unsicheres Händeschütteln und sich Bekanntmachen. Ein kleiner Mann mit Brille, Hut und einer Arbeiterjacke. Ein Mann mit Mittelscheitel, leichten Hautunreinheiten und ausweichendem Blick. Eine sehr untersetzte Frau mit vorgeschobenem Kinn, tiefer, etwas zu forscher Stimme und einem Rucksack wie bei einem Schulausflug. Direkt neben mir stand eine graue Maus mit Brille, die sich an ihrem Coffee to go festhielt. Mein erster Eindruck war: „Wo bin ich denn hier hinein geraten?“ Ich bin mir fast sicher, dass alle anderen das Gleiche dachten. Wir waren wild zusammengewürfelt worden und konnten uns nun entscheiden, ob wir uns aus dem Weg gehen wollten oder ob wir bereit waren, die Klischee-Schublade wieder zu öffnen und dem zweiten und dritten Eindruck eine Chance zu geben. So geschehen und belohnt: Der Freak mit dem Hut stellte sich als überaus intelligenter, witziger, interessierter Mensch heraus. Die unscheinbare, graue Maus entpuppte sich als lustige, emphatische Gesprächspartnerin, die sehr belesen war und über ein enormes Allgemeinwissen verfügte. Der „Spießer“ sprach wenig auf der Reise. Er war das sprichwörtliche „stille, aber tiefe Wasser“. Wenn er etwas sagte, war es durchdacht und jenseits jeder Banalität. Probleme hatte ich mit der ruppigen, untersetzten Dame. Ich konnte sie nicht einschätzen. Sie wirkte misstrauisch, verschlossen und unzufrieden. Als ich erfuhr, was sie erlebt hatte, war ich erschüttert: Noch vor kurzem war sie in der Klinik gewesen. Kollaps durch monatelanges, systematisches Mobbing in ihrer Firma, um Personal auf elegante, menschverachtende Weise zu rationalisieren. Ich schämte mich sehr für die „Erster Eindruck“-Schublade, in die ich sie gesteckt hatte. Ich glaube, wir alle erliegen der Magie des ersten Eindrucks. Aber wir können uns entscheiden, inwiefern wir ihm Gewicht schenken wollen. Ich zwinge mich dazu, dem Menschen, dem ich begegne, eine große Portion Neugierde für seine Person entgegenzubringen. Die Diskrepanz zwischen dem ersten Eindruck und dem, was danach kommt, kann so unglaublich bunt und bereichernd, aber auch abenteuerlich und offenbarend sein, dass es sich lohnt, abzuwarten. Körpersprache bewusst einsetzen Ja, Sie können „schummeln“. Sie können Signale senden, um anderen etwas zu suggerieren, das Ihnen nützt. Persönliches Interesse, Zuwendung, Bestätigung oder Dominanz- bzw. Unterwerfungssignale. Sie werden nach der Lektüre dieses Buches zwar bestimmt nicht ohne Worte Ihren Namen tanzen und auch Goethes Zauberlehrling nicht nonverbal aufführen können. Aber Sie werden mit Sicherheit ein wenig schmunzeln, wenn Sie in der nächsten Sitzung Ihre Kollegen beobachten. Vielleicht können Sie auch besser auf die Stimmung Ihrer Kollegen eingehen und sie mit auf Ihre Welle nehmen oder sich auf ihrer treiben lassen. Wenn Sie verstehen, woher manche Signale aus evolutionärer Sicht kommen, finden Sie leicht einen Zugang zur Körpersprache. Aber „eine innere Haltung bewusst ausstrahlen“ können Sie nur, wenn Sie tatsächlich gedanklich das Gefühl hervorrufen. Wie ein Schauspieler, der sich in eine Rolle versetzt. Der Körper wird automatisch versuchen, den Gedanken umzusetzen und auszudrücken. Wichtig ist die Kongruenz, also die Übereinstimmung zwischen Ihrer Körpersprache und dem, was Sie denken und fühlen. Das Gesamtbild ist das, was das Gegenüber wahrnimmt. Wenn Sie beispielsweise Angst verspüren, werden Sie nur schwerlich Selbstbewusstsein ausstrahlen können. Es gibt aber Körperhaltungen, die Ihnen helfen können, sich sicherer zu fühlen. Darauf werde ich noch eingehen (siehe Die Körperhaltung). Bewusst steuerbare Aspekte der nonverbalen Kommunikation In der nonverbalen Kommunikation können wir folgende Bereiche gut steuern: Körperhaltung und Körperbewegung Distanzverhalten Gestik Mimik Wobei hier unterschieden werden muss: Zum einen ist das Gesicht genauso wie der restliche Körper Sklave von Reflexen. Das bedeutet, dass wir unsere Mimik nicht wirklich kontrollieren können, wenn wir uns vor etwas erschrecken, überrascht sind, uns spontan freuen oder eine traurige Nachricht erhalten. Als Schauspieler versucht man, sich die dahinterstehenden Gefühle und Auslöser gut zu merken und bei Bedarf zu reproduzieren und bereitzustellen. Mimischen Ausdruck tatsächlich bewusst zu kontrollieren, ist nicht einfach und nicht jedermanns Sache. Aber manchmal setzen wir ganz bewusst die Mimik ein, um zu „sprechen“. Wir „winken“ mit den Augenbrauen, um den Bekannten auf der anderen Straßenseite zu grüßen, lächeln breit und falsch die Nachbarin an, damit sie uns glaubt, dass der Müll im Treppenhaus nicht von uns sein kann, oder wir runzeln unsere Stirn demonstrativ, wenn wir an der Aussage unseres Gegenübers zweifeln. Bedingt oder gar nicht steuerbare Aspekte der nonverbalen Kommunikation Manche körperliche Reaktionen können wir nur bedingt oder auch gar nicht steuern. Einiges können Sie durch Training wettmachen, aber mit einer Reihe von Faktoren müssen Sie lernen umzugehen. Pupillen: Die Pupillengröße reagiert auf emotionale Regungen und ist nicht kontrollierbar. Stimme: Um die Stimme zu kontrollieren, muss man sie ganz bewusst trainieren. Dann kann man bewusst damit spielen und sie einsetzen. Zitternde Hände: Wer Angst davor hat, dass seine Hände zittern, weil er weiß, dass er dazu neigt, der kann sich sicher sein, dass die Hände tatsächlich zu zittern beginnen, wenn es soweit ist. Das ist unangenehm. Meist taucht es in Situationen auf, in denen der Betroffene nervös ist. Ich selbst habe das, wenn ich bei einem Werbecasting die Hände zeigen muss (damit der Kunde sieht, dass ich keine Narben oder krumme Finger habe). Ich bin mir dessen bewusst, dass alle in diesem Moment auf meine Hände starren und eine Kamera jede Bewegung und jedes Zittern dokumentiert. Was dagegen hilft? Ich akzeptiere es. Na und, dann sehen eben alle, dass ich nervös bin. Eine andere Möglichkeit ist: Ruhig atmen und beim Ausatmen denken, dass die Hände schwer werden. Am schlechtesten funktioniert es für mich, wenn ich die zitternde Hand festhalte. Denn sobald ich sie wieder loslasse, beginnt sie sofort wieder zu zittern. Also: atmen oder akzeptieren. Stress-Schwitzen: Schwitzen ist nicht bewusst kontrollierbar. Durch Stress werden Hormone ausgeschüttet, die dafür sorgen, dass die Muskeln mit Blut versorgt werden, um so schnell wie möglich vor dem Löwen fliehen zu können. Der Körper wird kampfbereit gemacht, und um ihn schon mal vorzukühlen, wird Schweiß abgesondert. Zusätzlich warnt der Geruch des Angstschweißes die anderen Herdentiere vor Gefahr und macht sie wachsam. Deswegen riecht es in Prüfungsräumen immer so streng. Geruch: Olfaktorische Wahrnehmung kann nur sehr bedingt beeinflusst werden. Die Parfümindustrie lebt von Versprechungen, die vorgaukeln, man würde mit einem bestimmten Duft attraktiver, sportlicher oder frischer wirken. Es kommt aber immer auf denjenigen an, dem der Duft in die Nase steigt. Pferdeschweißaftershave ist nicht jedermanns Sache, und wenn wir uns dafür entscheiden, dass zarter Honigtau nun mal gar nicht zu der korpulenten Dame passt, dann kann sie uns damit auch nicht beeindrucken. Anders verhält es sich, wenn in dem für Emotionen zuständigen Bereich unseres Gehirns ein Dufterlebnis verankert ist. Dann finden wir plötzlich den dickwanstigen Bauarbeiter wunderschön, weil er genauso riecht wie unsere erste große Liebe. Erröten: Ich werde auch rot. Aber heimlich. Bei mir sieht man das nicht so gut, weil ich einen recht dunklen Teint habe. Die stärkere Durchblutung der Gesichtshaut, vor allem der Wangen und Lippen, kann entweder durch emotionale Auslöser entstehen wie Wut oder Verlegenheit, oder durch zu viel Chili. Die Röte im Gesicht ist Folge eines steigenden Blutdrucks, die Blutgefäße weiten sich, um den Körper vor Überhitzung zu bewahren. Wenn ich spüre, dass ich rot werde, dann frage ich in die Runde: „Werde ich gerade rot?“ So kokettiere ich damit und zeige, dass ich auch mal schwach sein kann. So geschehen bei einem Ausflug mit Bekannten: Wir waren zu einer Führung in einer Firma eingeladen. Als der junge Mann, der uns führen sollte, erschien, ertappte ich mich dabei, dass ich ihn anstarrte. Er war hinreißend. Blonde, leicht zerzauste Haare, lässige Jeans und ein Lächeln zum Niederknien. Als wir an eine Labortür kamen und er sagte: „Hier können aus Sicherheitsgründen immer nur zwei Personen gleichzeitig rein. Wer kommt mit?“, schoss ich etwas zu schnell heraus: „Ich!“ Alle blickten mich an und die Schamesröte schoss mir ins Gesicht. Ich hielt mir beide Hände an die Wangen, lächelte demonstrativ ertappt und folgte dem jungen Mann ins Labor. In Stresssituationen entscheidet der Instinkt Gesten kann man einüben, die Mimik kann man beeinflussen, aber den Puls zu trainieren ist schwer und bedarf fleißiger Übung. Unsere Pupillen werden größer, wenn wir mehr Informationen aufsaugen wollen. Das Blut schießt schneller durch unsere Adern, wenn wir uns für den Kampf mit dem Löwen bereit machen, und wir schütten Pheromone aus, wenn wir um die Gunst eines auserwählten Sexualpartners buhlen. Wir können versuchen, uns selbst zu überlisten, indem wir auf den Rückkopplungseffekt setzen (siehe Rückkopplungseffekt) und wir können das Weglassen unerwünschter Signale trainieren, aber letztlich entscheiden unser Instinkt und unser Unterbewusstsein darüber, wie wir uns in Stresssituationen verhalten. Geraten wir unter Stress, ist unser willentliches Kontrollsystem außer Kraft gesetzt. Unter Stress kann man gar nichts mehr. Wenn wir am Flughafen am Schalter stehen und bemerken, dass unser Reisepass abgelaufen ist, werden wir kaum auf eine ausgefeilte Körpersprache achten können, um doch noch mitfliegen zu dürfen. Wenn unser Partner uns mit einem wütenden Schnauben unser Handy unter die Nase hält und uns auf die schmutzige SMS unseres Karnevalflirts blicken lässt, werden wir wohl kaum diplomatische Gesten auspacken, sondern im schlimmsten Fall unsere Koffer ein. Rollenstudium: So deuten Sie Körpersprache richtig In diesem Teil erfahren Sie, wie Sie Körpersprache bei anderen anhand von unbewussten Signalen deuten und interpretieren können. Sehen Sie genau hin, wie Ihr Gegenüber mit seinem Körper „spricht“. Erkennen Sie, was er Ihnen sagen will, und lernen Sie, wie Sie darauf reagieren können. Grundemotionen, die jeder versteht Eigentlich sind wir von Natur aus sehr gut darin, Emotionen zu erkennen. Gefühle zu erklären ist nicht nötig. Kinder weinen, wenn sie traurig sind, sie lachen, wenn sie Freude empfinden. Sie schreien und zeigen Wut, wenn sie frustriert sind, weil der Turm schon wieder umgekippt ist oder der Max ihnen das Spielzeug weggenommen hat. Manchmal aber bedarf es einer kleinen Hilfestellung, damit Kinder sich in dem Gefühlschaos zurechtfinden. Eine Bestätigung gerade in Bezug auf unangenehme Emotionen kann die Kleinen für ihre eigenen Gefühle sensibilisieren und auch dafür, wodurch sie entstanden sind: „Du bist traurig, weil die Bella sich nicht neben dich gesetzt hat“, „Du bist wütend, weil die anderen dich nicht mitspielen lassen“ oder „Es gefällt dir gar nicht, dass der Käfer nun ohne Beine nicht mehr laufen kann“. Leider wird unsere Deutungskompetenz in Bezug auf die Körpersprache unserer Mitmenschen sukzessive immer mehr geschwächt. Durch unsere Umwelt. Alles wird größer und schneller. Wir haben gar nicht mehr die Zeit, richtig hinzusehen. In Nachmittagsshows werden uns von Laiendarstellern große Gefühle vorgegaukelt, die vor dem heimischen Spiegel großes Entsetzen geübt haben. Wir verpassen Nuancen, weil wir verlernt haben, sie zu erkennen. Das mit überdimensionalen Löffeln eingeschaufelte emotionale Fastfood rutscht viel leichter die Kehle hinunter als ein Dreisterne-„Gruß aus der Küche“. Um die Gefühle oder Stimmung unseres Gegenübers besser verstehen zu können, ahmen wir unbewusst dessen Mimik nach. Wir nutzen die Wechselwirkung der Körpersprache. Ein zusätzlicher, positiver Effekt dabei ist, dass wir unserem Leittier durch Spiegelung signalisieren, dass wir mit ihm konform gehen. Wir verlassen uns darauf, dass das, was wir an mimischem Ausdruck präsentiert bekommen, auch den Gefühlen entspricht. Deswegen machen wir die Augen groß, wenn der andere begeistert von einem großartigen Erlebnis erzählt. Wenn Sie Mütter bei einer Schulaufführung beobachten, werden Sie feststellen, dass diese durch mimische Nachahmung alles miterleben, was ihr Kind auf der Bühne spielt. Früher fand ich das amüsant, heute mache ich es selbst. Der amerikanische Psychologe Paul Ekman hat jahrelang zur Außendarstellung von Gefühlen geforscht und eine Liste immer wiederkehrender Erkennungsmerkmale einzelner Gesichtsausdrücke erarbeitet. Er hat festgestellt, dass für gleiche Emotionen immer die gleichen Muskelgruppen verantwortlich sind. Paul Ekman beschränkt sich hierbei auf sechs Grundemotionen. Wut, Trauer, Freude, Angst, Überraschung und Ekel. In manchen Ausführungen wird noch eine siebte Emotion hinzugenommen, die Verachtung. DIE SIEBEN GRUNDEMOTIONEN Freude Trauer Wut Angst Überraschung Ekel Verachtung Freude Beginnen wir mit etwas Tagerhellendem, der Freude. Ein Mensch, der sich freut, lacht oder lächelt. Selten sieht man jemanden mit herabhängenden Mundwinkeln, der sich schneeköniglich amüsiert. Die Mimik der Freude zeichnet sich durch die hochgezogene Wangenmuskulatur und die Lachfältchen um die Augen aus. Bei echter Freude „glänzen“ die Augen, man spürt, dass derjenige sich wohlfühlt und gelöst ist. Um Freude vorzuspielen, muss wie bei allen anderen Emotionen das Gefühl von innen heraus produziert werden. Es gibt allerdings die Möglichkeit, den Rückkopplungseffekt für sich zu nutzen, um Freude zu produzieren. Lachen Sie künstlich, und das Lachen wirkt sich auf Ihre Stimmung aus. Es gibt eine einfache Übung, die Sie in Hochstimmung versetzen kann: Husten Sie ein paar Mal hintereinander. Das stakkatoartige Zusammenziehen des Zwerchfells erinnert Ihren Körper an herzliches Lachen. Wenn Sie nun noch die Mundwinkel zu einem Lachen verziehen, dann kann es gut sein, dass Sie in ein erquickliches Kichern oder sogar Lachen verfallen. Also, das einfachste Mittel gegen traurig sein ist Lachen. Trauer Und nun ins Tal der Emotionen: Trauer. Die Augenlider hängen schlaff nach unten, die Mundwinkel hängen, die trauernde Person starrt ins Leere. Jeder kennt das Gefühl, wenn man nur noch aufs Ärmchen will. Wenn man sich schwer fühlt, gedrückt und leer. Es gibt Menschen, die traurig aussehen, obwohl sie lediglich entspannt bis maximal ernst sind. Ich sage diesen Menschen eine besondere „emotionale Durchlässigkeit“ nach. Das bedeutet, dass sie durch kleinste mimische Veränderungen Gefühle zum Ausdruck bringen können. Große Schauspieler wie John Malkovich, Al Pacino oder Nicolas Cage machen nichts, wenn sie spielen. Und dennoch sehen und spüren wir genau, wie es ihnen geht und was sie uns vermitteln wollen. Es sind diese Mikrobewegungen in der Mimik, die unserem Bewusstsein entgehen, die aber dennoch Einfluss auf unser Empfinden von Stimmungen und Gefühlen haben. Andere, weniger „durchlässige“ oder botoxierte Gesichter wiederum müssen extra große Furchen auf ihre Stirn tackern, damit wir überhaupt erkennen, dass sie wütend sind. Da fällt es mitunter sogar schwer, zwischen Freude und Trauer zu unterscheiden, und es hilft nur genau hinzusehen und in die Augen einzutauchen. Weinen ist in der Regel ein Ausdruck von Trauer. Der Tränenfluss kann aber auch aufgrund des Rückkopplungseffekts durch das Imitieren von Weinen erzeugt werden. Klingt komisch, ist aber so. Man tut so, als würde man weinen, macht die entsprechenden Geräusche, verzieht das Gesicht, also Mundwinkel nach unten, und wimmert vor sich hin. Irgendwann ist man „in Stimmung“, die Dämme brechen und einer Überschwemmung mit salzhaltiger Flüssigkeit ist kaum mehr Einhalt zu bieten. Einsatz findet diese Technik nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Bereich. Vorrangig zu beobachten bei Mitgliedern der talentierten, weiblichen Gattung, wenn sie selbst verschuldetes Unrecht durch Ausschüttung von Unmengen an Tränenflüssigkeit versuchen wieder gutzumachen. Mein Sohn hatte den von Trauer angeregten Unterlippenzitterer schon in jungen Jahren kultiviert und benutzt, um seine Mutter gnädig zu stimmen und möglicherweise eine Extraportion Zuwendung oder Gummibärchen zu erhaschen. Aber ich bin ja selbst schuld, weil ich ihm schon früh von der Macht der großen Kulleraugen erzählt hatte. Wut, Aggression, Ärger, Zorn Diese Emotionen zeigen sich durch die Falte zwischen den Augenbrauen, zusammengekniffene Lippen (oder zu einem zähnefletschenden Rechteck geöffnet) sowie durch heruntergezogene Augenbrauen und verengte Augen, die das Wutobjekt fixieren. Ein weiteres untrügliches Zeichen für ansteigenden Zorn: Die Nasenflügel blähen sich. Das Blähen sieht übrigens nicht nur lustig aus, es hat aus verhaltensbiologischer Sicht durchaus einen Sinn. Durch die weiter geöffneten Nasenflügel strömt mehr Luft in die Lunge, und der Körper ist bereit zum Kampf. Heftig Pubertierende üben dies täglich im Zusammenleben mit ihren todesnervigen Eltern, die beispielsweise überhaupt nicht verstehen wollen, dass eine Ausgangssperre sich keineswegs positiv auf die Noten auswirken würde. Außerhalb der Familie entstehen Streitsituationen gerne mal bei der Parkplatzsuche, bei Geld abzählenden Rentnern an der Supermarktkasse und bei Müllwagen, die sich im Schneckentempo eine Einbahnstraße entlang schmieren, obwohl man eh schon zu spät zur Arbeit kommt. Wenn uns jemand Aggression entgegen schmettert, wollen wir instinktiv sein Gefühl verstehen und imitieren seine Mimik und Körpersprache. Doch in diesem Fall ist schnelles Weglaufen meines Erachtens besser angebracht als allzu viel Empathie. Angst Bei Angst ziehen sich die Augenbrauen zusammen und hoch, die Mundwinkel werden zu den Ohren gezogen, die Augen öffnen sich weit. Flache, schnelle Atmung, Schweiß, Zittern können hinzukommen. Der Körper spannt sich an und ist auf jede Eventualität vorbereitet. Zusätzlich klammern sich manche an sich selbst fest. Damit wollen sie sich selbst beruhigen und prüfen, ob sie noch da sind. Angst ist ein instinktiver Schutzreflex. Er bereitet unseren Körper in einer Gefahrensituation auf eine erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit vor. Der gesamte menschliche Körper macht sich bereit, um in Windeseile über die Steppe davonflitzen, auf einen Baum klettern oder der Bedrohung im Kampf entgegentreten zu können. Meist allerdings wollen wir einfach nur weglaufen. Zum Beispiel vor einem Live-Auftritt. Die subjektiv empfundene Gefahr lauert im Zuschauerraum. Eigentlich Schwachsinn, denn ich habe noch nie die Schlagzeile gelesen: „Powerpoint-Präsentation endete blutig.“ Auf das Lampenfieber werde ich später noch näher eingehen (siehe Lampenfieber). Bei Angst ziehen sich die Augenbrauen zusammen und hoch, die Mundwinkel werden zu den Ohren gezogen, die Augen öffnen sich weit. Ein niedlicher Ableger der Emotion Angst, gepaart mit einer guten Prise Überraschung, ist die Schockstarre. Der Duden definiert sie als a) Zustand starrer Bewegungslosigkeit bei einem Schock, b) durch Bestürzung, Erschütterung hervorgerufene Passivität. Hier ein Beispiel: Eines schönen Tages, in einer sehr verliebten, schwer paarungsbereiten Phase entführte ich meinen Vater zum Pizzaessen. Als wir die Getränke bestellt hatten, eröffnete ich ihm lächelnd: „Also: Entweder ihr bezahlt mir die Pille oder ihr dürft euch um das Baby kümmern.“ Überraschung Jemand, der überrascht ist, ist informationshungrig, er fährt blitzschnell alle Antennen aus. Mund offen, Augen weit offen, Augenbrauen hoch, der Körper macht sich bereit, in kürzester Zeit möglichst viele Informationen aufzunehmen. „Überraschung“ zu spielen ist eine besondere Herausforderung. Szene: Die Tür geht auf, und der lange vermisste Sohn kommt herein. – Können Sie sich vorstellen, wie blöd man sich vorkommt, wenn man den lange vermissten Sohn bei der Probe schon vier Mal gesehen hat und dann in verschiedenen Kameraeinstellungen nochmals sieben Mal zum ersten Mal wieder sieht? Zum Glück für Schauspieler dauert der Moment der Überraschung nur Sekundenbruchteile, so dass man im Spiel gleich zu den darauffolgenden Gefühlen übergehen kann wie Freude, Enttäuschung, Angst oder Kampfbereitschaft. Vielleicht ist es Ihnen mal bei Soaps aufgefallen: Am Ende jeder Folge kommt der berühmte Cliffhanger: Es gibt eine überraschende Wendung oder ein dramatisches Ereignis, und der Fortgang bleibt offen, um den Zuschauer auf die nächste Folge neugierig zu machen. Der überraschte Gesichtsausdruck muss entgegen seiner Natur über mindestens ein Sekunde lang eingefroren bleiben. Wir nannten das auch gerne scherzhaft das „Cliffgesicht“. Mund offen, Augen weit offen: So sieht jemand aus, der überrascht ist. Abscheu und Ekel Augenbrauen tief, Oberlippe zur Nase gezogen, Nase gerümpft, Unterlippe nach vorne geschoben. Das Empfinden von Ekel ist ein notwendiger Reflex, um Situationen zu vermeiden, die den Verlust unseres Lebens nach sich ziehen könnten. Wir ekeln uns vor widerlichen Gerüchen, damit wir todbringende Speisen vermeiden. Aus Ekel entsteht Verachtung bzw. Ablehnung. EMOTIONEN ERKENNEN Mikromimische Veränderungen sind für einen Ungeübten schwierig zu erkennen, und es gibt auch wundervolle Mischformen. Aber der Rest des Körpers plappert ja ebenfalls und ist selbst für Anfänger ein Fest der Information. Achten Sie immer auf das Gesamtpaket. Verachtung Dabei wird aus dem zunächst ekelverzerrten Gesichtsausdruck ein hämischer, aber muskulär entspannterer Mimiktanz. Ein Mundwinkel geht hoch, die Muskulatur um die Augen entspannt sich und die Wangen sind leicht angehoben. Das Gefühl der Verachtung ist – wie ich finde – wesentlich besser zu beherrschen als Überraschung oder Trauer. Übrigens: Wenn Sie diesen Gesichtsausdruck während eines Gesprächs bei sich oder Ihrem Partner sehen, können Sie entspannt auf neue Partnersuche gehen. Bei der Verachtung wird aus dem ekelverzerrten Gesichtsausdruck ein hämischer, aber muskulär entspannterer Mimiktanz. Der Unterschied zwischen Mann und Frau Ein Körper ist ein Körper, ein Arm ein Arm und ein Fuß ein Fuß? Oh, nein. So wie Mann und Frau unterschiedliche Aufgaben im Bereich der Erhaltung der Menschheit haben, so gibt es klare Unterschiede bei der Körpersprache. Frauen können beispielsweise Menschen besser lesen, weil sie naturgegeben dafür sensibilisiert sind. Sobald sie das Neugeborene aus ihrem Körper entlassen haben, beginnt die nonverbale Kommunikation. Frauen müssen verstehen, was das Kind will, ohne dass es dies großartig verbalisieren muss. Und das ist gut so. Denn diese Fähigkeit ist mancher Frau auch im Ehealltag noch nützlich. Männer sprechen nämlich oft sehr wenig. Da ist es nur von Vorteil, wenn die Frau das redefaule Exemplar einigermaßen gut interpretieren kann. Ihre Vermutungen wiederum trägt sie nur allzu gerne und bei jeder Gelegenheit vor. Aber ich schweife ab. Fakt ist: Frauen sind – das muss „Mann“ neidlos anerkennen – die empathischeren Körperspracheleser. Männer haben aufgrund ihrer naturgegebenen dominanten Körpersprache ihre Qualitäten in Bereichen, die Durchsetzung und Autorität erfordern. Sie dürfen Körpersprache auch gar nicht so gut lesen können, denn das würde sie von der Jagd nach Fleisch ablenken. Männer sind also aus evolutionären Gründen linearer und zielgerichteter gestrickt als Frauen. Nur wenn es ums nackte Überleben geht, erkennt der Mann Gefühlsregungen der Frau. Ein Niagarafall an Tränen lässt den Blitzmerker eventuell aufhorchen: „Irgendetwas ist hier nicht in Ordnung.“ Ich habe mal jemanden kennengelernt, der war beileibe kein Virtuose im Lesen von Körpersprache. Da er sich dessen bewusst war, kompensierte er es, indem er häufig fragte: „Was ist los?“ oder „Was denkst du?“. Das konnte sein, wenn ich einfach nur entspannt am Esstisch saß. Oder wenn ich beim Autofahren auf die Straße sah. Ich fand es anfangs recht amüsant und sogar aufmerksam, dass ein Mann mich fragte, was ich dachte. Das ist normalerweise ja eher den Frauen vorbehalten. Ich gab ihm bereitwillig Auskunft, auch wenn ich nicht wirklich etwas dachte (selten, aber kommt vor). Irgendetwas fällt einer Frau immer ein. Man sollte also meinen, dass diese verminderte Fähigkeit zur Empathie zu einem entspannten Miteinander beitragen kann. Als ich ihm aber eines romantischen Abends tief in die Augen sah und kurz davor war, ihm meine Zuneigung zu gestehen und ihm danach unmissverständlich andere Dinge ins Ohr zu hauchen, fragte er: „Was guckst du so? Ist was?“ Der Mann braucht Platz für den Speerwurf Der Mann nimmt mehr Raum ein als die Frau. Er geht mit größeren Schritten, steht breitbeiniger und präsentiert seine Körpergröße ein kleines bisschen mehr, als das eine Frau tun würde. Dazu gehört, dass er sich in bestimmten Balzsituationen aufbläht, um seine Potenz zu signalisieren, oder dass er die Hände beim Denken in die Hüften stemmt, um vor der Außenwelt abgeschirmt zu sein für diesen wichtigen Prozess. Gerne steckt der Mann seine Hände in die Taschen. Ich habe bis dato keine überzeugende Erklärung dafür, bin aber inspiriert von „Unsicherheit“ bis hin zur „Überprüfung dessen, was dort zu finden sein könnte“. Männer nehmen mehr Raum ein. Der Mann führt Bewegungen eher aus dem Schultergelenk heraus aus, als Jäger musste er schließlich den Speer möglichst weit schleudern können. Das war mit maximal einem Felljäckchen bekleidet auch kein Problem. Doch heutzutage leiden in enge Sakkos eingeschnürte Männer oft unter der fehlenden Bewegungsfreiheit, um eine Waffe auf das Objekt der Begierde schleudern zu können. Um seiner Männlichkeit die entsprechende Aufmerksamkeit zu verschaffen, braucht das selbsternannte Alphatier aber keine schnöden Hilfsmittel. Der Mann ist durchaus in der Lage, sich so in Positur zu setzen bzw. zu stellen, dass sowohl Geschlechtsgenossen als auch die potenziell zu befruchtenden Modelle seiner Präsenz und ganzen Schönheit gewahr werden. Dazu sitzt er gerne breitbeinig und demonstriert nach außen: „Hier bin ich, inklusive allem, was dazugehört. Ich habe nichts, aber auch gar nichts zu verbergen. Im Gegenteil!“ TESTOSTERON BRAUCHT MEHR PLATZ Männer nehmen viel Raum ein, sowohl im Stehen als auch im Gehen und Sitzen. Sie bewegen sich zackig, begrüßen nur per Handschlag und kultivieren ihre Männlichkeit, wo immer es geht. Frauen brauchen nicht viel Platz. Sie verstehen es, die zur Verfügung stehende Energie effizient einzusetzen. Sie halten sich generell lieber geschlossen und wählen mit Bedacht, wem sie gewisse Dinge von sich preisgeben oder wem nicht. Das Hervorheben des Geschlechtsteils durch Exponieren ist tatsächlich eher den Männern vorbehalten. Oder haben Sie schon mal eine Frau gesehen, die sich derart in Pose wirft, um einen besseren Blick auf ihren Schoß freizugeben? Der Mann legt keinen gesteigerten Wert auf Kuscheleinheiten mit anderen Männern. Ein kräftiger Handschlag ist für manchen schon genug Berührung. Etwas weichere Exemplare legen ihre Hand schon mal auf den Unterarm des anderen. Aber bloß nicht zu viel und zu weit oben – und umarmen geht gar nicht. Nicht umsonst klopfen sich Männer untereinander maximal den Rücken bei der Begrüßung oder stoßen in einem Ritual die Oberkörper grunzend aneinander, während sie die Hand des anderen vor der Brust greifen, um sich schnellst möglich wieder von ihm wegschieben zu können. Ein olfaktorisch prägnantes Merkmal des Mannes im weiteren Umfeld von Körpersprache ist die Körperhygiene. Bei Männern – vor allem, wenn sie schon länger verheiratet sind – kann man öfter ein gewisses Maß an Nachlässigkeit in der Körperpflege feststellen. Männer legen im Durchschnitt weniger Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild als Frauen, sie vertrauen lieber ihrem Körperbau und dessen Ausstrahlung. Und dieser sparsame Körperkult ist für Frauen durchaus akzeptabel. Wenn sie blind sind und ihnen die Geruchsknospen entfernt wurden. Die Frau trippelt von Strauch zu Strauch Die Frau beansprucht wenig Platz für sich und macht sich tendenziell eher klein. Klar, sie muss ja auch niemandem mit ihrer Größe imponieren. Sie muss dem Mann das Gefühl geben, bestens für die Aufzucht seines Erbgutes sorgen zu können. Ein gebärfreudiges Becken ist für die meisten Männer, die sich die Verbreitung ihrer Gene wünschen, attraktiver als die Knochenabdrücke eines androgynen Hungerhakens. Bei der Balz setzt die Frau auf optische Reize, um dem paarungsbereiten Mann zu signalisieren: „Hallo! Hier! Ich! Sieh mich an! Sieh dir meine tollen Argumente an!“ Ein Mann kann sich dem freigelegten Dekolleté nicht entziehen, das ist naturgegeben unmöglich. Übrigens ist das Phänomen des Hingucken-Müssens auch bei der Frau zu bemerken. Ein tiefes Dekolleté muss begutachtet werden. Egal, ob von Mann oder Frau. Es löst nur unterschiedliche Reaktionen aus. Woher kommt es, dass Frauen sich mit kleineren Schritten bewegen, dass sie selten die Hände in den Hosentaschen haben und dass sie im Sitzen elegant die Beine übereinanderschlagen? Ich erkläre es mir so, dass Frauen noch nie große Schritte brauchten. Von Strauch zu Strauch konnte man gut mit kleinen Schritten auskommen. Frauen mussten wendiger sein, und es kam mehr auf geschmeidiges Hin- und Hergleiten zwischen Kindern und Essen an. Die Armbewegungen, die Frauen ausübten, bedurften nur der Bewegung des Unterarms. Oder haben Sie schon mal mit ausladenden Bewegungen Beeren gepflückt oder Haare entlaust? Auch heute ist häufig die Bewegung aus dem Ellbogengelenk zu beobachten, weil Frauen entweder Einkaufstaschen tragen oder den Putzlappen in der Hand haben. Frauen brauchen nicht viel Platz. Sie verstehen es, die zur Verfügung stehende Energie effizient einzusetzen und dabei gleichzeitig ihre berührungsempfindlichen Brüste zu schützen. Frauen beanspruchen weniger Platz für sich. Die Kleidung einer Frau hat einen enormen Einfluss auf ihre Körperhaltung und Bewegung. Frauen machen kleine Schritte, weil sie oft durch die Schuhe dazu gezwungen werden. Ziehen Sie einem Mann mal die sexy High Heels seiner Frau an. Seine Schrittfrequenz wird plötzlich winzig werden, er wird beginnen, beim Gehen in der Hüfte zu schwingen und wird einen niedlich hilflosen Eindruck erwecken. Das ist eine tolle Möglichkeit, sich den Respekt eines Mannes zu verdienen. Lassen Sie ihn auf ebener Strecke dauerhaft „bergab“ laufen, so wie er es bei Ihnen am liebsten sieht. Lassen Sie ihn mit Pfennigabsätzen über Kopfsteinpflaster hoppeln und die Erfahrung mit Gittern im Boden machen. Ein neues paar Schuhe müsste da schon als Anerkennung drin sein, oder? Beim Sitzen ist es vorteilhafter, die Beine geschlossen zu halten, wenn man einen Rock trägt. Das ist logisch. Außer man befindet sich beim Frauenarzt. Ich kenne keine Frau, die „Hurra!“ schreit, wenn sie bemerkt, wie ein Mann ihr in den Schoß starrt. Frauen halten sich generell lieber geschlossen und wählen mit Bedacht, wem sie gewisse Dinge von sich preisgeben oder wem nicht. Eine Frau, die gerade und breitbeinig dasteht, lässig die Hände in den Hosentaschen hat und das Becken leicht nach vorne schiebt, wirkt maskulin. Eine Frau, bei der die Füße grazil zusammenstehen, die sich weich bewegt und viel lächelt, wird definitiv als sehr feminin eingestuft. Auch mit Berührungen haben Frauen weniger Probleme als die Herren. Sie begrüßen sich gerne mal mit Umarmungen oder Küsschen, Küsschen. Eine Frau, die eine andere trösten will, nimmt sie in den Arm. Ein Mann, der in der misslichen Lage ist, jemandem Trost zusprechen zu müssen, haut ihm auf den Rücken oder bestellt ihm ein Bier. Zu guter Letzt besteht ein großer Unterschied zwischen Mann und Frau, wenn es darum geht, sich zu schmücken. Frauen betonen alles, was ihnen von Natur aus gegeben oder nicht gegeben ist. Da erstrahlen die Lippen in verführerischem Rot oder ziehen glossig glänzend die Aufmerksamkeit auf sich. Augen werden mutwillig und mit Schminktricks vergrößert, damit das Gesamtbild kindlicher und harmloser erscheint. Haare werden wallend zur Schau gestellt, bei Bedarf wird kokett daran herumgezwirbelt, und bemalte rote Wangen täuschen den Zustand der Erregung vor. Manche Frauen verwenden hingebungsvoll viel Zeit für die eigene Pflege und investieren Unmengen an Geld in der Hoffnung, schöner auszusehen. Ich will auch schöner aussehen, nur habe ich einen Trick: Ich lache viel. Das spart die Schminke. Die Bedeutung des Status Ein Blick auf das Statusverhalten der Menschen gibt uns interessante Hinweise auf die Wirkung von Körpersprache. In der Theaterwelt spielt der Statusbegriff von Keith Johnstone, britischer Dramaturg und Begründer des Improvisationstheaters, eine wichtige Rolle. Er unterscheidet zwischen Hochstatus, Gleichstatus und Tiefstatus, also Überlegenheit, Ebenbürtigkeit und Unterlegenheit. Das Statusverhalten ist ein nützliches Werkzeug für die Analyse und die Steuerung von Kommunikation. Der Status drückt sich aus im Verhalten einer Person gegenüber einer anderen Person, gegenüber einer Gruppe von Personen und gegenüber dem Raum. Für Schauspieler ist das Wissen über Statusverhalten ein Muss. Jede Rolle ist mit einem bestimmten Status verknüpft. Dessen ist sich der Schauspieler bewusst, und hier kann er spielerisch variieren. Die Beziehung zwischen Hochstatus und Tiefstatus lässt Rückschlüsse auf das Machtverhältnis zwischen zwei Menschen zu. Wer wird wohl in die Pfütze treten, die sich auf dem schmalen Weg zweier sich entgegenkommender Spaziergänger befindet? Wer weicht auf dem schmalen Gang zur Toilette aus, quetscht sich an die Wand, um den anderen durchzulassen? Mal abgesehen von geschlechtsbedingten Unterschieden, etwa wenn Männer mit ritterlichem Verhalten beeindrucken oder wenn Frauen mit devotem Ausweichen den Erwartungen an ihr „schwaches Geschlecht“ Tribut zollen wollen, befindet sich der Pfützentreter im Tiefstatus und der mit trockenen Füßen im Hochstatus. Der Status kann sich jederzeit ändern Sobald wir auf einen anderen Menschen treffen, beginnen wir unterbewusst mit der Überprüfung seines Status – und auch unseres eigenen. Welchen Status hat mein Gegenüber inne? Welchen nehme ich ein? Wie fühle ich mich? Muss ich dagegenhalten, oder soll ich es mir gönnen, mich in einen Tiefstatus zu begeben? Der Status kann sekündlich geändert werden. Erfahre ich beispielsweise, dass der vermeintliche Kellner in Wirklichkeit der reizende, aufmerksame Gastgeber ist, ändert sich schlagartig mein Status von Hochstatus zu „Im-Boden-versink-Status“. Der Status ist abhängig von Situation, Umgebung und sogar von der Tageszeit. Habe ich einen tollen Anruf erhalten, fühle ich mich super und stolziere unverwundbar durch die Welt. Bei einer schlechten Nachricht möchte ich mich zurückziehen und sogar noch unter dem Tiefstatus hindurchkriechen. Statusverhalten kann auch tagesabhängig sein. Morgens sind wir ausgeruht, dann trifft in der Bahn Hochstatus auf Hochstatus, und im Büro weht ein Lüftchen von frischem Tatendrang durch die Flure. Gegen Abend sinken die Menschen naturgemäß in sich ein und sind froh, wenn sie im Aufzug oder auf der Treppe nur mehr schmal lächelnd ein „Schön’n Feierabend“ grunzen müssen. Den Status erkennen In der Körpersprache gibt es einige markante Signale, anhand derer Sie den Status Ihres Gegenübers erkennen können. Zu wissen, wen Sie vor sich haben, bringt Sie in eine günstigere Verhandlungsposition, weil Sie sich je nach Situation auf ihn einstellen können. Wollen Sie ihn einschüchtern, nehmen Sie Hochstatus ein. Wollen Sie ihn für sich gewinnen, holen Sie ihn einfühlsam da ab, wo er ist. Die Kenntnis über unterschiedliches Statusverhalten hilft dabei, ein Gefühl für die Bedeutung von Körpersprache zu bekommen. Die Aussage über den Status eines Menschen ist nicht wertend, sondern betrifft die Art, wie wir ihn empfinden. Dabei spielt die Situation, in der wir selbst uns befinden, eine wichtige Rolle. Eine Frau, die den Tiefstatus verkörpert, wird im Berufsleben weniger kompetent wirken, aber anziehend auf Männer wirken, die auf der Suche nach einer freundlichen, eher devoten Partnerin sind. Frauen können den Tiefstatus beliebig einsetzen, um bei Männern den Beschützerinstinkt zu wecken. Männer können einen Gleichstatus einnehmen, falls sie die Frau mit ihrer Dominanz nicht überfordern und sich auf die gleiche Ebene begeben wollen. Aber Vorsicht, sonst fällt irgendwann der flirttötende Satz: „Ja, ich mag dich, aber doch nur als Kumpel!“ Wenn eine Mutter ihr dreijähriges Kind anfuchtelt, mit schriller Stimme und wackelndem Kopf sagt: „Hör doch bitte auf, dein Bruder mag jetzt keine Erde mehr essen!“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sofort die nächste Ladung Erde in den kleinen Bruder schaufelt. Eine Mutter, die von der Körpersprache her einen Tiefstatus einnimmt, wird vom eigenen Kind nicht ernst genommen. Tragisch, ist aber so. Sobald allerdings wirklich das Maß überschritten ist und die Mama aus allen Körperöffnungen dampft, wird sie die Stimme automatisch senken, langsam und bedrohlich sprechen, den Kopf ruhig halten und von der Zehe bis zur Haarspitze angespannt sein. Das ist dann der Moment, in dem ein Kind weglaufen oder eine gut eingeübte Entschuldigung parat haben sollte. Sie spüren gewöhnlich instinktiv, in welchem Status sich jemand befindet. Im Folgenden beschreibe ich typische Merkmale von Hochstatus und Tiefstatus, anhand derer Sie Ihr Gefühl überprüfen können. Hochstatus: Dominanz, Kontrolle, Überlegenheit Körperhaltung Personen im Hochstatus wirken wie ein Fels in der Brandung und haben einen festen Stand; sie machen sich groß und stehen oder gehen aufrecht; ihre Körperhaltung ist offen; sie haben eine gute Körperspannung (ohne angespannt zu wirken), halten die Schultern gerade und/oder drehen die Fußspitzen nach außen; sie nehmen sich in jeder Körperhaltung Raum; die Daumen (als Dominanzsymbol) sind sichtbar, zum Beispiel wenn die Hände in den Taschen verschwinden; sie suchen Blickkontakt und halten den Blick. Gestik und Mimik Sie lächeln dosiert (nur, wenn sie es für richtig halten), zwinkern kaum und halten den Kopf ruhig; sie berühren andere Menschen, indem sie zum Beispiel ihre Hand auf deren Schulter legen; sie machen ausladende, raumgreifende Gesten und haben dabei meist eine offene Handhaltung; bei der Begrüßung per Handschlag zeigt ihre Handfläche nach unten, somit dominieren sie den anderen, indem sie ihn in eine bittende Handhaltung drängen. Stimme Die Stimmlage von Personen im Hochstatus ist meist tief, und sie haben eine ruhige und langsame Sprechweise; der Hochstatus braucht kein Megaphon, um sich Gehör zu verschaffen, er bekommt Aufmerksamkeit durch seine Präsenz, unterstützt durch eine laute Stimme; sollte der Hochstatus mal drohen verloren zu gehen, dann werden ein Räuspern oder andere Geräusche wie „mmh“, „ja“ hörbar; er rechtfertigt sich nie und stellt Fragen, wann immer es ihm passt. Tiefstatus: Freundlichkeit, Unterlegenheit, Kontrollabgabe Körperhaltung Personen im Tiefstatus machen sich klein; sie ziehen die Schultern hoch (schützen ihren verletzlichen Hals); die Fußspitzen zeigen eher zueinander; im Sitzen auf dem Stuhl sind Füße unter die Sitzfläche gezogen; der Tiefstatus hält Distanz, denn da fühlt er sich wohler, und er erduldet die Berührungen des Hochstatus ohne aufzubegehren. Gesten Im Gegensatz zum Hochstatus lächelt der Tiefstatus sehr viel; diese Personen vermeiden eher den Blickkontakt und der Kopf wackelt beim Sprechen (ist unruhig); bei Begrüßung per Handschlag zeigt die Handfläche nach oben wie bei einem Bittenden: „Haste mal ’n paar Cent?“ Stimme Personen im Tiefstatus sprechen mit leiser, hoher Stimme in einem hohen Sprechtempo und rechtfertigen sich gerne mal. Was tun, wenn jemand unseren Status angräbt? Wenn jemand an Ihrem Status gräbt, reagieren Sie nicht zickig oder eingeschnappt. Wenn jemand einen Witz auf Ihre Kosten macht, hören Sie lediglich auf zu lächeln. Aber sagen Sie nichts. Kein Wort. Das haben Sie gar nicht nötig. Sie werden sehen, das kommt an, und Sie behalten Ihre Würde. Ein Status wird auch angegraben, wenn ein Rangniedrigerer den Ranghöheren berührt. Ein Arzt darf seinen Patienten berühren, ein Chef seinen Mitarbeiter, nicht aber umgekehrt. Behalten Sie bitte im Hinterkopf, dass ein Hochstatus ein Gegenüber mit Tiefstatus braucht. Das Gefälle macht das Statusverhalten aus. Ein Zweimetermann weiß erst, wie groß er ist, wenn er einem kleineren Menschen gegenüber steht. Ohne Referenzstatus kein eigener Status. STATUSVERHALTEN IM ALLTAG Das Wissen über Statusverhalten kann Ihnen im Alltag sehr nützlich sein. Beobachten Sie Ihre Mitmenschen und erkennen Sie ihre unterschiedliche innere Haltung. Üben Sie damit. Stellen Sie sich auf die jeweilige Situation ein, versuchen Sie flexibel zu reagieren. Beim verspäteten Eintreffen zum Termin im Arbeitsamt wird man Ihnen wohlgesonnener sein, wenn Sie einen Tiefstatus einnehmen, im Umgang mit Ihren Kindern rate ich Ihnen eher zum Hochstatus. Suchen Sie sich aus, wie Sie mit der neuen Erkenntnis über Ihr Gegenüber umgehen wollen und für welchen Status Sie sich entscheiden. Ich beispielsweise begebe mich schon mal bewusst in den Tiefstatus, wenn ich mit einem Mann vor dem Schaufenster mit den schicken Pumps demonstrativ stehenbleibe: Ich mache mich klein, lächle debil, kuschele mich an ihn und wispere mit Rehaugenblick: „Ach Schatzi, mit dir macht einkaufen sooo viel Spaß.“ Der richtige Abstand Dinge, die wir nicht mögen – oder noch nicht mögen –, sollen möglichst weit weg bleiben. Dinge, die uns guttun, sollen schön nah an uns heran. Deshalb habe ich mich früher auf dem Schulhof immer weit weg von den Lehrern gestellt, und darum trage ich mein Handy so nah wie möglich am Körper. Manche Frauen tragen es sogar in ihrem BH. Abstand ist für uns wichtig. Vor allem nach vorne und nach hinten. Seitlich sind wir schon eher bereit, jemanden näherkommen zu lassen. Da fühlen wir uns durch die Schulter und den Arm geschützt. Sicher fühlen Wir fühlen uns sicher, wenn wir uns frei bewegen können, so kann die steinzeitliche Waffe frei geschwungen werden. Und jeder hat ein Recht auf seine Distanzzone. Bitte drängen Sie sich nicht auf, wenn Sie merken, dass jemand zurückweicht. Dieser Mensch braucht den Abstand. Möglicherweise wird sich dieser Abstand im Laufe des Gesprächs oder Kontakts verringern. Wenn nicht, müssen Sie ein Schippchen an Esprit und Charme nachlegen oder sogar selbst ein wenig zurückweichen, um Ihrem Gegenüber mehr Raum und damit Sicherheit zu geben. Die „öffentliche Distanz“ Die öffentliche Distanz beträgt mindestens drei Meter, eher noch mehr. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Präsentation oder hielten eine Rede vor fremden Menschen. Da wäre es Ihnen doch am liebsten, wenn die weit weg säßen, oder? Zumindest nicht so nah, dass sie Ihre Pickel im Gesicht zählen können. Sobald der Vortrag zu Ende wäre, würden Sie entscheiden, wen Sie bei einem Bier in ihre soziale Zone eindringen lassen wollen. Zonen Vielleicht gewähren Sie dem charmanten Herrn aus Reihe drei Zugang zu Ihrer sozialen Zone, damit Sie ihm in einem privaten Vortrag die Zusammenhänge Ihrer Präsentation genauer erklären könnten. Dabei würde er Ihnen bis auf drei Meter entgegenkommen. Wenn er Sie weiterhin so charmant anlächelt und Ihnen wiederholt erklärt, was für eine tolle Frau Sie sind, dann laden Sie ihn in Ihre persönliche Zone ein. Er darf dabei bis auf einen Meter an Sie heran, und Sie können seinen Duft einatmen, die Farbe seiner Iris überprüfen und die Signale, die er sendet, genauer studieren. Bei positiven Ergebnissen schnappen Sie sich ihn und zerren ihn in Ihre Intimzone. Das ist die Winzlingszone um uns herum. Näher als etwa 50 Zentimeter darf uns niemand kommen, unsere Familie oder Partner oder zukünftige Partner ausgenommen. Weder von vorne noch von hinten. Nur von der Seite verringert sich diese „Rührmichnichtan“-Blase noch einmal. Wenn Sie dem Herrn Zugang dazu erlaubt haben, bleibt nur noch eine Zone, die alle anderen dann nichts mehr angeht. Viel Vergnügen! Die persönliche Zone reicht bis zu einem Meter an Sie heran. Näher als 50 Zentimeter dürfen uns nur wenige Menschen kommen. Individuelle Distanzzonen Menschen, die großes Gedränge gewohnt sind, zum Beispiel weil sie in der Großstadt leben, haben eine kleinere Distanzzone. Sie haben keine andere Wahl, als Menschen näher an sich heranzulassen als beispielsweise das ländliche Volk. Stellen Sie sich vor, jeder würde während der Rushhour im Bus auf seine persönliche Distanzzone bestehen – er wäre nur halb so voll und Sie könnten den nächsten nehmen. Kleinere Menschen fühlen sich manchmal wohler, wenn sie ein wenig Abstand haben, dann wirken sie nicht mehr so klein wie wenn sie direkt neben einem größeren stehen. Sie haben aus dem Bedürfnis nach mehr Überblick das Bedürfnis nach größerer Distanz entwickelt. Bleib mir vom Leib Die tatsächlichen Distanzzonen können auch infolge erhöhter Schweißproduktion oder mangelnder Körperhygiene variieren. Stinker sind einsam und haben viel Platz. Wenn ein Badegast im Freibad sein Handtuch direkt neben uns legt, könnte er sich auch gleich auf uns drauf legen, so nah wie er in unsere persönliche Zone eindringt. Gerade im Schwimmbad sind wir durch die spärliche Kleidung verletzlicher, etwaige ästhetische Mängel eines Körpers sind offensichtlich. Der Wunsch nach Nähe wird jedenfalls stark gebremst. Auch in Kino, Theater, Flugzeug oder Bahn dringen andere Menschen gerne ohne zu fragen und in einer Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht, in unsere Intimzone ein und legen ihren Arm auf unsere Lehne. Abhacken ist nicht erlaubt, und so ärgern wir uns und spüren, wie wir auf dem Nährboden des Ärgers Gallensteine züchten. In einem Restaurant oder bei einer Besprechung steckt jeder seine Intimzone ab, indem er seine Sachen vor sich ausbreitet. Ich lasse zu diesem Zweck in einem Restaurant gerne mal meine Jacke über dem Stuhl hängen. Das schützt mich von hinten. Handys liegen grundsätzlich näher am Besitzer als am Tischnachbarn. Sie können ja mal versuchen, Ihr Handy in einem unbeobachteten Moment näher an Ihren Nachbarn zu schieben. Ich wette, er wird es zurückschieben, sich unbehaglich fühlen oder je nach moralischer Erziehung einstecken. Distanzzonen ausprobieren Wenn Sie sich „bedroht“ fühlen, weil der andere sich in Ihrer Intimzone breit macht und Ihnen zu nah kommt, dann bauen Sie Barrieren auf, damit Sie sich sicherer fühlen. Wenden Sie Ihren Oberkörper ein wenig vom Gesprächspartner ab, aber lassen Sie den Blick und Kopf bei ihm. Die Distanzzonen sind von Kultur zu Kultur und von Mensch zu Mensch unterschiedlich, daher müssen wir uns hier aufeinander einstellen. Da Sie nun besser darüber Bescheid wissen, können Sie es steuern. Im Zug oder Flugzeug bauen viele Menschen automatisch eine Barriere, indem sie eine Zeitschrift, ein Buch oder notfalls auch die Sicherheitshinweise wieder und wieder lesen. Sie sind dann für sich und vor der Außenwelt geschützt. Ein Laptop bietet weniger Schutz, weil es eher zum neugierigen „Mitlesen“ animiert. Ich stecke mir überdies grundsätzlich Ohrhörer in die Ohren, damit mich auch ja niemand anspricht. Vorteil: Wenn die Musik ausgeschaltet ist, höre ich alles, was die anderen ungeniert erzählen, weil sie denken, ich höre nichts. Sitzen Sie am Tisch und bemerken, wie ein Kollege oder Geschäftspartner Ihnen zu nahe kommt, dann nehmen Sie einen Gegenstand in die Hand, um eine Barriere zu bilden, zum Beispiel ein Glas, das Blatt Papier vor Ihnen oder das Tablett. Sie können auch mithilfe der Arme eine Barriere formen. Sobald Sie bemerken, dass Ihr Gegenüber zurückweicht oder „zumacht“, überprüfen Sie, ob Sie ihm vielleicht zu nahe gekommen sind. Vergrößern Sie die Distanz und sehen Sie, was passiert. Entspannt sich der andere, dann haben Sie genau das Richtige getan. Möchten Sie Ihrem Gegenüber Vertrautheit suggerieren, dann berühren Sie ihn leicht und kurz am Oberarm. Er wird unbewusst das Gefühl haben, dass Sie sich nahe stehen, weil er Sie in seine Intimzone gelassen hat. Testen Sie das Bedürfnis Ihrer Mitmenschen nach Distanz ruhig einmal aus und beobachten Sie, wie sich deren Körpersprache verändert. Setzen Sie sich nah neben eine Person, die auf einer Bank sitzt. Stellen Sie sich in einer Schlange dicht hinter die letzte Person. Treten Sie im Aufzug mal nicht an die Seite, sobald eine andere Person einsteigt. Distanzspiele im Aufzug sind meine Lieblingsbeschäftigung. Bilden Sie eine Barriere, wenn Ihnen jemand am Tisch zu nahe kommt. Sich in andere hineinversetzen Spiegelneuronen sind Nervenzellen im Gehirn, die dafür sorgen, dass Gefühle und Stimmungen anderer Menschen auch vom Beobachter empfunden werden. Mit anderen Worten: Wir sind ein ziemlich gut funktionierender Imitator von Gefühlen. Die Spiegelneuronen im Gehirn feuern, sobald sie auch nur gekitzelt werden, daher können wir uns in andere Menschen, in Situationen oder auch in das, was uns nur erzählt wird, hineinversetzen. Die meisten von uns jedenfalls. Warum weinen wir mit, wenn andere weinen? Weil wir es nachempfinden können, weil wir mitfühlen. Das ist sehr wichtig für die soziale Bindung. Zu wissen, wie sich jemand fühlt, beeinflusst unser Verhalten und unsere Reaktion. Die Spiegelneuronen feuern auch, wenn ich mich kurz vor dem Drehen mental auf eine traurige Szene vorbereite. Und das Prinzip funktioniert nicht nur bei mir, weil ich mich in die Situation hineinversetze, sondern mein Verhalten löst auch oft eine Welle des Mitgefühls bei der spiegelneuronenbeschossenen Filmcrew aus: Sobald ich mich in eine Ecke zurückziehe und darauf einstimme, gleich vor laufender Kamera zu weinen, kommen sie zu mir und fragen: „Hey Yvonne, was ist denn los?“ Warum sind wir eifersüchtig? Weil wir in der Lage sind, uns vorzustellen, was der andere gerade tut. Warum verziehen wir mitfühlend das Gesicht, wenn jemand erzählt, dass er sich in den Finger geschnitten hat? Weil wir uns vorstellen können, wie es sich anfühlt, wenn ein stechender Schmerz unseren Körper durchfährt. Diese Fähigkeit ist in nahezu jedem gesunden Menschen vorhanden. Es gibt lediglich Abweichungen, die wahrscheinlich auf Erziehung und kulturelle Unterschiede zurückzuführen sind. Asiaten beispielsweise halten sehr viel konsequenter die emotionale Contenance als Europäer. Sie zeigen selten große Gefühlsausbrüche. Italiener sind da anders. Wir Deutschen irgendwo dazwischen. Kinder gehen bei guten Geschichtenerzählern so intensiv mit, dass sich ihre Mimik der des Sprechers anpasst. Von böse bis zu erstaunt oder erleichtertem Lachen. Runzelt er die Stirn, dann runzeln sie auch die Stirn. Erzählt er mit weit aufgerissenen Augen von der drohenden Gefahr, dann blickt man im Publikum in ebenso weit aufgerissene Augen. Kinder trauen sich noch viel mehr, sich gehenzulassen und erleben das Gehörte intensiver. Lernen durch Nachahmen Die Spiegelneuronen sind auch für das Lernen wichtig. Kinder spiegeln automatisch von Geburt an. Oder glauben Sie, das Baby findet es lustig, wenn die Mama mit dem Fotoapparat vor der Wiege steht und ihr Gesicht zu einem breiten „Lach doch mal“-Grinsen verzieht? Nein, es grinst, weil die Mama grinst. Kinder lernen durch Nachahmen. Die guten und die schlechten Verhaltensweisen. Doch glücklicherweise gibt es einen Sicherheitsschalter. Es wäre schlimm, wenn wir alles nachmachten, was wir sehen. Wir würden keine Kontrolle mehr über unsere Gefühle haben und wie geklonte Zombies durch die Straßen wandern. Dank diesem Schalter können wir unterscheiden, was wir lernen wollen und was wir nicht lernen wollen. Wir können uns also aktiv abgrenzen, unsere Aufnahmebereitschaft blockieren. Pubertierende Jugendliche beispielsweise schaffen es hervorragend, sich gegen emotionale Ausbrüche der Eltern abzugrenzen. Sobald aber die Freundin einer Freundin von ihrem Freund verlassen wird, werden synchron ganze Tränenbäche verschüttet. Aber: Die Tatsache, dass uns alles, was wir tun, erleben und sehen, beeinflusst, hat auch einen Nachteil. Sind wir es gewohnt, Gewalt zu sehen oder zu erfahren, dann stumpfen wir ab. Das bedeutet zum Beispiel, dass Ego-Shooter die Hemmschwelle des Spielers gegenüber Gewalt herabsetzen, weil dieser nicht nur sich, sondern auch seine Spiegelneuronen auf entspannten Umgang mit Gewalt „trainiert“. Wird der Spieler nun im realen Leben mit Gewalt konfrontiert, feuern die Neuronen sofort: „Kenn ich, kenn ich …“. Alles, was wir im Dauerbeschuss „erleben“, hat Einfluss auf unser Empfinden. Wenn wir jemanden vor dem Fernseher auf einen Stuhl fesseln, seine Augenlider an die Brauen kleben und 72 Stunden Rosamunde Pilcher laufen lassen, wird das seine Einstellung zu Kühen aus Südengland verändern. Steter Tropfen höhlt den Stein. Spiegeln, um gleiche Augenhöhe zu vermitteln Sie können das Spiegeln auch bewusst einzusetzen, um Ihrem Gegenüber zu zeigen, dass Sie ihm zustimmen, dass Sie sich auf einer Ebene befinden. So vermitteln Sie ihm ein Gefühl von Vertrautheit. Das können Gesten sein, Körperhaltungen, aber auch die Stimme, Stimmlage, Sprechrhythmus, Atemrhythmus. Geben Sie’s doch zu: Sie lächeln auch manchmal aus Höflichkeit, wenn Ihnen jemand eine Geschichte erzählt, die er selbst, und nur er selbst total lustig findet. Wir tun das, um zu gefallen. Und das ist völlig in Ordnung. Lächeln Sie zurück, was das Zeug hält, das macht Sie sympathisch. Zeigen Sie sich erstaunt, wenn der andere sich erstaunt zeigt. Lassen Sie sich mit gespiegelter Mimik auf die Erzählung ein. Erstens macht das Spaß, zweitens freut sich Ihr Gegenüber und drittens sind Sie so emotional näher an ihm dran, weil Sie seine Gefühle besser nachvollziehen können. Spiegeln Sie seine Körpersprache. Nehmen Sie seine Körperhaltung ein. Es lässt sich leichter kommunizieren, wenn sich der andere verstanden fühlt. Aber Achtung: Äffen Sie ihn nicht nach, indem Sie jede seiner Gesten oder mimischen Facetten sofort nachahmen. Diese sind oft sehr speziell und sehr flüchtig und drücken eher eine sich rasch ändernde innere Verfassung aus, während die Körperhaltung schwerfälliger und konstanter ist. Einfacher ausgedrückt: Mit dem ganzen Körper lässt es sich schlechter kurz zucken als mit einer Augenbraue. Beschränken Sie sich also am Anfang auf die Körperhaltung. Ich finde diese Art der Manipulation hervorragend, um eine gute Stimmung zwischen den Gesprächspartnern zu erzeugen. Übernehmen Sie das Kommando! Wenn Sie ein Anliegen vorzubringen haben, ist es sinnvoll, auf einer Wellenlänge mit dem Gesprächspartner zu sein. Ob Sie das sind, spüren und sehen Sie an der Körpersprache. Spiegeln Sie sich gegenseitig? Das ist ein gutes Zeichen. Ein noch besseres Zeichen ist, wenn er beginnt, Ihren Bewegungen zu folgen. Dann übergibt er Ihnen die „Führung“. Sollten Sie die „Führungsrolle“ haben, vermeiden Sie negative Haltungen, wie die Beine abwendend übereinanderschlagen oder sich zurücklehnen und die Arme verschränken. Bei einem Essen mit einer mir noch unbekannten potenziellen Geschäftspartnerin kam es darauf an, dass wir uns gut verstehen. Ich wollte von Anfang an einen guten Draht zu der Dame aufbauen, wollte offen, freundlich und kompetent wirken. Wir saßen am Tisch nebeneinander, ihr Mann saß ihr gegenüber. Weil sie emphatisch nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen war, war es relativ schwer, ein Gespräch am Laufen zu halten, das mich befriedigte. Sie beanspruchte beispielsweise einen Löwenanteil der Redezeit, indem sie mich mit Fragen löcherte, deren Antwort sie nicht abwartete, und drohte mich so in einem Redeschwall zu ersäufen. Sie lehnte sich zurück, so dass sie mich von hinten von der Seite ansprach, und zwang mich so unterbewusst dazu, mich ebenfalls zurückzulehnen, wenn ich nicht den Kopf um 120 Grad drehen wollte. Ich empfand ihre Körpersprache als ungehobelt, dominant und frech. Ihre Mimik und ihre Worte waren freundlich, aber ich fühlte mich unwohl. Da beschloss ich, sie zu spiegeln. Ihr quasi einen Spiegel vorzuhalten. Jedes Mal, wenn sie ihre Körperhaltung änderte, änderte ich meine kurz darauf. Und raten Sie, was passierte? Nach einer Weile begann sie mich zu spiegeln. Ich übernahm die Führung. Und da sie ohnehin die ganze Zeit redete, konnte ich mich wunderbar auf unseren kleinen Tanz konzentrieren. Aber was soll ich Ihnen sagen: Ich kam zu dem Schluss, dass sie geschäftlich doch nicht so interessant für mich war, und hörte auf mein Bauchgefühl. Das sagte mir, ich solle jetzt essen und mich dann freundlich verabschieden. Die Körperhaltung Die Körperhaltung ist meist das erste, was wir bei einem Menschen wahrnehmen, wenn auch unbewusst. Sie kann ein wichtiger Hinweis auf seine Grundstimmung und sogar auf sein bisheriges Leben sein. Ein vom Schicksal gebeutelter Mensch, der im Leben schon viel auf seinem Rücken „ertragen“ hat, wird eher gebeugt gehen und einen runden Rücken vorweisen. Auch besonders große Menschen neigen dazu, den anderen näher sein zu wollen, indem sie sich krümmen und so versuchen, kleiner zu erscheinen. Die Muskulatur gewöhnt sich an eine Haltung, die immer wieder eingenommen wird, und festigt diese im Laufe der Zeit. Körper: Ein guter Gesamteindruck Durch die richtige Körperhaltung selbstbewusster werden Ob im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen, grundsätzlich gilt: Je offener unsere Körperhaltung ist, desto sicherer fühlen wir uns. Und das hat sogar einen Rückkopplungseffekt. Ich habe diesen auf Seite 10 anhand des Beispiels mit dem Bleistift und dem Lachen erklärt: Auch wenn wir Lachen zunächst nur imitieren, macht uns das glücklich. Nutzen Sie den Rückkopplungseffekt vor wichtigen Terminen für sich. Führen Sie ein paar Momente vor dem Termin, zum Beispiel vor einem Bewerbungsgespräch, eine „Machtgeste“ durch. Sie können die Hände breit in die Hüften stützen oder die Hände hinter dem Kopf verschränken und die Ellbogen raumgreifend nach außen zeigen lassen. Machen Sie sich groß. Dann wird auch Ihr „Geist“ groß. Das mag dem ein oder andern jetzt vielleicht ein bisschen esoterisch vorkommen, aber lieber bin ich für einen Moment dämlich als für die Zukunft arbeitslos. Spielen Sie auf keinen Fall an Ihrem Smartphone herum. Vielleicht wollen Sie noch mal eine Mail lesen oder eine SMS an Ihren Partner schicken: „Oh, ich bin so aufgeregt“, aber damit tun Sie sich nichts Gutes für das bevorstehende Gespräch oder die Präsentation. Im Gegenteil, Sie krümmen sich zusammen, machen sich klein. Sie wollen doch nicht in Tischkantenhöhe den Saal der Entscheidung betreten? Nehmen Sie Raum ein und nehmen Sie dieses Gefühl mit in die Besprechung oder die Präsentation. Bevor Sie jetzt wie eine überambitionierte Dampfwalze Ihre Gesprächspartner niedermähen, besinnen Sie sich kurz, atmen Sie durch und lächeln Sie dem verstörten Zuschauer entwaffnend zu, der Sie auf seinem Weg zur Toilette als aufgeblasenes Alphamännchen oder -weibchen mit über dem Kopf verschränkten Armen durch die Gänge röhren sah. Dazu kann ich ein schönes Beispiel erzählen. Bei Castings sitzt man vorher in einem Wartebereich, wie beim Arztbesuch. „Der Nächste, bitte!“ erlöst dann die jeweiligen nervösen Gemüter. Ich bin immer nervös in solchen Situationen! Grundlos, denn es geht ja schließlich nur um die Ernährung meiner Familie. Also musste ich auch diesmal das Beste geben. Zuerst steckte ich das Smartphone wieder in die Tasche. Jetzt konnte mir sowieso keiner mehr helfen. Dann ging ich betont lässig (denn Coolness gehört unbedingt dazu) an der wartenden Konkurrenz vorbei und betrat den kleinen Toilettenraum. Ich stemmte die Arme in die Hüfte, dann legte ich die Arme in den Nacken, nahm so viel Raum ein, wie ich konnte, und spürte, wie sich mein Körper mit Selbstbewusstsein füllte. So stolzierte ich mit großen Schritten an den Waschbecken auf und ab, ich hörte meine Schritte fest auf dem gefliesten Boden klacken. Plötzlich rauschte die Spülung in einer der Toilettenabteilungen und sofort darauf öffnete sich die Tür. Eine Mitbewerberin sah mich irritiert an, wie ich so mit hinter dem Kopf verschränkten Armen erstarrt vor dem Waschbecken stand. Dann lächelte sie und sagte freundlich: „Mach ich auch immer“, wusch sich die Hände und ging hinaus. Neue Körperhaltungen ausprobieren Jeder hat Körperhaltungen, die er sich im Laufe seines Lebens angewöhnt hat. Wir imitieren unsere Eltern, wir spiegeln unsere Freunde, um in der Gruppe akzeptiert zu sein, und letztlich prägt das Leben selbst unsere Haltung. Entscheiden Sie selbst, ob Sie mit Ihrer Körperhaltung glücklich sind oder nicht. Fühlen Sie sich wohl? Wie wirken Sie auf andere? Wie wirken andere auf Sie? Welche Körperhaltungen anderer empfinden Sie als angenehm? Imitieren Sie doch mal diese Körperhaltungen. Wie fühlt sich das an? Fühlen Sie sich anders? Selbstbewusster? Zurückhaltender? Haben Sie das Gefühl, das passt zu Ihnen? WAS BRUST UND PENIS UNS SAGEN Die weibliche Brust: Frauen neigen dazu, sich ihren körperlichen Gegebenheiten anzupassen. So lässt sich eine große Brust leichter tragen, wenn man einen geraden Rücken hat und die Brust ein wenig nach vorne streckt. Doch letztlich hat das Präsentieren der Brust immer etwas mit dem eigenen Körpergefühl zu tun. Ist frau zufrieden damit, wird frau sie auch entsprechend ins Licht rücken. Schämt sie sich indes dafür und wird durch allzu offensichtliche Blicke verunsichert, wird sie versuchen, sie durch ihre Körperhaltung zu verstecken, egal ob sie nun groß oder klein ist. Das männliche Genital: Präsentiert der Mann sein Genital, indem er die Hüfte vorstreckt, dann ist er meist der Überzeugung, dass es auch gesehen werden will. Rahmt er diesen Bereich auch noch ein, indem er seine Daumen in den Hosenbund steckt und seine Finger nun die Aufmerksamkeit auf sein bestes Stück lenken, ist klar: Hier gibt’s was zu sehen. Auf Frauen kann dieses Verhalten eher befremdlich wirken. Also Vorsicht, Jungs. Ich selbst übe täglich. Ich beobachte mich, wie und warum ich in manchen Situationen so oder so stehe oder sitze. Doch alles hat seine Grenzen, dazu ein Beispiel: Neulich war ich in einer Talkshow, bei der das Sofa so hart war, dass ich beim Hinsetzen schmerzhaft spürte, wie meine Wirbel mir meine forsche Bewegung verübelten. Während die Moderatoren mit mir sprachen, rutschte ich auf meinem Platz herum und ärgerte mich. Hatte ich mir doch vorgenommen, so lässig und entspannt wie möglich zu wirken, und nun zermarterte ich mir stattdessen den Kopf: „Hey, Yvonne, jetzt weißt du so viel über Körpersprache und richtiges Sitzen und Wirkung und lässt dich von einer unangenehmen Lage aus der Ruhe bringen wie ein Wäschemodel von einer schlecht sitzenden Unterhose.“ Ich wusste ja, dass ich besser offen sitzen sollte, die Hände sichtbar, keine körperlichen Barrieren bauen, aber als die Kamera dann anging, saß ich da mit verschränkten Händen über dem Knie, das ich über das andere geschlagen hatte, und fühlte mich unwohl. Durch diese Haltung fielen automatisch meine Schultern nach vorne und ich wirkte klein. Hätte ich mich aber weniger grazil hingesetzt, hätte mein Gesäß auf diesem harten Untergrund in der Kamera riesig groß gewirkt. Hätte ich mich nach hinten gelegt, hätte es arrogant wirken können und zu lässig. Ich entschied mich, ich zu sein und mich auf das zu konzentrieren, was ich zu sagen hatte. Körpersprachlich war es bestimmt ein Desaster, aber ich stand hinter dem, was ich erzählen wollte, und danach lobte man mich dafür, wie sympathisch und glaubwürdig ich gewirkt hatte. Lassen Sie sich von einer unerwarteten Situation nicht aus der Bahn werfen. The show is sowieso going on. Körperhaltung ist tageszeitabhängig Na, da muss ich wohl nicht viel dazu sagen. Der Körper wird im Laufe des anstrengenden Tages immer kleiner und streckt sich erst abends im Liegen wieder aus. Ebenso nimmt die Leistungsfähigkeit des Geistes im Laufe eines erfüllten Arbeitstages ab, so dass wir uns nur noch müde nach Hause vor den Fernseher schleppen und gerade noch fähig sind, eine Wahl zu treffen zwischen Unterklassen-TV, Quizsendung und blutiger Crimestory. Körperhaltungen überprüfen Wenn Sie Lieblingshaltungen haben, dann entscheiden Sie, ob es welche sind, die Sie sich abgewöhnen sollten oder ob es vielleicht genau diese sind, die Vertrauen wecken und Sie sympathisch wirken lassen. Haben Sie die Angewohnheit, ein Bein über das andere zu schlagen? Spielen Sie gerne an Ihrem Ohrläppchen? Oder halten Sie vielleicht gerne die Hände vor dem Oberkörper, so dass die Finger ein Dreieck formen, Frau Merkel? Das sind Angewohnheiten. Als ich Frau Merkel zum ersten Mal mit dieser Geste gesehen habe, dachte ich erschrocken: „Mein Gott, das ist das Zeichen der Freimaurer!“ Meine körpersprachliche Meinung dazu ist jedoch: Sollen wir doch froh sein, dass wir so ihre Hände sehen und nicht nur dann, wenn sie auf ihrem Smartphone herumtippt. Körperhaltungen abgewöhnen Grundsätzlich ist es so, dass Menschen, die viel Raum einnehmen, eher unsympathisch wirken. Daher machen Sie sich nicht zu groß, egal ob Sie sitzen oder stehen. Lassen Sie Ihre Gliedmaßen bei sich, schlenkern Sie nicht unkontrolliert mit ihnen. Gerade wenn Männer aufeinander treffen, kann es schnell zu unterbewusstem Territorialverhalten kommen, das für jeden kräftezehrend ist und meist sofort unsympathisch wirkt. Männer fühlen sich von dominanteren Männern oft angegriffen. Sie fühlen sich bedrängt und reagieren mit einer dominanten Gegenhaltung. Vor allem ist das zu beobachten, wenn eine Frau anwesend ist, um die gebalzt werden könnte. Also gehen Sie nicht zu forsch und ausladend, stehen Sie nicht breitbeinig, als wollen Sie sich wie ein Cowboy duellieren. Frauen können ihre Körperhaltung bewusst einsetzen, um beim Mann den Schutzreflex auszulösen. Sie machen sich klein, wirken dadurch lieb und schutzbedürftig, aber auch unterwürfig. Ein Mann, der eine solche Körperhaltung einnimmt, wird nicht ernst genommen. Weder von Geschlechtsgenossen noch von Frauen, die in Männern den Rudelführer suchen. Strecken Sie keine Körperteile besonders nach vorne oder hinten. Ein Kopf, der weit nach vorne geschoben ist, signalisiert, dass derjenige kopfgesteuert ist, es ihm also möglicherweise an Emotionalität fehlt. Ein zurückgezogener Kopf geht meist einher mit einem tiefer genommenen Kinn. Damit schützt diese Person ihren Hals, was auf Reserviertheit und Zurückhaltung schließen lässt. Ein aufrechter Gang Seitdem wir überallhin rollen können, ist das Gehen die Luxusfortbewegungsart des Menschen geworden. Früher war das Laufen noch zielgerichtet und sicherte das Überleben. Da gab es den Ort A, an dem es kein Fleisch gab, und den Ort B, zu dem man hin musste, um sich Fleisch zu besorgen. Ja, heute haben wir auch Ort B, den Supermarkt, aber da müssen wir nicht hinlaufen, da rollen wir hin. In der Steinzeit gingen die Menschen manchmal geduckt, um sich an das Fleisch heranzuschleichen oder weil sie bei Gefahr im Steppengras verschwinden mussten. Das war aber immer nur temporär. Heute gehen wir ebenfalls geduckt, aber nur, weil wir schlichtweg oft die Körperspannung verloren haben. Wir drücken in unserer Körperhaltung immer noch sehr auffällig das aus, was wir erlebt haben oder was wir darstellen wollen. Der Aufreißer, der aller Welt zeigen will, wie schön er ist, läuft mit selbstsicherem Gang und festen, raumgreifenden Schritten lächelnd den Flur entlang. Der Schleicher, der schon wieder von seinem Chef eins auf den Deckel bekommen hat, von seiner Frau nicht ernst genommen wird und froh ist, wenn ihn weder der eine noch die andere sieht, wird dagegen vorwärts unter einer Limbostange durchkriechen können. Die Körperhaltung ist das erste, was wir an einem Menschen visuell wahrnehmen – und das meist unterbewusst. Wir ordnen sie ein und spüren, ob jemand uns gefährlich werden könnte oder nicht. Wir erkennen instinktiv, ob jemand Täter oder Opfer ist. Um Gangarten interpretieren zu können, braucht man ein sehr geschultes Auge und viel Erfahrung. Sind die Zehenspitzen gehoben beim Gehen? Schiebt die Person das Becken vor oder eher zurück? Bewegt sie die Schultern mit oder hält sie sie ruhig? Ich selbst musste mir einen allzu sportlichen Gang abgewöhnen, den ich mir über die Jahre als Ausdauersportlerin zugelegt hatte. Ballerinen haben es einfacher. Sie wirken nie wie Trampel, sondern schweben über den Boden. Zu stark untersetzten Zeitgenossen, die aufgrund ihrer Körperfülle schon eher Gemütlichkeit oder Stärke ausstrahlen, passt ein solcher Gang wiederum nicht. Sich einen für sich „falschen“ Gang abzugewöhnen kann gelingen, wenn man aufmerksam ist und es unbedingt will. Die Änderung des Ganges und der Körperhaltung kann die Außenwirkung auf andere verändern. Das Ziel ist das Ziel Gute Komparsen (das sind die Personen, die keine Schauspieler sind und trotzdem im Bild) erkennt man übrigens am unmotivierten Gang. Ein echter Gehender will nämlich immer irgendwo hin! Er hat ein Ziel. Ein Komparse, dem der Regieassistent gesagt hat, er solle da oder dort durchs Bild gehen, „geht“ gut, wenn er in seinen Gedanken ein Ziel hat. Sobald er weiß, wohin er geht oder warum er gerade da entlang geht, wirkt er überzeugend. Wir Menschen haben das Gehen so sehr verinnerlicht, dass wir nicht mehr darüber nachdenken müssen, wie wir gehen. Wir haben den Kopf frei für tausend andere Dinge. Jemand, der geht, um des Gehens willen, wirkt daher befremdlich. Der Gedanke führt den Körper Man spürt es, wenn ein Gang motiviert ist: „Gleich werde ich die Straße überqueren.“ Man spürt sogar, in welcher Verfassung jemand ist, der an einem vorbei spaziert: „Großtante Helgas Beerdigung war aber nicht so schön wie die heute.“ Oder „Dieser blöde Köter ist so ungezogen, den sollte man einschläfern.“ Ein Zusammenspiel von Kopfhaltung, Schultern, Schrittfrequenz, Schrittgröße, Armschlenkern, Mimik – all das liefert uns eine gute Interpretationsgrundlage. Jemand, der zu spät zum Bus kommt und deswegen sein Vorstellungsgespräch verpasst, wird abgehackter gehen als jemand, der gleich seine Liebste trifft. Der Gedanke führt den Körper. Das gilt übrigens ebenso, wenn beispielsweise ein Komparse hinter dem Protagonisten im Café sitzt. Man erkennt es sofort, wenn er nur dort sitzt, weil er da sitzen soll. Eine leere Hülle. Menschen leben aber, und in ihren Köpfen ist immer etwas los. Bei den meisten zumindest. Anatomische Einflüsse Große Menschen gehen oft geduckt. Kleine recken sich nach oben, wollen auch gesehen werden oder etwas sehen. Sehr beleibte Menschen gehen gemütlich, weil sie gar nicht anders können, ohne in einem Sauerstoffzelt pausieren zu müssen. Dünne, drahtige Menschen dagegen werden vom Wind weitergeweht. Das Wesen bestimmt den Gang Grundsätzlich ist ein Mensch, der sich beim Gehen klein macht, der kleine Schritte macht und sich eher am Rand als in der Mitte des Raumes bewegt, in seinem Wesen zurückhaltend. Er möchte lieber nicht gesehen werden bzw. möchte erst einmal „die Lage checken“. Er konzentriert sich lieber auf Details als auf das große Ganze. Geben Sie ihm die Chance, sich zu akklimatisieren. Ein Mensch, der beim Gehen viel Raum einnimmt, also große Schritte macht, möchte vorankommen. Das ist ja klar. Setzt er seine Schritte ruhig und ausladend, wirkt er raumgreifend und somit dominant. Er sieht eher das Ganze, überspringt schon mal Details, ist zielgerichtet. Bewegt er den Oberkörper schwingend mit, erregt er Aufmerksamkeit, und die ist ihm gar nicht so unlieb. Ich habe bei einigen Menschen, die sich schnell mit großen Schritten bewegen, den Eindruck, dass sie nicht nur nach vorne kommen wollen, sondern dass sie auch etwas schnell hinter sich lassen wollen. Ich kenne dieses Phänomen von meinen Kindern, wenn ich ihnen morgens hinterherrufe: „Du hast dein leckeres Dinkel-Pausenbrot und den Bioapfel vergessen!“ Steife Schritte Sie wirken fest und unbeugsam. Menschen, die mit steifen Knien stolzieren, sind durchsetzungsfähig und willensstark. Grundsätzlich kommen steife Bewegungen bei uns weniger gut an, weil sie uns Angst machen. Wir haben gerne die Kontrolle über das, was uns umgibt, um bei Gefahr reagieren zu können. Und schnelle, abgehackte Bewegungen verunsichern uns. Bewegung im Raum Sie ist für einen Schauspieler, so es denn kameratechnisch erlaubt ist, eine großartige Möglichkeit, das, was gesagt wird, zu unterstützen. In einer Szene, in der eine Lösung erarbeitet werden soll („Wie sagen wir’s deinem Mann?“ oder „Wer war der Mörder?“), kann der Standort im Raum gewechselt werden, sobald ein neuer Gedanke oder eine neue Spur in die Ermittlungen eingebunden wird. Eine Szene, in der etwas Liebevolles vermittelt werden soll, wirkt authentischer, wenn man dabei auf den Angebeteten zugeht, anstatt sich von ihm wegzubewegen. Klingt logisch. Ist auch so. Nur denken wir eigentlich nie darüber nach, warum wir etwas machen. Auch in der Realität bewegen wir uns aufeinander zu, wenn wir jemandem zustimmen. Wir sind dann sicher, dass derjenige die gleiche Meinung vertritt wie wir und können die Distanz verringern. Bei Ablehnung gilt selbstverständlich das Gegenteil. Nur schnell weg, und wenn es nicht möglich ist, zu fliehen, dann eben nur mit dem Oberkörper. „Falsche Abgänge“ sind ein beliebtes Stilmittel, um künstlich Bewegung in eine Szene zu bekommen. Ich mag falsche Abgänge. Dabei verabschiedet sich eine Person von der anderen, wendet sich zum Gehen und macht vielleicht sogar ein paar Schrittchen. Sie wird aber gestoppt, weil die andere Person ihr unbedingt noch etwas sagen will: „Warte!“ Der Gehende dreht sich wieder um oder verharrt angespannt in der abgewendeten Haltung: „Ja?“ Der andere haucht ein theatralisches „Danke“ oder er holt tief Luft: „Ich … ich habe dein T-Shirt falsch gewaschen!“ oder so ähnlich. SO GEHEN SIE RICHTIG Es gibt nicht „das richtige Gehen“. Sie werden immer so gehen, wie Sie sich fühlen. Es ist aber hilfreich, sich bewusst zu werden, welche Signale Sie aussenden. Machen Sie hierzu eine Übung: Beobachten Sie andere Menschen und ahmen Sie deren Gang nach. Achten Sie dabei auf jede Kleinigkeit. Wie hält er oder sie die Hände oder den Kopf? Macht er oder sie ausladende Schritte? Sie haben als Kind sicher auch versucht, am Strand oder im Schnee in die Fußstapfen anderer zu treten. Um auszuprobieren, wie sich ein anderer Schritt anfühlt. Seien Sie wieder neugierig! Fühlen Sie nach, wie sich jemand fühlt, der kleine Schritte macht. Der den Brustkorb einzieht und den Kopf zurücknimmt. Erspüren Sie, wie es sich anfühlt, in die „Fußstapfen“ anderer zu treten. Wenn Sie einen neuen Partner in Ihr Leben lassen, testen Sie, ob Sie Ihre Schritte aneinander anpassen können. Wenn das so ist, sind Sie auf dem richtigen Weg. Hier ist noch eine Übung: Schließen Sie die Augen und versuchen Sie durch genaues Hinhören Ihre Familienmitglieder oder Freunde am Gang zu erkennen. Noch ein wichtiger Punkt für die flirtende Frau: Ihr männlicher Gesprächspartner sieht Ihnen auf den Po, wenn Sie weggehen. Verlassen Sie sich darauf, es ist so. Nutzen Sie dieses Wissen für sich. Mit den Zehen in den Boden greifen Diese Art zu gehen lässt auf Unsicherheit schließen – oder kann auch auf diese Flipflops zurückzuführen sein, mit denen man unmöglich gehen kann, ohne die Zehen um das dünne Zehenriemchen zu krampfen. Stehen Sie fest und trotzdem sympathisch Wir stehen oft und viel. Bei Gesprächen, bei Präsentationen, im Bus. Je nach Situation stehen wir unserem Gefühl entsprechend. Dabei ist es interessant, einen Blick darauf zu werfen, wie viel Raum Sie beim Stehen beanspruchen. Breitbeinig stehen Menschen, die breitbeinig stehen, nehmen viel Raum ein. Raum, der anderen weggenommen wird. Wo sich jemand breit macht, da können wir nicht mehr stehen. Kennen Sie das vielleicht vom Warten in der Schlange? Oder wenn Sie in einer Gruppe zusammen stehen? Schiebt derjenige nun auch noch die Hüfte raumgreifend nach vorne, dann fühlen wir uns verdrängt. Gerade bei Männern kann das sowohl auf andere Männer als auch auf Frauen unangenehm aufdringlich wirken, es sei denn, das Gegenüber ist gerade sehr empfänglich für exponierte Geschlechtsmerkmale. Sie erkennen bzw. erspüren recht schnell, wenn jemand Sie in Ihrem Raum einschränkt. Möglicherweise hat derjenige noch die Hände in die Hüften gestemmt und so seine Abwehr nach allen Seiten ausgefahren und seine Fußspitzen nach außen gedreht. Alles, was von einem Körper nach außen gerichtet ist, wirkt bedrohlich oder angriffslustig. Füße stehen eng zusammen Jemand, der wenig Raum einnimmt, wirkt unsicher. Er hat die Füße auf minimalem Raum zusammen, vielleicht sogar überkreuz. Vielleicht verbirgt er mit ineinander gefalteten Händen sein Geschlecht oder hat die Hände hinter dem Rücken verborgen. Beides kein sonderlich offenes, selbstsicheres Signal. Es gibt eine Vielzahl von DIN-A4-Stehern. „Bloß nicht zu viel Raum einnehmen.“ Aber Vorsicht: Menschen in dieser raumsparenden Stehvariante werden aus sozialer Sicht schnell „umgepustet“. Das ist ein sehr wackeliger Stand. Auf einer Party verschwinden Sie, wenn Sie sich auf diese Weise versuchen, unsichtbar zu machen. Niemand wird Sie bemerken. Das ist vielleicht gewollt, weil Sie sich einen Überblick verschaffen möchten. Aber da kann der Zug schon abgefahren sein. Der erste Eindruck … Sie verstehen. Asymmetrischer und symmetrischer Stand Ein asymmetrischer Stand, bei dem Sie fest auf einem Bein stehen (Standbein) und das andere locker als Spielbein den Boden berührt, wirkt kontaktfreudig und kommunikativ. In einem lockeren Gespräch ist das ein entspanntes Stehen. Bei Präsentationen ist es aber sinnvoller, überzeugend zu wirken. Dazu nehmen Sie einen symmetrischen, sicheren Stand ein, beide Beine stehen fest auf dem Boden. SO STEHEN SIE RICHTIG Den richtigen Stand können Sie leicht erlernen. Zuerst beobachten Sie bitte wieder Ihre Mitmenschen. Welcher Stand wirkt auf Sie in welcher Situation angenehm? Die Akteure in einem Fernsehfilm haben auch beim Stehen immer eine gewisse Körperspannung. Selbst wenn sie traurig oder geknickt spielen, besteht immer ein guter Kontakt zwischen Körper und Geist. Meistens stehen sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden, der Oberkörper ist aufgerichtet und die Sinne sind wach. Auf beiden Beinen zu stehen, die Füße schulterbreit auseinander, vermittelt Sicherheit und Kompetenz. Es kann aber auch starr wirken, wenn die Knie dabei durchgedrückt sind. Einen Trick für sicheres Stehen, den ich in der Schauspielschule gelernt habe, möchte ich Ihnen hier gerne weitergeben: Denken Sie sich einen Faden aus dem Scheitelpunkt Ihres Kopfes. Nun greifen Sie diesen imaginären Faden mit Zeigefinger und Daumen, und ziehen Sie sich daran nach oben. Sollte Ihnen die Vorstellungskraft fehlen, ziehen Sie leicht an einer Haarsträhne am Scheitelpunkt. Ihr Körper wird sich in die richtige Position strecken, Sie werden spüren, wie sich die Wirbelsäule aufrichtet und sich Wirbel für Wirbel ordentlich übereinander sortiert. Der Bauch zieht sich automatisch ein und ein möglicher Entenhintern verschwindet. Sie können gar nicht anders, als gerade zu stehen. Der Atem kann frei fließen und Sie fühlen sich präsent. Wenn Sie das ein paar Mal geübt haben, wird Sie allein schon der Gedanke an den Faden aus Ihrem Scheitelpunkt in eine aufrechte Haltung bringen. So stehen Sie richtig: Ziehen Sie Ihren Körper an einem imaginären Faden nach oben. Linkes und rechtes Standbein Menschen, die gerne auf dem linken Standbein stehen, stehen auf dem Gefühlsbein. Sie sind in diesem Moment an ihre Gefühle gebunden. Bei Frauen kann man beobachten, dass sie gerne auf ihrem linken Bein stehen, sie lassen sich lieber von ihrem Gefühl leiten. Das kann jedoch schnell wechseln, wenn sie sich auf ein Gespräch intellektuell einlassen oder logische Folgerungen ziehen müssen. Bevorzugen Sie das rechte Bein als Standbein? Dann sind Sie eher in der Finanzbranche oder haben Mathematik studiert. Das Standbein kann auch davon abhängen, ob Sie sich unterbewusst in die jeweilige Richtung orientieren wollen. Ständiges Wechseln des Standbeines wirkt unsicher. Die Person wirkt unentschieden und eher so, als wolle sie die Flucht ergreifen. Ein schönes Beispiel für rechtes und linkes Standbein: Eine Kundin unterhielt sich konzentriert mit dem Verkäufer darüber, welche Schrauben sie am besten für ihre Zwecke nehmen sollte. Dabei ruhte ihr Gewicht auf ihrem rechten Standbein. Als ein attraktiver anderer Kunde dazu kam und kurz mit dem Verkäufer schwatzte, verlagerte sich ihr Gewicht auf das linke Bein, während sie ihn anschmachtete und sich unbewusst über die Lippen leckte. Halten Sie das für eine Überinterpretation? Ich nicht, ich war dabei, habe ihn gesehen und mich dabei ertappt, wie mein Körper vom Geschäftsmodus in den Flirtmodus umschaltete. Sitzen ist eine Kunst Nachdem wir uns mit dem Gehen und Stehen auseinandergesetzt haben, dürfen wir uns endlich hinsetzen. Aber wie? Ein Stuhl bietet so unglaublich viele Möglichkeiten, ihn zu benutzen. Und jede Haltung drückt etwas anderes aus. Ablehnung, Interesse, Nervosität. Ich möchte Ihnen ein paar Interpretationsmöglichkeiten der verschiedenen Sitzpositionen aufzeigen. Auch hier gilt wieder grundsätzlich: Wer körperlich auf Abstand geht, der geht auch innerlich auf Abstand, sei es aus Desinteresse oder um sich zu sammeln und über das Gesagte nachzudenken. Alle Bewegungen, die nach hinten (also von Ihnen weg) gehen, deuten darauf hin, dass der Gesprächspartner Ihnen nicht mit voller Aufmerksamkeit zugewandt ist. Er braucht Raum für sich, ist in diesem Moment mehr bei sich als bei Ihnen. Bewegungen, die nach hinten gehen: Ihr Gesprächspartner ist Ihnen nicht mit voller Aufmerksamkeit zugewandt. Auf dem vorderen Teil der Sitzfläche sitzen Sitzt eine Person auf dem vorderen Teil der Sitzfläche, dann ist sie entweder begeistert von dem, was gesagt wird, und sie kann sich kaum auf dem Stuhl halten. Oder sie macht sich für den Absprung bereit, weil sie sehr nervös oder unsicher ist oder ihr die ganze Situation nicht gefällt. Bei einem ersten Gespräch zu einem neuen TV-Format, in dem ich die Hauptrolle übernehmen sollte, saß ich aufgeregt auf der vordersten Kante des Stuhls, die Füße unter der Sitzfläche, während die Redakteurin gelassen nach hinten gelehnt die Idee vorstellte. Ich wollte nicht, dass meine Gesprächspartnerin den Eindruck bekam, ich sei nervös. Ich war aber nervös, deswegen hatte ich diese Haltung eingenommen. Meine Hände waren kalt, mein Atem ging schneller. Blödsinn, sich was vorzumachen. Und hier kommt die Lösung: Sollten Sie sich dabei ertappen, sich in einem wichtigen Gespräch unsicher zu fühlen, dann lassen Sie es zu. Nichts ist schlimmer, als wenn Sie krampfhaft versuchen, es zu ändern. Im Gegenteil: Nutzen Sie die Unsicherheit für sich. Ein gewisses Maß an Nervosität ist sogar von Vorteil. Das kann sehr nützlich sein, wenn man vor einem Löwen davonlaufen muss. Und man entwickelt Bärenkräfte, um sich aus dem Würgegriff der Anakonda zu befreien. Aber wenn Sie das Adrenalin nicht abbauen können, weil gerade kein Raubtier und keine Würgeschlange zur Hand sind, dann befreien Sie sich, indem Sie sich auf das Thema oder die Sache konzentrieren. Erhöhte Gehirnaktivität lenkt ab und leitet die bereitgestellte Energie in wertvolle Bahnen. In meinem Fall kam plötzlich eine weitere Person zu dem Gespräch hinzu, was mich vollends aus der Bahn warf. Den Umgang mit mehreren Verhandlungspartnern war ich nicht gewohnt. Also rutschte ich auf dem Stuhl herum, gebeutelt zwischen cool wirken wollen und in Wirklichkeit die Flucht ergreifen wollen. Ich blieb sitzen und dachte an das, was mein Vater mir einmal sagte, als ich den Führerschein frisch hatte und auf den Straßenverkehr losgelassen werden sollte: „Die anderen haben genau so Angst vor dir wie du vor ihnen.“ Wichtig ist, das Ziel im Auge zu behalten und sich nicht in Details zu verlieren. Ich konzentrierte mich also weder auf meine Nervosität noch darauf wie ich wirkte, sondern hörte genau zu, was gesagt wurde, und wir konnten ein produktives Gespräch führen und viele neue Ideen entwickeln. Kippeln auf dem Stuhl Beim Kippeln wird ein Teil der Aufmerksamkeit darauf ver(sch)wendet, das Gleichgewicht zu finden. Andererseits ist Bewegung im Körper, Bewegung im Geiste. Wenn Sie also auf Ihr Stuhlkippeln hingewiesen werden, dann sagen Sie einfach, dass der Vortrag so spannend ist, dass Sie Ihre Begeisterung in Bewegung umsetzen müssen, um im Kopf flexibel zu bleiben. Bewegungen, die nach vorne gehen: Ihr Gesprächspartner ist begeistert – oder auf dem Absprung. Breitbeinig sitzen Zeitgenossen, die sich breitbeinig auf einem Stuhl oder in einem Sessel platzieren, nehmen viel Raum ein. Zu finden ist diese Sitzhaltung eher bei Männern als bei Frauen. Warum? Weil viele Männer glauben, dass es anatomische Gründe gibt, besser gesagt einen anatomischen Grund, warum ein Mann dem Platz zwischen seinen Beinen Raum geben muss. Ich bin nun kein Mann, aber ich könnte mir vorstellen, dass es sich für Männer im Genitalbereich seltsam anfühlt, wenn sie die Beine übereinander schlagen. Falls ein Mann der Überzeugung ist (ob nun realitätsfremd oder nicht), dass sein Genital aufgrund seiner Größe Platz braucht, dann wird er ihm diesen Platz auch gewähren. Ein dicker Bauch kann übrigens ebenso verhindern, dass die Beine übereinander geschlagen werden können. Irgendwo muss er ja sein dürfen und das ist aufgrund der Schwerkraft meist ziemlich gemütlich mittig zwischen den Oberschenkeln. Breitbeinig sitzen: Die Person möchte viel Raum einnehmen – oder hat als Mann anatomische Gründe … Lang ausgestreckte Beine Streckt der breitbeinig dasitzende Kerl dann auch noch die Beine aus, demonstriert er Gelassenheit und Kontrolle der Situation. Ob er sie innehat, steht auf einem anderen Blatt. Sitzhaltungen sind relativ große Körpersignale, die man leicht vorspielen kann. Das ist wesentlich einfacher, als ein Augenzucken zu unterdrücken. Übereinandergeschlagene Beine Frauen können schon aufgrund ihrer Kleidung oft nur mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzen. Wenn sie versuchen, in hochhackigen Schuhen die Beine nach vorne zu strecken, sieht das äußerst seltsam aus. Hingegen ist der einzige Grund, der Männer kleidungsmäßig daran hindern könnte, die Beine lässig nach vorne zu strecken, dass sie an diesem Morgen bei der Wahl der Sockenfarbe versagt haben und es ihnen peinlich ist. Übereinandergeschlagene Beine werden gerne als Interpretationsbeispiel für das Zuwenden oder Abwenden von einer Person hergenommen. Zeigt die offene Seite zu dem Gesprächspartner, wendet man sich ihm zu. Schlägt man das ihm nähere Bein von ihm weg über das andere, dann wendet man sich ab. So einfach ist das aber nicht. Es kommt wie immer auf den Kontext und die gesamte Körperhaltung an. Zeigt der Oberkörper offen auf den Partner, dann spricht das viel mehr für Zugewandtheit, da können die Beine machen, was sie wollen. Wenn Frauen versuchen, in hochhackigen Schuhen die Beine nach vorne zu strecken, sieht das äußerst seltsam aus. Zeigt der Oberkörper offen auf den Partner, spricht das für Zugewandtheit. Eine Freundin von mir schlägt zum Beispiel immer das gleiche Bein über das andere. Sie meinte, alles andere würde sich unangenehm anfühlen, so wie man eine bestimmt Art hat, die Hände zu verschränken oder zu falten. Ebenso hat man manchmal ein Tischbein vor sich, so dass keine andere Haltung möglich ist. Oder der Stuhl ist unbequem, man sitzt schon lange und möchte die Position ändern oder man muss schlichtweg auf die Toilette. Wenn ich mich jedes Mal, wenn ich die Beine wechsle, einer anderen Person zuwende, dann wäre ich mehr mit den Gedanken über den vollzogenen Beziehungswechsel beschäftigt, als mich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Tatsache jedoch ist, dass wir mit übereinandergeschlagenen Beinen schlecht die Flucht ergreifen können. Wir fühlen uns also entweder wohl oder wir machen zu. In beiden Situationen haben wir nicht die Absicht, schnell den Platz zu verlassen. Mit den Füßen unter dem Tisch festhalten Sind die Füße um die Stuhlbeine geschlungen, ist das eine so verknotete Sitzhaltung, dass man diesen Platz nur schwer schnell verlassen kann. Man möchte bleiben. Ob man bleiben möchte, weil man sich besonders wohl fühlt oder besonders unwohl, darauf kann die Gesamtsituation Hinweise geben. Das Gegenteil ist die dynamische „Sprinterstellung“. Es gibt einen Moderator im deutschen Fernsehen, der seine Beine sehr häufig in der Stellung eines Sprinters vor dem Start hat. Einen Fuß aufgesetzt, den anderen unter dem Stuhl. Dabei lehnt er sich weit zu seinen Gästen nach vorne. Das geschieht dann, wenn er investigativ nachhakt und interessante Details aus seinen Gästen heraus bekommen möchte. Füße um die Stuhlbeine geschlungen: Die Person möchte bleiben. Auf einem umgedrehten Stuhl sitzen Diese Position ist eher ein Privileg der Männer. Stühle mit einer durchgehenden Rückenlehne schützen die Männlichkeit. Frauen könnten es als unangenehm empfinden, wenn sie ihre Beine durch die Sperre nicht übereinanderschlagen können. Sie könnten sich ausgeliefert fühlen. Wenn Sie einem Gesprächspartner, der rittlings auf dem Stuhl sitzt, den Schutz entreißen wollen, dann treten Sie neben ihn und durchbrechen so seine Mauer. Er wird sich augenblicklich unwohl fühlen. Sollte der Stuhl keine Rückenlehne haben und sich die Person dennoch rittlings darauf setzen, ist das entweder ein Zeichen der Provokation oder Sie befinden sich in einem Etablissement, in dem der Stuhl auf einer Bühne in schummrigem Licht steht, die darauf Sitzende sich räkelt, stoffreduzierte Kleidung trägt und Geld dafür bekommt. Eher für Männer: Stühle mit einer durchgehenden Rückenlehne schützen die Männlichkeit. Ich beobachtete neulich einen jungen Mann in einer Bar, der, gerade als ihm das Essen serviert wurde, eine interessante Sitzhaltung einnahm. Er verschränkte seine Füße derart unbequem um den Barhocker seiner hübschen blonden Eroberung, dass keiner eine Chance gehabt hätte, diese Barriere zu durchbrechen. Die Frage war nur: Wollte er in Ruhe baggern oder essen? Die Sitzposition ändern Durch die Änderung der Sitzposition kann man selbst Zeichen setzen bzw. beim anderen eine Veränderung erkennen. Selbst ein gehauchtes Aufrichten kann ein kaum merkliches „Aufstehen“ gewesen sein. Manchmal findet man einen Stuhl einfach unbequem, klar, und ändert daher die Sitzposition. Und genau das dürfen wir interpretieren. Eine Änderung der Sitzhaltung bedeutet häufig eine innere Veränderung. Ein neuer Gedanke, eine Idee oder der Drang, den Tisch zu verlassen. SO SITZEN SIE RICHTIG Der normale, entspannte aber nicht „unterspannte“ Sitzende befindet sich mit seinem Gesäß in der Mitte der Stuhlfläche, beide Beine sind im 90-Grad-Winkel herangezogen, und die Füße berühren mit der ganzen Sohle den Boden. Wie ein Kutscher auf dem Bock. Die Hände liegen idealerweise locker im Schoß – wenn ein Tisch vorhanden ist, auf der Tischfläche –, so dass Sie jederzeit reagieren oder die eigene Rede gestisch begleiten können. Der Rücken ist gerade und vielleicht entspannt angelehnt. Erinnern Sie sich an den Tipp zur richtigen Körperhaltung auf Seite 70? Sie können ihn auch beim Sitzen anwenden. Ziehen Sie an dem imaginären Faden aus Ihrem Scheitelpunkt und schon sitzen Sie aufrecht und aufmerksam. So sitzen Sie richtig: Ziehen Sie an dem imaginären Faden aus Ihrem Scheitelpunkt. Kopfhaltung Manchmal wird der Kopf müde und hängt nur noch locker auf der Wirbelsäule. Das kennen Sie bestimmt, wenn Sie Kinder haben und am Mittagstisch oder morgens die Platte abspielen: „Ist dein Kopf so schwer, dass du ihn stützen musst?“ Ja, ist er. Morgens ist er schwer von der anstrengenden Nacht und mittags, weil er mit Wissen angefüllt ist. Arme Kinder. Zeigen Sie Hals Warum neige ich im Gespräch den Kopf? Ich zeige meinem Gegenüber meine verwundbare Stelle, die Halsschlagader, und mache mich dadurch verletzlich. Das gibt ihm das Selbstvertrauen, dass er von mir keine Gegenwehr zu erwarten hat. Durch diese Haltung signalisiere ich, dass ich zuhöre, was den anderen in Sicherheit wiegt und ihn ermuntert, sich zu öffnen. Nicht zu verwechseln mit einem stark geneigten Kopf zu später Stunde, einhergehend mit schweren Augenlidern, gleichmäßigem, tiefem Atmen oder gar sonorem Schnarchgeräusch – das deutet auf plötzlichen Verlust der Aufmerksamkeit Ihres Gesprächspartners hin und heißt für Sie: Arbeiten Sie an Ihrer Erzählstruktur und wählen Sie andere Themen. Geneigter Kopf: So zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie ihm zuhören und er sich öffnen darf. Kinn hoch Nehmen Sie Ihr Kinn hoch, wenn Sie arrogant wirken und Ihre Bereitschaft für Konfrontation signalisieren wollen. Der freigelegte Kehlkopf provoziert, Sie präsentieren sich als unverwundbar. Wer seinen Kehlkopf zeigt, sagt: „Hier, versuch doch zuzubeißen. Ich habe keine Angst vor dir.“ Selbst wenn Sie dabei Ihre Halsseite präsentieren, wirkt die provokante Geste stärker. Kinn leicht absenken (bei einer Frau) Senken Sie das Kinn nach unten, wenn Sie etwas von Ihrem Partner wollen. Augen und Stirnpartie wirken größer, wir imitieren so das Kindchenschema. Das aktiviert den Beschützerinstinkt beim Mann, und die Reifen wechseln sich quasi wie von alleine. Kinn zurücknehmen Nimmt jemand das Kinn zurück, fühlt er sich bedroht. Er reagiert, als würde er einen Schlag ans Kinn bekommen. So schützt er den empfindlichen Hals. Mit dem Kopf nicken Menschen, die mit dem Kopf nicken, um beim Zuhören einen interessierten Eindruck zu machen, sollten diese Bewegung langsam und kontrolliert ausführen. Schnelles Kopfnicken wirkt eher wie ein ständiges Antreiben, damit man selbst endlich zu Wort kommen kann. Tipp: Jemand, der Sie nickend antreibt, wird keine Ruhe geben, bis er am Zug war. Lassen Sie ihn sein Pulver verschießen und schlagen Sie wieder zu, wenn er fertig ist. Kopf abwenden Ich hatte einen Kollegen, der entschuldigte sich bei neuen Bekanntschaften dafür, dass er im Gespräch seinen Kopf zur Seite wandte, denn er war auf einem Ohr taub. Normalerweise ist es aber so, dass wir eine kurze gedankliche Pause zum Verarbeiten brauchen, wenn wir den Kopf zur Seite drehen. Wir versperren uns dann kurzzeitig vor zu viel Information. Meist folgt der Kopf den Augen, und diese suchen nach einem neuen Ansatz. DIE SUMME DER SIGNALE BEACHTEN Die Stirn nach unten zu nehmen, bedeutet auf jeden Fall, dass die Person sich zurücknimmt. Sie möchte nicht verletzbar sein. Bieten wir dagegen jemandem die Stirn, ist die Mimik entscheidend: Eine gebotene Stirn mit Rehaugen wirkt bittend und mitleidheischend. Wird jedoch der Blick mit ernster Miene auf den Gesprächspartner gerichtet, sollte man sich auf eine schwierige Unterhaltung gefasst machen. Bieten wir jemandem die Stirn, ist die Mimik entscheidend: Eine ernste Miene kündigt eine schwierige Unterhaltung an. Kopf schütteln Den Kopf schütteln meint „Nein“, nicken meint „Ja“. Denken Sie daran: Man meint, was man tut, nicht, was man sagt. Körpersprache zu beherrschen ist schwieriger, als mit Worten umzugehen. Nicken Sie einmal mit dem Kopf und sagen Sie „Nein“. Dann schütteln Sie den Kopf und sagen „Ja“. Merken Sie das? Es fühlt sich gruselig an. Einfach falsch. Achten Sie auf Interviews im Fernsehen. Ein Formel-1-Rennfahrer sagte nach dem ersten schlechten Rennen der Saison mit einem Kopfschütteln: „Wir haben super Autos und ich bin sicher, wir werden damit auch ein paar tolle Rennen fahren.“ Ja, ganz bestimmt. Schultern schützen den Hals Mit Ihren Schultern können Sie das verletzliche Genick und den Hals schützen. Hochgezogene Schultern bilden eine Barriere gegen zu erwartende Gefahr. Wenn Sie ein fast unmerkliches Schulterzucken (auch einseitig gilt) bemerken, dann fühlt sich der Sprechende nicht wohl bei dem, was er sagt. Nach vorne gezogene Schultern, die einen runden oberen Rücken machen und so den Brustkorb schützen, können ein Hinweis auf Überforderung und zu großer Belastung sein. Über die Mimik zum Gefühl Über die Mimik können wir Gefühle direkt und ungefiltert erfassen. Ist jemand wütend, dann erkennen wir das und gehen ihm aus dem Weg. Blickt jemand angewidert, fragen wir uns, ob wir uns danebenbenommen haben. Zeigt jemand Angst, dann wollen wir den Grund dafür wissen, oder wir kennen ihn und saugen die Spinne einfach mit dem Staubsauger auf. Mimik kann unterschiedlich intensiv sein. Große Emotionen sehen wir klar und deutlich, Mikromimik, also kleinste Muskelbewegungen, die sich nur Sekundenbruchteile zeigen, erkennen nur wenige. Es bedarf vieler Übung, wenn wir diese Nuancen wahrnehmen wollen. Große Gefühle Je größer das Gefühl ist, desto weniger müssen wir auf Details achten. Wir sind es aus dem Fernsehen mittlerweile gewohnt, große Emotionen von sprechenden Komparsen in gescripteten Dokusoaps vorgespielt zu bekommen. Dabei ist es vielen Zuschauern inzwischen egal, wie schlecht die Darbietung ist. Glaubwürdigkeit ist nicht mehr wichtig. Authentizität ist nebensächlich. Die Story muss stimmen und der Text einigermaßen sitzen. Wir lassen uns den ganzen Tag belügen und wir mögen es. Und mal ehrlich: Sie wollen doch auch lieber ein verkaufsförderndes, falsches Lächeln Ihrer Bäckersfrau sehen als herunterhängende Mundwinkel, bei denen wir uns genötigt fühlen nachzufragen, obwohl es uns eigentlich nicht die Bohne interessiert. Mimik als Lügendetektor? In manchen Berufen ist das Lesen von mimischen Signalen unabdingbar: Pokerspieler können manchmal diese Signale deuten, um herauszufinden, ob der Gegner ein gutes Blatt hat oder nicht. Da zuckt eine Augenbraue für den Bruchteil einer Sekunde, da zieht sich ein Mundwinkel fast unmerklich hoch oder ein Kinn schiebt sich um Millimeter nach vorne. Bei der Polizeiarbeit spielt das Gespür für Mimik eine wichtige Rolle. Das erste Anzeichen einer Lüge ist für Profis wie ein Tropfen Blut für einen ausgehungerten Hai. Sie folgen der Spur, bis sie die Beute fest zwischen ihren Zähnen haben. Da steht ein Fuß in die falsche Richtung, die Ader an der Schläfe pocht einmal zu stark oder die Pupille weitet sich kurz. Profis wissen dann ganz genau, wie sie das Opfer (bzw. in diesem Fall den Täter) so in Bedrängnis bringen, dass er nach wenigen Minuten gesteht und nach seiner Mami winselt. Für Ungeübte ist das unbegreiflich. Ich selbst trainiere täglich und versuche das seit Jahren bei meinen Kindern anzuwenden. Ich stehe kurz vor der Kapitulation. Die Augen sind das Tor zur Seele In den Augen eines Menschen erkennt man sein Wesen. Oder haben Sie sich schon mal in die Nase eines Menschen verliebt? Oder in die Ohren? „Oh, er hatte so schöne Ohren, da hat es gleich gefunkt!“ Der Reflex des Blinzelns Blinzeln ist ein Schutzreflex, der das Auge vor Verunreinigung, Austrocknung und Verletzung bewahren soll, und somit dessen Funktionstüchtigkeit gewährleistet. Sehen wir mal von trockener Heizungsluft im Winter oder zu hellem Licht im Sommer ab – es kann auch von innen gesteuerte Gründe haben zu blinzeln. Wenn wir erschrecken, führt unser Körper einen Lidschlag aus. Das ist für Schauspieler in manchen Situationen ganz schlecht. Als ich eine Polizistin spielte, versuchte ich mich darauf zu trainieren, nicht zu blinzeln, wenn ich mit der Waffe schoss. Die Vorstellung von durch die Luft schießenden Platzpatronenhülsen und Funken machte es nicht leichter. Ich habe es nie geschafft. Auch als ich als Leiche im Graben lag, zuckte mein Lid während der Nahaufnahme, als ich den Schritt des Kameramannes neben mir im Kies hörte. Eine Leiche zu spielen ist zwar wunderbar textarm (was mir besonders gut liegt), verlangt aber Körperbeherrschung. Kein Blinzeln, keine Augenbewegung, alle Muskeln entspannen und die Luftröhre offen lassen, denn wenn man die Luft anhalten würde, würde der aufmerksame Zuschauer das an der Anspannung erkennen. Und jemand, der angespannt ist, kann nicht tot sein. Schnelles Blinzeln weckt in uns das Gefühl, dass derjenige nervös ist, schutzbedürftig, harmlos. Der britische Schauspieler Hugh Grant hat daraus eine Strategie gemacht. Er spielte mit den Signalen eines unschuldigen, schüchternen Jungen (Augenbrauen hoch, das vergrößert die Augen, schüchternes Lächeln, nervös mit dem Blick umherwandern, um dann um so stärker zu wirken, wenn er die Dame seines Herzens gerade und ruhig ansah) und löste den Beschützerinstinkt bei Millionen von Frauen aus. Langsames Blinzeln Langsames Blinzeln kann arrogant wirken und aufdringlich, wenn man sich nicht gut kennt. Ich hatte mal einen Kollegen, der hat vor schwierigen Szenen gerne beide Augen kurz geschlossen, leicht genickt und dabei einen Schmollmund gemacht. Das wirkte so, als wolle er mich aufmunternd beschwichtigen: „Das wird schon.“ Ich aber empfand es als höchst arrogant. Augen weit aufmachen Wenn jemand die Augen weit aufmacht, bedeutet das, er vergrößert die Fläche für die Aufnahme von Informationen. Schönstes Beispiel ist die Überraschung. Mund und Augen gehen auf und versuchen in Sekundenbruchteilen, so viele Informationen wie möglich aufzunehmen. Versuchen Sie mal „überrascht“ zu spielen und dabei den Mund geschlossen zu lassen. Das geht gar nicht oder fühlt sich zumindest irgendwie seltsam an. Als ich einmal meinen Kindern sagte, ich müsse den Urlaub mit ihnen besprechen, gingen die Augen meiner Tochter weit auf und sie sah mich aufmerksam an. Mein Sohn biss erst mal in sein Wurstbrot und blickte auf das Pistazienstück in der Mortadella. Beim Kofferpacken fragte er mich dann, wo es denn hinginge. Wer die Augen weit aufmacht, vergrößert die Fläche für die Aufnahme von Informationen. Augen kurz weit öffnen Wenn sich die Augen einer Person kurz weit öffnen, während sie spricht, misst sie diesem Wort oder Argument eine besondere Bedeutung bei, so als würde sie ein Ausrufezeichen setzen. Große offene Augen wirken harmlos und besonders glaubwürdig. Denn in diesem Moment zeigen wir uns verletzlich, vermitteln also dem anderen: „Ich tu dir nichts, mir kannst du ruhig glauben.“ Hochgezogene Augenbrauen Beim Zuhörer vermitteln hochgezogene Augenbrauen Offenheit für das, was gesagt wird. Durch das Hochziehen der Augenbrauen öffnet sich der Blick. Der Zuhörer ist bereit, Informationen aufzunehmen. Ob er allerdings kognitiv im Stande ist, sie zu verarbeiten, darüber sagt diese Mimik nichts. Das müssen Sie im weiteren Verlauf des Gespräches erfühlen bzw. durch Nachfragen herausfinden. Ich finde es immer angenehm, Hinweise darauf zu bekommen, ob mein Gegenüber aufmerksam zuhört. Denn wenn ich etwas erzähle, erwarte ich auch eine gewisse Bereitschaft, mir zuzuhören. Das heißt nicht, dass Sie sich die Augenbrauen unter den Haaransatz tackern müssen, wenn Sie mit mir sprechen. Aber ein wenig Augenbrauen heben hier und da, und schon verrate ich Ihnen meine intimsten Geheimnisse. Hochgezogene Augenbrauen vermitteln Offenheit für das, was gesagt wird. Wenn ich Interviews gebe, dann bemerke ich dieses „Augenbrauen heben“ ab und zu bei meinem Interviewpartner. Ich gehe davon aus, dass diese Signale unbewusst sind, denn bei einem Interview (vor allem bei laufender Kamera) sind beide meist sehr konzentriert und haben keine weitere Gehirnkapazität frei für Manipulationsspielchen. Ich zumindest nicht. Signalisiert mein Gegenüber mir nun an manchen Stellen durch Heben der Augenbrauen oder Öffnen der Augen, dass er eine Aussage interessant findet, weiß ich nach dem dritten Augenbrauenwinken, welche meiner Ausführungen ihn besonders interessiert und worüber er gerne mehr erfahren würde. Das Wissen um dieses Signal kann Ihnen bei einem Gespräch sehr nützlich sein. Das kurze, wortlose Hochziehen der Augenbrauen in Kombination mit einem Lächeln kann beim Zusammentreffen zweier Bekannter das Winken ersetzen. Sie winken als Begrüßung mit den Augenbrauen und signalisieren, dass sie einem Pläuschchen nicht abgeneigt wären. Tipp: Möchten Sie dieses umgehen, dann lassen Sie die Augenbrauen normal und nicken nur kurz lächelnd mit dem Kopf. „Die Augen verengen sich zu Schlitzen“ Das ist einer meiner Lieblingssätze in Romanen. Er ist so schön bildhaft. Jeder weiß sofort, was damit gemeint ist. Die Person ist wütend und gleich wird Dampf aus ihren Nasenlöchern pfeifen. Aus verengten Augenschlitzen schießen todbringende Blitze. Viel Interpretationsspielraum bleibt da nicht, es heißt: deeskalieren oder rennen. Die harmlosere Variante von verengten Schlitzen ist das emotionslose Zusammenkneifen der Augen mit vorgeschobenem Kopf. Dann versucht die Person wahrscheinlich nur, durch die Verkleinerung der „Blende“ (Iris) die Tiefenschärfe zu erhöhen. Das erkennt man aber relativ leicht, weil der Blick dann auf ein Objekt weiter weg gerichtet ist. Verengte Augen: Die Person ist wütend und wird gleich Dampf ablassen. Im normalen Alltag verengen wir unseren Blickbereich, wenn wir den Informationsfluss stoppen oder kanalisieren wollen. Wir haben genug und wollen uns auf das Wesentliche konzentrieren. Es kann sein, dass wir uns in einem Gespräch innerlich zurückziehen, um über das Gesagte nachzudenken oder um uns auf Details konzentrieren zu können. Zieht der Zuhörer die Stirn zwischen den Augenbrauen in Falten, verengt seine Augen und zieht vielleicht noch die Nasenflügel etwas hoch, dann ist er von dem Gehörten oder Gesehenen angewidert. So oder so ähnlich sitzt halb Deutschland alljährlich vor dem Dschungelcamp, in dem nach Aufmerksamkeit hungernde Promis Kakerlaken und Maden essen. DIE AUGENBRAUEN HOCHZIEHEN BERUHIGT Jemand, der die Augenbrauen hebt, ist aufnahmebereit, offen und aufmerksam. In jedem Fall ist er positiv gestimmt. Versuchen Sie es selbst: Ziehen Sie die Augenbrauen hoch. Es ist nicht möglich, mit hochgezogenen Augenbrauen wütend oder aggressiv zu sein. Meine Tochter rief mich eines Tages völlig aufgelöst bei der Arbeit an und weinte herzzerreißend ins Telefon. Jede Mutter und jeder Vater kennt dieses hilflose Gefühl, wenn man am Telefon versuchen muss, irgendwelche Katastrophen einzudämmen. Leider verstand ich durch das Schluchzen kein Wort, und ich musste sie erst einmal irgendwie beruhigen. „Lara, tu jetzt mal das, was ich dir sage: Heb deine Augenbrauen!“ Stille. Ein leises Stimmchen ertönte am anderen Ende: „Hab ich, und jetzt?“ „Jetzt erzählst du mir in Ruhe, was passiert ist.“ Sie begann zu erzählen, und ich verstand tatsächlich grob, dass es um einen verpassten Chorauftritt ging. Nun weiß ich nicht, ob sie sich beruhigt hat, weil sie so damit beschäftigt war, ihre Augenbrauen zu heben, oder ob die Bewegung ihre Aufgewühltheit durch Rückkopplungseffekt entkräftete. Auf jeden Fall hat es gewirkt. Schlafzimmerblick Die angenehmste Variante halbgeschlossener Augen ist der Schlafzimmerblick, bei dem die Iris zwar auch teilweise verdeckt ist, aber keinesfalls aus Aggression. Hier geht es um Verführung. Die Bezeichnung ist wohl darauf zurückzuführen, dass Frauen dieses Verhalten in einer Phase höchster Erregung zeigen. Sie wollen jemanden mit dem Schlafzimmerblick verführen? Lassen Sie die Augen halb geschlossen, öffnen den Mund leicht und legen den Kopf in den Nacken. Aber Achtung: Wenn man versucht, den Blick künstlich aufzusetzen, ist die Gefahr groß, nicht verführerisch, sondern total dämlich auszusehen. Im Zustand der echten Erregung sind die Pupillen geweitet, das kann man leider nicht bewusst beeinflussen. Der Schlafzimmerblick ist für den Partner sehr anregend, weil er die Bereitschaft zur zeitnahen Kopulation signalisiert. Ein „echter“ Schlafzimmerblick wird nur hervorgerufen durch sexuelle Erregung. Zuzwinkern Mit einem Auge jemandem zuzwinkern ist meist willentlich gesteuert und verfolgt ganz bewusst ein Ziel. Je nachdem, wie die zwinkernde Person die Bedeutung selbst erlernt hat, wird sie sie einsetzen. Oft bedeutet es, dass der Angezwinkerte das Gesagte nicht so ernst nehmen soll. Es wird auch häufig beim Flirten eingesetzt, allerdings nur von Männern. Dann ist es wie ein Zuwinken mit dem Auge: „Baby, du gefällst mir.“ Es kann aber auch ein Tick sein. Das Dumme ist, dass man nicht jedes Mal nachfragen kann, ob der andere einen Tick hat. Wie peinlich ist das denn? Mit meinen vierzig Jahren bin ich immer noch unbeholfen, wenn mir ein Mann zuzwinkert. Was meint er damit? Will er mit mir flirten oder hab ich vielleicht was am Mundwinkel? Ein Mann hält seine Frau im Arm und zwinkert mir zu. Aha. Ich gehe nicht davon aus, dass dies eine zwischenmenschliche Aufforderung war. Ein Mann lässt seine Frau gerade los und zwinkert mir zu. Ha! Das ist eine zwischenmenschliche Aufforderung. Vergrößerte Pupillen Die Pupillen vergrößern sich bei emotionaler Betroffenheit oft im Zusammenhang mit positiven Informationen und verkleinern sich bei rationaler Verarbeitung. Man sagt zum Beispiel: „Seine Augen glänzten, als seine Angebetete das Zimmer betrat.“ In Wirklichkeit glänzten sie nicht, sondern die Pupillen wurden größer. Wie wir schon gelernt haben, beutet jede Vergrößerung Aufnahmebereitschaft. Die Augenlider heben sich, wollen mehr Information. Der Mund öffnet sich, er giert nach Information. Und ebenso weiten sich die Pupillen, um mehr Information aufzunehmen. Je größer die Fläche, auf die die Information trifft, desto mehr können wir aufnehmen und verwerten. Wenn wir eine anstrengende Rechenaufgabe zu bewältigen haben, dann weiten sich ebenfalls unsere Pupillen. Bei mir als Mathelegastheniker ist tatsächlich kein großer Unterschied zwischen innerlicher Erregung und der Anspannung, 17 mal 28 rechnen zu müssen. Im Gegensatz dazu wird sich die Pupille verkleinern, wenn wir keine Information aufnehmen wollen. Wir kneifen die Augen zusammen, runzeln die Stirn, machen die „Blende“ klein, um möglichst wenig Fläche zu bieten. In diesem Moment sind wir gedanklich mit uns selbst beschäftigt und haben genug gesehen und gehört. Möglicherweise sind wir angewidert, wollen nichts mehr in uns eindringen lassen. Unterbewusst wissen wir das wohl auch, denn warum sonst sollten Lügner den Blick abwenden, wenn sie auf ihr Vergehen angesprochen werden? INTERESSE UND ABLEHNUNG IN DEN AUGEN LESEN Vereinfacht kann man sagen: Alles, was sich weitet, ist aufnahmebereit. Alles, was sich verkleinert oder zusammenzieht, deutet auf Desinteresse oder Ablehnung hin. Wenn ich meinem Kind ein selbst gekochtes Mittagessen vorsetze, verengen sich seine Pupillen, wenn das Eis zum Nachtisch kommt, vergrößern sie sich. Es gibt allerdings eine winzige Herausforderung, auf die ich Sie schon jetzt hinweisen will, bevor Sie meinetwegen Ärger bekommen: Wenn Sie versuchen, die Pupillenveränderung Ihres Gegenübers angestrengt zu beobachten, kann dies befremdlich auf ihn wirken. Um beim „Pupillenlesen“ einigermaßen erfolgreich sein zu können, müssen ein paar Faktoren stimmen. Erstens müssen die Lichtverhältnisse stabil sein, zweitens sind Augen mit heller Iris besser zu „lesen“ als Pupillen, die in einem wunderschönen dunkelbraunen Iris-See verschwinden, und drittens muss Ihr Gegenüber so abgelenkt sein, dass es nicht bemerkt, wie Sie ihm investigativ in die Augen starren. Wenn jemand Sie selbst anstarrt, dann können Sie davon ausgehen, dass er emotional sehr involviert ist. Das heißt, er liebt oder hasst Sie. Ich hoffe für Sie, dass seine Pupillen geweitet sind. Falls eine attraktive Frau bemerkt, dass ihr männlicher Gesprächspartner ihr ins Dekolleté linst und gleich darauf ertappt wieder in die Augen blickt, wird sie mit Sicherheit erweiterte Pupillen feststellen. Was der Blick über uns sagt Unser Blick wandert unaufhörlich, wir sind emsige Informationssammler, was die Aufnahme über die Augen angeht. Im Gesicht des anderen nehmen wir kleinste Regungen wahr. Wir drehen unseren Kopf in die Richtung, aus der Gefahr kommen könnte. Die Schönheiten des Lebens saugen wir in uns auf, und den unangenehmen Dingen können wir uns verschließen, indem wir den Blick abwenden. Wir verraten uns über den Blick. Das, was uns gefällt, sehen wir länger an, über das, was für die Befriedigung unserer Bedürfnisse nicht wichtig oder sonst von keinerlei Interesse ist, sehen wir hinweg. Wir sind in der Lage, über die Augen bewusst und unterbewusst unglaublich viele Informationen aufzunehmen. Manche Dinge sind gut für uns, manche weniger. Nicht umsonst sagt man einem Kind: „Sieh da nicht hin“, wenn es etwas nicht sehen soll, was es kognitiv noch nicht verarbeiten kann (beispielsweise ein Unfall oder eine Sexszene im Fernsehen). Sobald wir mit anderen in Kontakt treten, sucht unser Blick nach Hinweisen, ob unser Gegenüber gefährlich für uns ist oder nicht. Zuerst scannen wir die Körperhaltung. Eine aggressive Haltung oder hektische, steife Bewegungen versetzen uns in Alarmbereitschaft, weiche und sanfte Bewegungen wiegen uns in Sicherheit. Danach checken wir die Mimik. Bei Kontakten mit Freunden oder Bekannten lassen wir unseren Blick in einem Dreieck zwischen Augen und Mund wandern, bei geschäftlichen Kontakten sparen wir den Mund aus. Geht der Blick tiefer als der Mund und noch tiefer am Körper hinunter, handelt es sich um einen besonders intimen sozialen Kontakt oder zumindest ist dieser erwünscht. Das Wegblicken während eines Gesprächs entspannt die Beziehung zwischen den Beteiligten. Es muss nicht unbedingt bedeuten, dass kein Interesse mehr vorhanden ist. Im Gegenteil. Es kann gut sein, dass Ihr Gegenüber das Gespräch so interessant findet, dass er Ihnen eine kurze Pause einräumt, um mehr Informationen zu erhalten. Jemanden mit dem Blick zu fixieren ist eine Dominanzgeste und verunsichert den Angestarrten. Es ruft ein Gefühl der Konfrontation hervor. Lieber mal den Blick lösen und dann wieder zurückführen. Das bringt frischen Wind in das Gespräch. Den Blick abwenden Wendet Ihr Gesprächspartner den Blick ab und zieht noch seinen Kopf nach, ist ihm die Situation wahrscheinlich unangenehm. Er möchte am liebsten seinem Blick mit dem Körper folgen und davonlaufen. Das kann man in Beziehungsdiskussionen beobachten, wenn sich der Partner aus dem Blickkontakt löst und abwendet. Beharren Sie nicht darauf, die Diskussion so weiterzuführen. Ihr Partner hat abgeschaltet und es würde sich nichts ändern, wenn Sie ihn womöglich auch noch darauf ansprächen, dass er „gar nicht zuhört“. Vergessen Sie aber nicht, dass es in diesem Buch ausschließlich um die Körpersprache in unserem Kulturkreis geht. In anderen Kulturen ist es nämlich ein Zeichen von Respekt, jemandem nicht direkt in die Augen zu sehen. Den Kopf zur Seite drehen Den Kopf zur Seite drehen und dennoch den Blick halten, bringt ein Ohr näher an das, was gesagt wird. Aber das andere Ohr ist gleichzeitig weiter weg. Es erinnert an „Er beobachtete sie aus den Augenwinkeln“. Diese Person ist zwar aufmerksam, aber mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Dennoch versucht sie, an Informationen heranzukommen. In nur ein Auge starren Jemandem nur in ein Auge zu starren, wirkt im Alltagsleben konfrontierend: Es irritiert. Zwischen die Augen zu starren ist nicht viel besser. Es ist uns Schauspielern vorbehalten, immer ins kamerazugewandte Auge zu blicken, denn dann sieht der Zuschauer nicht nur das Weiße in unseren Augen. Außerdem dreht sich unser Kopf automatisch nach, und man sieht mehr von unserem Gesicht. Je mehr man vom Gesicht des anderen sieht, desto weniger kann er uns verheimlichen. Machen Sie dazu folgende Übung: Stellen Sie sich mit einem Partner im Abstand von ungefähr zwei Armlängen gegenüber. Nun sehen Sie sich in die Augen. Es kommt nicht darauf an, wer als erster blinzelt. Und auch nicht darauf, wer als erster lacht. Machen Sie nichts. Atmen Sie. Sehen Sie sich in die Augen. Und warten Sie, was passiert. Warten Sie einfach. Wenn Sie sich darauf einlassen, dann werden Sie das Gefühl haben, dass Sie Ihrem Partner in die Seele blicken können. Egal, ob Sie ihn kennen oder nicht, es wird eine Reaktion in Ihnen hervorrufen. Der Mund – ein geschmackvoller Verführer Der Mund selbst spielt für das Interpretieren von Signalen eine Rolle, wenn er im Zusammenhang mit anderen Gesten gesehen wird. Hier zeigt sich ganz deutlich, wie wichtig es ist, mehrere Signale zu beachten. Der Mund sollte immer sichtbar sein. Wir mögen Menschen nicht, deren Mund man nicht sieht. Oder mögen Sie Ihren Zahnarzt mit Mundschutz, hinter dem er nuschelt: „Es wird nur ein kleines bisschen wehtun“? Sie sehen in diesem Augenblick nicht, wie er das meint. Ist das sein Ernst, oder war es ein Scherz? Wir brauchen mehr mimische Informationen als nur einen Blick auf die Augen. Leider lassen die paar Fältchen um die Augen keine sicheren Rückschlüsse darauf zu, wie er es gemeint hat. Halten Sie also auf jeden Fall Ihren Mund frei, wenn Sie mit jemandem kommunizieren, den Sie mögen oder bei dem Sie etwas erreichen wollen. Bedecken Sie den Mund nicht mit einem Schleier oder einer Hand und lassen Sie sich keinen Rauschebart wachsen. In einer Rolle als Ärztin durfte ich öfter mal einen Mundschutz tragen. Beim Proben nahm ich den Mundschutz instinktiv immer ab, damit meine Kollegen besser sahen, wie ich die Szene anlegte. Man möchte gesehen und gehört werden, das liegt in der Natur der Schauspieler. Legen auch Sie Ihren „Mundschutz“ beim Sprechen ab. Vor Staunen geöffneter Mund Wenn wir etwas oder jemanden erstaunt ansehen, fällt der Unterkiefer nach unten, das Denken wird verlangsamt. Versuchen Sie einmal, mit geöffnetem Mund 8-mal 23 zu rechnen. Es wird Ihnen schwerer fallen als mit geschlossenem Mund. Warum? Weil ein geöffneter Mund Informationen von außen sammeln will und sich in diesem Moment nichts im Gehirn mit Zahlen beschäftigen kann. Hätte ich das mal früher in der Schule schon gewusst … Moment des Erschreckens In dieser Situation reißen wir ebenfalls alle Körperöffnungen auf, um ein Maximum an Informationen aufnehmen zu können. Augen und Mund sind offen, zusätzlich ziehen wir die Schultern hoch, um unseren Hals zu schützen. Ein Polizist, der mit der Waffe im Anschlag um die Ecke linst, wird wahrscheinlich den Mund leicht geöffnet haben und die Augen ein wenig weiter. Wir ebenso, wenn wir abends unter hoher Anspannung leise die Tür zu dem Zimmer unserer Kinder öffnen, um zu sehen, ob sie endlich schlafen. Einseitig hochgezogene Mundwinkel Dass der einseitig hochgezogene Mundwinkel Ihres Kunden auf Sie unsympathisch wirkt, vor allem, wenn Sie gerade eine Präsentation abgeschlossen und Ihr vermeintliches Totschlagargument siegessicher auf den Besprechungstisch geschleudert haben, muss ich Ihnen nicht erklären. Einseitig hochgezogene Mundwinkel sind unangenehm, die haben nie etwas Gutes zu bedeuten. Wenn wir erstaunt sind, fällt der Unterkiefer nach unten. Lippen lecken Die Zunge war ursprünglich ein wichtiges Hilfsmittel, um herauszufinden, was gut für unseren Körper ist und wovon wir lieber die Finger lassen sollten. Wir beleckten Dinge, um den Geschmack und die Wirkung zu probieren, und so sucht die Zunge die Lippen oder die Mundwinkel ab, während wir etwas ausprobieren, um zu prüfen, ob das, was wir tun, gut ist. Kaut man eher auf der Lippe herum, deutet das auf Nachdenken hin. In einer unangenehmen Situation kann es auch beruhigend wirken, wenn wir mit den Lippen spielen, das wirkt dann eher wie ein „Nuckeln“ an der Lippe selbst. Die Zunge kurz zwischen den Lippen herausschieben Das kann bedeuteten, dass man ein Argument nicht akzeptiert, irgendwas gefällt einem nicht, man möchte es wieder loswerden. So wie der satte Säugling die Brustwarze aus seinem Mund schiebt, wenn er fertig ist. Leckt die Zunge aber die Lippen, möchte derjenige eher noch mehr davon haben, den letzten Tropfen ablecken. Mit der Zunge im Mundraum spielen Entweder kann das daran liegen, dass die Person Hunger hat und nach Speiseresten sucht, oder sie sucht unterbewusst nach Lösungen, denkt nach. Ahmt die Zunge Saugbewegungen nach, dann finden wir etwas toll und wollen mehr davon in uns aufsaugen. Leckt ein Mann sich von den Lippen verdeckt die Zähne, kann das ein „sich kampfbereit machen“ bedeuten. Sich auf die Lippen beißen Wenn sich Ihr Gegenüber auf die Unterlippe beißt, muss er sich beherrschen, um nicht etwas zu sagen, was er eigentlich sagen will. Eine Frau, die sich im Flirtmodus befindet und leicht mit den Zähnen auf die Unterlippe beißt, signalisiert dagegen Interesse. Lächeln stellt Beziehung her Das Lächeln ist eines der effektivsten Mittel in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Es zeigt: „Ich bin harmlos. Ich tu dir nichts.“ Im Alltag ist es für uns wichtig, einschätzen zu können, ob uns jemand gefährlich ist oder nicht. Dieser Instinkt sicherte in Urzeiten unsere Existenz. Wir reagieren auf lächelnde Menschen entspannt, weil sie uns signalisieren, dass sie uns wohlgesonnen sind. Zumindest dem ersten Eindruck nach. Das Lächeln anderer wiegt uns in Sicherheit. Ehrliches und falsches Lächeln Beim ehrlichen Lächeln lacht das Herz mit. Und das spürt man. Oder man bildet sich ein, es zu spüren, denn die meisten von uns sind eigentlich von Grund auf positive Menschen, die sich in harmonischer Umgebung wohler fühlen, als wenn sie ständig die Kampfaxt schwingen müssen. Das ist auch verständlich, denn so ein Schwingen kostet unglaublich viel Kraft. Physisch und emotional. Aber nicht jeder, der lächelt, pupst tatsächlich Veilchen und isst Regenbögen. Manchmal ist dieses falsche Lächeln, das uns in Sicherheit wiegen soll, nur ein verunglücktes Zähnefletschen. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, wenn Sie von einem Menschen angelächelt werden. Vielleicht möchte er Kontakt aufnehmen, vielleicht aber auch nur harmlos wirken, weil er sich nicht wohl fühlt und seine Umgebung besänftigen will. Oder er ist einfach ein fröhlicher Zeitgenosse, der den Rückkopplungseffekt für sich benutzt und sich die Ausschüttung von ein paar Endorphinen gönnt, indem er lächelt. Was unterscheidet falsches von echtem Lächeln? Falsches Lächeln erscheint einen Moment verzögert – derjenige musste vorher kurz überlegen, dass es jetzt aber mal angebracht wäre zu lächeln. Wenn Sie im Flur auf Ihren verhassten Chef treffen, werden Sie lächeln. Immer. Ihre Freude wird aber wohl nur dann ehrlich sein, wenn Sie eindeutig zweideutige Fotos von ihm mit seiner Sekretärin in der Schublade haben. Ansonsten werden Sie erst dann ein Lächeln aufsetzen, wenn er nah genug ist, so dass Sie gar nicht mehr anders können als die Zähne zu einem falschen Lächeln zu fletschen. Ein anderer Grund für verzögertes, also falsches Lächeln kann sein, dass die Person in Gedanken gerade ganz woanders war und schnell noch höflich auf das Zusammentreffen reagieren will. Es kann sein, muss aber nicht. Ich finde ein falsches Lächeln nicht verwerflich. Der Lächler gibt sich immerhin Mühe, seinen wahren Gemütszustand zu verbergen. Oder würde es Ihnen besser gefallen, wenn ein Verkäufer Sie mit grimmiger Miene begrüßt oder Sie in eine Besprechung kommen, in der alle Mundwinkel nach unten hängen? Manchmal wollen wir eben belogen werden. Ich selbst kann ein echtes Lächeln nicht immer von einem gestellten unterscheiden. Das liegt aber wohl daran, dass die Menschen mir gegenüber grundsätzlich irgendwie belustigt sind. Lächeln bringt Vorteile Ohne Lächeln ist der „rote Teppich“ unvorstellbar. Sogar Victoria Beckham verzieht hin und wieder einen Mundwinkel im Blitzlichtgewitter. Wir wollen positiv wirken. Wir sind erfolgreicher und verdienen mehr Geld, wenn wir positiv wirken, das ist keine neue Erkenntnis. Menschen, die im Servicebereich arbeiten, können ihre positive Wirkung auf Gäste am Trinkgeld messen. Was wäre eine Werbung, in der die Models uns gelangweilt und traurig ansähen? Was wäre eine Flugbegleitung, die uns mit hängenden Mundwinkeln den Kaffee in die Hand drückte? Als ich als Schülerin im Theater als Platzanweiserin gearbeitet habe, nickten mir manchmal Leute zu: „Hach, Sie sind immer so fröhlich!“ und drückten mir ein Trinkgeld in die Hand. Und als ich in den Ferien an der Supermarktkasse gejobbt habe, rundete eine Kundin sogar den Betrag auf: „Stimmt schon“, und ein Junge kam immer und immer wieder und steckte mir verschämt seine Telefonnummer zu. Und nicht zuletzt: Lachen ist gesund. Es verstärkt die Sauerstoffaufnahme im Gehirn, lockert die Muskulatur und setzt Endorphine (Glückshormone) frei. Es gibt Lachseminare, die uns dazu ermutigen, wieder einmal herzlich zu lachen. Erwachsene bringen im Durchschnitt nur fünfzehnmal am Tag die Zähne auseinander. Das ist zu wenig. Wir wollen doch alle mal unseren Enkeln später erklären können, dass die lustigen Falten um die Augen von einem fröhlichen Leben kommen. Lächeln Sie im Alltag einfach mal drauflos: Mein Müll steht bei mir an der Grundstücksgrenze, aber eben nicht exakt an der Abholroute der Müllabfuhr. Als meine Kinder im Abstand von achtzehn Monaten geboren waren und nun doppelt so viel Masse an Exkrementen in Windeln anfiel, war ich dankbar und froh, dass diese Fäkalienentsorgung durch Fachpersonal der Stadt vollzogen wird. Deshalb lächelte ich immer freundlich, wenn ich die Tonne noch hektisch an die Straße schob, weil ich mal wieder erst durch das laute Brummen des Müllwagens darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Abholtag war. Herr Müllmann lächelte zurück und dieses Ritual behielten wir bei. Bis ich eines Morgens verschlief. Ich hörte noch das sich entfernende Röhren des Abfalltransporters und riss verzweifelt die Haustür auf. Die Tonne stand fachgerecht geleert auf dem Bürgersteig und von weitem nickte mir der Stadtreinigungsengel von seinem kleinen Metalltritt am Heck des Wagens zu. Von diesem Tag an musste ich nie wieder in aller Herrgottsfrüh Tonnen auf die Straße zerren. Das Stadtreinigungspersonal hat meinen größten Respekt, der sich in einem strahlenden, dankbaren Lächeln, an heißen Tagen in einer Limo mit auf den Weg und an Weihnachten in einem angemessenen Trinkgeld ausdrückt. DAS SMILEY ALS MEDIATOR Geschriebene Worte können mitunter hart sein, weil ihnen die Emotionalität fehlt. Ein in die Tasten gehauenes „Guten Morgen!“ kann ganz schön fies klingen. Um Missverständnisse in einer schriftlichen Konversation zu vermeiden, benutzen wir fast schon inflationär diese kleinen gelben Lächelgesichter, die unsere Stimmung transportieren können. Sie bilden Emotionen in einfachster Form ab. Sie können auch mal böse, erstaunt oder einfach nur mit Sonnenbrille sein. Smileys übernehmen für uns die „bewusste Körpersprache“ in der schriftlichen Kommunikation. Sie verbildlichen Gefühle. Wenn Sie Smileys verwenden, unterstützen Sie das Geschriebene und können so Missverständnissen vorbeugen. Die kleinen gelben Gesichter sind aus unserer virtuellen Welt nicht mehr wegzudenken. Als Emoticons (also Smileys aus Satzzeichen) schleichen sie sich sogar in geschäftliche E-Mails und jegliche schriftliche Form der Informationsübertragung. Es gibt vehemente Smiley-Gegner, die den Einsatz der kleinen gelben Mediatoren überflüssig, ja sogar peinlich finden. Ich persönlich finde sie nahezu großartig und für mich äußerst nützlich. Ich lockere gerne mal das Beenden einer Beziehung per SMS mit einem lächelnden Zwinkersmiley auf, und es wirkt irgendwie nicht mehr so dramatisch, wenn mein Sohn mir mit einem entschuldigenden Minigelbgesicht um drei Uhr früh schreibt: „Hi, Mom, holst du mich bitte von der Polizeiwache ab?“ Akzentuiert und überlegt eingesetzt können die kleinen mimischen Helferlein sehr nützlich sein. Als gelber Tsunami bringen sie gar nichts mehr. Nervige Dauerlächler im Tiefstatus Lächeln hat seine Wirkung, das bleibt unangefochten. Allerdings sollte man damit umgehen wie mit einem wertvollen Schatz. Ständig und überall zu lächeln, kann mitunter sogar Nachteile haben. Diese „Dauerlächler“ ordnet man nämlich eher einem Tiefstatus zu. Sie wollen nicht anecken, deswegen lächeln sie lieber die ganze Zeit. Wenn eine Frau in gehobener Position ständig lächelt (weil Frauen grundsätzlich mehr lächeln als Männer), wird sie weniger ernst genommen als eine, die auch mal aus anderen Beweggründen die Zähne zeigt. Wer lächelt, macht einen ungefährlichen Eindruck, wirkt umgänglich und sympathisch. Dauerlächler im Job wirken dagegen fast schon unterwürfig und leider auch wenig kompetent. Ich selbst halte es so: Bei der Begrüßung erfreue und besänftige ich mein Gegenüber je nach Situation mit einem freundlichen bis strahlenden Lächeln, aber immer mit einem Lächeln. Je nachdem, in welchem Status ich mich präsentieren will. Je strahlender im Sinne von hysterischer das Lächeln, desto tiefer der Status. Je distinguierter und dosierter, aber freundlich, desto höher der Status. So werde ich also meinem Chef gegenüber mal schön devot lächeln und meinen Kindern gegenüber jovial und gütig. Küssen macht Spaß Ein Kuss ist in der ganzen Welt ein Symbol der Zuneigung. Erklärungen nach der Entstehung des Kusses ranken sich von „Beschnuppern des andersgeschlechtlichen Tieres am Hinterteil“, was dann mit der Zeit nach vorne wanderte, über „Weitergabe von zerkauter Nahrung an den Nachwuchs“ oder „Nuckeln des Säuglings an der Mutterbrust“. Bei einer Theorie diente der „Kuss“ zur genaueren Wahrnehmung von Geruch und Geschmack des Geküssten, bei wieder einer anderen steht eine orale Befriedigung beim Küssenden im Vordergrund. Tatsache ist: Küssen ist gesund und macht Spaß. Bezüglich meiner Arbeit als Schauspielerin werde ich oft gefragt: „Wie küsst man denn jemanden, den man nicht kennt?“ Meine Antwort: „Genauso wie jemanden, den man kennt … nur, dass man ihn nicht kennt.“ Früher war das anders, da gab es genaue Regeln für Filmküsse. Wie lange, wohin, wie intensiv. Heute gibt es nur noch die Frage nach der Intensität und bestenfalls Absprachen zwischen den Schauspielern. Bestenfalls, wie Sie gleich feststellen werden. Wenn im Drehbuch steht „Sie küssen sich“, liest man als der, der es umsetzen soll, interessiert weiter, um genauere Details zu bekommen: zärtlich, leidenschaftlich, flüchtig, zum Abschied, ausgehungert usw. Wenn keine Angaben zu finden sind, dann fragt man den Regisseur, wie genau man denn nun küssen soll. Das ist für mich immer ein wenig peinlich, ebenso wie die Tatsache, dass alle zuschauen, wenn ich diesen fremden Menschen dann mehr oder weniger leidenschaftlich küsse. Ein Kuss ist nun mal etwas Intimes, auch wenn man noch so abgeklärt und cool damit umzugehen versucht. Ich habe im Laufe meiner beruflichen Karriere viele Männer geküsst, man sollte meinen, dass es irgendwann zur Routine wird. Aber weit gefehlt. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Büro, der Chef bringt einen neuen Kollegen herein und stellt ihn vor mit den Worten: „Das ist unser neuer Außendienstler Herr Mirko Buch, so und nun küssen Sie sich mal.“ Als erstes fiele Ihnen wahrscheinlich die Frage ein, ob Ihr Chef gleich wieder zurück in die Klinik muss. Wir Schauspieler fragen nur: „Mit Zunge oder ohne?“ Die Frage nach der Zungenbeteiligung stellt sich de facto nur bei Kinofilmen, denn im Fernsehen bleibt sie schön bei jedem im eigenen Mund. Sollte man meinen. Die wenigen Minuten vor einem Filmkuss sind die entscheidenden. Ein Kollege machte sich den Spaß, mir kurz vorher zuzuraunen: „War’s lecker beim Griechen gestern?“, dabei hatte ich aus Rücksichtnahme seit einer Woche weder Knoblauch noch Zwiebeln auch nur angesehen. Ein anderer drückte kurz vor der Szene noch seine Zigarette aus. Wieder ein anderer hatte noch Teile seines Drei-Gänge-Menüs zwischen den Zähnen. Und die Königsdisziplin ist das schnelle Hervorschnellen der Zunge in einem unerwarteten Moment. Ja, Sie haben richtig gehört. „Aber ohne Zunge!“, bedeutet noch lange nicht für alle, dass diese auch unbeteiligt bleibt. In einer Szene für einen Spielfilm saß ich mit meinem Filmpartner in einer großen Badewanne, und wir sollten uns leidenschaftlich küssen. Nach dem „Bitte“ sahen wir uns zärtlich an und näherten uns einander. Dann berührten sich unsere Lippen. Er wurde energischer und plötzlich hatte ich seine Zunge in meinem Mund. Und zwar so, dass er danach mit absoluter Genauigkeit hätte bestimmen können, welche meiner Zähne eine Füllung haben. Ich würgte, ließ mir aber nichts anmerken. Das Filmmaterial raste weiter durch die Kamera, alle hielten den Atem an und ich hoffte, dass es bald vorbei sein würde. Erschwerend kam hinzu, dass meine Rolle in dieser Szene eher dominant und initiativ sein sollte. Konnte ich aber nicht, ich war zu eingeschüchtert und ließ mich treiben. In der Badewanne. Demjenigen, der sagt: „Aber die kriegen doch genug Geld dafür!“, biete ich einen vollen Aschenbecher zum fröhlichen Auslecken an und wedele mit einem Fünfeuroschein. Und wenn Sie jetzt fragen: „Aber macht es nicht auch manchmal Spaß?“, dann antworte ich mit einem verträumten Seufzer „Ja“ – und behalte den Rest für mich. Gesten sind Adjutanten des Wortes Das, was wir sagen, beschreiben wir gerne mit den Händen, wir lassen Größenangaben plastisch erscheinen, ballen die Fäuste, um Aggressionsbereitschaft zu demonstrieren, oder falten die Hände zu einem „Bitte, bitte“, wenn wir etwas wollen. Wir benutzen unsere Hände bewusst, um unsere Worte zu verdeutlichen oder ihnen besonderen Ausdruck zu verleihen. Doch hier geht es mir um die Gesten, die wir unbewusst machen. Die, die keinen „beschreibenden“ Charakter haben, sondern Hinweise auf einen inneren Zustand geben. Gesten können zum Beispiel beim Denken helfen. Ich persönlich kann mich gut sammeln, wenn ich einen Finger an die Lippen lege und so verhindere, dass Gedanken nach außen dringen, die noch nicht gereift sind. Gesten wirken stärker als das, was wir sagen. Verbinden Sie die Aussage über ein „hohes Niveau“ der Firma nicht mit einer Geste unter Ihrem Bauchnabel. Begleiten Sie den Satz „Wir werden ihm schon helfen, sich hier einzugewöhnen“ nicht mit einer geballten Faust, denn dies hat einen unangenehmen Beigeschmack. Die Handflächen sollten dabei besser offen nach oben zeigen. Persönliche Gesten können beim Denken helfen – dies ist meine. Machen Sie weiche, geschmeidige Handbewegungen, das wirkt angenehmer und vertrauenserweckender als zackige Handkantenschläge, denen man glaubt ausweichen zu müssen. Manche Menschen machen Gesten, die in die intime Zone anderer eindringen. Sie wollen ihnen womöglich gar nicht zu nahe kommen, sondern wissen nur nicht, wo ihr eigener Körper endet. Sie zeigen dann mit ausgestrecktem Arm genau an Ihrem Gesicht vorbei: „Sieh mal, da ist der Dom.“ Ich lasse niemanden in meine intime Zone eindringen und schiebe dann lieber den Arm vor meinem Gesicht weg. Verwenden Sie Gesten innerhalb eines gut sichtbaren Rahmens vor Ihrem Körper. Alles, was darunter, daneben oder darüber ist, wirkt unnatürlich. Lassen Sie Gesten ruhig einen kurzen Moment stehen, das wirkt kompetenter, als wenn Sie Fliegen verscheuchen. Verwenden Sie Gesten innerhalb eines gut sichtbaren Rahmens vor Ihrem Körper. Die Hände sollten sichtbar sein Früher trug man seine Waffen in den Händen. Wer garantiert uns, dass dies heute nicht mehr der Fall ist? Diese Angst lauert immer noch in unserem Unterbewusstsein. Die Angst vor dem versteckten Stein, der uns den Schädel einschlagen könnte. Deshalb finden wir offene Hände angenehmer und vertrauenswürdiger als solche, die wir nicht sehen können, weil sie eventuell in Hosentaschen oder hinter dem Rücken verborgen sind. Männer neigen dazu, die Hände in den Hosentaschen verschwinden zu lassen. Frauen dagegen haben kleidungsbedingt oft gar keine Möglichkeit dazu, ihre Hände in irgendwelchen Taschen zu verstecken – die Hände in der Handtasche, das sähe nun wirklich zu befremdlich aus. Bei Männern in Machtpositionen können Hände in der Hosentasche übrigens bedeuten, dass sie keinen Handlungsbedarf sehen. Nehmen sie die rechte Hand heraus und agieren damit, dann benutzen sie die Hand, die von der linken Gehirnhälfte gesteuert wird und für Logik und Analytisches zuständig ist. Dagegen ist die linke Hand für den emotionalen Teil zuständig. So wird beispielsweise jemand, wenn er seine Unschuld gestisch untermauern möchte, oder bei den Worten „Hand aufs Herz“ eher mit der linken Hand zu seinem Herzen greifen. Interpretationen aufgrund von Körperhälften finde ich immer recht schwierig, aber im Gesamtkontext kann ein bisschen Grundwissen darüber sehr aufschlussreich sein. Es ist zum Beispiel gut möglich, dass jemand, der vom Wesen her eher kontrolliert ist, bei einer Umarmung häufiger den rechten Arm weiter oben hat, damit der linke sich frei Richtung Poebene bewegen kann. Jemand, der bei einem Gespräch mit dem Stift in der linken Hand spielt, befindet sich ebenfalls gerade auf der Gefühlsebene. Beobachten Sie Ihre Mitmenschen mal bezüglich dieses Aspekts und ziehen Sie Ihre Schlüsse aus dem Gesamtzusammenhang. Männer lassen die Hände gerne in den Hosentaschen verschwinden. ZEIGEN SIE, DASS SIE UNBEWAFFNET SIND Lassen Sie grundsätzlich Ihre Hände lieber sichtbar. Am vertrauenerweckendsten wirken Hände, deren Handinnenflächen man gut sehen kann. Umgedrehte Hände, die den Handrücken zeigen, könnten noch winzige Waffen beherbergen. Das Aussehen der Hände Das Aussehen der Hände lässt gute Rückschlüsse auf den Beruf des Menschen zu bzw. gibt Hinweise darauf, ob er ein Verwaltungsangestellter oder ein Maurer ist. Wie geht derjenige mit seinen Händen um? Bewegt er sie flink und bewusst? Oder hat man eher das Gefühl, er könne mit all den Fingern einzeln gar nichts anfangen? Ich habe das bei Handwerkern beobachtet, die berufsbedingt den ganzen Tag grobes Material bearbeiten. Wenn sie eine Zigarette aus der Schachtel fischen, dann tun sie das anders als jemand, der die Virtuosität seiner Finger im täglichen Leben bewusst einsetzt wie zum Beispiel jemand, der ein Instrument spielt oder eine Näherin. Achten Sie auf die Hände Ihrer Mitmenschen, zum Beispiel in der Straßenbahn. Wie unterschiedlich halten die Menschen sich fest? Sieht man den weißen Knöchel an der die Stange umklammernden Hand? Das könnte bedeuten, dass sie Stabilität brauchen oder selten Bus fahren. Halten sie sich locker mit den Fingern fest, dann wollen sie vielleicht cool wirken oder haben Respekt vor den Trilliarden von Bakterien an den Stangen öffentlicher Verkehrsmittel. Wie halten sie ihre Hände, wenn sie sitzen? Bauen sie Barrieren, zupfen sie ständig an sich herum? Hände hinter dem Rücken verschränken Wer die Hände hinter dem Rücken verschränkt, nimmt eine Autoritätshaltung ein und demonstriert damit, dass er alles so weit im Griff hat, dass keine Handlungsbereitschaft notwendig ist. Diese Personen brauchen keinen Schutz für ihren Brustkorb, sie können es sich leisten, die Arme hinter ihrem Rücken verschwinden zu lassen. Zu beobachten ist dies bei hochrangigen Politikern, Führungspersönlichkeiten und Menschen, die aufgrund ihres beruflichen Standes einen hohen Status innehaben. Beim Gegenüber kann das Verstecken der Hände allerdings Unruhe auslösen (versteckte Hände könnten Waffen tragen, s.o.). Eine Person mit hinter dem Rücken verschränkten Händen kann aber auch unsicher wirken. Um den Unterschied feststellen zu können, bedarf es weiterer Informationen. Andere Signale und auch die Umstände können Hinweise geben. Wirkt die Person durch schnelle Bewegungen, nervöses Wandern des Blicks oder eine höhere Stimme insgesamt angespannt? Befindet sich die Person in einer Lage, die ihr unangenehm sein könnte (Vortrag o.ä.) und möchte sich vielleicht hinter dem Rücken an sich selbst festhalten? Eine Steigerung dessen ist, wenn jemand nicht nur locker seine Hände hinter dem Rücken verschränkt, sondern ein Handgelenk mit der anderen Hand umschließt. Er hält es damit fest. Was würde die Hand wohl tun, wenn er sie nicht festhalten würde? Diesem Menschen kann es nicht egal sein, ob wir ihm wohlwollend gegenübertreten, er braucht die Gewissheit, dass er bei uns sicher ist. Wer sein Handgelenk mit der anderen Hand umschließt, hält sich fest, damit er sich sicherer fühlt. Geben Sie jemandem, der aus Nervosität die Hände hinter dem Rücken verschränkt, das Gefühl, dass er angenommen ist, so wie er ist. Lächeln Sie ihn freundlich und aufmerksam an. Vielleicht müssen Sie ihm ein wenig mehr Raum geben, damit er sich wohl fühlt. Allgemein gilt: Jemand, der die Arme hinter dem Rücken verschränkt hat, will nicht handeln, weil er jetzt viel lieber zu Hause auf dem Sofa liegen würde, oder aber er muss aufgrund seines Status nicht handeln. Wedelnde Hände Es ist nicht so schwer nachzuvollziehen, dass wild fuchtelnde Hände eher gut sind, um Fliegen zu verscheuchen als das gesprochene Wort zu untermauern. In der Gegenwart hektisch wirkender Menschen fühlen wir uns unwohl. Die meisten von uns zumindest. Hektik, schnelle Bewegungen, erhöhter Puls oder hohe Atemfrequenz sind Signale der Gefahr. Etwas muss abgewehrt werden, bekämpft werden. Wer in Hektik gerät, kann nicht mehr klar denken, sondern handelt instinktiv. Seine Planungsbereitschaft nimmt ab und alles in ihm ist auf schnelles Erreichen seines Zieles programmiert. Sind Sie mit solch einem Menschen konfrontiert, versuchen Sie den Abstand zu ihm zu verringern, geben Sie ihm Raum und werden Sie auf keinen Fall ebenfalls hektisch. Versichern Sie ihm sanft, dass Sie auf seiner Seite sind, dass Sie ihn unterstützen. Eine rabiatere Methode bei besonders nervigen Händewedlern wäre, denjenigen an den Schultern zu packen und zu schütteln. Machen Sie das mit Ihrem Chef und schicken Sie mir das Video. Ich freu mich drauf. WOHIN MIT DEN HÄNDEN? Viele fragen sich: Wohin mit den Händen, wenn ich stehe? Fühlen wir uns angestarrt, dann sind es meistens die Hände, die uns plötzlich als überflüssiges Anhängsel vorkommen. In die Hosentaschen stecken? Um dann beim Reden plötzlich ausschließlich mit den Ellbogen zu wedeln, weil man doch irgendwie gestikulieren will? Machen Sie das nur. Belustigen Sie Ihr Publikum. Oder pressen Sie die Arme seitlich eng an den Körper und gestikulieren nur mit den Händen. Wie ein Pinguin. Gönnen Sie Ihren Zuhörern mal was. Wohin also mit den Händen? Machen Sie es wie die Profis. Beim Stehen sollten die Hände sichtbar sein und sich knapp über der Gürtellinie berühren. Nebenbei hat es einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, wenn Sie die Hände vor dem Körper halten: Wenn Sie wegrennen müssen und stolpern, fallen Sie nicht direkt aufs Gesicht. Vertikale Bewegungen Bewegungen, die von oben nach unten gehen, wirken immer unterdrückend. Gesten, die von unten nach oben gehen, dagegen immer positiv. Alles, was von unten nach oben geht, assoziieren wir mit etwas Positivem. Eine Pflanze wächst nach oben, der Start eines Flugzeuges, nach dem Aufstieg zu einem Aussichtspunkt hat man einen guten Überblick, und für die Fortpflanzung ist es auch nicht unvorteilhaft, wenn die beteiligten Organe in der Vorbereitungsphase nach oben gehen. Achten Sie aber darauf, dass Sie bei Aufwärtsbewegungen mit den Händen nicht unterhalb der Hüfte beginnen. Dann geht die Leichtigkeit verloren und es sieht eher aus, als wollten Sie ein Grab ausschaufeln. Karateschlag Zu den negativ wirkenden Gesten von oben nach unten zählt auch der Karateschlag: Er wird oft benutzt, um einer Aussage Nachdruck zu verleihen: „Das ist so und das wird sich nicht ändern.“ Der Handkantenschläger duldet in dem Punkt, den er anspricht, keine Widerworte. Richtet er die Hand auf Sie, dann wirkt diese Geste umso entschiedener, besonders, was Ihre Person betrifft. Dominanter Finger Mit dem „dominanten Finger“ ist das Deuten auf Menschen oder Gegenstände mit dem Zeigefinger gemeint. Der Zeigefinger ist eine verkümmerte Form eines Speers oder einer anderen spitzen Waffe. So empfinden wir das unterbewusst, daher fühlen wir uns nicht wohl, wenn jemand uns mit dem Zeigefinger entgegensticht. Pieksen mit dem Zeigefinger und eine ansonsten verschlossene Körperhaltung bedeutet, dass derjenige keine Widerrede zulässt. Unangenehme Zeitgenossen, diese Piekser. Daumen Der Daumen hat eine besondere Bedeutung in der Körpersprache. Er entschied schon in der Antike über Leben und Tod eines Menschen, je nachdem, ob er nach oben oder nach unten zeigte. In unseren Kulturkreisen bedeutet ein nach oben gerichteter Daumen an der geschlossenen Faust noch immer etwas Positives. In arabischen Ländern oder im Iran würde ich diese Geste aber lassen. Dort kommt der nach oben gerichtete Daumen dem „Stinkefinger“ gleich. Handflächen nach unten vor der Gürtellinie Diese Geste vermittelt angeblich, dass man alles im Griff hat. Sie wirkt beschwichtigend. In einem ungeschickten Zusammenhang kann diese Geste aber auch für Unterdrückung stehen. Ich persönlich empfinde diese Geste als aufdringlich. Niemand muss mir vermitteln, alles im Griff zu haben, es sei denn, er hat alles im Griff. Niemand hat mir zu sagen, dass ich „mal ganz ruhig bleiben soll“. Ich bin ganz ruhig!! Auf einer Party erzählte mir eine junge Frau, dass sie Kosmetikprodukte verkauft. Sie begleitete dies mit einer Geste, bei der die Hände mit den Handflächen nach unten deuteten. Ich hatte das Gefühl, sie schob die Produkte weg. Im weiteren Verlauf wedelte sie mit den Händen vor ihrem Brustkorb, wenn sie von den Produkten sprach. Ich wollte nun wissen, was dahintersteckte. Ein paar investigative Minuten später hatte ich die fehlende Information: Sie war ausgebildete Tänzerin und auf die Kosmetik konzentrierte sie sich nun, weil sie mit ihren knapp dreißig zu alt für die Fortsetzung ihrer Tanzkarriere war. Ihr Herz brannte für den Tanz! Wenn sie davon sprach, leuchteten ihre Augen, ihr Körper öffnete sich und ihre Gesten wurden sanft und voller positiver Energie. Über Kosmetik sprach sie mit weitaus weniger Begeisterung. Sie wedelte ihre anzupreisenden Produkte weg und schob sie von sich. In meiner Mission als Retterin der Welt gab ich ihr den Tipp, bei der Präsentation ihrer Produkte die Handflächen nach oben zu halten, so, als hätte sie etwas Wertvolles zu geben. Einem körperbewussten Menschen etwas über Körpersprache zu erzählen, ist eine dankbare Aufgabe. Die Eleganz, die sie nun in die positive Präsentation ihrer Produkte legte, war ein Augenschmaus. VERTRAUEN ERWECKEN Wollen Sie Vertrauen vermitteln, dann machen Sie Bewegungen von unten nach oben, aber erst ab der Gürtellinie. Dabei zeigen Ihre Handflächen nach oben, als wollten Sie ein wertvolles Geschenk überreichen. Jeder möchte ein wertvolles Geschenk. Handhaltungen im Sitzen Im Sitzen nehmen wir oft ganz bestimmte Haltungen mit unseren Armen und Händen ein. Solche, in denen wir uns wohlfühlen, die wir gewohnt sind und die uns Sicherheit geben. Beispielsweise lehnen wir uns zurück und verschränken die Arme vor der Brust, wenn keine Tischplatte vorhanden ist. Das kann man gut in Stuhlkreisen beobachten, in denen jeder etwas sagen muss. Sitzen wir an einem Tisch, beginnt ein wesentlich differenzierteres Fingerspiel. Pistolenhände Die Hände in Pistolenform zu halten (verschränkte Hände mit ausgestreckten Zeigefingern) ist per se schon eine Angriffshaltung. Pistole sieht eben aus wie Pistole. Der Interpretationsspielraum ist hier relativ gering, denn zeigt der „Pistolenlauf“ auf uns, fühlen wir uns bedroht. Wird der Pistolenlauf nachdenklich an die Lippen gelegt, möchte derjenige seine Gedanken vorerst nicht äußern. Die ausgestreckten Finger bilden für den, der die Geste ausführt, sowohl eine Abwehr – „Komm mir nicht zu nahe“ – als auch eine zielgerichtete Konzentration auf den Gesprächspartner. Auch der auf einen Gegenstand deutende – vielleicht sogar tippende – Zeigefinger wirkt sehr bestimmend und manchmal sogar unterdrückend. Genauso unangebracht ist es, mit dem Finger auf Personen zu zeigen. Es hat fast schon etwas Denunzierendes, fühlt sich befremdlich an, kann uns verunsichern. Wenn Ihnen jemand die Pistolenhände entgegenrichtet oder mit dem Finger auf Sie zeigt, dann weichen Sie aus. Ändern Sie Ihre Position im Raum, indem Sie aufstehen und etwas holen oder wenden Sie zumindest Ihren Oberkörper ab. Mit dem Finger auf die Tischplatte tippen Das meint: „Hallo! Ich! Hier! Ich möchte etwas sagen …“ Das ist wie das Aufzeigen in der Schule, nur kleiner. Sehr viel kleiner. Aber mindestens genauso nervig. KEIN PIEKSEN UND KEIN HACKEN Den Zeigefinger würde ich generell schön bei den anderen Fingern lassen, wenn ich sympathisch wirken will. Mit einem ausgestreckten Zeigefinger sollten Sie weder deuten noch zeigen und auch kein besonders wichtiges Argument mit hackenden Bewegungen unterstützen. Möchten Sie allerdings resolut auf einer Sache bestehen, dann können Sie tippen und in der Luft herumstochern, bis sie aussieht wie Schweizer Käse, und hoffen, dass Sie vorher Ihre Autorität soweit klar gemacht haben, dass es nicht aufgesetzt wirkt. „Stachelhände“ oder „Igelhände“ Die ausgestreckten Finger der gefalteten Hände zeigen vom eigenen Körper weg und sind wie eine kreisförmige Anordnung von Waffen gegen die Umgebung gerichtet. Da kommt so schnell niemand durch. Achten Sie darauf, wie sehr die Finger dabei gestreckt sind. Je angespannter die Finger sind, desto stärker ist auch der Geist Ihres Gegenübers angespannt. Positiv ausgedrückt bedeutet es, dass er sehr konzentriert ist. Negativ ausgedrückt heißt es: Er verkrampft sich und es kann sein, dass Sie diese Spannung erst lösen müssen, damit das Gespräch einen einigermaßen sinnvollen Verlauf nehmen kann. Dies können Sie zum Beispiel erreichen, indem Sie Ihren Gesprächspartner nach seiner Meinung fragen. Vielleicht hat er ein Argument vorzubringen, das Sie freundlich und offen entkräften können. Hände formen ein Spitzdach Wenn die Hände ein Spitzdach formen, hängt die Interpretation unter anderem davon ab, wo das Spitzdach hinzeigt. Zeigt es nach oben, dann wird Regen erwartet – unter einem Zelt kann man gut nachdenken. Zeigt es nach vorne auf eine Person, dann sieht es eher aus wie ein Schneepflug, an dem links und rechts die Argumente vorbeigeschoben werden. Aufschluss kann hier nur der Kontext geben, zudem sind andere Signale, wie Stimme, Körperhaltung usw. zu beachten. Hände sind vor dem Bauch bzw. vor dem Körper gefaltet Zeigen die Handrücken nach außen, baut man eine Barriere. Gleich könnte ein Gegenargument kommen. Je näher die gefalteten Hände (beim Sitzen) an das Gesicht kommen, desto größer ist das Verlangen nach Schutz. Es mag sein, dass Ihr Gegenüber sich zum Nachdenken zurückziehen will oder dass etwas in ihm brodelt, was er zurückhalten muss. Aufschlussreich sind in diesem Fall die Füße (siehe Seite 133). Sind sie auch überkreuzt? Oder stehen sie fest mit beiden Sohlen auf dem Boden? Entspannt gefaltete Hände suggerieren im Allgemeinen eine Ruheposition. Dieser Mensch wird Ihnen nicht gefährlich werden. Im Supermarkt an der Kasse halten viele Menschen ihren Geldbeutel schon bereit, schützen ihn aber, indem sie ihn eng vor dem Bauch am Leib tragen und mit dem Handrücken nach außen schützen, abdecken und so mit ihren Armen eine Mauer bilden. Vor allem ältere Menschen nehmen diese Haltung ein. Das ist insofern nachvollziehbar, als sie es noch gewohnt sind, Bargeld mit sich herumzutragen. Fingerkuppen berühren sich mit geöffneten Handflächen Auch die „Merkel-Raute“ genannt. Es ist viel Raum zwischen den Handflächen, aber die Fingerspitzen berühren sich dennoch. Es bestehen also „Berührungspunkte“, und das nicht nur körperlich, sondern auch zwischen den Kommunikationspartnern bzw. dem, was beide denken. SPANNUNG LÖSEN Wenn Ihr Gegenüber sich verschließt, beispielsweise die Hände krampfhaft ineinander gefaltet hält, dann versuchen Sie, seine Hände zu öffnen, indem Sie ihm Kaffee nachschenken und er nach der Tasse greifen muss. Oder reichen Sie ihm etwas anderes, damit er die Hände löst. Das ist nicht einfach, weil es natürlich ins Gespräch passen muss, aber vielleicht bietet sich ja etwas an. Rechte Hand/linke Hand Gestikuliert die rechte Hand, bedeutet dies, dass die Argumente eher logischen und vernünftigen Ursprung haben. Ist die linke Hand aktiver, spielen die Gefühle eine größere Rolle. Denn die rechte Gehirnhälfte kontrolliert die linke Körperhälfte und die linke Gehirnhälfte ist verantwortlich für die rechte Körperhälfte. Davon abgesehen sind Gesten jedoch immer davon abhängig, welche Hand gerade frei ist. Daher ist es oft schwer zu sagen, ob Gefühl oder Vernunft im Vordergrund stehen. Mit Gegenständen spielen Wenn Sie mit einem Stift hantieren, können Sie nach außen hin kompetent wirken. Wohl auch wegen des Rückkopplungseffektes, denn Sie fühlen sich dadurch sicherer. Schauspieler fragen manchmal den Regisseur, ob sie während einer Szene etwas in die Hand nehmen dürfen. Man fühlt sich einfach etwas verloren und nackt, wenn man so ganz ohne dasteht. Meistens wird man während der Proben sukzessive sicherer, dann stört der Gegenstand nur noch oder er muss bei einem Abgang sowieso wieder weggelegt werden. Und nichts sieht seltsamer aus als eine Person, die nicht weiß, wo sie die Tasse, die Tasche oder den chinesischen Dekogegenstand wieder ablegen soll. Aber für den Anfang hilft es. Beide Hände umfassen einen Gegenstand Manche Menschen halten eine Handtasche, ein Glas oder einen Stift mit beiden Händen fest, dabei bilden die Arme eine Barriere vor dem Körper. Sie brauchen ein wenig Zeit, um sich in der Gesellschaft einzugewöhnen oder sich auf einen Gesprächspartner einzustellen. Lassen Sie sie ankommen, geben Sie ihnen die Zeit. Eine Dame, die sich bei unserem ersten Aufeinandertreffen krampfhaft an ihre Handtasche geklammert hatte, entpuppte sich im Laufe des Abends und mit steigendem Alkoholkonsum als wahre Unterhaltungskünstlerin. Von der anfänglichen Unsicherheit war nichts mehr zu sehen. Vermeiden Sie es bitte, Gegenstände in einem fremden Territorium (Büro des Kollegen, fremde Wohnung) zum Spielen und Befummeln zu benutzen. Das wirkt wie ein Übergriff und steht Ihnen nicht zu. Auch wenn Sie irgendwo zu Gast sind und ein interessantes Buch im Regal sehen. Greifen Sie nicht einfach zu. Manche Menschen empfinden das als Eindringen in ihre Privatsphäre. Es sei denn, Sie befinden sich in einem Geschäft und spielen mit dem Gedanken, den Gegenstand käuflich zu erwerben. Und noch etwas zum Spielen mit fremden Gegenständen: Sollten Sie einmal den Fehler des Fremdgrabschens begangen haben, dann achten Sie bitte darauf, den Montblanc-Füller, das Familienfoto oder die Zahnbürste wieder zurückzugeben, und entschuldigen Sie sich: „Das tut mir sehr leid. Aber ich mache gute Fortschritte in meiner Gruppentherapie für Affekt-Kleptomanen.“ Hände langsam aneinander reiben Oft können wir beobachten, wie ein Autoverkäufer die Hände langsam aneinander reibt, während wir den Vertrag unterschreiben. Können Sie noch zurück? Dann lassen Sie augenblicklich den Stift fallen und reiten Sie auf Ihrem verrosteten Gaul vom Hof. Langsames Händereiben bedeutet etwas Gutes für den, der sich die Hände reibt, aber nicht unbedingt für Sie. Reiben Sie sich doch mal die Hände, wenn Sie ein Auto kaufen. Sie werden einen irritierten Blick des Verkäufers ernten. Das langsame Aneinanderreiben der Hände steigert durch die sanfte Berührung den Genuss auf das, was Sie erwarten. Hände schnell aneinander reiben Wenn wir dagegen schnell die Hände aneinander reiben, vermittelt dies eher den Eindruck, tatkräftig zu sein, agieren zu wollen: „Jetzt geht’s los!“ Es aktiviert die Nervenenden in den Handflächen. Manche klatschen zusätzlich einmal in die Hände; das gibt ein akustisches Signal, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich und aktiviert ebenso die Nervenenden. Hände reiben ist eine häufig verwendete Geste, um sich und andere zu motivieren. Der Gestikulierende erwartet etwas Positives für die Gruppe. DIE HÄNDE REIBEN Ob Sie sich langsam und selbstgefällig oder voller Tatkraft die Hände reiben: Bei beiden Geschwindigkeiten des Händereibens ist es wichtig zu beobachten, wo diese Geste stattfindet. Ist es nahe am Gesicht, dann wirkt der Körper kleiner und zurückgenommen. Das kann darauf hindeuten, dass dieser Mensch sich für sich selbst freut und etwas Gutes erwartet. Sind die Arme nach vorne gestreckt und findet die Geste kurz oberhalb der Gürtellinie statt, dann öffnet sich derjenige mehr und ist bereit, seine Freude mit anderen zu teilen. Das klingt jetzt alles eher theoretisch, aber wenn Sie dies häufiger beobachtet haben, werden Sie schnell ein Gespür dafür bekommen, was sich der Dreckwürstchenproduzent denkt. Sich den Nacken reiben Reibt sich jemand den Nacken, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass er sich nicht wohlfühlt und mit dem manchmal dabei erhobenen und nach vorne gestreckten Ellbogen eine Barriere bildet. Die Person massiert die Verbindung zwischen Kopf und restlichem Körper, um eventuell eine bessere „Datenübertragung“ zu ermöglichen. Im Gesamtkontext aller Signale, die der Körper in dieser Situation aussendet, wirkt das Reiben oder Berühren des Nackens wie ein Schutz. Die Handfläche schützt eine empfindliche Stelle des Körpers und zusätzlich sind die Ellbogen eine Abwehrwaffe nach außen. Wenn mich kein anderer berührt, mach ich es eben selbst Ungefähr alle vier Minuten berühren wir uns im Gesicht. Gerade, als ich dies geschrieben habe, habe ich mich an der Wange gekratzt. Wenn eine Hand zum Gesicht wandert, hat das meist einen Grund. Ich gebe Ihnen hier ein paar Anregungen, wie Sie die verschiedenen Gesten interpretieren können. Im Allgemeinen ist es so, dass eine Geste, mit der die eigene Haut berührt wird, den „Energiekreis“ des Körpers schließt. Die Energie fließt in diesem Moment durch die sich berührenden Hautflächen. Oder was glauben Sie, warum Meditierende die Fingerspitzen aneinanderlegen? Jede Art von Selbstberührung will verhindern, dass Energie an die Umwelt abgegeben wird. Durch Selbstberührung beruhigt man sich automatisch, da man sich seiner eigenen Existenz versichert. Ähnlich wie Mama damals uns frisch Geschlüpften durch Berührung Sicherheit und Schutz gegeben hat. Diese „Energieübertragung“ funktioniert nämlich auch im Kontakt mit anderen Menschen. Oder warum glauben Sie, tut eine Massage so gut? Und warum lassen wir uns eine wohltuende, überteuerte Gesichtsbehandlung angedeihen? Die sanfte Berührung löst in uns ein Wohlgefühl aus. Wir mögen Berührungen, wir fühlen uns wohl und sicher, wenn wir warme Haut spüren. Dieses Bedürfnis nach körperlichem Kontakt wohnt uns inne. Und wenn gerade niemand da ist, der uns freiwillig berühren will, dann machen wir das eben selbst. Um uns Sicherheit zu geben. Durch Selbstberührung beruhigt man sich. Ein Bekannter von mir fasst sich oft an den linken Ellbogen. Er fühlt sich noch wohler, wenn dieser nackt ist. Der Ellbogen. Irgendwann habe ich gelesen, dass dies ein Zeichen dafür sein kann, dass jemand seine Gefühle zurückhalten will. Ich kenne ihn nicht gut, aber ich kann mir vorstellen, dass es zutrifft. Man spürt bei ihm, dass es unterschwellig brodelt, wenn er mit anderen redet. Manchmal platzt er mit einem so herzlichen Lachen heraus, dass man ihn am liebsten umarmen möchte. Ein Cent für seine Gedanken! Aber gehen wir ein bisschen mehr ins Detail: Sich an die Nase fassen Es gibt zwei Gründe, warum Menschen sich an die Nase fassen (mal abgesehen von einer laufenden Nase): Die Nase kurz zu berühren kann darauf hindeuten, dass derjenige sich ertappt fühlt. Das Gesagte oder sogar nur Gedachte soll schnell weggewischt werden. Zurückzuführen ist diese Geste möglicherweise darauf, dass beim Lügen die Kapillaren in der Nase stärker durchblutet werden. Oder die Bewegung soll eigentlich zum Mund gehen, um das Gesagte schnell in denselben zurückzuschieben, die Hand aber geht stattdessen zur Nase, weil der Mund gerade mit Sprechen beschäftigt ist. Egal, welche Erklärung zutrifft, Fakt ist: Gleichen Sie genau ab, was jemand sagt, der sich vorher oder in diesem Fall meist hinterher an die Nase greift. Längeres Berühren der Nase (z.B. Reiben) deutet darauf hin, dass die Person nachdenkt, die „Sache“ beschnuppert. Mit ein wenig Übung und genauem Beobachten können Sie feststellen, dass viele sich berühren, wenn sie etwas gesagt haben, das ihnen selbst missfällt, hinter dem sie nicht stehen oder an dem sonst irgendetwas faul ist. Kinn streicheln Wenn wir unser Kinn berühren, schützen wir unseren Hals, manchmal auch unseren Brustkorb, wenn wir den anderen Arm quer darüberlegen. Jede Nachdenklichkeitsgeste dient dem Zweck, Informationen zu kanalisieren. Zum Nachdenken braucht man sein Gehirn und muss sich zum Überlegen in sich zurückziehen. Um das zu gewährleisten, verengt man die Augen, fasst sich ans Kinn oder an die Nase und kann sich so auf das Wesentliche konzentrieren. Den Mund berühren Den gleichen Effekt hat es, wenn Sie den Mund mit der Hand berühren. Die Hand hält die Worte zurück oder möchte sie zurückholen. Sie denken nach. Ein senkrechter Zeigefinger, der auf die Lippen gelegt ist, kann darauf hindeuten, dass jemand gleich etwas sagen möchte, es aber noch für sich behält. Ersatz für den Zeigefinger kann ein Stift oder Brillenbügel sein, an dem wir herumkauen. Wobei beim Knabbern an Gegenständen der Mund bereits offen ist. Die Gedanken gelangen also leichter nach draußen als beim Zeigefinger auf dem geschlossenen Mund. Nachdenklichkeitsgesten helfen uns, Informationen zu kanalisieren. Wenn ein Brillenknabberer vor Ihnen sitzt, dann geben Sie ihm die Möglichkeit, jetzt etwas zu sagen. Schweigen Sie und signalisieren Sie Interesse an dem, was er sagen wird. Oder stellen Sie ihm eine Frage: „Was meinen Sie dazu?“ Je negativer die Signale sind, die er sendet (Stirnrunzeln, Nasenflügel heben, Augen verengen), desto dringlicher ist ein Aufbrechen seiner Barriere. Ein senkrechter Zeigefinger, der auf die Lippen gelegt ist, kann darauf hindeuten, dass jemand gleich etwas sagen möchte, es aber noch für sich behält. Finger an die Stirn Berührt Ihr Kommunikationspartner seine Stirn, dann zeigt er Ihnen entweder den Vogel, indem er tippt, oder er muss nachdenken, indem er eine direkte Barriere gegen neue Informationen schafft. Dabei können sich seine Augen verengen, was den Informationsschluss zusätzlich verringert. Geben Sie ihm Zeit. Griff zum Ohr Greift sich jemand ans Ohr, gibt es zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten. Zum einen kann es bedeuten, dass sich jemand eigentlich das Ohr zuhalten möchte, weil er etwas Unerwünschtes hört. Er schließt einen Informationskanal. Haben Sie etwas Garstiges gesagt? Relativieren Sie es schnell. Eine andere Deutung des Ohrberührens ist, dass diese Person lügt. Meine Begründung für diese Annahme ist, dass beim Greifen ans Ohr der Unterarm schützend vor den verletzlichen Hals gebracht wird, um so einem möglichen Angriff vorzubeugen. Ob der Ohrgreifer nun das Gesagte hören will oder lieber doch nicht, ob er selbst nach einer ausgeplauderten Lüge sein Ohr befummelt oder nicht: Der Griff zum Ohr ist eine Geste, die Sie auf jeden Fall in Zukunft bemerken werden und deren Hintergründe Sie investigativ bei Ihrem jeweiligen Gegenüber herausfinden werden. Flusen von der Kleidung zupfen Jemand, der sich imaginäre Flusen von der Kleidung zupft, hat eine Meinung, die er nicht preisgeben möchte. Er lenkt die Aufmerksamkeit in diesem Moment auf etwas anderes, um bloß nichts sagen zu müssen. Was tun? Entscheiden Sie, ob Sie die Meinung interessiert. Wenn ja, dann fragen Sie nach, zum Beispiel: „Was ist Ihre Meinung dazu?“ In einer Flirtsituation wird auch gezupft, allerdings aus einem anderen Grund. In aller Regel bewerte ich diese Geste bei Männern eher zu meinen Gunsten. Sie wollen sich für mich hübsch machen und zeigen, wie ordentlich sie sind. Das ist für mich völlig okay. Weiter so. Später in der Ehe lässt dieses Verhalten sowieso rapide nach, da muss man die Anfänge genießen. Jemand anderen berühren Über sanfte Berührungen muss ich hier nicht referieren. Ihre Bedeutung dürfte den Lesern jenseits der Pubertätspickel mehr oder weniger vertraut sein. Doch bei beiläufigen Berührungen im Alltag gibt es einiges zu beachten. Wenn Sie jemand ungefragt berührt, ist das ein absolutes No-Go, außer Sie haben extrem deutlich signalisiert, dass Sie das wünschen. Mit Ausnahme von Ärzten, Masseuren oder anderen Berufsberührern darf uns niemand einfach so anfassen. Ungefragt mit jemandem Körperkontakt herzustellen ist in unserer Kultur ein absolutes Tabu. Offensichtlich und zu meinem Bedauern gilt das nicht für Kinder. Erwachsene tatschen gerne fremden Kindern auf den Kopf oder kneifen Babys liebevoll in die Wange. Als einmal ein älterer Herr meiner kleinen Tochter in die Wange gekniffen hat, habe ich einfach mal zurückgekniffen. Erlaubt sind Berührungen der Hand bei der Begrüßung, vielleicht noch an der Schulter oder am Arm. Aber achten Sie darauf, wie die fremde Hand Sie berührt. Legt sie sich von oben auf Ihren Körper, dann möchte die Person Sie womöglich dominieren. Wird eine Berührungsgeste von unten nach oben ausgeführt, wirkt das dagegen unterstützend. Eigentlich ist es schade, dass wir so körperkontaktarm miteinander umgehen. Von unserem Wesen her brauchen wir Körperkontakt, um uns wohlzufühlen. Um uns geliebt und sicher zu fühlen. Es gibt einen wunderschönen Satz von Jean-Jaques Rousseau, der sich in mein berührungshungriges Herz gebrannt hat: „Wie viel Unrecht kann die Umarmung eines Freundes wieder gutmachen.“ Imponiergehabe und Machtgesten Hände hinter dem Kopf verschränken Sitzt jemand mit hinter den Kopf verschränkten Händen vor Ihnen, öffnet er sich, präsentiert Ihnen die verletzlichen Innenseiten der Arme und demonstriert damit Macht: „Ich habe keine Angst vor dir.“ Gleichzeitig lässt diese Geste die Person größer wirken. Bei Männern in gehobenen Positionen ist diese Körperhaltung oft zu beobachten. Anders ist es bei Frauen: Hier kann das Präsentieren der Innenseiten der Arme ein sexuelles Signal sein, da mit dem Achselschweiß Pheromone an die Umwelt abgegeben werden. Aber mal ehrlich: Welche Frau sitzt schon mit hinter dem Kopf verschränkten Armen in einem Café? Auch bei dieser Geste gilt es wieder, genau hinzusehen und ein bisschen zu differenzieren: Befinden sich die Hände entspannt auf statt hinter dem Kopf, dann macht sich der Gesprächspartner bewusst angreifbar, er fühlt sich wohl, kann Argumente gut verarbeiten. Es bleibt eine Machtgeste, aber da die Arme vom Kopf gestützt werden, muss er keine Anstrengung investieren und ist entspannter. Er öffnet sich, bietet Ihnen Angriffsfläche und zeigt: „Wir können ganz offen reden.“ Probieren Sie beide Gesten in einem Gespräch aus. Wie fühlen Sie sich als Zuhörer, wenn Sie die Hände auf den Kopf legen? Wir fühlt es sich an, wenn Sie die Hände am Hinterkopf verschränken? Wie empfinden Sie die Gesten, wenn Sie sprechen? Es ist ein Unterschied, ob man sich zurücklehnt und zuhört oder ob man das Reden übernimmt. Meist beobachtet man diese Machtgeste beim Zuhörer. Beginnt er mit einer längeren Rede, löst er sich gerne mal aus dieser defensiven Geste und geht in Aktion. Wenn Sie mutig genug sind und keine Schweißflecken unter den Armen haben, dann spiegeln Sie die Machtgeste des anderen. Vielleicht ändert er seine dadurch. Wenn nicht, befinden Sie sich zumindest in der gleichen Ausgangssituation. Hände hinter dem Kopf demonstrieren Macht. Hände auf dem Kopf: Der Gesprächspartner fühlt sich wohl. Die Arme vor dem Brustkorb verschränken Die Arme zu verschränken ist verpönt, weil dank einschlägiger Zeitschriften inzwischen alle zu wissen glauben, dass es Ablehnung bedeutet. Ich würde mich niemals mit verschränkten Armen hinstellen, wenn ich Offenheit vermitteln und Vertrauen wecken will, weil ich weiß, dass jeder weiß, was es angeblich bedeutet. Aber tatsächlich kann das Verschränken der Arme viele Beweggründe haben. Zum Beispiel kann dem ein Rüffel des Chefs vorausgegangen sein. Der Angegriffene schützt nun seinen Herz- und Lungenbereich. Er ist im Moment nicht bereit, sich offen einer Herausforderung zu stellen. Verständlicherweise. Hier wird wieder deutlich, dass wir jede Art von Mauer nutzen, um uns zu schützen. Eine weitere Erklärung für das Verschränken der Arme kann sein, dass der andere sich einfach gerade so wohlfühlt. Das soll er auch. Jeder hat das Recht, sich zurückzunehmen, wenn er möchte. Wenn Sie allerdings positiv auf andere wirken wollen, bleiben Sie eher offen. Selten sehen wir Schauspieler, die mit verschränkten Armen stehen. Obwohl man oft das Bedürfnis hat, sich in einer Szene, aus welchen Gründen auch immer, zu verschließen. Bei verschränkten Armen den Daumen nach oben strecken Diese Geste funktioniert nur bei Männern und kann ein Hinweis darauf sein, dass der Herr trotz der Barriere auf seiner Dominanz besteht. Er verschließt sich, aber der stärkste Finger seiner Hand, der Daumen, ist frei. Dieser entschied schließlich schon im alten Rom über Leben oder Tod der Gladiatoren. Bei Frauen funktioniert diese Geste nicht, denn dann würde sie ihre Brüste mit der Hand umschließen. Frauen umrahmen ihre Brüste mit den verschränkten Armen, das bietet Schutz. Wenn die Dame dabei ihren Brustkorb ein wenig exponiert, legt sie Wert darauf, dass ihre Argumente sehr wohl wahrgenommen werden. Das Verschränken der Arme wirkt ablehnend – kann aber auch darauf hindeuten, dass die Person sich wohlfühlt. Wenn Sie die Arme verschränken und sich mit dem Oberkörper dabei ein wenig nach vorne lehnen, signalisieren Sie konzentriertes Zuhören, ohne jedoch eingreifen zu wollen. Verschränkte Arme blockieren aber leider die Fähigkeit Ihres Gehirns, Informationen aufzunehmen. Studenten, die in einem Experiment einem Vortrag mit verschränkten Armen lauschen sollten, sind unwissender aus dem Saal gekommen als ihre Kommilitonen, die eine offene Körperhaltung eingenommen hatten. Wenn Sie also möchten, dass das, was Sie sagen, auch im Gehirn ankommt, basteln Sie schnell gemütliche Armlehnen an die Stühle, damit die Zuhörer sich darauf abstützen können und nicht die Arme verschränken müssen. Es kann aber auch sein, dass Ihnen einfach nur physisch kalt ist (weil das, was Ihr Gegenüber sagt, Sie vielleicht erschauern lässt), dass Sie einfach nur eine Ablagefläche für Ihre Arme auf Ihrem Bauch brauchen oder Sie Transpirationsflecken verdecken müssen. Diese Geste kann ein Hinweis darauf sein, dass der Herr trotz der Barriere auf seiner Dominanz besteht. Füße: Ja, wo laufen sie denn? Füße sind sehr dankbare Indikatoren für Stimmungen. Kaum einer ist sich seiner Füße bewusst, sie sind einfach zu weit weg vom Gehirn. Ganz am anderen Ende. Deswegen haben wir sie auch am wenigsten unter Kontrolle, und die Stellung der Füße kann sehr aufschlussreich sein. Fußspitzen nach außen gerichtet Sind die Fußspitzen nach außen gerichtet, kann man annehmen, dass diese Person keine Scheu hat, sich Raum zu nehmen. Sie dringt gedanklich in andere „Räume“ ein und ist immer bereit, Neues zu erfahren. Hinzu kommt, dass die verletzliche Seite des Fußes „offen“ ist. Verletzliche Stellen zu präsentieren bedeutet immer, dass die Person mit Angriffen umgehen kann und keine Angst vor Konfrontation hat. Nach innen gedrehte Fußspitzen Sind die Zehen zueinander gewandt, ist das Öffnen der Beine anatomisch schwieriger als mit ausgestellten Zehen. Man fühlt sich kompakter, sicherer und geschützter. Meist liegen die Knie in dieser Fußstellung automatisch aneinander, so dass auch die Beinstellung geschlossen ist. Frauen nehmen gerne diese Haltung ein. Geschuldet ist das ihrer Kleidung (Rock), ihren Schuhe (schlimm genug, dass man in hohen Schuhen so wenige Sitzpositionen hat) und zu guter Letzt ihrer Art, nur wenig Raum in Anspruch zu nehmen. Sind die Zehen zueinander gewandt, fühlt man sich geschützter. SCHAUEN SIE AUF DIE FUSSSPITZEN Für jede Interpretation der Fußstellung ist es wichtig zu wissen, dass die Fußspitzen in die Richtung zeigen, in die deren Besitzer hin möchte bzw. denkt. Zeigen sie zum Notausgang, möchte er weg. Sind die Füße übereinander gekreuzt, kann es bedeuten, dass er diesen Ort gerade nicht verlassen möchte. Zeigen die Fußspitzen auf eine bestimmte Person, könnte es sein, dass der Fuß mehr ausplaudert als der Rest des Körpers es wagen würde. Unruhige Füße Wenn Füße sich im Sitzen bewegen, bedeutet das, dass irgendwo zu viel Energie vorhanden ist, die raus will. Das muss nicht unbedingt Nervosität sein, möglicherweise lügt diese Person gerade das Blaue vom Himmel herunter, oder sie würde in diesem Moment viel lieber in der Eisdiele um die Ecke ein Spaghettieis essen, als im stickigen Büro den Ausführungen des Chefs zu folgen. Wippende oder scharrende Zehen weisen immer darauf hin, dass die Person innerlich aufgewühlt ist. Ich selbst ertappe mich manchmal dabei, dass mein Fuß wippt, wenn ich mich an einem Ort nicht wohl fühle, wenn ich etwas zu sagen habe, der Höflichkeit halber aber den Mund halte, oder wenn mir das, was der andere sagt, nicht gefällt. Das Wippen mit dem Fuß kann aber auch zur Marotte werden. Trotzdem steckt immer ein bisschen Unruhe dahinter. Selbst hinter einer Marotte. Was die Stimme verrät Unsere Stimme ist der hörbare Teil der Körpersprache, sie macht etwa ein Viertel unserer Wirkung auf andere aus. Etwas an der Stimme zu ändern, also eine andere Wirkung zu erziehen, kann man in zahlreichen Seminaren trainieren. Stimmlage, Sprechtempo, Rhythmus und Sprachmelodie geben Aufschluss darüber, wie sich der Redner fühlt oder was er bezweckt. Das Zwerchfell ist maßgeblich für die Stimme verantwortlich, denn durch diesen Muskel wird die Atmung gestützt und der Luftstrom durch die Kehle geregelt. Das Zwerchfell reagiert höchst empfindlich auf die innere Verfassung des Sprechers und reagiert prompt auf jede Veränderung. Jede Anspannung, jede Unsicherheit zeichnet sich sofort in der Stimme ab. Ungeübte Lügner haben es deshalb schwer, aufgeregte Schauspieler auch. Schauspieler bekommen Text. Diesen Text müssen sie für sich so adaptieren, dass er ihnen in Fleisch und Blut übergeht. Wenn ein Schauspieler aber nervös und unsicher ist und ein Team auf jede Bewegung achtet, die er macht, dann kann es schon mal zu einem Aussetzer kommen, und er verspricht sich. Das ist das Schlimmste in einer Szene. Ein unsauber gespieltes Gefühl kann sich verschummeln, aber einen Versprecher kann man nicht leugnen. Er ist da. Ich versuche in solchen Momenten, die Schuld auf den Text zu schieben, der angeblich so holprig geschrieben ist. Aber gewitzte Regisseure enttarnen mich, indem sie mir anbieten, einen ähnlichen Text anstelle des vorgegebenen zu sagen. Der Stress, nun plötzlich andere Worte sagen zu müssen, ist größer, als den ursprünglichen Text zu verwenden, und meistens kommt die Szene dann genau so, wie sie vorgesehen war. Das gleiche Prinzip können Sie für sich benutzen, wenn Sie einen Vortrag vorbereiten. Halten Sie ihn vor Ihrer Familie oder vor Freunden, wahrscheinlich werden Sie den Text am liebsten „komplett umschmeißen“ wollen. Beim Vortrag selbst werden Sie dann merken, dass Sie sich genau auf das besinnen, was Sie geübt haben. Und wenn Sie sich verhaspeln? Na und! Ich mag Leute, die sich verhaspeln, das macht sie menschlich und sympathisch. Die Stimmlage Einige Dinge am stimmlichen Ausdruck eines Menschen können uns extrem irritieren. Das erste, was uns auffällt, wenn jemand den Mund aufmacht, ist, ob er einen guten Zahnarzt hat, das zweite, in welcher Stimmlage er spricht. Wir entscheiden innerhalb weniger Sekunden, ob die Stimmlage und die Person für unser Empfinden zusammenpassen. Eine rassige Brünette mit wohlgeformter Silhouette verliert enorm an Attraktivität, wenn sie uns entgegenfiept wie ein Ferkel in Todesangst. Ebenso kräuseln sich uns die Fußnägel, wenn dieselbe Strandschönheit mit der Stimmlage eines 130-Kilogramm-Bauarbeiters röhrt. Bei Männern wiederum vermittelt eine tiefe Stimme Ruhe und weckt Vertrauen. Übrigens wirken auch Frauen mit einer tiefen, ruhigen Stimme kompetenter auf ihre Umwelt. Die meisten Menschen empfinden eine hohe Stimme als anstrengend. Sie lässt uns instinktiv Gefahr wittern und in Alarmbereitschaft gehen. Die hohen Töne entstehen, wenn der Körper angespannt ist. Auch bei Menschen, die eine tiefe Stimmlage haben, gehen die Töne nach oben, wenn sie aufgeregt oder nervös sind. Tiere, die Angst oder Schmerzen haben, jaulen in schrillen Tönen. Menschen auch. Es wäre sehr befremdlich, wenn jemand, der sich den Finger in der Autotür eingeklemmt hat, mit sonorer und voller Stimme tönen würde: „Aua“. Schrille Töne sind über eine weite Strecke hörbar. Tiefe Töne weniger. Die werden von der Savanne aufgesaugt. Sie kennen es sicher: In einer Gruppe, einem Seminar oder Kurs sitzen alle im Kreis, und der Leiter schlägt vor: „Wie wäre es, wenn wir uns alle einmal vorstellen würden?“ Ohne eine Antwort abzuwarten folgt: „Wer möchte beginnen?“ Ich hasse Vorstellungsrunden. Und ich bin sicher, damit bin ich nicht alleine. Während die ersten im Kreis schon eloquent etwas über sich erzählen, spüre ich, wie sich mein Hals zuschnürt. Was werde ich sagen? Ganz einfach: meinen Namen, mein Alter (selbstverständlich minus drei), Anzahl und Alter meiner Kinder. Die anderen vor mir scheinen überhaupt keine Hemmungen zu haben. Als meine Nebenfrau an der Reihe ist, merke ich, wie sich meine Stimmbänder ineinander verknoten. Alle Augen sind nun auf mich gerichtet. Betont lässig hebe ich das Kinn leicht an, öffne den Mund, und nach ein bis zwei Sekunden fällt mir auch schon wieder ein, wie ich heiße, und ich presse meinen Namen durch die Stimmbänder. Den Rest der geforderten Information schieße ich schnörkellos und ohne aufwändige Präpositionen oder Verben heraus: „Zwei Kinder, neun und zehn.“ Das muss reichen. Jeder kennt Situationen, in denen er spürt, wie sich die Kehle zusammenschnürt. Da hilft nur eins: Augen zu und durch. Es wird besser. Irgendwann. Und wenn Sie denken: „Was hab ich da eben für einen Stuss erzählt, die halten mich bestimmt alle für einen Vollidioten“, dann vergessen Sie das schnell wieder. Die anderen denken nämlich: „Was hab ich da gerade gesagt? Die halten mich bestimmt alle für einen Vollidioten.“ Buchstabenrennen Der Sprechrhythmus gibt uns verlässliche Signale über die innere Verfassung des Sprechers. Schnelles, hektisches Sprechen bedeutet: „Hoffentlich bin ich schnell fertig!“ Aber das hat mehrere Nachteile. Zum einen möchte der Sprecher natürlich verstanden werden, aber das ist schwierig bei dem rasanten Sprechtempo. Dem Zuhörer fällt es schwer, dem Gesagten zu folgen, und schlimmstenfalls sind Nachfragen nötig, was den eiligen Redner zusätzlich nervös macht. Zum anderen ist er schneller mit seinen Ausführungen fertig, und wenn es sich um einen Vortrag von zehn Minuten handelt, ist er mit seinem Text durch, bevor es zur Kaffeepause läutet, und er hängt wortlos in der Luft. Wenn ich aufgeregt bin, und das passiert schon mal, rase ich mit meinem Sprechtempo davon. Meine Worte überschlagen sich. Bloß schnell weg. Da wird eine Szene schon mal schneller gesprochen als nötig, und es entstehen Versprecher oder komplette Satzverdreher. Zur allgemeinen Belustigung für das Team, peinlich für mich, was mich noch mehr unter Druck setzt. Tipp: Loch suchen und im Erdboden versinken. Zu langsames Sprechen ist ermüdend, und der Zuhörer kann ebenfalls nicht folgen, weil er zwischendurch in einen Sekundenschlaf fällt. Zwingen Sie sich zu einem normalen Sprechrhythmus. Wenn Sie zu Hause einen Vortrag üben, klatschen Sie dabei im gleichbleibenden Rhythmus durch. Das ist keine Garantie, aber so werden Sie sich eines zu hohen Tempos bewusst. Vertrauen Sie darauf, dass Ihre Worte besser wirken, wenn Sie langsam und deutlich sprechen und nicht wie ein gehetztes Wild davonpreschen. Singsang Die Sprechmelodie hat oft regionale Hintergründe. Bayern singt anders als Schleswig Holstein, und Berlin flötet anders als Sachsen-Anhalt. Eine melodiöse Sprechweise ähnelt einem Singvogel, der zur Balz oder zur Warnung pfiffelt, was seine kleine Kehle hergibt. Ähnlich verfallen wir in einen Singsang, wenn wir balzen, schnattern und kokettieren. Unsere Stimme wird sofort monoton, wenn wir in Gefahr sind, Angst haben und wenig Aufmerksamkeit erregen wollen. Durch Auf und Ab in der Stimme erscheinen wir bunt und aufregend. Klingt unsere Stimme monoton, dann kann der Zuhörer davon ausgehen, dass wir entweder panisch sind oder eingeschlafen – beides keine erstrebenswerten Zustände bei einem wichtigen Gespräch oder Flirt. Laut ist Silber, leise ist Gold Menschen sprechen mit unterschiedlicher Lautstärke. Das liegt an den jeweiligen Resonanzkörpern, an der Erziehung oder marginal an der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind. Menschen mit einem großen Resonanzkörper haben keine Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Dabei ist es nicht notwendig, den Körperumfang durch Fressorgien oder übermäßigen Bierkonsum zu erweitern (auch wenn das mancher gerne als Ausrede nehmen würde). Der menschliche Resonanzkörper kann auch bei schlanken Persönchen genutzt werden, man muss sich nur trauen, Atemseminare besuchen und Sprachtrainer bemühen. Oder man singt. Singen ist eine wunderbare Möglichkeit, den eigenen Resonanzkörper zu spüren und sich mit seiner Stimme anzufreunden. Wenn ich zu einer Lesung eingeladen bin, stimme ich mich meist am Abend vorher darauf ein, indem ich meinen Kindern etwas vorlese, das aktiviert die Sensibilität des Mundraums, und auf der Fahrt zur Veranstaltung singe ich im geschützten Raum des Autos. Nicht schön, und die Fensterscheiben müssen geschlossen sein, aber ich singe. Das lockert die Stimme, die Mundmuskulatur und man ersetzt mit Leidenschaft einen kleinen Teil einer jahrelangen Sprechausbildung (obwohl ich die habe, aber alles vergessen – ich singe lieber grausam, aber mit Freude). Die Erziehung hat ebenfalls einen Einflusses darauf, ob wir laut oder leise sprechen. Mädchen werden im Großen und Ganzen dazu angehalten, nicht so laut zu sein, während bei Jungs Lautstärke als Zeichen von Durchsetzungsvermögen akzeptiert oder sogar gefördert wird. „Lass ihn doch, es ist halt ein Junge“, haben Sie bestimmt schon gehört, wenn Ihr Neffe durch sein akustisches Verhalten bereits zum wiederholten Male die gesamte Nachbarschaft darauf hingewiesen hat, dass er bei Ihnen zu Besuch ist. Die Umgebung, in der wir aufwachsen, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Kind unter einer Eisenbahnbrücke aufwächst und sich deswegen eine lautere Sprechweise angewöhnen muss. Aber es kann durchaus sein, dass ein Kind, das sich in einer Großfamilie durchsetzen muss, eher dazu neigt, sich durch Anheben der Stimme und lautes Benehmen Gehör zu verschaffen. Laute Menschen sind uns nicht geheuer, sie vermitteln uns ein unangenehmes Gefühl und lösen oft einen Fluchtreflex aus. In der Steinzeit war es bestimmt hilfreich, sich sofort zurückzuziehen, wenn ein Stammesmitglied laut wurde. Denn möglicherweise war das ein Hinweis darauf, dass sich der Säbelzahntiger näherte. Personen, die laut sind, sind meist gewohnt, dass man ihnen zuhört. Sie nehmen mit ihrer Stimme viel Raum ein, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und befinden sich in dem festen Glauben, sie müssten keine Rücksicht auf andere nehmen. Die Stimme zu erheben kann in manchen Situationen sehr nützlich sein, bei einem Feuerwehreinsatz oder in einer renitenten Klasse, in der mehr Papierflieger durch die Luft fliegen als wissensschwangere Sätze. Das sind aber Ausnahmen. Manchmal ist es sogar besser, die Stimme zu senken, um mehr Aufmerksamkeit zu erringen. Wollen Sie sich Gehör verschaffen, so senken Sie die Stimme, bis Sie fast flüstern. Das kann mit der entsprechenden Körpersprache sensationelle Effekte haben. Ich selbst wende diese Taktik bei meinen Kindern oder Besuchskindern an, wenn ich will, dass eine Botschaft sie unbedingt erreicht. Was glauben Sie, wie aufmerksam die Kleinen die Ohren spitzen, weil sie denken, dass sie sonst etwas verpassen! Richtig telefonieren Viele hassen es, mit fremden Menschen zu telefonieren. Anrufe bei einem Amt oder einer anderen offiziellen Stelle zögern manche Menschen so lange hinaus, bis der Termin verfallen ist. Professionelle Telefonisten haben eine tiefe, ruhige Stimme, reden langsam und deutlich und lächeln. Der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung hört das Lächeln, obwohl er es nicht sieht. Die Stimme klingt automatisch entspannter. Kritzeln Sie beim Telefonieren, das beruhigt und kanalisiert. Und wenn Sie sich nicht mehr an das Gespräch erinnern können, dann gestatten Sie sich einen Blick auf den Kritzelzettel, die Chance ist groß, dass Ihnen alles wieder einfällt: Ach, bei diesem Häuschen hat er jenes Argument gebracht. Sie können beim Telefonieren auch gestikulieren, das hört der andere zwar nicht, aber es unterstützt Ihre Worte. Wie ist das, wenn Ihre Freundin bei Ihnen ist, ihr Telefon klingelt, und sie geht ran? Sie merken sofort, wer am anderen Ende ist bzw. in welcher Beziehung Ihre Freundin zu der Person steht. Worte sind dabei nur zweitrangig. Sie erkennen sofort an der Körpersprache und der Stimme, wer da die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ob es eine vertraute Person ist, eine aus dem beruflichen Umfeld oder das Kind, das etwas Wichtiges erzählen will. TIPPS ZUM TELEFONIEREN Sitzen Sie aufrecht und entspannt. Das mag sich selbstverständlich anhören, aber haben Sie mal darauf geachtet, wie Sie bei einem unangenehmen Telefonat manchmal die Schultern anspannen? Die Dynamik unserer Stimme passt sich der inneren Haltung an, die durch die äußere Haltung initiiert wird. Vor besonders schwierigen Telefonaten gehe ich das Ganze am Abend vorher in Ruhe gedanklich durch. Da bin ich entspannt, gelöst und kann mir noch mal vors innere Ohr führen, dass am anderen Ende auch nur ein Mensch sitzt. Seien Sie gut vorbereitet. Machen Sie sich Stichpunkte und haben Sie keine Scheu, diese nacheinander abzuarbeiten. Der Angerufene wird froh sein, wenn Sie nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen, sondern seine wahrscheinlich knapp bemessene Zeit klar strukturiert in Anspruch nehmen. Hören Sie aufmerksam zu. Das ist nicht immer einfach, das gebe ich zu. Habe ich mich doch selbst schon dabei ertappt, wie ich das Telefon weglegte und weiterarbeitete, während mir das konstante Zirpen aus dem Hörer Sicherheit gab, dass meinerseits keine Reaktion erforderlich war. Es geht auch anders: Ich hatte neulich ein wichtiges Telefonat mit einem Geschäftspartner. Nach dem, was ich sagte, dachte er hörbar darüber nach, indem er erst einmal nichts sagte, sondern mir nur mit einem „hm“ zu verstehen gab, dass er zugehört hatte. Das Gespräch schien zwar gefühlsmäßig etwas träger, war aber letztlich sehr viel effektiver, weil weniger heiße Luft ausgestoßen wurde. Der Argumentationsaustausch war überlegt und griffig und wir kamen zu einem tollen Ergebnis. Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung. Es sollte keine Geräusche im Hintergrund geben, kein Radio, keine quengelnden Kinder, kein piepsendes Handy. Trinken Sie einen Schluck Wasser, bevor Sie die Nummer wählen. Das entspannt und sensibilisiert die Kehle. Beenden Sie ein Gespräch freundlich, wenn es zäh zu werden beginnt. Manche Menschen finden schlecht einen Abschluss, da dürfen Sie ruhig helfen. Ich finde die Floskel „Bis dann“ grandios, weil sie das Gespräch beendet und gleichzeitig salopp suggeriert, dass Interesse an weiterem Kontakt besteht. Außer bei Callcenter-Angestellten oder reinen Informationslieferanten verabschiede ich mich mit „Bis dann“. Sollte Ihnen diese Floskel aus Höflichkeit herausrutschen und Sie in Wahrheit keinen weiteren Kontakt wünschen, dann legen Sie zügig auf, bevor die Frage kommen kann: „Bis wann?“ Kleider machen Leute An einer Person fällt uns so ziemlich als erstes die Kleidung ins Auge, und sie sorgt dafür, dass wir jemanden innerhalb weniger Sekunden in eine Schublade stecken. Kleidung formt einen Teil des Bildes, das wir uns vom anderen machen. Wir können unserer Umwelt damit nonverbal etwas mitteilen, deshalb ist sie ein Teil der Körpersprache. Wir, die wir uns morgens das Fell überstreifen, drücken mit der Wahl desselben etwas aus. Sind wir selbstbewusst, werden wir bunt und figurbetont, fühlen wir uns unzufrieden mit unseren Rettungsringen, hüllen wir uns in weite, wallende Säcke. Wie wir es von Mama und Papa gelernt haben, passen wir unsere Kleidungswahl dem jeweiligen schicken oder lässigen Anlass an. Die meisten jedenfalls. Außer Klamottenlegasteniker. Die können sich aus Mangel an modischem Verständnis einfach nicht in die Gesellschaft integrieren. Ich denke da an einen ehemaligen Lehrer, der es fertig brachte, seinen Gürtel über dem Bauchnabel zu tragen, oder an Menschen, denen es gar nicht auffällt, wenn das T-Shirt zu klein ist oder die Hose zu kurz. Mithilfe der Kleidung transportieren wir eine „Message“. Eine Einstellung, eine Meinung oder eine Gruppenzugehörigkeit. Jeder nach seiner eigenen Leidensfähigkeit und Grenze. Bei all der Nacktheit, die wir in Zeitungen und Fernsehen um uns herum wahrnehmen, ist es nicht verwunderlich, dass unsere Töchter denken, es sei normal, sich im Sommer Hosen anzuziehen, die nur aus drei Streifen Stoff bestehen und kaum den Hintern bedecken. Ich persönlich wehre mich entschieden gegen gewisse Modererscheinungen. Und so lange meine Kinder ihre Füße unter meinem Tisch haben, werde ich meiner Tochter das T-Shirt bis über den Bauchnabel nach unten ziehen und an die Hose tackern, weil sie sich sonst die „Nierchen verkühlt“, und ich werde meinem Sohn die Hose vom Steißbeinansatz wieder auf die Hüfte zerren. Je tiefer die Hose hängt, desto höher ist der Status in der Gruppe, aber deswegen will ich trotzdem nicht, dass mein Sohn die Hälfte seines Hinterns zeigt. „Was ziehe ich an?“ Eine Frage, die uns (Frauen) jeden Tag beschäftigt und uns in den Dialog mit unserem Kleiderschrank zwingt: „Was ziehe ich an?“ Und der Schrank voller „Nichts-Anzuziehen“ antwortet: „Ich habe heute leider kein Kleidungsstück für dich.“ Dann greifen wir irgendetwas, ärgern uns, dass wir nichts Kombinierbares haben und schwören, das nächste Mal in der Stadt wenigstens die passenden Schuhe dazu zu kaufen. Farbpsychologie Neben modischen Trends wie Neontönen (mein persönlicher Favorit: Neonschwarz) oder Erdfarben gibt es andere Gründe, warum wir uns für das eine oder andere Kleidungsstück entscheiden sollten. Die Psychologie der Farben spielt bei der Kleidungswahl eine nicht zu unterschätzende Rolle (rosa = vertrauenerweckend, schwarz = Macht, braun = Bodenständigkeit usw.). Allerdings ist es noch wichtiger, dass die gewählte Farbe Ihrem persönlichen Typ entspricht. Das schönste Rosa hilft nicht, wenn diese Farbe Sie einfach nur blass aussehen lässt. Pastell ist nicht unbedingt etwas für den rassigen, mediterranen Typ und knallrot muss man tragen können, ohne davon erschlagen zu werden. Testen Sie die Farben von dem Spiegel, achten Sie dabei darauf, wie sich der Ton Ihrer Gesichtshaut bei den verschiedenen Farben verändert. Manche Farben machen Sie blass, andere lassen Sie leuchten. Letztlich entscheidet unsere momentane Stimmung, was wir anziehen. Deswegen nehme ich immer ein zweites Outfit mit, wenn ich zu einer Veranstaltung reise, man weiß ja nie, wie man sich kurz davor fühlt. Außerdem bekleckere ich mich gerne. Hohe Schuhe Schuhe mit hohem Absatz sind unbequem und ungesund. Aber laufen wir deswegen ausschließlich in Gesundheitslatschen herum? Nein, wir Frauen stolzieren auf dünnen Stöckelchen unter den bewundernden Blicken der männlichen Zeitgenossen über Kopfsteinpflaster, tippeln über Straßenbahngleise und bleiben in Kellergittern hängen. Und wozu das alles? Für die Fortpflanzung. So sind wir nämlich leichter zu fangen. Schmuck Bei Frauen wirken auffällige Ketten und Ohrringe wie eine Ablenkung vom Wesentlichen. Der Blick des Gegenübers wandert automatisch vom Gesicht weg hin zu dem Schmuckstück. Frauen, die es gewohnt sind, Schmuck zu tragen, fühlen sich ohne ihn nackt. Schöner Schmuck wertet die Frau auf. Teurer Schmuck lässt auf ihre Herkunft und ihren gesellschaftlichen Stand schließen. Es ist wie mit einem Weihnachtsbaum: Wenn er mit Glitzer und Glanz überladen ist, sieht man seine ihm eigene Schönheit gar nicht mehr. Andererseits sieht man auch nicht mehr, ob es der Ladenhüter war, den keiner mehr wollte. Entscheiden Sie selbst, wie sehr Sie sich behängen und wie viel Sie von Ihrem Gesicht ablenken wollen. Ich persönlich bin der Meinung, dass jeder Mensch auf seine Art schön ist, und ich sehe lieber in die Augen als auf große Metallreifen an den Ohrläppchen. Rock Je kürzer der Rock, desto wärmer der Sommer … könnte man meinen. Tatsächlich entscheidet ein Frau aber nicht nach Temperatur, sondern anhand anderer Kriterien, wie zu versteckende Besenreißer, Krampfadern, Cellulite oder ob gerade farblich passende Fußbekleidung vorhanden ist, welchen Rock sie anzieht. Wenn gerade kein Oberteil zum Rock passt, muss schon mal der Rock passend zum Oberteil gesucht werden, egal welche Länge. Und noch ein Hinweis, liebe Männer: Eine Frau muss damit rechnen, dass der Rock durch einen unglücklichen Umstand für den Bruchteil einer Sekunde den Blick frei gibt. Deswegen trägt jede Frau unter dem Rock schöne Unterwäsche. Na, Kopfkino gestartet? Anzüge Ein Mann im Anzug wirkt immer seriös. Fast immer. Er sollte schon gut sitzen, nicht zu eng sein und die richtige Länge haben. Die Businessfarben sind alle dunklen Töne von anthrazit über blau bis dunkelgrau. Bitte kein Braun oder Grün, das wirkt immer etwas ländlich. Ein weißes Hemd ist der Klassiker, es kann aber auch gerne ein Pastellton gewählt werden. Die Krawatte darf etwas kräftiger ausfallen. Mit Mustern wäre ich als Mann vorsichtig. Kleine Augenirritationen können interessant wirken, aber große, schreiende Muster wirken schrecklich unbeholfen. Krawatten Eine Krawatte gibt vielen Männern das Gefühl, eingeschnürt zu sein. Wobei sie doch ein mehr als deutliches Zeichen in Form eines Pfeils darstellt, der schreit: „Wenn du mir ins Gesicht siehst, dann siehst du den Pfeil. Folge dem Pfeil … folge dem Pfeil …“ Die Krawatte ist ein Männlichkeitssymbol. Und wenn sich ein Mann an die Krawatte greift, sobald er ein attraktives Weibchen erspäht hat, dann lenkt er die Aufmerksamkeit sogar noch mit der zupfenden Hand auf den „Pfeil zum Glück“. Sollte die Dame ihn atemlos machen, dann kann es auch durchaus sein, dass er sich durch Lösen des Krawattenknotens Luft machen muss. Taschen Handtaschen können eine wunderbare Barriere bilden. Auf Partys bin ich meist sehr dankbar, dass ich mich anfangs an meiner Tasche festklammern kann. Aber weil ich meist mein gesamtes Leben in Form von Smartphone, Geldbörse, Autoschlüssel und das Freundschaftsbändchen von Tina Turners Hochzeit, bei der ich den Brautstrauß fing, in meiner Tasche transportiere, kann ich sie nicht einfach ablegen. Einmal tanzte ich bei einer Veranstaltung und trug dabei eine kleine Hängetasche quer über meiner Schulter. Für mich war es mehr als bequem und störte mich nicht. Aber die Männer um mich herum nörgelten, ich solle die Tasche doch mal ablegen. Sie empfanden das, als wäre ich geschützt und vielleicht auf dem Sprung zu gehen. Und wenn das Wild sich schützt oder auf dem Sprung ist, lohnt es sich nicht, zu jagen. Beratung Lassen Sie sich von jemandem beraten, dessen Geschmack Sie schätzen. Das gilt sowohl für berufliche Auftritte als auch für Dates. Aber verstellen Sie sich nicht. Sie müssen sich nicht in die enge Jeans quetschen, wenn Sie sich damit unwohl fühlen. Die Kleidung gehört zwar zum ersten Eindruck, aber sie ist nur ein Teil des Ganzen. Falls Sie gerade kein perfekt passendes Outfit finden, leihen Sie sich eins bei einem Freund oder einer Freundin oder greifen Sie auf Altbewährtes zurück. Ein schwarzer Blazer zu einem netten Oberteil und einer Jeans ist die klassische Notlösung für fast alle Gelegenheiten. Beim Mann ist es einfach: Die Sachen sollten von der Größe her passen. Die Hose nicht zu kurz, das Hemd nicht zu spack und das Sakko nicht zu lang. NACKTE TATSACHEN Je mehr wir von dem anderen sehen, desto leichter fallen uns Körpersignale auf. Ein freies Gesicht (kein Bart, kein Hut im Gesicht, keine Hände davor) wirkt nicht nur harmlos und sagt: „Ich tu dir nichts, tu du mir auch nichts“, sondern offenbart jede auch noch so winzige Veränderung in seiner Mimik. Unter einem dicken Pullover lässt sich nur schwer eine beschleunigte Atmung erkennen, und eine Sonnenbrille bei Ihrem Pokergegner nützt Ihnen nur, wenn sich darin seine Karten spiegeln. Wollen Sie offen und vertrauenserweckend sein, verzichten Sie auf Dinge, die Ihren Körper verdecken könnten. Wenn Ihnen körpersprachlich kein noch so kleines Detail entgehen soll, laden Sie Ihren Geschäftspartner in die Sauna ein. Da erkennen Sie die nackten Tatsachen! Unpassendes Fell Sollten Sie einmal das Gefühl haben, falsch gekleidet zu sein oder sich unwohl mit der Kleidungsauswahl fühlen, kommentieren Sie es um Himmels willen nicht! Sie machen sich klein, wenn Sie sagen: „Der andere Anzug ist in der Reinigung.“ Und sich als Frau für unpassende Kleidung zu entschuldigen, ruft bei Geschlechtsgenossinnen keineswegs das erwartete Mitgefühl hervor. Reden Sie einfach nicht darüber, sondern leiden Sie still, wenn Sie merken, dass Sie underdressed sind und von den Gästen plötzlich Getränkebestellungen aufnehmen sollen. In solchen Momenten – und ich weiß, wovon ich spreche – ist es wertvoll, sich schnell die wichtigsten Regeln der Körpersprache für selbstbewusstes Auftreten in Erinnerung zu rufen: Wachsen Sie aus Ihrem Scheitelpunkt heraus, füllen Sie Ihren Körper mit Sauerstoff, Kopf gerade, Brust raus, Hintern rein und lächeln Sie so selbstsicher es Ihnen möglich ist. Mein spannendstes Erlebnis dieser Art hatte ich auf einer Party in Kitzbühel. Da ich zum ersten Mal in Kitzbühel war, wusste ich nicht, was eine „Party“ dort bedeutete. Mich hätte allerdings schon stutzig machen müssen, dass mich am Eingang ein Hausdiener empfing und mir den Weg zeigte. Ich hängte meine Skijacke verlegen an die Garderobe zwischen einen ganzen Zoo von Füchsen, Zobeln und Kaninchen. Bevor man zu den Partyräumlicheiten gelangte, musste man an einem Schwimmbad und einer Kegelbahn vorbei. Auf der Treppe schwebte mir eine Dame entgegen. Sie musterte mich im Vorbeigehen von oben bis unten. Wir Frauen können das ja ganz subtil. Denken wir. Ich musterte sie zurück und erschrak. „Party“ hatte es geheißen, „ganz leger“. Nun hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich drehte auf meinen Almöhistiefeln um und verließ flotten Schrittes das Gebäude. Oder ich sah der Demütigung ins Gesicht, zog mir noch einmal die Jeans hoch, strich meinen Wollpulli glatt und versuchte, mich so schnell wie möglich zu betrinken. Zu diesem Zweck musste ich nur an die Bar gelangen. Brust raus. Kopf in den Nacken und huldvoll strahlend bewegte ich mich mit festen Schritten (grazil ist in Stiefeln mit zwei Zentimetern Gummiprofil nicht möglich) durch die Gäste auf die Bar zu. Die Männer nickten mir freundlich zu, die Frauen sahen mir nach. Ich bestellte einen „Hugo“. Die hochhackige Paillettenlady neben mir bemerkte wohl, dass ich fremd war, denn sie kreischte mich durch die laute Musik hindurch an: „Hallo, ich bin die Elisabeth und du?“ „Ich bin Yvonne“, kreischte ich ihr ins Ohr zurück, froh darüber, so schnell einen Gesprächspartner gefunden zu haben. „Ich kenne hier kaum jemanden“, gab ich ehrlich zu. Pailletten-Elisabeth scannte mich von den Schuhen bis zum Wasserfallkragen meines Wollpullis, grinste mich mit ihren Botoxlippen an, klatschte in die Hände und kreischte enthusiastisch: „Das ist toll! Dann kann man immer so richtig schön peinlich sein, wenn man niemanden kennt!“ Lügen haben inkongruente Beine Was ist schon Lügen? Wir lügen häufiger, als wir zugeben würden. Wir schummeln, wir verdrehen die Wahrheit, wir wollen einfach nur nett sein oder wir schweigen im richtigen Moment. Es gibt Lügen, die dem anderen schaden, und solche, die ihm nicht schaden. Dreht Ihnen ein Verkäufer ein überteuertes Produkt an, dann empfinden Sie das als gemein. Sagt Ihnen Ihre Kollegin, dass Ihr Outfit toll aussieht, freuen Sie sich. Derjenige, der lügt, ist sich dessen bewusst. Er erhofft sich einen Vorteil, sonst würde er nicht lügen. Und jetzt kommt die gute Nachricht: Als Normalsterbliche können wir uns nicht verstellen, wenn wir lügen. Unsere Atmung und der Puls verändern sich, Mikrobewegungen in der Mimik lassen Rückschlüsse darauf zu, dass hier gerade was gar nicht kongruent läuft. Inkongruenz im Verhalten ist der Indikator der Lüge. Der Körper erzählt etwas anderes als der Mund Unser Körper spricht ständig. Er ist viel redseliger als unser Mund. Und meistens stimmt das, was der Körper sagt, mit dem überein, was der Mund von sich gibt. Nehmen wir an, Sie besuchen einen Freund. Er begrüßt Sie wie immer sehr freundlich: „Wie schön, dass du da bist!“, breitet die Arme aus, lächelt. Dabei nimmt er seinen Oberkörper zurück. Wir sind irritiert, denn seine Körperhaltung signalisiert, dass er lieber Abstand haben möchte. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, aber es verwirrt Sie unbewusst. Vielleicht hat er es nur nicht geschafft zu duschen oder er hat Zwiebeln gegessen und möchte Sie mit seinem Geruch nicht belästigen. Oder Sie sind zu pünktlich, und er wollte eigentlich noch aufräumen. Was auch immer ihn dazu veranlasst – sein inkongruentes Verhalten fällt Ihnen auf. Ob bewusst oder unbewusst. Genaues Hinsehen kann uns wertvolle Informationen liefern, ob jemand lügt oder die Wahrheit sagt. Manchmal kennen wir die Person nicht gut genug, die uns schamlos ins Gesicht lügt. Dann ist Kreativität und ein bisschen Schauspielerei gefragt. Was der andere kann, können Sie schon lange. Ein Autoverkäufer erzählt Ihnen, dass das Auto unfallfrei ist. Da Sie ihn zum ersten Mal in Ihrem Leben sehen und Sie bei der Ausbildung zum Mindreader gerade ein Eis essen waren, können Sie nicht sagen, ob er sich inkongruent verhält oder nicht. Sie können aber eines machen: Verunsichern Sie ihn, als hätte Sie eine Lüge erkannt, indem Sie ihn kurz verwirrt ansehen. So als hätte er sich verraten. Dann fragen Sie unschuldig: „War da wirklich noch nie irgendetwas dran?“ Spätestens jetzt sollten Sie ihn aus dem Konzept gebracht haben, und wenn er nun auch noch den Kopf schüttelt, während er sagt: „Ich sage Ihnen doch, damit ist alles in Ordnung“, bedanken Sie sich und gehen Ihrer Wege. Aber bedenken Sie, dass manche Menschen schon allein deswegen unter Stress geraten, weil sie einer Lüge verdächtigt werden. Das kann ebenso ein inkongruentes Verhalten hervorrufen. Anleitung zum Lügen Man kann Lügen trainieren. Wäre es nicht toll, wenn uns jeder alles glauben würde, wir jedem Lügendetektor das Fürchten lehren könnten? Dazu bedarf es Nerven aus Stahl. Aber wir können versuchen, so zu tun, als wäre das, was wir sagen, wahr. Wir können versuchen, es selbst zu glauben, damit es auch dem anderen glaubhaft erscheint. Oft und jeden Tag wird das von Frauen praktiziert. Frauen sind schmerzfrei beim Lügen. Vor allem wenn es darum geht, Feedback zu geben. Wenn Frauen um ihre ehrliche Meinung gefragt werden, drehen sie es häufig in eine diplomatische Richtung oder lügen einfach, bevor sie jemanden mit der Wahrheit vor den Kopf stoßen. Frauen sind Meister des positiven Feedbacks. Deswegen bevorzugt man als Gesprächspartner das weibliche Geschlecht, wenn es darum geht, sich Streicheleinheiten abzuholen. Männer sind da … „ehrlicher“. Das könnte daran liegen, dass Lügen eine recht komplexe Gehirnaktivität voraussetzt. Man muss viele Dinge gleichzeitig bedenken. Männer öffnen gerne die Kiste im Gehirn, in der sich die benötigte Information befindet, und bedienen sich daraus. Und damit hat es sich dann auch. Frauen laufen erst einmal kreuz und quer in ihrem Gehirn herum und suchen sich aus jeder Kiste das Passende heraus. Wie beim Shoppen. Die Ergebnisse ihrer Jagd, unter Berücksichtigung aller Eventualitäten, werden am Ende präsentiert. Eine moralisch vertretbare, diplomatische Lüge zugunsten des weiteren Fortbestehens eines positiven sozialen Kontaktes. Haben Sie (die Männer) sich noch nie gefragt, warum Frauen meistens freundlich lächeln und tiefe Dankbarkeit ausstrahlen, wenn sie ein Geschenk bekommen? Frauen haben gelernt, dass es dem Mann gefällt, wenn sie sich freuen, und sie geben die Hoffnung nicht auf, dass zwischendurch etwas Schönes dabei ist. Man muss das nächste Mal eben noch ein wenig plakativer am Schaufenster stehen bleiben oder eine Zeitschrift mit dem eingekreisten Objekt der Begierde offen auf der Toilette liegen lassen (da besteht die größte Chance, dass er es wahrnimmt). Und bis dahin gilt es, weiter zu schummeln und die freudig Überraschte zu spielen, wenn er mit der tollen neuen Induktionspfanne auftaucht. Lügen üben Lügen üben kann man nur, indem man das, was man sagen möchte, als eigene Wahrheit annimmt. Ich selbst bin ein Fan der sozialen Lüge. Das heißt, ich mache Komplimente und lüge dabei. Und ich mache es gern. Wie „lügt“ man also glaubwürdig? Schauspieler, die sich in eine Rolle hineinversetzen, müssen das glauben, was sie spielen, dann glaubt es der Zuschauer auch. Es gibt zwei Arten von Schauspielern. Die einen verwandeln sich in die Person, die sie spielen, und die anderen sind grandiose Lügner. Beides kann überzeugen. Wichtig dabei ist, dass der Schauspieler keinen Zweifel daran hat, dass alles, was er sagt oder tut, in diesem Moment genau so ist. Genauso ist es auch bei guten Lügnern, die keine Schauspieler sind. Wie entlarve ich einen Lügner? Sie entlarven einen Lügner, indem Sie beobachten, inwieweit sein aktuelles Verhalten von seinem normalen Verhalten abweicht. Sie müssen den Widerspruch zwischen dem, was er sagt und dem, was er signalisiert, erkennen. Das entsprechende Signal kommt kurz vor dem Wort. Verzieht er unmerklich das Gesicht (vielleicht runzelt er die Stirn), bevor er Ihnen sagt, dass er die Unterlagen bereits gestern abgegeben hatte? Oder blinzelt er, bevor er sagt, dass er Ihre Frisur toll findet? Ungeübte Lügner müssen nachdenken, bevor sie lügen. Sie machen eine kurze Anlaufpause, bevor sie mit ihrer grandiosen Lüge herauskommen. Vermute ich bei meinen Kindern eine Lüge, dann bitte ich sie, mir in die Augen zu sehen und es mir direkt ins Gesicht zu sagen. Manchmal können sie meinem Blick nicht standhalten oder ich merke, wie sie sich stark bemühen, mich möglichst cool anzusehen. Diese Methode funktioniert oft, sie ist aber nicht zuverlässig, weil manche Menschen per se nervös werden, sobald sie der Lüge verdächtigt werden, so dass keine klare Einschätzung mehr möglich ist. Verräterisch ist auch ein starrer Blick. Der Lügner versucht so, Gefühle zu verbergen und beim anderen zu erkennen, ob er ihm glaubt oder nicht. Auch zusätzliche Informationen können sehr aufschlussreich sein. „Hast du die Post weggebracht?“ „Ja. Mann, war das voll dort.“ Zu viel Information, der Sekundenbruchteile vorher eine entlarvende Mimik oder Geste vorausging, darf Sie stutzig machen. Ebenso dürfen Sie an der Wahrheit zweifeln, wenn Ihr Gesprächspartner auf Fragen mit Gegenfragen antwortet. Er wendet diese „Technik“ an, um Zeit zu schinden, damit er seine Lüge gedanklich vorbereiten kann. Ein Lügner steht unter Stress. Dabei erhöht sich sein Puls, die Atmung wird flacher, und laut den Forschungsergebnissen der Psychiater Alan Hirsch und Charles Wolf von der Universität Illinois in Chicago weiten sich die Kapillargefäße an der Nase aufgrund eines ausgeschütteten Hormons. Das kann schon mal ein Jucken an der Nase hervorrufen, denn dort sind die Kapillargefäße dünn. Mir gefällt diese Begründung, wäre damit doch endlich erklärt, warum Pinocchios Nase wächst, sobald er lügt. BÖSE, BÖSE LÜGE? Es ist schwierig, zu sehen, ob jemand lügt oder nicht. Es gibt einfach zu viele gute Lügner. Und manchmal ist es ja auch nicht so schlecht, belogen zu werden. Sollten Sie jemanden beim Lügen ertappt haben, überlegen Sie sich genau, ob Sie ihn auffliegen lassen wollen oder nicht. Manchmal kann es ganz sinnvoll sein, das Wissen darüber für sich zu behalten. Der selbstbewusste Auftritt: So setzen Sie Körpersprache gekonnt ein Wie kann ich Körpersprache im Alltag für mich nutzen? Wie bezirze ich einen Partner? Wie verhalte ich mich beim Vorstellungstermin? Worauf kann ich bei einem Streitgespräch achten? Im täglichen Leben haben wir es ständig mit Situationen zu tun, in denen wir uns unwohl fühlen und nicht mal wissen warum. Wie wir dem begegnen können, erfahren Sie in den folgenden Kapiteln. Die Begrüßung: „Guten Tag“ Begrüßungsrituale sind über den Globus verteilt sehr unterschiedlich. Hier soll es aber nur um die in unserem Kulturkreis verbreiteten Formen gehen. Wobei „Kulturkreis“ differenziert betrachtet werden sollte. In unserer Kultur haben sich höchst unterschiedliche „Subkulturen“ entwickelt, bei denen man zur Begrüßung gerne mal die Oberkörper aneinander „checkt“, Gruppenzugehörigkeitsgrunze von sich gibt oder in ausgefeilter Abfolge abgesprochene Handschlagrituale vollzieht. Ich werde mich hier auf die langlebigen Begrüßungsformen beziehen, die jeder kennt: sich die Hand geben, Umarmungen und Küsschen, Küsschen. Die Hand geben Wenn man sich noch nie gesehen hat, aber einen Kontakt in Form beispielsweise eines Gesprächs haben wird, ist es einfach: Man gibt sich zur Begrüßung die Hand. Ein Lächeln dazu wäre noch schön, und wenn Sie sich nicht kennen, dann dürfen Sie sich gerne vorstellen. Je nach Anlass und sozialem Gefüge nennen Sie Ihren Vor- und Zunamen oder nur Ihren Vornamen. Bei Privatveranstaltungen ist es üblich, dass man sich nur mit dem Vornamen bekannt macht. Steht jemand bei einer Party an der Tür und stellt sich mit vollem Namen vor, hat das etwas derart Offizielles, dass man vermuten muss, es ist der Vermieter oder ein Nachbar, der sich über den Lärm beschweren will. Der Händedruck ist in unserer Kultur eines der häufigsten nonverbalen Kommunikationsmittel zur Begrüßung. Durch das Präsentieren der leeren, offenen Handfläche zeigte man früher, dass man unbewaffnet war (ähnlich wie beim begrüßenden Winken), und stellte einen körperlichen Kontakt her, um dies zu untermauern. Wie der Handschlag nun ausgeführt wird, ist sehr unterschiedlich. Eine Freundin sagte einmal zu mir: „Wenn dir jemand die Hand gibt, weißt du gleich, wen du vor dir hast.“ Na, ganz so schlimm würde ich es nicht ausdrücken, aber es ist schon etwas Wahres dran. Ein schlechter Händedruck haftet uns an wie Mundgeruch. Keiner sagt uns, dass wir ihn haben, aber jeder findet ihn unangenehm. Haben Sie schon mal jemandem gesagt, dass er Ihnen gerade einen toten Fisch in die Hand gelegt hat? Ist Ihnen schon mal passiert, dass Sie jemandem aus Versehen die Hand zu fest drückten, weil er aber auch so gar keinen Widerstand geleistet hat? Ich bin der Meinung, Eltern sollten ihren Kindern einen guten Händedruck beibringen. Nicht zu lasch und nicht zu fest. Es ist ganz einfach: „Schau der Tante in die Augen, gib ihr gerade die Hand und drück nur so fest zu, als würdest du kurz das Wasser aus einem Schwamm drücken.“ Toter Fisch Wie reagieren wir nun, wenn wir einen labbrigen toten Fisch in die Hand gelegt bekommen? Instinktiv wissen wir, dass wir denjenigen nicht darauf ansprechen sollten. Diese Menschen haben ohnehin ein Selbstbewusstsein, das keine weiteren gut gemeinten Hinweise braucht. Und wischen Sie sich nicht sofort die Hand an Ihrer Hose ab, nachdem Sie seinen Angstschweiß auf der Handfläche gespürt haben. Der Mensch, der sich nicht traut, Ihnen selbstbewusst die Hand zu drücken, braucht Ihre Unterstützung. Jetzt kommt es darauf an, ob Sie eine lebenslange Beziehung mit dieser Person eingehen wollen/müssen, oder ob ohnehin nach einer bestimmten Zeit jeder wieder seiner Wege geht. Ist letzteres der Fall, kann es Ihnen – verzeihen Sie meine Ehrlichkeit – egal sein. Wenn ich beruflich oder privat näheren Kontakt zu der Person haben werde, könnte ich frech sagen: „Oh, ich hatte mit mehr Gegenwehr gerechnet“ oder ich begebe mich in einen kontrollierten Tiefstatus, um der Person Sicherheit zu geben. Seien Sie einfühlsam und achten Sie darauf, inwieweit sie belastbar ist. Eine andere völlig skurrile Variante der Toter-Fisch-Begrüßung ist, wenn beide diesen laschen Handschlag ausüben. Aber wollen Sie das wirklich? Fester Händedruck Ein Mensch mit einem sehr festen Händedruck zeigt Ihnen seine Dominanz. Sie haben zwei Möglichkeiten. Entweder Sie reagieren blitzschnell und drücken zurück, oder Sie erschrecken so sehr, dass Sie einfach warten, bis die Folter vorbei ist, und hoffen, dass die Tränen des körperlichen Schmerzes nicht sichtbar werden. Frauen, die Ringe tragen, leiden besonders unter einem zu festen Händedruck. Personen, die Hände derart fest drücken, dass es weh tut, knallen dem anderen ihre Dominanz unverblümt auf den Tisch: „Guten Tag, ich bin dein Chef“, oder sie sind derart nervös, dass sie sich selbst erst einmal beweisen müssen, wie dominant sie sind. Lösung für die Frau: Sagen Sie „Autsch“ und lächeln Sie. Niemand, aber auch niemand, hat das Recht, Ihnen weh zu tun. Sind Sie ein Mann, lächeln Sie und sagen: „Oh, können wir das noch mal machen? Ich war auf so einen festen Händedruck gar nicht vorbereitet.“ Oder Sie entscheiden je nach Höhe Ihres Testosteronspiegels, wie wehleidig Sie sein wollen. Einem Herrn, den ich zum zweiten Mal in meinem Leben sah, brachte ich frech entgegen (während ich meine schmerzenden Finger ausschüttelte): „Oh, du hast aber einen festen Händedruck, das tut ganz schön weh. Ist das Unsicherheit oder Überheblichkeit?“ Er: „Das tut mir leid, das höre ich öfter.“ „Macht nichts, wir können es noch mal machen“, sagte ich und hielt ihm meine Hand hin. Er ergriff sie freundlich lächelnd … nur an den Fingerspitzen und drückte diese fest zusammen. Handfläche nach oben Wenn Ihnen jemand bei der Begrüßung die Hand mit der offenen Handfläche nach oben entgegenstreckt, können man mutmaßen, dass derjenige sich als unterlegen ansieht. Legen Sie sich aber nie fest, bevor Sie nicht genügend Hintergrundinformation haben. Beispiel: Ich wurde einer Dame vorgestellt, die mich mit dieser Handhaltung begrüßte. Im Laufe des Abends lernte ich sie als offene, hilfsbereite, warmherzige Frau kennen, die sich neben ihrem Geschäft aufopferungsvoll um ihre vier Kinder kümmerte. Eine offene Hand nach oben kann also bedeuten: „Ich fühle mich dir unterlegen, tu mir nichts“ oder „Ich reiche dir meine Hand. Falls du Hilfe brauchst, bin ich da“. Hand mit der offenen Handfläche nach oben entgegenstreckt: Sie können mutmaßen, dass derjenige sich als unterlegen ansieht – oder Sie haben eine besonders hilfsbereite Person vor sich. Handfläche nach unten Bietet Ihnen jemand die Handfläche nach unten zur Begrüßung an, haben Sie ein Problem. Er möchte Sie dominieren. Es sieht fast aus, als erwarte er einen Handkuss oder dass man seinen Ring gleich demütig mit der Stirn berühre. Im privaten Bereich kann es ganz hilfreich sein, wenn sich der eine von beiden eher devot zeigt. In den meisten Fällen ist es tatsächlich die Frau, die einen Handschlag mit der Handfläche nach oben durchführt. Um einer „dominanten“ Begrüßung zu entgehen, bieten Sie einfach zuerst Ihre eigene Hand zum Gruße an. Und zwar schön senkrecht. Es soll ja ein Kampf mit gleichen Waffen werden, oder? Aber Vorsicht im beruflichen Umfeld: Sollte Ihr Gegenüber Ihr Chef sein oder in der beruflichen Hierarchie ein Treppchen höher stehen, dann muss er Ihnen zuerst die Hand entgegenstrecken. Sonst könnte er sich in seinem Status verletzt fühlen. Handfläche nach unten entgegenstreckt: Ihr Gesprächspartner möchte Sie dominieren. SO NICHT, MEIN LIEBER Wenn Ihnen jemand im beruflichen Umfeld die Hand reicht und dabei seine Handfläche nach unten weist, Sie also mit der Begrüßung schon in Ihre Schranken weisen möchte, gehen Sie einen Schritt auf ihn zu. Reflexartig muss er seinen Arm anwinkeln und seine Hand senkrecht drehen, wenn er sich nicht unwohl fühlen will. Damit haben Sie sich eine Gleichstellung erschummelt, die Ihnen bei möglicherweise folgenden Verhandlungen nur von Vorteil sein kann. Eine andere Möglichkeit, den anderen zu entwaffnen, ist, die eigene freie Hand auf seine Hand zu legen und ihn damit zu „deckeln“. Das entschärft das Dominanzgehabe und Sie können entspannt und auf gleichem Niveau in die Verhandlung gehen. Deckeln Gibt Ihnen jemand die Hand und legt dabei die andere Hand auf die beiden sich berührenden, bedeutet dies meist, dass der Deckler Sie unterwerfen möchte. Es kommt aber darauf an, wie fest derjenige zudrückt. Berührt er Ihre Hand nur sanft, kann die Begrüßung eine ganz andere Konnotation bekommen. Deckeln können Sie bei jedem Händedruck, wichtig ist, dass die Hand von oben waagrecht aufliegt, ob nun auf senkrechte oder waagrechte Hände. Legt jemand die andere Hand auf die beiden sich berührenden, bedeutet dies meist, dass er Sie unterwerfen möchte. Beide Hände umschließen senkrecht die andere Begrüßt Sie jemand, indem er mit beiden Hände senkrecht Ihre Hand umschließt, möchte er Ihnen Führung geben und Ihnen seine Zuwendung zeigen. Je höher seine Hand Sie am Arm berührt, desto näher kommt er Ihnen physisch. Jemand, der bei einer Begrüßung so viel Aktion bringt, gibt Ihnen das Signal, dass er bereit ist, in Beziehung zu Ihnen zu treten. Er möchte sagen „Sie können mir vertrauen“ oder „Wir packen das gemeinsam“. Männer wählen diese körperkontaktfreudige Begrüßung eher bei Frauen als bei anderen Männern. Politiker wählen diese Art der Begrüßung gerne, um sich bei Wählern „einzuschleimen“, weil diese Art Händedruck Wärme, Verständnis und Zugewandtheit vermittelt. Allerdings: Legt jemand seine Hand auf Ihre Schulter anstatt nur sanft Ihren Arm zu berühren, möchte er Sie unterdrücken. Alle Bewegungen, die mit der Handfläche nach unten von oben nach unten ausgeführt werden, zeigen Dominanz. Die Hand „drückt“ etwas nach unten. Nur die Fingerspitzen geben Jemand, der zur Begrüßung nur die Fingerspitzen reicht, möchte nichts hergeben, sondern Dinge lieber (erst einmal) für sich behalten, heißt es. Es passiert aber schon mal, dass man einfach unglücklich greift und nur die Fingerspitzen erwischt. Hohle Hand Vielleicht kennen Sie das, wenn sich beim Händedruck nur die Ränder der Hände berühren. Es fühlt sich an, als fehle irgendetwas. Diesen Menschen wird nachgesagt, sie seien misstrauisch und scheuen deshalb den vollen Kontakt zu der anderen Handinnenfläche. Wenn Sie auf einen solchen Tpyus treffen, „erstechen“ Sie ihn nicht mit einem zu ausgestreckten Arm und vermeiden Sie hektische Bewegungen. Das verunsichert ihn und wäre ein schlechter Start für ein Gespräch. Drücken Sie die Hand angenehm fest und lassen Sie sich nicht beirren. Kalte, nasse Hände Es kommt ab und zu mal vor, dass man vor einem Kennenlernen nervös ist. Wenn ich spüre, dass meine Handflächen kalt und nass werden – bitte versuchen Sie das entstehende Bild in Ihrem Kopf jetzt zu verdrängen –, dann suche ich die nächste Toilette auf und lasse heißes Wasser über meine Hände laufen. Was gibt es nicht alles gegen nasse Hände, angefangen von Salbeitinkturen über Abreiben mit Zitrone bis hin zu anderen Mittelchen aus der Apotheke. Aber erstens hat man nicht immer einen Obst- und Gemüseladen dabei und zweitens haben die meisten Mittelchen Nebenwirkungen unterschiedlicher Auswirkungen. Wenn Ihre Füße bei Nervosität kalt und schweißnass werden, kann Ihnen das bei der Begrüßung piepegal sein, aber kalte, nasse Hände outen Sie beim Händedruck als nervös. Gerne ziehen sich die Raucher vor lauter Nervosität noch ein Flüppchen rein, aber halt: Das kann die Durchblutung verlangsamen und Sie bekommen erst recht kalte Hände. Wenn keine Toilette in der Nähe ist, dann hilft nur noch, sich auf die Hand, die Sie gleich geben müssen, zu setzen und ihr so ein wenig Wärme zukommen zu lassen. Das hilft nur wenig, aber es ist immer noch besser, als sich unmittelbar vor dem Kontakt die Hand an der Hose abzuwischen. Ansonsten können Sie die Tatsache einfach nur hinnehmen und sich wie ich in fadenscheinigen Ausreden ergehen: „Ist euch auch so kalt?“ oder „Es ist aber kalt heute, ich werd’ gar nicht warm“ und dabei die Hände wild aneinander reiben. Mitleidiges Schmunzeln entlarvt mich. Effekt: Nun schwitze ich auch noch auf der Nase. Ein Händedruck zum Verlieben Reichen Sie die Hand zur Begrüßung in angemessenem Abstand, um den anderen nicht in seiner persönlichen Distanzzone zu bedrängen. Falls Sie in einer untergebenen Position sind, beispielsweise bei einem Bewerbungsgespräch, warten Sie darauf, dass der Personaler (also der, der sich in einem höheren Status befindet) Ihnen die Hand zum Gruß reicht. Um Grußbereitschaft zu signalisieren, halten Sie Ihre Hand locker auf Bauchhöhe an der Körperseite. Dann kann er immer noch entscheiden, ob er sie greifen will oder nicht. Manche Menschen finden es gar nicht erstrebenswert, jedem die Hand zu geben. Richten Sie sich nach dem, dessen Territorium sie betreten. Auf einer Party ist es einfacher, weil man davon ausgehen kann, dass sich jeder die Hand geben wird, der in Kontakt treten will. Vorher wird das gewöhnlich mit einem Blickkontakt angekündigt. Sollten Sie Interesse an der Person haben, dürfen Sie die Hand gerne ein wenig länger als normal halten. Nur ein klitzekleines bisschen länger. Ein schlechter Händedruck bleibt Ihnen möglicherweise unterbewusst im Gedächtnis, so als müsste erst eine Barriere abgeschafft werden, bevor die Beziehung zueinander gestartet werden kann. Ein guter Handschlag eröffnet die Beziehung zu dem anderen auf angenehme, entspannte, positive Weise. Es gibt einen Handschlag eines Mannes, an den ich mich heute noch erinnere, weil er weich, warm und mit genau dem richtigen Druck ausgeführt wurde. Er blickte mir dabei in die Augen, stellte sich vor und ich hatte mir gewünscht, er würde meine Hand nie wieder loslassen. Seien Sie nachsichtig Bei aller Interpretation und Deutung will ich nun dennoch eine Lanze für die toten Fische, Fingerspitzengeber und Schulterklopfer brechen: Wir empfinden das Händeschütteln bei manchen Menschen als unangenehm, weil wir einen gewissen Standard gewohnt sind. Würden sich in unserer Kultur alle zur Begrüßung einen toten Fisch in die Hand legen, fänden wir es eher befremdlich, wenn einer fester zudrücken würde. Messen Sie dem Händeschütteln also Bedeutung bei, aber denken Sie daran: Ein einzelner Händeschüttler macht noch keine Persönlichkeit. Küsschen, Küsschen Das zur Schau getragene Zeichen der Vertrautheit sind Küsse zur Begrüßung. Im Geschäftsleben bleibt diese Art der Begrüßung außen vor. Sie impliziert eine festere Bindung zwischen zwei Menschen als nur kollegiale Bekanntschaft. Aber heutzutage busselt sich ja jeder ab, der sich gerade mal ein paar Stunden kennt. Nicht alle mögen das, aber jeder, der „dazugehören“ will, macht es. REGELN FÜR BEGRÜSSUNGSKÜSSE Beim Küsschen auf die Wange darf nur die Wange die andere berühren. Die Lippen haben keine Berührung mit der Wange, auch wenn das einige immer wieder allzu gerne vergessen wollen. Geben Sie keinen wirklichen Kuss und machen Sie schon gar kein lautes Schmatzgeräusch. Bedenken Sie, dass Sie sich in unmittelbarer Nähe zum Gehörorgan des anderen befinden. Versuchen Sie die Sekunde vorher zu erfühlen, ob der andere auch mit Ihnen auf diese Weise herzen möchte. Es gibt nichts Peinlicheres, als auf dem Weg zu einer Wange die Hand entgegengestreckt zu bekommen. Hat der andere eine offene Körperhaltung, breitet seine Arme aus und kommt Ihnen mit seinem Oberkörper entgegen, dürfen Sie davon ausgehen, dass er „es auch will“. Händedruck und Küsschenbegrüßung zusammen passiert meistens dann, wenn man eine gewisse Distanz signalisieren will oder sich gerade doch nicht einig werden konnte, wie man sich begrüßen soll. Ein intensiver, langer Kuss eines Mannes auf die Wange mit Heranziehen des zu begrüßenden, weiblichen Körpers bedeutet, dass er mit Ihnen Nachwuchs zeugen möchte. Kuss auf den Mund Die intimste Begrüßung ist der Kuss auf den Mund. Bei frisch Verliebten kann dabei auch schon mal die Zunge eine bewegte Rolle spielen. Ansonsten ist sexuelle Interaktion zur Begrüßung bei uns Menschen eher weniger verbreitet. Sollte man dennoch das Bedürfnis haben, ist man bei den Bonobos in Zentralafrika besser aufgehoben. Diese Schimpansen begrüßen sich entspannt mit einem „Quickie“ und gehen dann zur Tagesordnung über. Viel Vergnügen. Umarmung Meine persönlich favorisierte Begrüßung ist die Umarmung. Ich mag das gerne und finde es herzlich, wenn sich zwei Menschen kurz in den Arm nehmen. Außerdem ist die Gefahr der Übertragung von Krankheitskeimen bei einer Umarmung wesentlich geringer als beim Kontakt von Gesicht auf Gesicht oder gar einem missglückten Küsschen, der einen herpesbesetzten Mundwinkel des anderen trifft. Auf Partys unterscheide ich, wen ich mit einem Bussi-Bussi begrüße und wen mit einer herzlichen Umarmung. Menschen, die ich mit Küsschen begrüße, haben in meinem Leben einen Stellenwert zwischen meinem Briefträger und einem entfernten Onkel. Sobald ich aber ein Begrüßungsritual mit vollem Körpereinsatz vollziehe, ist das mein ganz persönliches Signal, dass ich diese Person sehr mag, und wenn ich dabei noch mein Becken an ihn drücke, suggeriere ich damit, dass ich keine Berührungsängste habe. Bei einer Umarmung können Sie zahlreiche unterschiedliche Körpersignale des Gegenübers feststellen, die Ihnen Aufschluss für seine zukünftige Beziehung zu Ihnen gibt. Je näher das Becken an Ihrem eigenen ist, desto enger ist die angestrebte Beziehung. Manche Männer ziehen das Becken einer Frau mit ihrer Handfläche zu sich heran. Botschaft eindeutig. Tätscheln Sie seinen Rücken, um abzuklatschen. Oder genießen Sie es, je nachdem. Bei so vielen Möglichkeiten kann es schon mal zu Begrüßungsirritationen kommen. Ein alter Bekannter und ich trafen aufeinander. Schon im Aufeinanderzugehen streckte er mir die Hand entgegen. Ich aber war schon im Anflug gewesen, ihn zur Begrüßung zu umarmen. Was sollte ich also tun? Würde ich die Umarmung abbrechen, würde es total dämlich aussehen, aber würde ich sie vollziehen, würde er mich mit seiner ausgestreckten Hand in den Bauch stechen. Da er ebenso überrascht war wie ich, zog er blitzschnell seine Hand zurück, umarmte mich klopfend mit der linken und benutzte seine rechte Hand, um mich nach einer flüchtigen Umarmung am Becken schnell von sich wegzuschieben. Ich aber hatte meine Arme nicht so rasch gelöst und so verblieb ich in einer furchtbar peinlichen Haltung, das Becken weit weg und die Hände hinter seinen Schultern. Solche Situationen gibt es immer wieder. Bei mir zumindest. Aber seit ich das weiß, kann ich besser damit umgehen. Der andere ist (und das garantiere ich Ihnen) mindestens ebenso verwirrt wie Sie, wenn eine Begrüßung anders verläuft, als er sich das vorgestellt hat. Das Gespräch: „Wir müssen reden“ Gespräche zu führen kann erquickend, erfolgreich, aber auch anstrengend sein. Meist verfolgen wir ein bestimmtes Ziel damit, oft geht es auch einfach nur um den Gedankenaustausch. Wir plaudern oder debattieren, wir führen anregende Diskussionen oder versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Die Körpersprache spielt dabei eine wichtige Rolle, weil sie uns Aufschluss darüber geben kann, ob und wie das Gesagte beim anderen ankommt. Bevor Sie in ein Gespräch gehen, sollten Sie bedenken, dass es schon weit vor dem Zusammentreffen der Gesprächspartner beginnt, nämlich bei den Eindrücken, die aktuell die Stimmung und das Leben der Beteiligten beeinflussen. Diese Stimmung nehmen die meisten unbewusst mit in ein Gespräch. Jeder trägt sein eigenes Päckchen mit sich herum. Sie können oft schon bei der Begrüßung an der Körpersprache des anderen ablesen, ob er positiv oder negativ gestimmt in das Gespräch geht. Sie haben keine Ahnung, was Ihr Gegenüber an diesem Tag oder kurz vor Ihrem Zusammentreffen erlebt hat. Vielleicht ärgert er sich immer noch, dass ihm ein Parkplatz vor der Nase weggeschnappt wurde, und er hat schon einen strammen Fußmarsch hinter sich. Oder im günstigeren Fall hatte er gerade noch ein Tête à tête mit einer hinreißenden Kollegin im Kopierraum und strahlt deshalb über das ganze Gesicht. Sie wissen es nicht. Nehmen Sie den Gesprächspartner so, wie er ist. Schauen Sie, wie er in das Gespräch geht, stellen Sie sich auf ihn ein und versuchen Sie eine gemeinsame Basis zu finden. Wenn Sie folgende Punkte beachten, erhöhen Sie Ihre Chancen auf ein richtig gutes Gespräch. Tisch Ein runder Tisch ist für eine Verhandlung besser als ein eckiger. So fühlt sich keiner in der direkten Konfrontation mit dem anderen, und es gibt keine Position, in der sich jemand ausgegrenzt fühlen könnte. Sitzpositionen Setzen Sie sich mit Ihrem Gesprächspartner nicht direkt vis-à-vis, sonst könnte er sich bedrängt fühlen. Alle Energie prallt frontal auf das Gegenüber. Das kann gut und produktiv sein, wenn man sich einig ist und das gleiche Ziel verfolgt. Sobald aber Divergenzen spürbar sind oder ein Streitgespräch zu erwarten ist, sollten Sie sich eine andere Sitzkonstellation überlegen. Durch einen 90-Grad-Winkel beispielsweise können Sie aus der Konfrontation herausgehen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie die besten Gespräche führen, wenn Sie gemeinsam in die gleiche Richtung blicken? Die eigenen Gedanken haben spürbar mehr Freiraum und man kann sich trotzdem austauschen. Aufmerksamkeit erregen Will er überhaupt mit mir sprechen? Klären Sie die Aufnahmebereitschaft des anderen. Notfalls locken Sie ihn mit einem Trick, auf den jeder anspringt: „Kann ich Ihnen ein Geheimnis anvertrauen?“ oder „Das ist jetzt aber was Persönliches“. Wir alle brennen darauf, der einzige zu sein, der etwas weiß, oder fühlen uns geschmeichelt, wenn wir in den Kreis derer aufgenommen werden, die etwas Persönliches erfahren. Dabei ist es fast schon egal, was folgt. Auch die Bemerkung „Ich habe mir auf der Fahrt hierher einige Gedanken gemacht“ ist ein guter Einstieg. Damit sagen Sie alles und nichts und können nun mit der vollen Aufmerksamkeit des Gesprächspartners loslegen. TERRITORIALE ANSPRÜCHE Jeder Gegenstand auf dem Tisch, der als Fremdkörper in den Bereich des anderen geschoben wird, verunsichert denjenigen, weil er sein Territorium verletzt fühlt. Ich schiebe gerne mal den Salzstreuer in Richtung meines Gesprächspartners, um zu sehen, wie er reagiert. Manche lehnen sich mit dem Oberkörper zurück, vergrößern dadurch den Abstand und holen sich ihr Territorium zurück. Andere schieben den Salzstreuer wieder zurück. Dann schiebe ich ihn wieder hin … Jeder braucht so sein Territorium. Der eine mehr, der andere weniger. Wenn Ihnen jemand den Salzstreuer entgegenschiebt, wissen Sie, dass etwas schief läuft. Entweder braucht er mehr Platz oder er greift Sie an, indem er Ihnen etwas entgegenschiebt. Schaffen Sie sich Raum, indem Sie den Oberkörper zurücklehnen oder wegdrehen. Oder Sie bauen vor sich mit Orangensaft, Kaffee, Salzstreuer, Besteck oder Stiften eine Fädelkette auf. Die hohe Kunst der Konversation Achten Sie während des Gesprächs auf Signale, die zeigen, ob Ihr Gesprächspartner auf Ihre Argumente reagiert. Zeigt er Interesse an einem bestimmten Punkt? Oder haben Sie das Gefühl, er hört gar nicht mehr zu? Wischt Ihr Gesprächspartner über den Tisch, um reale oder imaginäre Krümel zu entfernen, deutet das darauf hin, dass Sie neue Argumente oder eine neue Geschichte liefern sollten. Er säubert die „Arbeitsfläche“ stellvertretend für das Thema. Wischt er von sich weg, so wischt er womöglich Ihre Argumente weg. In diesem Moment ist es bestimmt günstig, Ihre Argumentationskette zu überdenken und neues Material „auf den Tisch“ zu bringen. Sie müssen vielleicht Ihre Strategie ändern oder Ihre Erzählstruktur modifizieren. Ein Gespräch kann einen beruflichen oder privaten Hintergrund haben. Bei Kollegen oder Geschäftspartnern wird das gerne vermischt, vor allem, wenn sie sich besser kennen. Allerdings ändert sich dann auch die Körpersprache. Meist entspannen sich beide spürbar beim Small Talk über Urlaub oder Wetter. Deswegen eröffnet man berufliche Gespräche auch besser mit einer belanglosen Plänkelei. Je nach Nervositätsgrad können sich beide so erst beschnuppern und in aller Ruhe ihren Status prüfen, bevor es in medias res geht. Für meinen Geschmack ziehen sich solche Aufwärmübungen oft zu lange hin. Bis dahin habe ich schon wieder meine halbe Argumentationskette vergessen. Aber jeder hat sein eigenes Tempo und sein ganz persönliches Mitteilungsbedürfnis. Don’ts and Dos Damit ein Gespräch für alle Beteiligten möglichst gut verläuft, sind ein paar Regeln einzuhalten. Keine aggressive Gesten Vermeiden Sie aggressive Gesten wie In-die-Luft-Piksen bzw. -Stechen oder Pistolenhände. Das wirkt angriffslustig und betont die Worte mit einem imaginären Waffenstich. Wobei das Piksen mit einem charmanten Lächeln wieder ganz anders wirken kann. Dann betont es nämlich das Gesagte in einem positiven Sinne und wirkt eher aufmunternd bedeutsam. Aggressive Gesten wie das Wegschieben oder Wegschubsen mit den Händen und Gesten, die nach unten gehen, sollten ebenfalls vermieden werden. Diese Bewegungen wirken unangenehm dominant, ablehnend und unterdrückend. Kein Antippen des Gegenübers Durch das kurze Berühren des Zuhörers mit den Fingern oder den Fingerspitzen möchte der Erzähler sichergehen, dass das Gesagte wahrgenommen wird. Es kann sein, dass er sich beim Antippen zurücklehnt und damit ausdrückt: „Ich gebe dir Freiraum, möchte aber, dass du mir trotzdem zuhörst.“ Oder er beugt sich zu dem Zuhörer und stupst: „Jetzt hör mal zu, das ist jetzt ganz wichtig, was ich dir sagen will.“ Mich nervt beides kolossal. Ich möchte während eines Gespräches einfach nicht „angetupft“ werden und ich weiß, dass ich mich hiermit in bester Gesellschaft befinde. Kein Gezappel Halten Sie Hände, Beine und Füße still. Schlagen Sie nicht ständig die Beine übereinander. Sitzen Sie nicht hibbelig auf der Stuhlkante, als wollten Sie die Flucht ergreifen oder den anderen anspringen. SO WEHREN SIE NERVIGE ANTIPPER AB Treten Sie direkt nach dem Antippen zurück oder rutschen Sie ein wenig weg. Wenn der andere Sie weiterhin antippt, blicken Sie auf die Stelle, an der er Sie berührt hat und verfolgen Sie seine Hand mit Ihrem Blick. Sollte er nicht ganz unsensibel sein, dann wird er merken, dass Sie das nicht mögen.Krankhafte Antipper muss man manchmal deutlicher in die Schranken weisen: Wenden Sie sich mit dem Oberkörper zu ihm hin, bringen Sie die Arme außer „Tippweite“ und beugen Sie sich ein wenig vor. Er wird plötzlich keine Tippfläche mehr finden, weil er Sie sonst an der Brust berühren müsste. Ich weiß nicht, welcher Charakter Sie sind, aber bei ganz schweren Fällen von Berührungswahnsinn bringe ich mein Missfallen charmant lächelnd, höflich oder lustig zum Ausdruck: „Wenn Sie mich immer antippen, kann ich mich nicht auf das konzentrieren, was Sie sagen.“ Kein Herumgezupfe Zupfen Sie nicht an sich herum. Geben Sie sich keine Nackenmassage und ordnen Sie Ihre Kleidung, bevor Sie in das Gespräch gehen. Keine Fellpflege Führen Sie während des Gesprächs keine Fellpflege durch. Alles, was Ihnen an sich gerade nicht gefällt, muss so bleiben. Frauen sollten eine Frisur wählen, bei der nicht ständig eine Locke ins Gesicht fällt, die sie wieder zurückstreichen müssen. Die Kleidung sollte sitzen, so dass kein ständiges Zurechtzupfen nötig ist. Keine Dominanz- oder Überlegenheitsgesten Vermeiden Sie Körperhaltungen wie Arme über dem Kopf verschränken, joviales Zurücklehnen oder unangemessenes Raumeinnehmen. Fläzen Sie sich nicht auf dem Stuhl, als wären Sie alleine vor dem Fernseher. Nicht die Luft auspusten Vermeiden Sie aktives, hörbares Auspusten von Luft. Selbst wenn Sie sich danach fühlen, sollten Sie die Luft gemäßigt ausströmen lassen. Das aktive Ausschnauben wirkt herablassend und aggressiv. Bequem in der Mitte des Stuhls sitzen Sollten Sie das Gefühl haben, fliehen zu wollen, lehnen Sie sich an. Vielleicht entspannt sich Ihr Körper durch den Rückkopplungseffekt. Wenn es nicht funktioniert, können Sie immer noch weglaufen. Zollen Sie dem Gesprächspartner mit Ihrer Sitzhaltung Respekt. Neigen Sie Ihren Oberkörper interessiert, aber nicht aufdringlich nach vorne. Eine barrierenfreie Fläche zwischen den Gesprächspartnern Räumen Sie Vasen, Getränke oder Aktenkoffer beiseite. Die Tischdekoration in einem Restaurant ist auflockernd, aber sie zerschneidet den direkten Kommunikationsweg zu Ihrem Gesprächspartner. Rücken Sie die Blümchen ein wenig zur Seite, sobald es zur Sache geht. Um den Tisch nicht ganz nackt wirken zu lassen, legen Sie vielleicht einen Notizblock (das sind diese seltsamen Dinger ohne Akku und Display) auf den Tisch. Der ist flacher als ein Blumenarrangement. Ein Notizblock ist sowieso eine gute Idee, denn Sie können ihn auch mal während des Gesprächs benutzen. Der andere bekommt das Gefühl, dass das, was er sagt, respektiert und sogar als wichtig eingestuft wird. Aber bitte unterlassen Sie das Mitschreiben bei einem Date, das könnte befremdlich wirken. Die Hände sichtbar halten Lassen Sie Ihren Hände sehen, das wirkt vertrauenserweckend. Unter der Tischkante versteckte Hände können so einiges anstellen. Sie könnten eine Waffe auf den anderen richten, am Bein kitzeln, an sich herumspielen oder sich schon mal zu Fäusten ballen. Nichts von alledem wäre uns angenehm. Also, Hände auf den Tisch. Zustimmend nicken Ein kleines Nicken hier und da ermuntert den Gesprächspartner, dass sein Gesagtes ankommt und verstanden wird. Dabei müssen Sie nicht einmal zuhören, es reicht, wenn Sie nicken. Dosieren Sie die Bewegungen Ihres Kopfes bei dem Gespräch. Bitte keinen Wackeldackel, das hetzt den anderen und er fühlt sich unangenehm angetrieben. Ein wackelnder Kopf hört nicht zu, er wackelt. Das Gegenüber nicht mit Räuspern unterbrechen Wenn Sie sich räuspern, stört dies die Konzentration Ihres Gesprächspartners, anstatt ihn zustimmend aufzumuntern. Beobachten Sie bitte mal eine Szene im Fernsehen oder im Theater. Da gibt es kein „Hm“ im Gespräch, es sei denn, es wird ganz bewusst als Zeichen der Unterbrechung eingesetzt. Wenn einer spricht, dann spricht er, und kein anderer. Damit sich das Publikum ganz auf das Gesagte konzentrieren kann. Spiegeln Wenn Sie Ihren Gesprächspartner für sich gewinnen wollen, spiegeln Sie seine Körperhaltung. Sie vermitteln ihm so das Gefühl, dass Sie sich auf einer Wellenlänge befinden. Sollte er eine für das Gespräch ungünstige Haltung (mit körperlichen „Mauern“) einnehmen, dann spiegeln Sie ihn zuerst und ändern nach einiger Zeit Ihre Haltung in eine, die Ihnen für das Gespräch nützlicher erscheint. Folgt er Ihnen und nimmt die gleiche Haltung ein, dann haben Sie ihn für sich gewonnen. Was aber, wenn beide das Spiel spielen? Dann freuen Sie sich, dass Sie einen Spielpartner gefunden haben. Distanzzone wahren Die öffentliche Distanzzone beträgt ungefähr drei Meter (siehe Seite 48). In einem Gespräch kann der Abstand auch etwas geringer sein, aber zwei Meter sind auch hier erwünscht, es sei denn, Sie kennen sich näher. Im Zweifelsfall halten Sie lieber ein wenig mehr Abstand, annähern kann man sich immer noch. Geben Sie dem Gesprächspartner Raum, sobald Sie merken, dass es ihm zu eng wird, außer Sie wollen ihn in Bedrängnis bringen und so zu einem Geständnis zwingen. Orientieren Sie sich beim Raumanspruch an dem des anderen. Spiegeln Sie ruhig. Kommt er auf Sie zu, möchte er die Distanz verringern. Lehnt er sich zurück, braucht er vielleicht etwas Abstand, um nachzudenken. Wenn Gesprächspartner die Köpfe zusammenstecken, kann das mehrere Gründe haben. Ich warne wie immer vor Überinterpretation, wenn man die Zusammenhänge oder Umstände nicht kennt. Schwerhörigkeit, übermäßiger Alkoholkonsum, Lautstärke im Raum. Der eine will in den anderen eindringen und der andere will mit seiner Stirn dagegen halten. Es ist eine sehr intime Haltung, denn wenn wir den Kopf des anderen in unserer intimen Zone zulassen, bedeutet das schon einiges. Der, der so nahe kommt, möchte unter allen Umständen, dass das, was er mitzuteilen hat, ankommt. Mit Verschlossenheit umgehen Verschließt sich Ihr Gegenüber, indem er die Beine übereinander schlägt, den Knöchel auf dem Knie ablegt und mit seinem Schienbein eine Barriere bildet, sollten Sie ihm möglichst eine natürliche Barriere geben, beispielsweise einen Platz am Tisch anbieten. Oder Sie lehnen sich so weit zurück, dass er sich sicher fühlt. Jemanden, der sich körperlich verschließt, brauchen Sie gar nicht erst nach einer Entscheidung zu fragen. Versuchen Sie stattdessen, ihn zu „öffnen“. Was tun, wenn einer am liebsten unsichtbar wäre, Sie aber ein Gespräch mit ihm führen oder ihm etwas verkaufen müssen? Dann gehen Sie auf ihn ein: Kehren Sie den Teil in sich, der auch schüchtern und eher verschlossen ist, heraus. Manchmal erreicht man mehr damit, sich auf den anderen einzustellen, als wenn man ihn wie eine Dampfwalze überrennt. Dazu gehört viel Gespür, doch für ein gutes Gespräch ist es hilfreich, erst mal eine gemeinsame Wellenlänge zu finden. Verschließt sich Ihr Gegenüber, können Sie sich während des Gesprächs ein wenig zurücklehnen. Ihr Gesprächspartner wird sich so sicherer fühlen. Bewegung bei Stagnation Kommen Sie in Bewegung, wenn sich ein Gesprächspartner zu sehr versteift. Das merken Sie an seinen Knien, seinem Kopf, seinem Blick. Möglicherweise hat er dazu seine Arme verschränkt. Sie könnten jetzt so, wie er steht, einen Henkel an ihm befestigen und ihn abtransportieren. Sobald der Körper aber in Bewegung ist, bewegt sich auch der Geist. Sie können besser denken, Blockaden lösen sich leichter. Auch Blockaden im Denken. Empathielose Gesprächspartner In einem Gespräch in einer größeren Runde ist es manchmal schwierig zu Wort zu kommen. Hier gilt es, sich dezent und mit Nachdruck Aufmerksamkeit zu verschaffen. Sich bemerkbar machen Wenn Sie den unbedingten Drang verspüren, etwas sagen zu müssen, nutzen Sie die Macht der Körpersprache. Erst subtil, und wenn Sie immer noch nicht bemerkt werden, dann fahren Sie große Geschütze auf. Es ist immer besser, nach seiner Meinung gefragt zu werden, als sich lautstark Gehör verschaffen zu müssen, um dann von allen angestarrt und möglicherweise als Störenfried empfunden zu werden. Bringen Sie den „Moderator“ der Gruppe dazu, Ihnen seine Aufmerksamkeit zu schenken und zu bemerken, dass Sie etwas Wichtiges dazu zu sagen haben. Sie können anfangs sanft auf der Lippe herumkauen und dabei den Sprechenden konzentriert anschauen. Sollte das nicht reichen, rutschen Sie ein wenig auf dem Stuhl herum. Formulieren Sie in Ihrem Kopf schon mal das, was Sie sagen möchten. Je intensiver Sie das denken, desto deutlicher wird Ihnen Ihre Körpersprache folgen. Bis hin zu leichtem Tippen mit der Fingerspitze auf den Tisch (Hallo! Ich will was sagen!). Sollte all dies erfolglos geblieben sein, weil Sie von empathielosen, unsensiblen Menschen umgeben sind, dann bleibt Ihnen nur noch, Laut zu geben: Hüsteln Sie oder räuspern Sie sich. Nun sollte auch der Letzte am Tisch bemerkt haben, dass Sie vor Mitteilungsdrang platzen, und Sie nach Ihrer Meinung fragen. Ist das immer noch nicht der Fall, Ihr Anliegen aber von äußerster Dringlichkeit und duldet keinen Aufschub, dann platzen Sie eben damit raus. Nach Ihnen die Sintflut. Mit verbalen Angriffen umgehen Nun haben Sie die Aufmerksamkeit aller und beginnen mit Ihrer Argumentation. Was aber, wenn Sie damit nicht durchkommen oder sich sogar in eine Verteidigungsposition gedrängt fühlen? Beginnt Ihre Stimme sich zu verkrampfen und Sie hören sich nur noch quiekend und hektisch rechtfertigen, dann ziehen Sie die Notbremse. Sagen Sie einen Moment nichts mehr und atmen Sie durch. Tief und ruhig. Überlegen Sie, ob das, was Ihr Gegenüber Ihnen an den Kopf geworfen hat, wirklich wichtig ist und was es mit Ihnen selbst zu tun hat. Überlegen Sie, ob Sie der Konfrontation aus dem Weg gehen können. Sie müssen nicht mit jedem gut klarkommen. Geben Sie dem anderen das Gefühl, über das, was er sagt, nachzudenken, auch wenn Sie vor Ihrem inneren Auge sehen, wie sich gerade das Fallbeil der Guillotine genüsslich durch sein Fleisch schiebt. Besser ist es natürlich, wenn Sie ihm tatsächlich Verständnis entgegenbringen können. Aber mal ehrlich: Es gibt einfach Menschen, mit denen man nicht kann (höflich ausgedrückt). Drehen Sie Ihren Oberkörper ein Stück zur Seite und gehen Sie so aus der Konfrontation. Ich mache das ständig, wenn unser Klavierlehrer mir in unmissverständlichem Ton erklärt, dass die Kinder wieder mal nicht geübt haben (womit er leider recht hat) und das alles so keinen Sinn hat. Indem Sie sich ein Stück abwenden und nichts sagen (oder nur brummen zur Bestätigung, dass Sie den anderen gehört haben), schaffen Sie sich ein wenig mehr Raum zum Nachdenken, wie Sie weiter verfahren wollen. Handyterror Es gibt sie noch, die notorischen Handyfummler. Ich frage mich manchmal, wo deren Erziehung geblieben ist. Falls jemand während eines Gespräches mit mir auf seinem Handy herumspielt, verstumme ich sofort – gefolgt von höflichem Schweigen. Versucht mein Gesprächspartner mir zu verstehen zu geben, dass ich ruhig weiterreden könne, dann antworte ich freundlich lächelnd, ich könne warten und er dürfe gerne zuerst seine Dinge erledigen. Meistens begreift der andere schnell, dass ich nicht gewillt bin, seine Aufmerksamkeit einzubüßen. Jetzt ist aber Schluss Ganz wichtig ist es zu spüren, wann ein Gespräch zu Ende ist. Das braucht ein wenig Übung, Beobachtung und Feingefühl, aber wenn Sie es beherrschen, ist es wunderbar. Wenn Sie ein Gespräch zum richtigen Zeitpunkt verlassen bzw. beenden, dann bleibt bei Ihrem Gesprächspartner ein gutes Gefühl, denn Sie haben ihn weder gelangweilt noch kam er in Verlegenheit Sie zu langweilen, was er bei genügend ausgeprägter Selbstreflexion sicher bereut hätte. Bereiten Sie Ihren Gesprächspartner darauf vor, dass Sie gleich noch einen Termin haben, verabredet sind oder den Hund ausführen müssen. Sollte sich das Gespräch positiver entwickeln, als Sie es erwartet haben, so haben Sie bestimmt immer noch einen Puffer einkalkuliert. Manche Menschen finden kein Ende. Bei Frauentratschereien oder ausgedehnten Stammtischen mag das gewollt und ein Bedürfnis sein, aber im Geschäftsleben ist es meist eher hinderlich. Kennen Sie das Gefühl, wenn ein Kollege kurz auf ein Schwätzchen vorbeikommt, und Sie wissen ganz genau, dass dieses Gespräch Ihre Mittagspause sprengen wird? Ein Blick auf die Uhr, ein in die Stille eingeschobenes „Tjaja“ oder ein demonstratives Herumrutschen auf dem Stuhl bis zur vordersten Kante, das Greifen der Tasche oder Anziehen des Mantels sollten eigentlich genügen, um den Wunsch nach einem Ende des Gespräches zu signalisieren. Ich kannte einen Mann, der ist einfach zu später Stunde von seiner eigenen Party aufgestanden und hat sich ein Bad eingelassen. Ende des Gesprächs. Deeskalation Erstaunlich, was man manchmal mit Körpersprache bewirken kann. Ich wartete in einem Klassenraum einer Schule, bis meine Tochter nebenan mit Klavierunterricht fertig sein würde. Eine Putzfrau kam herein, sah mich erstaunt an, stemmte die Hand in die Hüfte und schnalzte mir bissig entgegen: „Was machen hier! Putze ich!“, was wohl heißen sollte: „Was ist der Grund Ihres Aufenthaltes hier? Ich würde gerne meiner Arbeit nachgehen.“ Ich war nicht sicher, ob ich verstand, denn eigentlich – so der Klavierlehrer – durfte ich mich hier aufhalten. „Möchten Sie hier putzen?“ Sie schoss mir die Worte entgegen wie aus einem Maschinengewehr: „Putze ich! Warte ich schon halbe Stunde, frei ist Raum, müsse Stühle hochstelle, sauge, räume auf …“ „Ja, ja, schon gut“, gab ich freundlich zurück. Sie wurde mir jetzt ein bisschen zu aggressiv. Gut, ich war ihr definitiv körperlich überlegen und mit ihrem Wischmopp konnte ich es ebenfalls aufnehmen, aber ich scheute die Konfrontation und sah auch keinen Nutzen in einer Grundsatzdiskussion oder einer Schlägerei. Außerdem wollte ich mein Wissen in Bezug auf Körpersprache nutzen. Deeskalation auf minimalem Niveau. Ich weitete meine Augen, damit sie merkte, dass ich ihr zuhörte, legte meinen Kopf leicht schräg, lächelte die Gebäudereinigerin freundlich an, überlegte kurz und entschied dann mit ruhiger Stimme: „Wenn Sie hier putzen möchten, dann können Sie das besser, wenn ich nicht hier bin“, nahm entspannt meine Jacke und ging auf sie zu. Sie war merklich verwirrt ob meines ruhigen Verhaltens. Als ich durch die Tür war, vernahm ich hinter mir ein freundliches „Danke“. Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die es lebenswert machen. DARF MAN NEGATIVE SIGNALE SPIEGELN? Andere Personen nachzuahmen, vermittelt diesen das Gefühl, angenommen zu sein. Sie fühlen sich wohl. Selbst in einer Konfliktsituation kann das vorübergehende Spiegeln der Körpersprache zur Entlastung der Spannung führen. Sie vermitteln dem Gegenüber dadurch, dass Sie seiner Meinung sind, und besänftigen ihn ein wenig. Damit meine ich um Himmels Willen nicht, dass Sie ebenfalls die Fäuste ballen sollen, wenn der andere sie ballt. Aber wenn er die Arme verschränkt, dann kann es für den Moment entlastend wirken, wenn Sie seine Haltung annehmen. Da Sie entsprechend fit in nonverbaler Kommunikation sind, können Sie, wenn die Stimmung besser geworden ist, zu einer anderen Haltung übergehen. Der Beruf: „Den Job krieg ich“ Um bei Bewerbungsgesprächen einen guten Eindruck zu machen, sollten Sie schon weit vorher an sich gearbeitet haben. Sie sollten sich beobachtet haben und vielleicht häufiger gerade gegangen sein als sonst. Üben Sie, probieren Sie sich aus, nerven Sie lieber andere mit Ihren Verrenkungen, bevor Sie völlig nervös und nur darauf bedacht, die richtige Geste zu machen, auf Ihren zukünftigen Chef losgelassen werden. Im Kapitel über Gespräche haben Sie schon viele grundsätzliche körpersprachliche Tipps bekommen. Hier gehe ich konkret auf Bewerbungsgespräche ein. Kaum einer geht entspannt in diese Situationen, in denen entschieden wird, ob man in die „Herde“ aufgenommen wird oder nicht. Für Schauspieler ist ein Bewerbungsgespräch ein sogenanntes Casting. Dies unterscheidet sich nicht sehr von einem normalen Bewerbungsgespräch. Man kleidet sich vielleicht schon entsprechend der Rolle, aber so, dass man sich wohlfühlt. Bequem und angemessen soll die Kleidung sein. Sie gehen ja auch nicht mit Brusthaartoupé zu einem Bewerbungsgespräch in der Bank. Spionieren Sie doch mal morgens in einem Versteck unweit des Haupteingangs der Firma, wie die Mitarbeiter sich kleiden, dann haben Sie eine gute Vorstellung von dem, was von Ihnen erwartet wird. Vorbereitung ist alles Malen Sie sich die Situation, in der Sie sich befinden werden, aus. Das ist schwierig, weil Ihnen wahrscheinlich weder der Ort noch die Personen vertraut sind. Aber mit ein wenig Fantasie können Sie sich vorstellen, wie es ablaufen könnte. Ein Freund kann in die Rolle des Personalchefs schlüpfen und Ihnen ein paar Fragen stellen. Es sind ja doch immer die gleich Fragen, zum Beispiel: „Warum wollen Sie ausgerechnet in unserem Unternehmen arbeiten?“ Informieren Sie sich über das Unternehmen, das ist ja klar. Google macht’s möglich. Sie müssen keine Aktienkurse auswendig lernen (obwohl das bestimmt Eindruck machen würde), aber je nach Position, die Sie anstreben, sollten Sie schon wissen, in welchem Stil das Unternehmen geführt wird etc. Derjenige, der das Bewerbungsgespräch führt, wird Ihr Interesse am Unternehmen spüren. Nur bitte trumpfen Sie nicht mit Ihrem Wissen über die tolle Kantine auf, während Sie mit Übergewicht gegen die zu engen Armlehnen des Stuhls kämpfen. Damit könnten Sie ein verzerrtes Bild abgeben. Auf Fragen vorbereitet sein In einem Vorstellungsgespräch werden Sie immer auch nach Ihren Stärken und Schwächen gefragt. Bitte rutschen Sie nicht nervös auf Ihrem Stuhl herum, wickeln die Füße um die Stuhlbeine oder fangen an, an Ihren Fingernägeln zu knabbern. Die Frage kommt schließlich nicht unvorbereitet und Sie können sachlich darauf antworten. Ich zum Beispiel habe die Schwäche, chronisch pünktlich zu sein, und ich bin davon gebeutelt, anderen immer helfen zu wollen. Schrecklich, so ein Zwang. Suchen Sie sich als Schwäche Eigenschaften, die Sie negativ verpacken, die aber positiv sind. Ich kann schlecht abgeben, muss immer alles selbst machen und kontrollieren. Das kann ein Fluch sein und ein Segen zugleich. „Was haben Sie vorher gemacht? Warum ausgerechnet dieser Beruf? Warum sollten gerade Sie den Job bekommen? Was haben Sie in diesem und jenem Zeitraum gemacht? Können Sie Kaffee kochen?“ Gut, ich komme mir auch blöd vor, wenn ich bei einem Werbecasting erzähle, dass ich den Job bekommen sollte, weil ich Rasensamen über alles liebe, weil ich selbst so gerne mit Biowolle häkle oder weil ich seit Jahren genau diese linksdrehenden Joghurtbakterien als Darmregulator esse. Ernsthaft, ich habe bei einem Casting erklärt, dass ich den Joghurt so gerne esse, weil ich dann nicht so blähen muss. Und ich habe bei einem Casting für ein leckeres Bonbon gesagt, dass es sich im Mund anfühlt wie ein oraler Orgasmus. Beide Jobs habe ich nicht bekommen, ich arbeite noch an meinen Antworten. Lächeln, aber dosiert Und wieder: Lächeln Sie, aber dezent und nicht die ganze Zeit. Mein Fehler war jahrelang, dass ich wie ein grenzdebiles Schulmädchen dauerlächelnd zu Castings ging, weil mir irgendein verliebter Teenager mal gebeutelt von seinem Hormonüberschuss gesagt hatte, dass ich ein schönes Lächeln hätte. Seitdem schwebte ich bei offiziellen Anlässen immer mit einem strahlenden Lächeln durch die wichtigen Leute. Das Problem ist dann aber, dass ein Lächeln zwar Türen öffnet, aber möglicherweise die falschen. Heute weiß ich, wie wertvoll das ehrliche Lächeln ist und wähle bewusst aus, wen ich anlächle. Foto als Türöffner Fotos sind Momentaufnahmen. Das ist so. Man sieht nur den Moment und weder das, was vorher war, noch das, was kommen könnte, und oft auch nicht, in welcher Umgebung es gemacht wurde. Lächelt der Fotografierte so seltsam, weil er auf einem wackeligen Stuhl sitzt oder weil er Fotografieren schon immer gehasst hat? Fasst sich der Politiker auf dem Foto an die Nase, weil er wieder mal die Unwahrheit sagt oder hat er Schnupfen? Fotos sind nicht aussagekräftig, wenn man die Umstände nicht kennt. Fotos sind für alle, die sich damit präsentieren müssen, sehr wichtig. Bewerbungsfotos können einen an der biestigen Sekretärin vorbeilotsen und die Bewerbung auf dem Tisch des Chefs landen lassen. Dabei müssen Sie nicht vorher zum Chirurgen gehen oder die Religion wechseln, um Ihr Gesicht hinter einem Schleier verbergen zu dürfen. Verschleierung ist sowieso kontraproduktiv, da können Sie auch gleich ein Foto von Ihrem Hinterkopf machen. Der Mund und die Augen – das ganze Gesicht – sollten gut zu sehen sein. Alles andere verunsichert den Betrachter. Und nun kommt das Wichtigste: Freundlich! Grinsen Sie nicht so, dass sich Ihr Gesicht verzieht, als wäre ein Auto über eine Wachsmaske gerollt. Lächeln Sie einfach freundlich, indem Sie an etwas Schönes denken. Wenn es nichts in Ihrer Vergangenheit gibt, stellen Sie sich etwas in der Zukunft vor. Sogar wenn Sie sich als Security in der Dorfdisse bewerben, sollten Sie ein Zucken um die Mundwinkel versuchen, denn Sie sollen ja erst später die angetrunkenen Raufbolde einschüchtern und nicht jetzt schon Ihren zukünftigen Chef. Falls Sie so gar nichts finden, was Sie zum Lachen bringt, stellen Sie sich den Fotografen nackt vor. Hey, die Gedanken sind frei! Der richtige Gesichtsausdruck Sie sind mit Ihren Zähnen nicht zufrieden? Lassen Sie den Mund lieber geschlossen und lächeln gediegen und freundlich mit locker aufeinander liegenden Lippen. Vertrauenserweckender wirkt allerdings ein sanftes Lächeln mit leicht geöffneten Lippen. Der Fotograf wird Ihnen sagen können, wie Sie Ihr Gesicht halten müssen, damit es am vorteilhaftesten aussieht. Falten können so optisch für den Moment geglättet werden, die Rötungen auf Ihren aufgeregten Wangen verschwinden und der Pickel auf der Stirn sieht gar nicht mehr so prall aus. Den Ausdruck in Ihren Augen wird er nicht ändern können, das können nur Sie. Er sollte aber auf ein gutes Augenlicht achten. Das ist ein kleiner heller Schimmer, der sich im Auge widerspiegelt und den Ausdruck verstärkt. Saufen Sie sich deswegen vor einem Shooting um Himmels Willen nicht vor Aufregung die Birne weg, das könnte nicht mal Helmut Newton retten. Und sollte das doch einmal passiert sein, dann gibt es nur noch eins: kalte Teebeutel! Ich lag auch schon in der Maske, den Kopf nach hinten, mit zwei Kamillenteebeuteln auf den Augen. Während der Karnevalszeit sieht man in Maskenräumen kurz vorm Drehen auch öfter Schauspielerinnen sitzen, die sich die runde Seite von gekühlten Metalllöffeln unter die Augen halten. Hilft auch gut, nur nehmen die Löffel im Kühlschrank den ganzen Platz fürs Bier weg. Der Blick auf einem Bewerbungsfoto sollte in die Kamera gehen. Stellen Sie sich dabei jemanden im Objektiv vor, den Sie mögen und lächeln Sie ihn an. Ich betrachte manchmal den Fotografen und versuche es witzig zu finden, wie er konzentriert hinter seiner Kamera hin und her springt. EINE AUFRECHTE HALTUNG MACHT SCHÖN Halten Sie sich für das Bewerbungsfoto gerade, auch wenn Sie glauben, man sähe Ihren Rücken nicht auf dem Portrait. Man sieht ihn zwar nicht, aber Ihre Haltung kommt rüber. Wenn ich Portraits mache, in denen ich strahlen will, dann ziehe ich High Heels an, damit meine Haltung graziler ist und ich den Rücken durchstrecken muss. Die passende Kopfhaltung Für den körpersprachlichen Ausdruck auf einem Bewerbungsfoto kommt es darauf an, für welchen Job Sie sich bewerben. Klar müssen wir immer „nett“ rüberkommen, aber soll es eher die nette Nagelpflegerin sein oder mehr die nette Vorstandsvorsitzende? Ich rate Ihnen, viele verschiedene Kopfhaltungen auszuprobieren. Devot wirken Sie, wenn Sie das Kinn ein wenig senken, so dass der Blick in die Kamera von unten nach oben geht. Das macht die Augen größer und erzeugt den „Bambieffekt“. Falls Sie eher führungsstark wirken wollen, sollten Sie das Kinn ein wenig heben. Beugen Sie sich dabei leicht nach vorne, macht dies einen dynamischeren Eindruck, als wenn Sie sich nach hinten lehnen, dabei darf aber das Kinn nicht nach unten gehen, das wirkt aggressiv, eher wie ein Tier kurz vor dem Angriff. Ein zur Seite geneigter Kopf wirkt auf Bewerbungsfotos immer lieb und harmlos, so als würde der Bewerber sagen: „Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts.“ Wenn Sie also lieb und harmlos sein und einen lieben und harmlosen Job haben wollen, dann neigen Sie den Kopf. Einen angriffslustigen Eindruck machen Sie, wenn Sie sich frontal mit dem Körper zum Betrachter wenden, das schüchtert ein. Angenehmer wirkt ein leicht seitlich gedrehter Oberkörper. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl guter Fotografen für Bewerbungsfotos. Haben Sie einen guten gefunden, dann ist das die halbe Miete. Nun sind Sie dran. Probieren Sie aus! Schon eine winzige Kopfdrehung kann den Ausdruck des gesamten Bildes ändern. Trauen Sie sich. Klick, ändern, Klick, ändern, klick, ändern. Viel Spaß! Demovideos Seit einigen Jahren sind Videos als Bewerbung immer mehr im Kommen. Mit einem Video kann man sehr gut punkten, wenn man es richtig macht. Zu einer solchen Selbstpräsentation gehört schon etwas. Der zukünftige Chef bekommt ein ziemlich realitätsnahes Bild von dem zukünftigen Mitarbeiter. Doch hoffentlich haben Sie nicht gerade ein Video auf Youtube laufen, das zeigt, wie Sie eine ausrangierte Toilette explodieren lassen oder auf einer Party betrunken vom Tisch fallen. Bitte nehmen Sie das mindestens so lange raus, bis Sie den Job haben und die Probezeit überstanden ist. Videos sind sinnvoll in allen Bereichen, in denen es um Berufe mit Kundenkontakt, Außenwirkung oder Kreativität geht. Am besten ist es, wenn Sie es als Zusatz zu Ihren klassischen Unterlagen mit Foto und Lebenslauf liefern. Darauf müssen Sie bei einem Bewerbungsvideo achten Das Video sollte nicht länger als zwei Minuten sein. Sprechen Sie frei, langsam und deutlich. Lächeln Sie freundlich. Tragen Sie Kleidung, die dem gewünschten Job angemessen ist. Achten Sie auf einen klaren Hintergrund und gutes Licht. Stehen Sie während der Aufnahme, blicken Sie in die Kamera und erzählen Sie über sich. Oder lassen Sie sich von jemandem, der nicht zu sehen ist, interviewen. Wichtig ist dabei immer eine offene Körperhaltung, eine freundliche Ausstrahlung, ruhige Gesten und akzentuierte Mimik. Wenn Sie etwas aufzählen wollen, dann betonen Sie es nicht mit einem Kopfwackeln wie ein Wackeldackel. Wollen Sie etwas betonen, reißen Sie nicht die Augen auf, das kann den Betrachter vor Schreck vom Stuhl kippen lassen. Bedenken Sie, dass Sie sich in einer Großeinstellung präsentieren, von der manche Schauspieler nur träumen. Da wirkt jede mimische Bewegung größer und intensiver, als wenn Sie real vor der Person stehen. Wenn Sie eine Bitte vorbringen, dann sehen Sie dabei nicht auf den Boden, der kann Ihnen diese nicht erfüllen. Seien Sie Sie selbst Das Wichtigste ist bei jeder Präsentation: Seien Sie Sie selbst. Ein guter Personalchef hat ein Gespür für Menschen und kann ganz gut unterscheiden, ob Sie ihm etwas vorspielen oder ob Sie ehrlich und interessiert sind. Ich selbst musste einst aus zwanzig Bewerberinnen für den Job der Kinderfrau für meine damals kleinen Kinder auswählen, weil ich in eine Serie eingestiegen war und meine Süßen in fremde Hände geben musste. Ich nahm nicht die, die ihre Zigarette vor meiner Haustür im Blumentopf ausdrückte, und auch nicht die, die meine Kinder mit nach Hause nehmen wollte, dann könne sie sich um ihre Hausarbeit kümmern. Ich entschied mich für eine patente Person, die einen liebevollen, freundlichen und kompetenten Eindruck machte und eine realistische Vorstellung davon hatte, was ich erwartete. Die Präsentation: Vor anderen sprechen Es gibt Menschen, die gerne vor anderen sprechen. Die haben keine Probleme, eine Rede aus dem Stegreif zu halten. Und dann gibt es andere, die sich schon bei dem Gedanken daran fast in die Hose machen. Ich war einer der letzteren. Jede Lesung, jeder Auftritt ist aufregend und ich wäre kurz davor immer am liebsten weggelaufen. Aber tatsächlich kann man das trainieren. Beckenbodengymnastik und so oft wie möglich vor Leuten reden. Die Redeangst rührt von einer tief verwurzelten Angst her, von der Gruppe nicht angenommen zu werden. Ein ausgestoßenes Gruppenmitglied hatte früher schlechte Überlebenschancen. Sobald man öfter die Erfahrung gemacht hat, dass man lebend dabei herauskommt, verringert sich die Angst. Vor wem spreche ich? Informieren Sie sich, wie sich das Publikum zusammensetzt, das Sie erwartet. Worauf es Wert legen könnte und was es sich erhofft. Ich hatte einmal eine Lesung aus einem meiner satirischen Erziehungsbücher vorbereitet. In den gewählten Kapiteln ging es unter anderem um die schonungslose Wahrheit über Windelabfälle, Popelspielzeug und Schimpfwörter sowie um eine Geschichte, in der meine damals Zweijährige im Sommer ihrem Spielgefährten eine Wäscheklammer am Penis befestigen wollte. Als ich den Raum betrat, fand ich mich plötzlich dreißig Nonnen gegenüber. Ich entschuldigte mich für fünf Minuten, rannte auf die Toilette, warf meine gesamte Lesung um und ließ nur den Nasensekretabschnitt drin. Am Ende kamen einige Novizinnen zu mir und kicherten: „Das war sehr amüsant … vor allem das mit dem Popel.“ Keine Barriere Achten Sie darauf, dass keine Barriere zwischen Ihnen und dem Publikum steht. Seien Sie gut sichtbar, verstecken Sie sich nicht hinter dem Rednerpult, treten Sie ruhig mal daneben. Sie dürfen sich notfalls auch daran festhalten. Aber wenn Sie schon mal den Mut haben, neben das Pult zu treten, werden Sie sich auch nicht mehr daran festhalten wollen. Falls Sie ein Modell oder Projekt präsentieren, positionieren Sie sich seitlich davon anstatt dahinter. Sorgen Sie für sicheren Stand. Frauen sollten eigentlich keine neuen High Heels tragen, die noch hier und da drücken, das zieht die Konzentration auf die Schmerzen. Wenn diese Schuhe allerdings sensationell sind und Ihr Rock kurz genug, ziehen Sie sie an. Gönnen Sie den Männern was. Kontaktaufnahme Zuhörer, die mit verschränkten Armen sitzen, können Informationen schwerer aufnehmen als die mit offener Körperhaltung. Es ist natürlich schwierig, das „aufzubrechen“, zumal die erste Reihe fast immer mit verschränkten Armen dasitzt, um eine gemütliche Barriere zwischen sich und Ihnen zu bauen. Nehmen Sie das nicht persönlich, es hat nichts mit Ihnen zu tun. Sie können versuchen, diese Körperhaltung zu lösen, indem Sie eine Frage stellen, bei der das Publikum aufzeigen kann – je nachdem, wie Ihre Einleitung gestaltet ist und welches Thema Sie haben. Ich frage bei meinen Elternbüchern zum Beispiel gerne mal in die Runde, wer verheiratet ist, wer mehr als ein Kind hat, wer tatsächlich einen Kitaplatz hat oder wer das mit den Stromhalsbändern schon mal ausprobiert hat. So stelle ich den Kontakt zum Publikum her. Sie können jede Frage stellen, die Sie interessiert. Wer mit dem Auto angereist ist, wer mit dem Partner da ist oder wer ein Smartphone besitzt. Ungünstiger sind Fragen wie „Wer wiegt über 90 Kilo?“, „Wer ist über fünfzig?“ oder „Wer hatte schon seit mehr als zwei Monaten keinen Sex?“ Blickkontakt zu einzelnen Zuhörern Haben Sie zu den Zuhörern Blickkontakt, vermittelt Ihnen dies ein positives Gefühl. Doch je größer der Raum und je mehr Publikum, desto schwieriger wird es. Kennen Sie das, dass der Star, den Sie anhimmeln, genau Sie von der Bühne aus angesehen zu haben scheint? Ist das nicht toll? Und nun nehme ich eine spitze Nadel und bringe Ihre Teenytraumblase zu Platzen: Auf einer Bühne ist man oft von den Scheinwerfern so geblendet, dass man rein gar nichts sieht. Und dennoch wissen die Stars, was sie tun müssen. In den Bereich blicken, wo sie das Publikum vermuten, irgendwer wird sich schon angeschaut fühlen. Eine Freundin hat mal eine meiner Lesungen besucht. Ich fragte sie danach: „Wo warst du denn?“ Sie: „Hä, du hast mich doch die ganz Zeit angeguckt und mir zugelächelt!“ Da es sich bei den meisten Auftritten vor Publikum um Präsentationen im kleinen Rahmen handelt, bei denen Scheinwerfer eingespart werden können, können Sie reale Blickkontakte mit Zuhörern aufbauen. Dazu ein Tipp: Wenn Sie unsicher sind und ein bisschen Unterstützung brauchen, suchen Sie sich eine Person aus, die einen freundlichen, positiv gestimmten Eindruck macht. Der Kontakt zu Einzelpersonen, die Ihnen wohlgesonnen sind, kann durchaus über die erste Nervosität hinweghelfen. Das Revier markieren Um sich in einer unbekannten Umgebung schneller wohlzufühlen, hat jeder seine eigene Verhaltensweise entwickelt. Ich persönlich nehme stilistische Veränderungen vor. Wenn ich ein Hotelzimmer beziehe, sei es im Urlaub oder beruflich, dann verteilt sich der Inhalt meines Koffers automatisch weiträumig im Zimmer. Es ist nicht zu verhindern. Nicht nur, dass die Zahnbürste sofort im Glas im Badezimmer landet und der Schlafanzug gut sichtbar auf dem Kopfkissen, noch bevor die Tür hinter mir ins Schloss gefallen ist. Auch Unterlagen, Hosen und Pullis verstreuen sich wie von Geisterhand dekorativ auf Schreibtisch, Stuhl und Bett. Das muss so sein, damit ich mich wohlfühle. Bei einem Vortrag verrücke ich Tisch und Stuhl noch einmal, nur fürs Gefühl, und ich lege meine Utensilien so hin, dass ich alles griffbereit habe. Das Wasserglas wird auf dem Tisch oder Pult ein wenig verschoben, der Stift danebengelegt und das Vortragsmaterial lege ich so hin, wie ich es gewohnt bin. Ich könnte auch einfach überall hinpinkeln, aber so geht es ebenfalls. Die ersten Worte Ihre Stimme wird bei den ersten Worten womöglich kratzig und piepsig klingen, das kommt von der Aufregung und ist ganz normal. Dann ist es halt so. Die Zunge klebt am Gaumen. Man ärgert sich, dass man zu viel Kaffee getrunken hat, zu wenig Wasser, und die Bohnen zu dem Steak waren so was von unnötig. Um meine regelmäßige Anfangsnervosität zu unterdrücken, versuche ich die ersten Worte immer besonders laut, gut artikuliert und langsam zu sprechen. Abzüglich der Aufregung habe ich dann ein ganz gutes Mittelmaß für den Anfang. Händchenhalten Halten Sie die Hände bei der Präsentation entspannt auf Bauchhöhe. Von da aus können Sie wunderbar gestikulieren und zeigen. Es gibt Experten, die raten, die Hände in einer bestimmten Art ineinanderzulegen. Ich habe das ausprobiert und für überflüssig empfunden, denn die Hände öffnen sich sowieso bei der Begrüßungsgeste. Halten Sie die Hände entspannt auf Bauchhöhe, das macht einen guten Eindruck. Nutzen Sie den Raum für sich Sie dürfen sich gerne bewegen, wenn Sie wollen. Das wirkt dynamisch und aktiv. Außerdem erregt das, was sich bewegt, unsere Aufmerksamkeit. Also schreiten Sie, gehen Sie, bewegen Sie sich. Der Platz, den man Ihnen für die Rede oder Präsentation zur Verfügung stellt, ist Ihrer. Je größer der Raum und je größer der Abstand zu den Zuhörern, desto größer sollten die Bewegungen und die Lautstärke sein (falls kein Mikrofon vorhanden ist). Es wäre schade, wenn die hinterste Reihe, in der ein Talentsucher sitzt, gerade nichts von Ihrer grandiosen Performance mitbekommt. Gute Redner können ihren Vortrag durch Spannung und innere Begeisterung über weite Distanzen übertragen, ohne wild zu fuchteln. Begeistern Sie sich Begeistern Sie sich für das, was Sie erzählen. Die Begeisterung wird sich auf den Zuschauer übertragen. Manchmal spürt man förmlich, wie der Funke überspringt. Sie müssen sehr genau wissen, wovon Sie sprechen und ein paar Anekdoten in der Hinterhand haben. Nur für alle Fälle. Im Eifer des Gefechts kann es durchaus mal passieren, dass man zu sehr ins Detail geht und darüber den Faden verliert. Lernen Sie nicht nur Text auswendig, sondern seien Sie selbst mitten im Thema. Dann finden Sie den Faden schnell wieder. Glauben Sie an das, was Sie erzählen. Wenn Sie überzeugt sind, sind es Ihre Zuhörer auch. Was macht einen guten Seminarleiter aus? Er brennt für das, was er sagt! Wodurch unterscheidet sich ein guter von einem schlechten Schauspieler? Der gute weiß, was er sagt, und der schlechte sagt die Worte, die er gelernt hat. Warum finden wir Teleshoppingmoderatoren so nervig? Weil sie uns mit Begeisterung vermitteln, tatsächlich an das zu glauben, was sie präsentieren. „Zumba“ hilft demnach auch ohne Bewegung, und eine einzige Creme kann den Chirurgen ersetzen. Zuschauer spüren diese Begeisterung. Auch die Zuhörer Ihrer Präsentation. Falls es ein Argument gibt, hinter dem Sie nicht hundertprozentig stehen, lassen Sie es im Zweifelsfall lieber weg und bauen ein anderes stärker aus. LAMPENFIEBER GEHÖRT DAZU Lampenfieber. Das ist dieses Gefühl, das uns suggeriert, wir müssten unbedingt noch unsere Blase entleeren. Und das vier Mal in zwanzig Minuten. Dieses Gefühl, das uns in letzter Minute zweifeln lässt, ob wir nicht doch die blaue Bluse anstatt der rosafarbenen anziehen hätten sollen. Dieses fiese Gefühl, das uns eine Minute vor dem Öffnen des Vorhangs droht, die Lichter im Gehirn auszuschalten. Wir kennen es alle. Aus der Schule. Sie lesen dieses Buch, also kann ich davon ausgehen, dass Sie eine Schule besucht haben und weiterhin, dass Sie Referate halten mussten. Vor der ganzen Klasse. Mancher kommt gut damit klar, mancher würde am liebsten unsichtbar werden. Und da bestand das Publikum aus bekannten Gesichtern. Bei einer Präsentation vor Fremden möchte so manch einer gerne eine Windel tragen, die die verlorenen Angsttröpfchen auffängt. Ich kann Sie beruhigen: Es geht allen so. Wir wissen nämlich, dass der, der sich in einem Horrorfilm als erstes von der Gruppe trennt, aufgeschlitzt wird. Gut, nach mehreren Vorträgen vor Publikum war ich mir fast sicher, dass ich nicht eines plötzlichen, grausamen Todes sterben würde, aber den Gedanken des Löwenkäfigs, den man betritt, bin ich trotzdem noch nicht los. Was, wenn die meinen Vortrag nicht mögen? Was, wenn die mich nicht mögen? Was, wenn ich stottere und die über mich denken, ich sei die letzte Knallcharge? Was, wenn die alle meine Schweißflecken sehen? Oh Gott, jetzt schwitze ich noch mehr! Was, wenn meine Zunge am Gaumen festklebt und ich kein Wort herausbringe? Es gibt ein paar Möglichkeiten, das Lampenfieber einzudämmen, wie beispielsweise der alte, aber wirksame Trick, sich das Publikum in Unterhosen vorzustellen. Das funktioniert wirklich, und warum Sie plötzlich grinsen, wissen nur Sie allein. Ein ganz praktischer Tipp ist, die ersten paar Sätze Ihrer Rede auswendig zu lernen. Egal, ob Sie sie nun herunterleiern oder nicht, wenigstens sagen Sie etwas, und das hat sogar mit dem Thema zu tun. Ganz loswerden können Sie das Lampenfieber wahrscheinlich nicht. Es ist in gewissem Maße sogar notwendig für den Vortrag. Die Konzentration wird dadurch geschärft, die Sinne sind dann besonders wach, wie kurz vor einem Kampf mit einem Raubtier. Ehrlich gesagt, könnte ich darauf verzichten, diese Art der „wachen Sinne“ zu haben. Zu behaupten, es wäre notwendig, resultiert nur daraus, dass man nichts dagegen tun kann. Man kann sie sich schön reden, die Angst vor dem Versagen, ja. Man kann es aber auch bleiben lassen und versuchen, damit umzugehen. Nehmen Sie sich selbst auf den Arm Zum Thema Humor bei Präsentationen äußere ich mich höchst vorsichtig. Wie furchtbar grauenvoll ist es, wenn Sie einen „Rohrkrepierer“ landen. Vierhundert Leute im Saal und keiner lacht, was kann es Schlimmeres geben? Und plötzlich lachen die gleichen vierhundert an einer Stelle, an der es gar nicht geplant war. Humor ist nur bedingt berechenbar, denn das Publikum ist überall anders. Dennoch, versuchen Sie ein wenig Humor einzubringen. Nehmen Sie sich selbst auf den Arm, wenn Sie besonders dick, dünn, klein oder groß sind. Machen Sie einen Vortrag unterhaltsam, indem Sie mit Ihren Schwächen kokettieren. Joey Kelly von der Kelly-Family hat bei einem Vortrag über seine Südpol-Expedition einmal gesagt: „Vier Wochen in einem Zelt mit vier Personen, ohne Duschen, das ist selbst für einen Kelly schwer zu ertragen.“ Persönliche Tipps: Jeder hat seins, ich hab meins Ich bereite mich vor, indem ich keinen Knoblauch esse, weil der meinen Blutdruck derart senkt, dass mein Kopf trotz großer Anspannung wie bei einem Narkoleptiker auf das Lesepult fallen würde. Ich lese am Abend vorher laut und überbetont deutlich, damit meine Mundmuskulatur sensibilisiert ist. Dazu finden Sie zahlreiche Sprechübungen im Internet, zum Beispiel „Abraham saß nah am Abhang.“ Ich versuche den Veranstaltungsort vorher zu sehen, damit ich im Geiste den Vortrag auf der Bühne durchgehen und den Raum mit all meinen Sinnen erschnuppern kann. Ich glaube, das ist eine Art steinzeitlicher Test, ob die Höhle säbelzahntigerfrei ist. Ich versuche alle Eventualitäten durchzuspielen. Auf Fragen, die kommen könnten, versuche ich eine Antwort vorzubereiten. Für mögliche Einwände bereite ich Argumente vor. Ich suche mir ein paar Gesichter im Publikum heraus, die sympathisch auf mich wirken. Ich trinke nicht zu viel Kaffee, damit ich nicht schwitze und nicht noch nervöser werde. Ich trinke vor dem Vortrag keine kohlensäurehaltigen Getränke. Die ganz natürliche körperliche Reaktion ist mir einmal während einer großen Lesung vor einem Mikrofon passiert. Nie wieder! Sie sind müde? Abgespannt? Es wartet aber eine wichtige Präsentation oder ein Termin auf Sie? Diesen Trick hat mir ein Physiotherapeut gezeigt, der mich während langer Dreharbeiten fit gemacht hat: Mit Daumen und Zeigefinger wird die Muskulatur im Nacken neben der Wirbelsäule in kreisenden Bewegungen massiert. Das hilft sensationell gegen Müdigkeit. Bei Kopfschmerzen drücke ich für ein paar Sekunden den Akkupressurpunkt in der Mitte der Augenbrauen. Das hilft gegen Müdigkeit und Anspannung: Kneifen Sie das ganze Gesicht zusammen und strecken es danach wieder. Anspannung und Entspannung löst Blockaden. Es heißt zwar, dass man sich vor einem Vortrag entspannen soll, aber ich fahre manchmal besser damit, wenn ich „kurz vor knapp“ ankomme. Die elende Warterei würde mich zermürben. Vorbereitet bin ich ja sowieso und retten kann ich in den paar Minuten vorher auch nichts mehr. Außerdem bin ich dann schon in einem gewissen „Wach und Mach“-Modus. Ein Schauspieler, der nur einen Satz hat, den ganzen Tag am Set wartet und dann endlich dran ist, brilliert oft mit einem Texthänger oder mit Unkonzentriertheit. Warum? Weil er all seine Energie auf diesen einen Moment fokussiert hat und diese ihn dann unlocker macht und aus ihm herausplatzen will. Wir nennen das einen „Oneliner-Effekt“. Was für Sie das Beste ist, können nur Sie selbst herausfinden. Zum Thema Angstschweiß (man muss das Kind ja mal beim Namen nennen): Wenn ich die Kleidung wählen kann und weiß, dass ich nervös sein werde, dann trage ich weite und keine weiße Kleidung. Vielleicht ein Jackett, wenn es sich anbietet, da braucht die Transpiration einige Zeit, um durch alle Stoffschichten zu wandern. Aber um sicher zu gehen, benutze ich ein Mittel aus der Apotheke, das lokal angewendet wird und die Schweißbildung reduziert. Für Extremschwitzer gibt es die Sensationswaffe Botox unter den Achseln. Hält bis zu einem Jahr und ein Kleiderwechsel ist nicht mehr nötig. Bei großen Events trage ich am liebsten Abendkleider, weil die meist schulterfrei sind und der Wind meine Angst vor dem Stolpern in den hohen Schuhen einfach wegtrocknet. Vielleicht sollte ich die mal bei Vorträgen tragen … Das Privatleben: „Den angle ich mir“ Sollten Sie neben Ihrem Job ein Privatleben haben: Herzlichen Glückwunsch! Nun müssen Sie nur noch entscheiden, wie Sie es verbringen wollen. Zu Hause eingeigelt und als einzigen realen, menschlichen Kontakt zur Außenwelt der Bofrost-Mann? Oder gehen Sie raus und treffen Leute, nehmen am sozialen Leben teil? Bei letzterem freue ich mich, Sie in der geheimen Welt der nonverbalen, zwischenmenschlichen Kommunikation begrüßen zu dürfen, jenseits von Businesskostüm, Aktenordner und Büroöffnungszeiten. Aber auch wenn Sie ein Stubenhocker sind, müssen Sie manchmal raus. Es gibt gesellschaftliche Zwänge, die einen dazu nötigen, den Fuß vor die Tür zu setzen. Eine Familienfeier, die Einladung eines Freundes oder das unausweichliche Treffen mit der Internetbekanntschaft. Also rein ins Vergnügen. Nicht jeder tanzt gleich auf dem Tisch Eine Party ist eine gesellige Gelegenheit, um nette Leute kennenzulernen oder sich mit Freunden auszutauschen. Gast einer Party zu sein, auf der man kaum jemanden kennt, ist in Zeiten der Smartphones überhaupt kein Problem mehr. Man tippt einfach in der ersten Stunde nur darauf herum, bis man sich akklimatisiert und die Lage sondiert hat. Erstaunlicherweise werden nämlich Menschen, die mit ihrem Handy spielen, nicht gestört. Eher noch unterbricht man die Konzentration eines Menschen, der liest. Sie würden doch eher jemanden fragen, was er da Spannendes liest, als jemanden zu fragen: „Wem schreibst du da?“ Das kann man so lange machen, wie man keine Lust hat, sich zu unterhalten. Eine weitere Möglichkeit, den ganzen Abend seine Ruhe zu haben und niemanden kennenzulernen, ist die falsche Kleidung und Körperhaltung. Unter falscher Kleidung verstehe ich, dass sie potenzielle Aggressivität des Trägers impliziert oder stinkt. Ansonsten gibt es auf jeder Party Freaks, die sich zu ihresgleichen gesellen. Nerds, die sich unter sich wohl fühlen und gackernde New Yorker Hühner, die sich an ihren Taschen festhalten. Die Körperhaltung signalisiert schon beim Betreten des Raumes, ob die Person kommunikationsbereit ist oder lieber erst einmal abwarten möchte. Kleine Schritte, unsicherer Blick und nach vorne genommene Schultern: Sie suchen sich meist einen Ort im Raum, von dem aus sie die Lage sondieren können. Tun Sie, wonach immer Ihnen ist. Eine Party ist eine Party. Irgendjemand wird sich Ihrer irgendwann annehmen. Wenn nicht, komme ich vorbei und kümmere mich um Sie. Ich war auf einer Party. Single. Mehrere Pärchen und ein einsamer Mann. Alleine wie ich. Die Weibchen waren hinreißend zu ihren Gatten. Ob sie das immer waren oder um ihr Territorium abzugrenzen, vermag ich nicht zu beurteilen. Der einsame Mann und ich strahlten um die Wette. Ich war so damit beschäftigt, gut auszusehen, mir die Haare aus dem Gesicht zu streichen, meine Augen funkeln zu lassen, meinen Kopf zu neigen, mir über die Lippen zu lecken und an meinem Bierglas zu streicheln, dass ich gar nicht darauf achten konnte, bewusste Flirtsignale zu senden. Wenn ich gerade nicht hinsah, spürte ich seine Blicke auf mir. Ich entschied für mich, dass dies ein eindeutiges Zeichen des Interesses war. Also los. Ich holte ein Bier für ihn mit und achtete dabei darauf, seine Finger bei der Übergabe leicht zu berühren. Er zuckte nicht, sendete mir keine bestätigenden Signale, sondern nahm das Bier an und einen großen Schluck. Es folgten noch viele große. Und wenig später lag er betrunken in der Ecke und sendete gar nichts mehr. Schade eigentlich. Falls ein Partygast „verschlossene“ Signale sendet, gestehen Sie ihm zu, dass er eine Anwärmphase braucht. Einen interessanten Abend verbrachte ich mit einer Dame, die ich anfangs in die Kategorie schreckhaftes Mauerblümchen gesteckt hatte. Nachdem sich zu Beginn des Abends alle zur Begrüßung brav die Hand gegeben hatten, standen die zehn Gäste verkrampft und wie aufgefädelt im Kreis, hielten sich beharrlich an ihrem Glas fest und versuchten sich in staubiger Konversation über die Deckenhöhe und den Wein. Eine Dame fiel mir besonders auf, weil sie alles unternahm, um möglichst unsichtbar zu wirken. Sie trug ein unauffälliges, knielanges Kleid, halbhohe Schuhe und einen locker gebundenen Zopf. Ihren Arm hatte sie quer über ihren Bauch gelegt und die Hand unter dem angewinkelten Arm, der das Weinglas hielt, eingeklemmt. Die Beine hatte sie überkreuzt und sie stand verkrampft lächelnd auf ihrem Platz in der Fädelkette. Als wir uns setzten, wurde ich am Tisch neben ihr platziert. Das versprach ja ein unterhaltsamer Abend zu werden. Mir fiel nicht Besseres ein, als sie in ihrer Unsicherheit aufzufangen, indem ich ihr beim dritten Anstoßen unserer Weingläser gestand, dass ich mich in der Anfangssituation ziemlich unwohl gefühlt hatte. Ich spürte förmlich, wie die Anspannung von ihr abfiel. Sie fühlte sich plötzlich nicht mehr allein und ich stellte mit Freude fest, dass sie eine witzige, intelligente und sehr gebildete Frau war. An etwas festhalten Es gibt drei Gründe, warum auf Partys Getränke ausgeschenkt werden. Erstens ist das ein nützlicher, gastfreundschaftlicher Brauch. Es war schon immer lebenserhaltend, wenn man erst einmal etwas zu trinken bekam, nachdem man die Wüste durchquert oder eine beschwerliche Reise hinter sich hatte. Das ist es heute auch noch. Schließlich ist so eine Autofahrt richtig anstrengend und sollte mit einem leckeren Mixgetränk oder Hopfenendprodukt honoriert werden. Zweitens sollen sich die Gäste lieber am Glas festhalten als an der Ming-Vase, und drittens ist es so kostengünstiger, die Stimmung zu heben, als bunte Pillen zu verteilen. Auch Handtaschen eigenen sich sehr gut, um sich daran festzuhalten. Mittlerweile dürfen ja sogar Männer auf Handtaschen als modisches Accessoire zurückgreifen. Ich finde das ungeschickt, denn so verliere ich die Macht über den Autoschlüssel. Wer ist wer, wie und warum? Gönnen Sie sich mal den Spaß und beobachten Sie auf einer Party die Gäste auf deren Körpersprache hin. Versuchen Sie herauszufinden, wie sie zueinander stehen oder welcher Typ Mensch sie sein könnten. Ein paar Beispiele: Ein junger Mann unterhielt sich mit abgedrehtem Oberkörper mit einer etwas kleineren jungen Dame. Nun mag man interpretieren, dass er kein Interesse an ihr hatte. Wenn man aber genauer hinsah, bemerkte man, dass er viel größer war als sie. Es war einfach die elegantere Lösung, sich seitlich zu ihr hinunter zu beugen als seine Nase zwischen ihre Augen zu drücken. Ein Mann trat an den Getränkestand heran. Langsam. Etwas schüchtern. Er hatte die Hände vor seinem Körper ineinander verschränkt und hielt sich an sich selbst fest. Seine Haltung war gebückt, hängende Schultern. Und – wenig erstaunlich – bestellte er mit fisteliger, leiser Stimme: „Einen Kinderpunsch bitte.“ Einen anderen Mann sah ich, wie er allem Anschein nach ein gutes Gespräch mit einem anderen Gast führte. Er gab sich seinem Gesprächspartner gegenüber recht cool und gelassen, aber ich sah, wie die Finger seiner Hand ununterbrochen an dem Bund seiner Jacke spielten. Als ich mich anpirschte, um Worte aufzuschnappen, hörte ich: „Na, da hätten Sie das Bauamt aber mal fragen müssen.“ Der Flirt Das ist doch das, was wir wollen, wenn wir es nicht schon haben: einen Partner. Wie aber stelle ich es an, nicht immer der letzte zu sein, der für die Volleyballmannschaft gewählt wird? Warum muss ich in der Bar immer die sein, die alleine nach Hause geht, während alle anderen schon gar keine SMS mehr schicken, weil man beim Kuscheln nun mal das Handy nicht in der Hand hat? Der Sex ist das, was Mann und Frau zusammenzieht. Frauen müssen nicht unbedingt Sex haben und können sich bei der Partnerwahl auf andere Dinge konzentrieren. Männer sind fixiert darauf. Das ist eine interessante und gut durchdachte Einrichtung der Natur. Wenn nämlich die Männer ebenfalls so wählerisch wären wie die Frauen und nicht von rudimentären Bedürfnissen gegeißelt, indem sie versuchten so viel Samen wie möglich unter die Menschheit zu bringen, dann würden Mann und Frau viel schwerer zueinander finden. Sex – schon das Bedürfnis danach – wirkt wie ein Bindeglied zwischen den Menschen. Männer wollen Frauen mit Humor. Also lachen Sie, meine Damen. Geben Sie ihm das Gefühl, dass er Sie zum Lachen bringt, dann denkt er, dass Sie Humor haben. Und liebe Männer, erzählen Sie keine zotigen Witze. Seien Sie ritterlich und geben Sie der Dame das Gefühl, dass sie die Einzige für Sie ist. Wir Frauen glauben das dann auch. Versprochen. Auf der Partnerpirsch kann es sehr nützlich sein, ein paar Dinge über Körpersprache zu wissen. Wie wirke ich ablehnend, wie anziehend? Gibt es Signale, aufgrund derer ich fluchtartig das Lokal verlassen sollte? Damit meine ich nicht schlechtes Benehmen, Schmatzen und unkontrollierte Flatulenz. Nein, ich meine ein wenig subtilere Anzeichen von Ablehnung. Gibt es Signale, die Lust auf mehr machen, die mich in Sicherheit wiegen und mir ein gutes und entspanntes Gefühl geben? Ich will Sie nicht auf einzelne Signale trimmen, denn letztlich entscheidet immer noch die Wellenlänge, die Sie spüren, und nicht, was Sie kognitiv und rein wissenschaftlich aus dem anderen zu „lesen“ glauben. Sympathie oder Antipathie entsteht beim ersten Treffen sowieso aus vielen verschiedenen Faktoren wie Geruch, Stimme, Körpersprache und Beuteschema. Einen Menschen beim ersten Kontakt zu beurteilen ist sehr schwierig. Kann dieser seine Körpersprache gut kontrollieren, könnte er versuchen den anderen zu manipulieren. Es ist also gut, ein paar Dinge zu wissen. Aber lassen Sie auch Ihrer Intuition ein wenig Raum. Beides zusammen wird Sie zum richtigen Ziel führen. Schüchtern zu sein ist okay Gehören Sie zu den Menschen, die gerne anderen Platz machen? Fühlen Sie sich in einer großen Menge beobachtet? Haben Sie Angst zu versagen? Wenn nicht, dann hüpfen Sie bitte extrovertiert weiter im Text. Wenn ja, dann wird Sie das Folgende interessieren. Damit wir es gleich geklärt haben: Schüchtern zu sein, ist völlig ok! Ob Schüchternheit ein Wesenszug ist, der auf dem DNA-Strang beheimatet ist, oder ob uns missmutige Lehrer, schlecht gelaunte Taxifahrer, grummelige Verkäufer oder ein Rentner, der das Keifen als seine Lebensaufgabe entdeckt hat, traumatisiert haben, ist eigentlich nicht wichtig. Wichtig ist, wie wir damit umgehen. Wissen Sie, was ich meinen Kindern auf die Frage, warum dieser oder jener so böse ist, erklärt habe? Ich erzählte die Geschichte eines Mannes, der eine Kassiererin an der Kasse wegen einer Kleinigkeit angegangen hatte. Die arme Kassiererin. Was aber war der Grund für sein Verhalten? Der wahre Grund war, dass der Mann lediglich unter einer äußerst unangenehmen Verstopfung litt, seine schlechte Laune aber an der Kassiererin ausgelassen hatte. Ich erklärte meinen Kindern, dass Leute, die übellaunig reagieren, meist ein ganz anderes Problem haben als das offensichtliche. Ich nenne es eine „mentale Verstopfung“. Wenn Sie sich nun dessen bewusst sind, dass das, was Sie persönlich zu treffen scheint, gar nichts mit Ihnen zu tun hat, dann können Sie auch leichter mit unangenehmen Begegnungen umgehen, die Sie im Normalfall einschüchtern würden. War das verständlich? Was hat dies nun mit Schüchternheit zu tun? Sobald Sie erkannt haben, dass die Menschen um Sie herum viel mehr mit sich selbst und ihrer trägen Darmtätigkeit zu tun haben, werden Sie sich entspannen. Unsere Aufmerksamkeit liegt weit mehr bei uns selbst als bei anderen! Der Blick auf der Party, der Sie verunsichert, stammt doch nur von einem Gast, der gerade überlegt, ob er noch den Avocadodip probieren soll, und die Dame hinter Ihnen, von der Sie annehmen, dass sie Sie verfolgt, will nur zu den Toiletten. Jeder Mensch ist viel stärker auf sich selbst konzentriert und mit sich beschäftigt, als wir verschüchterten Angsthasen es uns gerne einreden wollen. Möchten Sie etwas gegen Ihre Schüchternheit tun? Sie müssen nicht. Wenn Sie sich wohler fühlen, weil Sie etwas vorsichtiger und zurückhaltender im Umgang mit anderen Menschen sind, ist das völlig in Ordnung und bedarf gewöhnlich keiner Psychotherapie. In einer Flirtsituation ist Ihr Gegenüber meist ebenso nervös wie Sie, vergessen Sie das nie! Er kann es vielleicht nur besser überspielen. Und wenn er nicht nervös ist, dann sollte Sie das auch nicht stören. Sie können immer noch gehen. MACHEN SIE SICH GROSS Ein schüchterner Mensch versucht sich klein zu machen, unsichtbar, schützt sich mit allem, was er hat. Wenn Sie gegen dieses Gefühl angehen wollen, dann gönnen Sie sich eine Minute, um sich groß zu machen. Nehmen Sie Raum ein. Strecken Sie die Arme über Ihren Kopf und atmen Sie ein. Halten Sie diese Position einen kurzen Moment. Es gibt keine Garantie, dass Sie danach die Weltherrschaft an sich reißen können, aber Sie werden sich bestimmt ein klein wenig größer fühlen. Signale beim Flirten Mag er mich? Findet sie mich nett? Wie erkenne ich, ob ich gut ankomme, vielleicht sogar mit Lust auf mehr, oder ob das Treffen nur dem Tagesordnungspunkt „Wieder was gelernt“ zuzuordnen ist? Nun ja, es gibt ein paar körpersprachliche Details, auf die Sie achten können. Eine Garantie für lebenslanges Liebesglück ist das leider noch nicht. Aber heutzutage ist ja nicht einmal ein Ring am Finger eine Garantie. Den Kopf zur Seite neigen Wenn Frauen den Kopf zur Seite neigen und so ihren Hals präsentieren, präsentieren sie eine verletzliche Körperstelle. Sie zeigen sich verwundbar und harmlos: „Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts.“ In Kombination mit einem wundervollen Lächeln, das ausschließlich dem männlichen Objekt der Begierde gewidmet ist, kann es auch bedeuten: „Nimm mich! Hier und jetzt!“ Aber bitte Vorsicht. Andere Frauen sehen bzw. spüren Ihr Interesse am „Objekt“. So geschehen vor einiger Zeit auf einer Party, als ich bei einem netten Gespräch mit einem netten Herrn eindeutige Signale sendete. Ich versprühte Charme, wendete ihm meine ganze Aufmerksamkeit zu und spielte kichernd an meinem Weinglasstiel. Nach einigen Minuten näherte sich uns lächelnd eine Dame. Aber irgendetwas stimmte nicht an ihrem Lächeln. Mein Gesprächspartner ergriff das Wort: „Darf ich vorstellen: meine Frau.“ Ich änderte blitzschnell meine Taktik, zeigte mich ihr gegenüber so harmlos ich nur konnte, machte mich klein, gab mich verletzlich. Aber da war der Zug schon abgefahren. Die Dame ließ durch ihre Körpersignale deutlich erkennen, dass sie von meinem Verhalten „not amused“ war. Einfache Signale, die leicht zu deuten sind: Ein Pfennigabsatz beim Verabschieden zufällig zwischen meine Zehen gedrückt und dazu ein Lächeln, dass jeder Ehrlichkeit entbehrte. Frauen, die ihren Kopf zur Seite neigen, zeigen sich verwundbar und harmlos. An den Haaren herumspielen Wenn Frauen sich durch die Haare fahren oder daran herumspielen, soll das angeblich ein untrügliches Zeichen für Paarungsbereitschaft sein. Ich warne aber davor, sich darauf zu verlassen. Sitzt eine Frau draußen, können vom Winde verwehte Strähnen tatsächlich nerven, wenn sie mit der Bruschetta oder dem Capucchino in den Mund finden. Bei Windstille kann es aber dann tatsächlich daran liegen, dass sich die Flirtpartnerin gerne durch die Haare fährt, um sicherzustellen, gut auszusehen. Mit einem Glas spielen In einer Bar beobachtet man gerne mal, wie eine Dame am Glas oder an dessen Stiel spielt. Das mache ich auch oft und gerne, und wenn mich ein Herr mal dabei ertappen sollte und glaubt, den großen Larry machen zu können: Manchmal ist mir bei einem Gesprächspartner eben so langweilig, dass ich mich mit Fingerspielen abzulenken versuche und an etwas (jemand) ganz anderes denke. Eine Bekannte von mir erzählte mir von ihrem neuen Job. Dabei lächelte sie entspannt und strich ausdauernd an ihrem Kölschglas auf und ab. Nein, sie arbeitete nicht im horizontalen Gewerbe, sie freute sich nur sehr, dass sie nun mehr Verantwortung hatte. Ja, das spürte man. Als ich mich mit einer netten Bekannten auf einem Event über Körpersignale unterhielt, erzählte ich ihr auf ihre neugierige Nachfrage, welche Flirtsignale sie theoretisch senden könnte, um Interesse zu bekunden. Ich ließ nichts aus von Hals präsentieren bis Glasstiel streicheln. Sie war wirklich eine Bereicherung für den nach anregenden Gesprächen lechzenden Teil meines Gehirns. Plötzlich starrte sie mich an, starrte auf mein Weinglas. Ich folgte ihrem Blick. Da bemerkte ich, dass ich die ganze Zeit den gläsernen Stiel befummelte und liebkoste. Oh. In einen Tiefstatus begeben Frauen sollten sich klein machen, sich in einen Tiefstatus begeben (als Manipulation versteht sich), den Mann anhimmeln, ihm zeigen, dass er der Herr im Haus ist. Gut, so sei es. Denn später, wenn er angebissen hat und sie ihm mit ihren geschlechtsspezifischen körperlichen Vorzügen von sich abhängig gemacht hat, dann wird sich zweifelsfrei zeigen, wer der eigentliche Drahtzieher ist. Sie: „Wir gehen ins Kino.“ Er: „Warum bestimmst du das?“ Sie: „Das Spermium muss zum Ei, nicht umgekehrt.“ Verführerischer Augenaufschlag Einen verführerischen Augenaufschlag können Frauen üben. Ich habe ihn nicht drauf, aber ich übe und übe und übe. Dabei bleiben die Augen einen Moment geschlossen und plötzlich ploppen die Lider mit Schwung auf und zwei wunderschöne Augen funkeln den Mann an. Offene Haltung des Mannes Der Mann möchte beeindrucken. Er plustert sich auf (macht sich größer, verschränkt die Hände hinter dem Kopf, reckt den Brustkorb heraus), sitzt in offener Beinhaltung, neigt ebenfalls seinen Kopf, er spiegelt das Verhalten der Frau. Den Bart putzen Wenn Männer sich durch den Bart fahren, an sich herumnesteln, dann wollen sie angeblich einen guten Eindruck machen. Sich „putzen“. Das können sie ruhig machen, sie sollten aber mehr Konzentration darauf verwenden, so zu essen, dass das „Putzen“ nicht mehr notwendig ist. Keine Frau findet einen Mann attraktiv, der isst wie ein Schwein und dessen Hemd eine Speisekarte in natura darstellt. Flusen zupfen Kurzes Zupfen an Krawatte oder Flusen zupfen: Er will sich schick machen. Tut er dies ständig, dann ist er nervös (weil er Sie mag oder weil seine Frau jeden Moment reinkommen kann). Der Blick des Mannes Sein Blick ist wichtig für die Frau. Schweift er ab, sollte die Frau aufstehen und gehen. Vertane Zeit. Ist er auf Busen und Beine geheftet, sollte die Frau ebenfalls gehen. Oder sie gibt ihm ein Zeichen, dass sie sich genauso körperlich betätigen möchte, und sie gehen zusammen. Der Blick der Frau Ein interessierter Mann hält dem Blick der Frau stand ohne aufdringlich zu sein und zu starren. Seien Sie wachsam, nachdem Sie dieses Buch gelesen haben: Sie werden starren, weil Sie Körpersignale des anderen erkennen und deuten wollen. Macht nichts, das gibt sich wieder. Sie werden Routine entwickeln und ein Gefühl dafür, ob der Gegenüber Interesse hat oder nicht. DAS WIRD NIX Gelangweilt in den Haaren herumnesteln kann auch eine Abwehrhaltung ausdrücken, indem Armaußenseite und Handrücken eine Barriere bilden. Vermeidet jemand den Blickkontakt, sieht sich nie um und ist in sein Handy oder eine Zeitung vertieft, hat er wahrscheinlich wirklich kein Interesse an Kontakt und möchte nur seinen Kaffee trinken. Wendet das Objekt Ihrer Begierde den Körper ab, nützt auch der freundliche Blick nichts. Kein Interesse. Starren Sie nicht, um vielleicht endlich den Blick des anderen zu erhaschen. Wenn Sie in sein Beuteschema passen, dann werden Sie das daran merken, dass er den Blickkontakt sucht Blind gegenüber Signalen der Ablehnung Signale der Ablehnung werden von den testosterongesteuerten Anwärtern oft missdeutet, bzw. gänzlich negiert. Sobald Hormone die Oberhand erlangt haben, gibt es kein Zurück mehr. Da hilft kein Abwenden, kein Ignorieren, kein Armeverschränken. Das funktioniert übrigens nicht nur über den direkten Kontakt, sondern auch über das geschriebene Wort. Eine SMS kann das hormonelle Gleichgewicht eines Mannes derart durcheinander bringen, dass er für Hinweise, er habe da etwas falsch verstanden, nicht mehr empfänglich ist. Es gilt daher, einem Mann gegenüber klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass man kein Interesse (mehr) hat. Gehen oder eine unmissverständliche SMS schreiben. Wobei ganz Hartnäckige sogar ein brüskes „Es ist aus, du Idiot“ als neckische Aufforderung verstehen würden. DAS WIRD WAS Lächeln Den Kopf beim Zuhören leicht schräg halten Offene Körperhaltung Der Blick wird gehalten Spielen am Glas Spiegeln Verdrängen von Konkurrenz (beide Geschlechter) Für Frauen: Unterwäsche, in der sie sich sexy fühlen Erstes Date Beim ersten Date sollten Sie einige Punkte beachten, damit es nicht zur Quälerei wird. Zeitlicher Rahmen Ich setze mir eine zeitliche Grenze und stelle das auch vor dem Date klar, damit er sich ebenfalls darauf einstellen kann. Dies hilft enorm, den Druck herauszunehmen, und eine halbe Stunde oder Stunde kann schon sehr aufschlussreich sein. Planen Sie aber einen Puffer ein: „Ach, ich kann auch den nächsten Bus nehmen“, „Ich schicke meiner Freundin eine SMS, dass ich zehn Minuten bis zwei Tage später komme“, „Ach was, dann sollen die das Fußballspiel eben verschieben“, „Hallo? Er ist fünf Jahre, der kann auch mal zwei Stunden alleine bleiben“. Ort Wählen Sie einen Ort für Ihr erstes Date, an dem Sie sich selbst wohlfühlen. Nein, ich meine nicht das eigene Schlafzimmer! Wählen Sie ein Café, wenn Sie kommunikativ sind, oder ein „Actiondate“, wenn Sie eher der aktive, körperliche Typ sind, der vielleicht nicht so viele Worte findet. Je nachdem, wie viele Informationen Sie bereits schriftlich oder telefonisch ausgetauscht haben, können Sie auch einen Museumsbesuch oder eine kulturelle Veranstaltung in Betracht ziehen. Es sollte auf jeden Fall genügend Raum geben, um zu reden und sich kennenzulernen. Ich selbst bevorzuge die Actionvariante, weil ich nicht gerne so viel rede. Ich verabrede mich zum Radfahren, Joggen oder zu anderen Aktivitäten, die keine Referate meinerseits erfordern. Ich lasse lieber reden. Männer hören sich gerne reden. Und wenn ich das zulasse, fühlen sie sich verstanden und dominierend. Frauen dagegen reden einfach drauflos, ohne sich manchmal selbst richtig zuzuhören. Ich bin eine Frau, ich weiß, wovon ich rede … oder eben auch nicht. Beim „Actiondate“ gibt es viele Möglichkeiten, Körpersprache einzusetzen, und so herauszufinden, ob das Date Sie mag. Sie können durch eine kurze, fast zufällige Berührung an Unterarm oder an der Schulter testen, ob Ihr Date zurückweicht oder es zulässt. Natürlich gibt es Berührungsphobiker, die hysterisch auf Körperkontakt reagieren, aber das werden Sie ebenfalls schnell herausfinden. Sie können im Theater mit Ihrer Schulter wie zufällig seine berühren und so tun als würden Sie es gar nicht bemerken, als sei es das Natürlichste der Welt. Weicht er nicht zurück, wird es prickeln. Weicht er zurück, genießen Sie das Stück. Ein Museumsbesuch oder eine Ausstellung eignet sich auch deswegen so hervorragend, weil man ein Gesprächsthema hat. Man steht oder sitzt sich nicht frontal gegenüber, sondern steht nebeneinander oder im 90-Grad-Winkel zueinander. Pfeifen Sie darauf, ob Sie die Ausstellung interessiert, es geht hier um Ihr Liebesleben! Als ich noch ein Teenager war, lockte ich meine Dates ins Schwimmbad. Da konnte ich wunderbar deren Figur begutachten. Ich konnte mir das leisten, denn ich war damals in meinem pubertären Größenwahn sehr zufrieden mit meiner Figur. Diese Methode fand ich so lange amüsant, bis der heißeste Typ der Schule mich zum ersten Date von sich aus ins Schwimmbad einlud. Er war Zehnkämpfer. Kleidung Das ist ziemlich einfach: Tragen Sie das, was Ihnen gefällt, was nicht zwickt und worin Sie sich gut fühlen. Zwischen zwei Menschen, die sich eventuell emotional annähern, zählt Authentizität. Was nützt es Ihnen, wenn Sie beim Date den Vamp geben und in Wirklichkeit beim Sex lieber das Licht ausmachen? Das kommt schneller raus, als Sie denken. Also lieber gleich ehrlich. Gleiches gilt für die Männer. Frauen spüren es, wenn ein Mann sich verkleidet. Wählen Sie etwas, das Ihre Persönlichkeit umschmeichelt, aber nicht so aussieht, als hätten Sie stundenlang vor dem Kleiderschrank gestanden. Als Mann muss es so aussehen, als hätten Sie es nicht nötig, sich extra für ein Date rauszuputzen. Männer könnten sich bei einer guten Freundin Hilfe holen, wenn sie unsicher sind. Frauen wissen meist, wie Frauen ticken und können gute Ratschläge geben. Falls Sie keine Freundin zur Hand haben, kann ich Ihnen nur mit meinem persönlichen Geschmack helfen. Eine gute Jeans und ein sauberes T-Shirt oder Hemd tun es meist schon. Frauen dürfen von Schlampe bis First Lady Vollgas geben, je nachdem, was sie erreichen wollen. Der Mann wird genau dahin sehen, wohin Sie seinen Blick lenken. Ein eng anliegendes Oberteil, eine Bluse, die sich an die Form Ihrer Brust anschmiegt, ein T-Shirt, das lässig über eine Schulter rutscht und sie zufällig entblößt. Hohe Schuhe, die Ihre Beine noch attraktiver wirken lassen. Frauen haben einige Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit des Mannes zu erregen und sein Interesse zu wecken. Wenn Sie aber jetzt sagen: „Pah, das reduziert mich doch nur auf mein Äußeres, da nimmt er mich als Mensch ja gar nicht wahr“, haben Sie völlig recht. Aber Werbung muss nun mal erst die Aufmerksamkeit des Kunden erlangen, damit er das Produkt kauft. Ob es gut ist, kommt dann auf das Produkt an. Als ich mal zu einem Date ging und absolut umwerfend aussehen wollte, entschuldigte ich mich geschäftig für mein heißes, kurzes Kleid und meine sagenhaft schönen Pumps: „Sorry, ich war gerade auf einer Veranstaltung. Mann bin ich froh, wenn ich endlich aus den Sachen rauskomme.“ SEX SELLS – TIPPS FÜR FRAUEN Wenn Sie in einer Veranstaltung mit freier Platzwahl einen niedlichen Herrn anvisiert haben, dann setzen Sie sich auf den Stuhl vor ihm und lehnen sich genau so weit nach vorne, dass er gute Sicht auf Ihren String hat, der zufällig dezent aus der Jeans blitzt. Dann fällt Ihnen etwas unter den Stuhl und rollt nach hinten, so dass er es aufheben kann und Sie Ihr strahlendstes und dankbarstes Lächeln gewinnbringend einsetzen können. Zufällig verrutschende T-Shirts sind ebenfalls kein schlechter Einstieg. Zupfen Sie es wieder gerade, wenn Sie nicht zu verrucht wirken wollen. Aber seien Sie sicher: Jede Bewegung wird registriert. Sollte es nicht von selbst verrutschen, dann zuppeln Sie wenigstens daran herum, so dass man den Eindruck hat, es wäre Ihnen „zu eng“. Den Rücken gerade zu machen, erregt sofort die Aufmerksamkeit jedes männlichen Jägers, denn dadurch exponiert sich die Brust unwillkürlich. Wenn Sie sexuell attraktiv sein wollen, ist die sicherste Methode: Denken Sie an Sex! Sobald Sie daran denken, wird sich Ihre Körpersprache anpassen. Es muss dabei ja nicht Ihr Gegenüber sein, an den Sie denken. Je nach Geschmack tun es auch Brad Pitt oder Bruce Willis. Spiegeln Sie Ihr Date gefällt Ihnen? Dann zeigen Sie ihm das, indem Sie sein Verhalten spiegeln. Lehnt er sich nach vorne, tun Sie kurz danach das Gleiche. Schlägt er die Beine übereinander, tun Sie das Gleiche. Stützt er seinen Kopf auf die Hand, tun Sie das Gleiche. Immer so, wie es sich für Sie noch gut anfühlt. Ihr Date wird es als angenehm empfinden. Aber Vorsicht: Machen Sie nicht alles nach! Es mutet seltsam an und könnte Missverständnisse hervorrufen, wenn Sie als Frau seine breitbeinige Sitzhaltung einnehmen und sich dabei womöglich noch entspannt nach hinten lehnen, oder wenn Sie als Mann den Kopf schräg halten, die Beine grazil übereinanderschlagen und die Innenseiten Ihrer Handgelenke präsentieren. Vorsicht Testosteronfalle Es gibt Männer, die benutzen das Wissen über Körpersprache, um sich bei der zu erobernden Dame einen Vorteil zu verschaffen. Sie spiegeln, sie sagen das, was die Damen hören wollen, sie geben sich so, wie sie es in den Flirtratgebern gelesen haben. Ihr Gefühl kann Ihnen in diesem Fall nicht weiterhelfen. Vertrauen Sie lieber auf das zweite, dritte und vierte Date. Seien Sie sich als Frau bewusst, dass er Sie auch nach dem zweiten Date fallen lassen kann, ob Sie nun in der Kiste waren oder nicht. Männer, die testosterongesteuert ihr Saatgut verbreiten wollen, haben meist kein langes Durchhaltevermögen. Die gehen lieber weiter auf Jagd. Sie wollen das ja nicht, aber sie können einfach nicht anders. Missverständnis Ich war einmal zu einem Abendessen in einem Restaurant eingeladen, bei dem ich in unserer Runde einen anbetungswürdigen Herrn mir schräg gegenüber am Tisch entdeckte, den ich gerne kennenlernen wollte. Er schenkte mir aber nicht genügend Aufmerksamkeit, weil er in ein geschäftliches Gespräch mit den anderen Herren am Tisch eingebunden war. Also musste ich schweres Geschütz auffahren. Ich legte meine Hände locker, aber offen auf den Tisch, legte meinen Kopf schräg, um meine Halsflanke zu zeigen, neigte ein wenig das Kinn, damit die Augen größer wirkten, ließ bei geschlossenem Mund den Unterkiefer entspannt, so dass die Lippen voller wirkten und schob meine Brust unmerklich nach vorne. Und ich lächelte. Aber nur so viel, dass es interessiert, aber nicht aufgesetzt wirkte. Während ich mit ihm redete, griff ich den Stiel des Weinglases und drehte und streichelte ihn mit den Fingerspitzen. Der Mann, den ich schon auf dem Weg zum Opferaltar wähnte, beantwortete meine Fragen freundlich und ich scannte seinen Körper nach Signalen ab, die sein Interesse an mir bekunden würden. Ich sah ihm fest in die Augen, um ihn bei mir zu halten, nickte interessiert lächelnd und öffnete nun auch leicht den Mund. Irritiert blickte er mich an. Ich spürte, dass hier irgendwas nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt hatte. Er nahm das Kinn zurück, rutschte auf der Sitzfläche nach hinten, presste sich an die Stuhllehne und starrte mir zurück in die Augen. Hilfe! Wenig später verließ ich den Tisch und gesellte mich zu den anderen, die im Außenbereich standen. Es war mir furchtbar peinlich. Nein, er war nicht homosexuell. Das wäre ja noch eine akzeptable Erklärung gewesen. Wie ich später herausfand, hat dieser Mann generell Komplexe und reagiert auf Frauen extrem zurückhaltend. Besonders auf Frauen, die ihm gefallen … Paarverhalten Ein Mann legt den Arm um seine Frau Er behauptet einen Besitzanspruch? Vollzieht Reviermarkierung? Will seine Partnerin beschützen? Das kommt auf die Umstände an, in denen sich das Paar befindet. Ich spürte schon öfter mal plötzlich den Arm meines Partners auf meiner Schulter, wenn mich ein anderer Mann angelächelt hat. Was machen eigentlich Frauen, um einen Besitzanspruch an ihrem Mann zu demonstrieren? Sie suchen seine Nähe und demonstrieren allen: „Ich darf ihm nah sein. Das ist meiner.“ Sie legen ihren Kopf an seine Schulter, sie haken sich bei ihm unter, sie greifen seine Hand. Sie tun alles, womit sie nach außen zeigen können, dass sie das alleinige Anrecht auf das Eindringen in seine Intimzone haben. „Guten Tag, ich bin die Mandy“ Wenn Sie Streit mit Ihrem Partner haben, sich nicht sicher sind, was er wirklich denkt, achten Sie auf Anomalien in seiner Körpersprache. Anomalien können in allen Bereichen auftreten. Sei es Kleidung, Geruch, Gestik oder Körperhaltung und was sonst noch dazugehört. Betrügt Ihr Partner Sie? Leider kann man allein durch eine veränderte Körpersprache nie mit absoluter Sicherheit sagen, ob der Partner treu oder untreu ist. Dazu müsste man schon ein benutztes Kondom finden inklusive DNA-Test. Aber man kann auf andere Hinweise achten. Ist der Partner fröhlicher als sonst? Ist er schreckhafter als sonst? Duscht er sich plötzlich, nachdem er von der Arbeit nach Hause kommt? Steht plötzlich eine junge Dame neben ihm in der Haustür und sagt: „Guten Tag, ich bin die Mandy“? Dann können Sie eventuell davon ausgehen, dass er Sie betrügt. Wenn Sie Anomalien in seinem Verhalten feststellen, sprechen Sie ihn nicht direkt darauf an, sonst fühlt er sich beobachtet und wird versuchen, alles zu tun, um es besser zu verbergen. Das kann auch witzig werden, wenn er sich dabei überschlägt, aber eigentlich ist es besser, wenn Sie noch ein bisschen sammeln. Das Paar Paare transportieren ihre Zusammengehörigkeit unbewusst durch ihre Körpersprache nach außen. Händchen halten, sich einhaken, Arm in Arm gehen. Es gibt viele Möglichkeiten, die Art, wie ein Paar sich beim Gehen, beim Stehen, beim Sitzen berührt, zu deuten. Am schönsten zu beobachten ist aber die enge Vertrautheit und Verbundenheit, die beide ausstrahlen. Sie suchen die Nähe zu dem Menschen, mit dem sie sich als ein Ganzes fühlen. Paare gleichen sich im Laufe der Zeit aneinander an. Das liegt an den Spiegelneuronen (siehe Seite 53). Sie beginnen sich einem ähnlichen Sprachduktus anzunähern, machen ähnliche Gesten und beginnen sogar ähnliche Gedankengänge zu entwickeln. Das hat den Vorteil, dass sich beide Partner entspannen können und sich sicher fühlen miteinander. Diese mentale Annäherung und wortlose Vertrautheit geschieht übrigens auch bei sehr guten Freunden, die viel Zeit miteinander verbringen. Es ist ein wunderbares Gefühl, vertrauen zu können, sich fallen lassen zu können und nicht mehr aufpassen zu müssen, alles richtig zu machen. Kamera läuft – „Bitte!“ Körpersprache ist wunderbar. Sie eröffnet uns eine neue Sicht auf unsere Mitmenschen. In diesem Kapitel möchte ich Ihnen noch ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben, was Sie bei der Interpretation und auch beim Nutzen von Körpersprache im Hinterkopf behalten sollten. Tipp 1: Beobachten Sie Ertappen Sie sich bei einer Geste? Fassen Sie sich gerade an die eigene Nase? Wunderbar. Überlegen Sie kurz, in welcher Situation dies geschieht. Daraus können Sie Rückschlüsse ziehen, wodurch diese Geste motiviert war, und das wiederum ist hilfreich, wenn Sie bei anderen beobachten, wie sie sich an die Nase fassen. „Sich an die eigene Nase zu fassen“ bedeutet als Redewendung selbstkritisch zu sein, und genau das brauchen wir, wenn wir lernen wollen, wie wir in bestimmten Situationen körpersprachlich reagieren. Beobachten Sie sich selbst. Wippt Ihr Fuß im Sitzen? Warum? Ziehen Sie die Augenbrauen hoch? Warum? Habe Sie das Gefühl, Sie müssten die Arme verschränken? Warum? Hinterfragen Sie Ihre eigene Körpersprache. Bewegungen werden Ihnen plötzlich bewusst werden. Mit Hilfe dieses Bewusstseins lernen Sie zu interpretieren, denn Sie selbst kennen sich am besten. Daraus resultierend entwickeln Sie ein Gefühl für die Körpersprache anderer und vor allem dafür, wie der andere sich fühlt. Beispiel: In einem Vortrag war ich anderer Meinung als der Referent, wollte ihn aber nicht unterbrechen. Es ging im Groben darum, dass er behauptete, der Mensch müsse lernen „gut“ zu sein. Es brodelte in mir. „Der Ansatz ist völlig irreführend“, dachte ich so laut, dass ich befürchtete, mein Vordermann würde sich gleich umdrehen und mich an’pscht’en. Während es in mir brodelte, legte ich mit verschränkten Armen einen Finger auf den Mund. „Soll ich etwas sagen? Oder lieber nicht? Wenn ich etwas sage, dann bremse ich den Vortrag, vielleicht sehe nur ich das so … aber so geht das nicht, er muss seinen Vortrag ändern, die armen Leute werden ja verwirrt“, gackerten die Stimmen in meinen Kopf. Ich rutschte auf meinem Stuhl herum, suchte eine bequemere Position. Endlich war der Referent zu einem anderen Thema übergegangen. Ich beruhigte mich wieder. Scheinbar. Denn mein Fuß begann zu wippen. Ich bemerkte das und erkannte, dass das Thema für mich noch nicht abgeschlossen war. Mein Körper suchte sich ein Ventil, um meine Ungehaltenheit rauszulassen. Es äußerte sich darin, dass ich als erste zum Kekstisch stürmte. Ich wünsche Ihnen, dass Sie von nun an auch derlei Erfahrungen machen. Sie werden sich selbst beobachten und wissen, wie Ihr Körper im Zusammenhang mit dem steht, was Sie erleben oder fühlen. Dieses Wissen wird Ihnen von Nutzen sein, wenn Sie andere interpretieren wollen. Stellen Sie sich vor den Spiegel und beobachten Sie, wie Sie wirken, wenn Sie dies oder das machen. Ziehen Sie Grimassen. Versuchen Sie Gefühle auszudrücken. Lernen Sie sich selbst kennen. Wollen Sie sich nicht die Mühe machen, selbst Grimassen zu erfinden, ahmen Sie andere nach. Den Millionengewinner von „Wer wird Millionär“ im Moment der Fanfare, den Politiker, der wütend auf den Tisch haut, oder den Fußballcoach auf der Bank kurz vor dem Elfmeter. Mich interessierte zum Beispiel, wie sich Peer Steinbrück während des Wahlkampfes zur Bundestagswahl fühlte und warum er nach jeder Aussage seine Lippen aufeinander presste. Ich presste einfach mal mit. Es fühlte sich an, als würde ich hinter jeder Ausführung einen endgültigen Punkt machen: „Das ist meine Aussage und Ende.“ Es suggeriert eine gewisse Verbissenheit und Starrheit. Das Zusammenkneifen der Lippen wirkte leider nicht sehr vertrauenserweckend. Mimik nachzuahmen hilft dank Rückkopplungseffekt, die Emotionen nachfühlen zu können. Toben Sie sich aus, es guckt ja keiner zu. Dankbare Übungspartner sind übrigens Kinder. Die finden das Spiel großartig. Undankbare Übungspartner sind Geschäftspartner während einer Vertragsverhandlung. Tipp 2: Vier Hinweise zu Deutung der Körpersprache Beim Deuten der Körpersprache schauen Sie auf das, was vom üblichen Verhalten abweicht. Lernen Sie daher, Angewohnheiten von emotional gesteuerten Signalen zu unterscheiden. Dazu müssen Sie beobachten. Ich habe mir als Kind jahrelang die Haare hinters Ohr gestrichen. So häufig, dass ich oftmals noch ins Leere griff, als ich eine Kurzhaarfrisur trug. Es war also eher ungewöhnlich, wenn ich diese Bewegung nicht mehr tat. Eine Bekannte hatte sich nach einer langen Erkältung angewöhnt, die Nase hochzuziehen, obwohl definitiv nichts mehr darin war. Was übrig blieb, war das markante Geräusch des Schniefens durch eine leere Nase. Versuchen Sie Angewohnheiten zu erkennen. Kein Teil der Körpersprache sind körperliche Gebrechen oder temporäre, krankheitsbedingte Bewegungen, beispielsweise bei einer Blase an der Ferse, Rückenschmerzen oder einer Pollenallergie. Ich trage relativ kurze Fingernägel, und wenn sie zu lang sind, taste ich sie ständig mit den Fingerkuppen ab. Sobald ich sie wieder kürzer habe, fällt dieser „Tick“ weg. Beachten Sie den Kulturkreis, aus dem der andere kommt. Einfachstes Beispiel ist das asiatische Dauerlächeln. Es kann uns Europäer anfangs reichlich irritieren, wenn wir immerzu angelächelt werden. Das sind wir Deutschen ja gar nicht gewohnt. Es muss sich um ein unbewusstes Signal handeln. Bewusst eingesetzte Gesten, zum Beispiel zum Anzeigen der Höhe des Baumes, den man sich nicht traute zu beklettern, oder das Nachziehen einer Entwicklungskurve des Erfolgscharts der letzten drei Monate mit Händen in der Luft, spielen bei der Interpretation von Körpersprache eine untergeordnete Rolle. Aufschlussreicher ist das, was die beobachtete Person nicht kontrolliert. Tipp 3: Im Unbehagen liegt die Wahrheit Derjenige, den wir interpretieren wollen, muss unter Stress stehen. Etwas sanfter ausgedrückt: Er muss in irgendeiner Art innerlich aufgewühlt sein. Normalerweise ist in uns ständig etwas los. In unseren Köpfen herrscht ständiges Geplapper. Wir sehen etwas und schon denken wir über das Gesehene nach, bilden Assoziationsketten. Selbst wenn wir die Augen schließen, arbeitet unser Gehirn und lässt Bilder in unserem Kopf entstehen. Wir sind also immer auf irgendeine Art „bewegt“. Der interessante Teil der Körperspracheninterpretation beginnt nun, wenn wir von einer Gemütsbewegung oder einem Gedanken mehr als gewöhnlich bewegt werden. Das heißt, sobald Emotionen ins Spiel kommen und wir unter „Stress“ geraten. Ein Mensch reagiert in Stresssituationen mit unbewussten Bewegungen. Das ist der Moment, der uns wertvolle Informationen liefert. „Stress“ kann schon ein leichtes Unbehagen sein. Manche geraten in Stress, wenn sie lediglich auf eine fremde Person treffen und mit dieser auch noch interagieren müssen. Woher sollen sie auch wissen, dass die Person ihnen wohlgesonnen ist? Oder wir müssen dem Partner beichten, dass wir das Auto „ungeschickt“ eingeparkt haben. Es gibt tausende Möglichkeiten, in denen wir uns unwohl fühlen können. In solchen Momenten zeigen wir Verhaltensweisen, die wir sonst nicht zeigen würden. Es gibt aber auch positiven Stress. Sei es das aufgeregte Herzklopfen beim Anblick eines für uns attraktiven Menschen, eine Überraschung, mit der wir nicht gerechnet haben, oder ein kleiner Lottogewinn von ein paar hunderttausend Euro. Auch Erleichterung beim Erhalt einer guten Bewertung, anstelle der erwarteten Kündigung, kann positiven Stress auslösen. Wir freuen uns, wir sind überrascht, erleichtert, machen emotional gesteuerte, unbewusste Gesten, richten unseren Körper auf und drehen unsere Fußspitzen in die Richtung des oder der Angebeteten oder des Bankangestellten, der uns zu viel auszahlt. Tipp 4: Achten Sie auf die „Bewegungstraube“ Die Person, die wir interpretieren, steht also unter Stress, die Signale sind unbewusst und keine Angewohnheiten, sie lässt keine Gebrechen vermuten und sie stammt aus dem gleichen Kulturkreis wie wir – nun gilt nur noch eines: Achten Sie auf ein zweites Signal, das in die gleiche interpretative Richtung geht. Das heißt, die Person, die möglicherweise Fluchtgedanken hat, sollte mindestens einen Fuß zum Notausgang gerichtet haben und sich den Nacken reiben. Wenn sie nun noch zusätzlich auf den Stuhl herumrutscht, dürfen Sie das Fenster öffnen, dann ist sie schneller draußen. Der Managementtrainer Rolf Ruhleder nennt das eine „Bewegungstraube“. Oder Sie bemerken zwei positive Signale bei jemandem, der sich in einer Bar mit einer Dame unterhält, die er gut findet: Er baut mit einem Arm eine Barriere gegen Eindringlinge und leckt sich in erwartungsvoller Vorfreude über die Lippen. Versuchen Sie Ihre Interpretation durch Nachfragen zu verifizieren. „Ich habe das Gefühl, du denkst so laut, dass ich es fast hören müsste, aber ich verstehe es nicht.“ Oder Sie sprechen die Person direkt auf das an, was Sie vermuten: „Habe ich das verständlich erklärt, du siehst ein wenig irritiert aus?“, und schieben schnell hinterher: „Es kann schon sein, dass ich mich gerade verheddert habe“, damit er sich nicht angegriffen fühlt. Wenn sich mindestens zwei Signale in Richtung Unaufmerksamkeit bewegen, fällt mir nur noch eins ein: „Kaffee?“ Beachten Sie immer die momentane Situation, während Sie Körpersprache interpretieren. Nehmen Sie auf, in welcher Umgebung sich die Person befindet. Beziehen Sie in Ihre Überlegungen mit ein, dass die Person sich nur selbstsicher gibt, anstatt es zu sein. Kleine Signale (mindestens zwei davon) können sie entlarven. Ein selbstsicher wirkender Mann, dessen Hand lässig in der Hosentasche steckt, hat womöglich sein Kinn etwas zurückgenommen. Er spricht begeistert über einen Auftrag, den er gerne an Land ziehen würde. Sie können kein weiteres Signal feststellen. Oder doch? Bewegen sich da nicht die Finger in seiner Hosentasche? Jetzt dürfen Sie spontan und höflich nachfragen: „Brauchen Sie noch etwas dafür?“ Rauft er sich nun die Haare und stampft auf den Boden, während er nervös ausruft: „Ja! Zeit!“, können Sie davon ausgehen, dass Sie mit Ihrer Interpretation richtig lagen. Tipp 5: Halten Sie Distanzzonen ein! Kommen Sie jemandem nur so nahe, wie er es zulässt, ohne sich zu verschließen. Halten Sie sich an die Distanzzonen, die wir in unserem Kulturkreis gewohnt sind, zum Beispiel eine Armlänge Abstand für persönliche Gespräche (siehe Seite 49). Wenden Sie den Oberkörper ab und schützen Sie sich mit der Schulter, wenn Ihnen jemand zu nah kommt. Um herauszufinden, ob jemand Sie mag, dürfen Sie kurz an ihn heranrücken, aber nur, um zu testen, wie er reagiert. Seien Sie gefasst, wenn Ihr Chef Sie zu einer Unterredung in sein Büro gebeten hat und sich nun weiter als ca. 1,50 Meter (in der geschäftliche-wirtschaftlichen Distanz) entfernt positioniert. Das könnte ein unangenehmes Gespräch werden. Tipp 6: Es kommt auf die Bühne an Die Umgebung bzw. Situation spielt eine enorme Rolle, wenn wir einschätzen wollen, wie sich jemand fühlt. Um Körpersprache richtig zu lesen, müssen wir verstehen, wie unser eigener Körper auf unsere Umgebung wirkt, bzw. wie die Umgebung uns beeinflusst. Bahnt sich eine Schlägerei in unmittelbarer Nähe an, werden wir wohl eher „Fluchtverhalten zeigen“ als uns mit einem Caipirinha entspannt in einen Liegestuhl zu setzen und zuzusehen. Auf einer Party, bei der es lustig und gelöst zugeht und auf der wir unter Freunden sind, werden wir uns schneller wohlfühlen als auf einem Empfang der „Arbeitsgemeinschaft Umgangsformen International“. Im Warteraum beim Zahnarzt findet man selten völlig entspannte Patienten und vor dem Beschwerdeschalter bei Ikea keine gleichmütigen Kunden. Kaum einer fühlt sich frei, wenn er das erste Mal seine Internetbekanntschaft trifft, und bei einem Streit um den letzten Angebotsrasenkantenschneider bei Aldi kann man eindeutige nonverbale und verbale Signale feststellen. Mein Sohn hatte mit neun Jahren die Angewohnheit, in aufregenden Situationen die Lippen zu spitzen und seine Zunge im Mund zu bewegen. Die Zungenbewegung allein gab keinen Aufschluss darüber, was in ihm vorging. Besonders aufgefallen ist mir das, als er beim Dreh der „Küstenwache“ zusehen durfte, bei der sein Vater Regie führte. Das Boot mit den Gangstern fuhr aufs Meer und die Küstenwache verfolgte sie. Mein Sohn stand am Steg und beobachtete gespannt die Szene und alles, was um ihn herum passierte. Es könnte sein, dass er unterbewusst versuchte, ein Problem zu „erschmecken“. Oder dass er sich durch Autoberührung selbst beruhigte. Oder vielleicht wollte er einen Gedanken aus seinem Mund schieben. Seine Körperhaltung war offen, er trat von links nach rechts und reckte den Hals. Wenn man nun die Gesamtsituationen betrachtete, war zu erkennen, dass er hochkonzentiert war und alles, was er sah, in sich aufsaugte. Für eine Interpretation war hier die Umgebung bzw. Situation ausschlaggebend. Tipp 7: Ich liebe dich Es gibt eine Schauspielübung, die mich so sehr beeindruckt hat, dass ich sie gerne an Sie weitergeben möchte. Sie demonstriert anschaulich, wie sehr sich ein Satz verändert, sobald man ihn mit unterschiedlicher Mimik begleitet. Stellen Sie sich vor einen Partner Ihres Vertrauens, machen Sie ein freundliches Gesicht und sagen Sie: „Ich liebe dich“. Dann schauen Sie finster und sagen das gleiche noch einmal. Nun machen Sie das Spiel mit „Ich hasse dich“. Lächeln Sie und sagen liebevoll „Ich hasse dich“. Dann setzen Sie ein böses Gesicht auf und sagen „Ich hasse dich“. Sollten Sie sich nicht trauen, es mit einer Person auszuprobieren, dann probieren Sie es vor einem Spiegel. Spannender für Sie ist natürlich, wie Ihr Gegenüber auf die verschiedenen Varianten reagiert. Sie lernen dabei mit einem Schlag, welche Bedeutung Mimik und innere Haltung den Worten verleihen, die Sie sprechen. Die weichgespülte Version ist mit Worten zu spielen, die weniger emotional aufgeladen sind: „Ich mag dich“, „Du bist doof“ oder „Du hast den Müll schon wieder nicht rausgebracht“. Probieren Sie es aus. Es kostet nichts außer einem Atemzug. Tipp 8: Komplettkatastrophe Was ist, wenn sich ein Gespräch zu einem Desaster entwickelt? Sie merken genau, dass sich die Situation zuspitzt und sich die Fronten verhärten? Sie haben jetzt mehrere Möglichkeiten. Sie atmen tief durch und unternehmen noch einen Versuch der Schlichtung mithilfe von einfühlsamer Kommunikation. Sie ziehen sich in sich zurück und denken sich: „So ein Arschloch“, stimmen dem Gesprächspartner aber höflich zu. Sie stellen sich vor, wie sich die Krawatte Ihres Gegenübers im Dokumentenschredder verfängt, und lauschen in Ihrem Kopf den hilfesuchenden Würgegeräuschen. Wenn die Situation so ist, dass es im Moment keine Änderung geben wird, lehnen Sie sich zurück. Betrachten Sie den ohnehin schon abgefahrenen Zug, wie er gemächlich aus dem Bahnhof rollt. Neue Züge kommen alle zehn Minuten. Videos und weiterführende Lesetipps Youtubevideos Birkenbihl, Vera: Menschen beeinflussen Fischbacher, Arno: Die Macht der Stimme Garcia, Isabel: Ich rede Grungor, Mark: Tale oft wo brains Pease, Alan: Body language with Alan Pease Verra, Stefan: Ihr fragt, Stefan antwortet Lesetipps Havener, Thorsten: Ich weiß, was du denkst Hey, Julius und Reusch, Fritz: Der kleine Hey Molcho, Samy: Körpersprache Ruiz, Don Miguel: Four argeements Stefan Spies: Authentische Körpersprache Weingardt, Beate M.: Faszination Körpersprache Impressum Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. 978-3-86910-560-4 ISBN der gedruckten Originalausgabe: 978-3-86910-487-4 ISBN des PDF-E-Books: 978-3-86910-559-8 Die Autorin: Yvonne de Bark ist Schauspielerin, Buchautorin und Bloggerin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Mitwirkung in populären TV-Serien wie „Die Motorrad Cops“, „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“, „Unter uns“, „Küstenwache“ und „Schloss Einstein“. In den letzten Jahren hat sie sich als Autorin von witzigen Erziehungsratgebern wie „Das Mama-Trost-Buch – Auch andere Mütter erziehen Monster“ oder „Mamas wissen mehr – das schräge Fachwissen der Mütter“ einen Namen gemacht. Yvonne de Bark lebt mit ihren zwei Kindern in der Nähe von Köln. Originalausgabe © 2014 humboldt Eine Marke der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbh & Co. KG, Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover www.schluetersche.de www.humboldt.de Autorin und Verlag haben dieses Buch sorgfältig geprüft. Für eventuelle Fehler kann dennoch keine Gewähr übernommen werden. Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden. Lektorat: Annette Gillich-Beltz, Essen Covergestaltung: Kerker + Baum Büro für Gestaltung, Hannover Coverfoto: Wim Woeber, Köln Fotos Innenteil: Alex Spiering, Hannover EPUB: PER Medien+Marketing GmbH, Braunschweig